„Feuerspringer“, Gemälde von Magda Langenstrass-Uhlig (1919), heute in der Sammlung Gudrun Haberstroh; ausgestellt wurde das Gemälde auf der Ausstellung „Sturm-Frauen“ im Herbst 2015 in der Schirn-Kunsthalle, Frankfurt am Main (Photo: Christian Meyer, November 2015)

 

Abb.: Johannisbrotbaum; Abb. aus https://de.wikipedia.org/wiki/Johannisbrotbaum#Erscheinungsbild_und_Blatt.

Die Johannisbrotschote (auch Karube) ist anfangs grünlich, als reife Hülsenfrucht violettbraun, glänzend und flach  (10 - 30 cm lang, 1,5 - 3,5 cm breit und ca. 1 cm dick). Sie kann gerade oder gebogen sein, hat einen wulstigen Rand und eine ledrige, harte Schale. Ungefähr ein Jahr nach der Befruchtung wird die Frucht reif und kann noch monatelang am Baum hängen bleiben. Jede Schote enthält 10 - 15 Samen, die getrennt in dem Mesokarp (gr. „Mittel – Frucht) liegen - dem süßlichen  Gewebe zwischen Schale und Samen. Die Samen sind extrem hart, glänzend und braun, 8 - 10 mm lang, 7 - 8 mm breit und 3 - 5 mm dick.

Im biblischen Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ (Luk 15) wird von Schoten (in Luthers Übersetzung von „Trebern“) gesprochen, die als Viehfutter dienen; gemeint sein könnten – wird vermutet - die Früchte des Johannisbrotbaumes.  

Die Entstehung des deutschen Namens „Johannisbrot“ ist umstritten: Einerseits könnte die Johanniter an der Verbreitung des Johannisbrotbaumes beteiligt gewesen sein. Andererseits soll Johannes der Täufer sich in der Wüste von den Früchten und Samen - genauer „Heuschrecken und wilder Honig“ (Mat 3, 4), - ernährt haben. Unter „wildem Honig“ könnte ein Produkt aus den Früchten des Johannisbrotbaums gemeint sein. Möglich wäre auch, dass ein Schreibfehler zu den „Heuschrecken“ führte: Die hebräischen Begriffe für Heuschrecken (חגבים = hagavim) und Johannisbrotbäume (חרובים = haruvim) sind ähnlich.

Schon aus ökologischen Gründen erscheint die Erhaltung und Anpflanzung von Johannisbrotbäumen nützlich, sie schützen durch ihre tiefen Wurzeln den Boden, schützen vor Sturmschäden und vor Erosion, liefern Schatten, Futter und Lebensraum für Tiere. Schließlich erhalten sie den Charakter der Landschaft sowie traditionelle Arbeitsplätze.

 

Abb.: „Johannisfest“, im Original „La Fête de Saint-Jean“; Gemälde, 1875, von Jules Breton (1827-1906); heute befindet sich das Bild im Museum of Art, Philadelphia/Pa

24. Juni

 

Johannistag, regional auch „Sommerweihnacht“, ein katholisches Hochfest, ein Lostag im Zusammenhang mit Bauernregeln.

An diesem Tag feiern die christlichen Kirchen

seit dem 4. Jhdt. den Geburtstag von Johannes dem Täufer (port. „São João“, russ. „Iwan Kupala“ = der Täufer), der als Vorläufer, als Wegbereiter Jesu angesehen wird, und der Jesus im Jordan taufte (vgl. Epiphanias, 6. Januar).

Schon der Hl. Augustinus (354 - 430) kennt für Afrika das Fest an diesem Termin. Bestimmend für die Datierung war die Vorgeschichte der Geburt Jesu, wie sie vom Evangelisten Lukas berichtet wird (Lk 1, 5–80). Genau sechs Monate vor der Geburt Jesu (Weihnachten, am 25.12.) wird das Datum der Geburt Johannes’ festgesetzt (25.06.). Denn in Lk 1,26 wird berichtet, Elisabeth (die Ehefrau des Priesters Zacharias und Cousine Marias), die Mutter des Johannes, sei im sechsten Monat schwanger gewesen, als der Engel Gabriel der Maria verkündete, sie werde ein Kind empfangen.

 

Biblischer Hintergrund ist die Geschichte von frommen, sehr betagten Eheleuten Zacharias und Elisabeth, die trotz ihres Alters einen Sohn, Johannes, erhalten (vgl. Lk 1, 57 – 66, vgl. Inkarnation Johannis Bapt., 24. September). Der Lobgesang des Zacharias wird zum „Benedictus“ der katholischen Messe (vgl. Lk 1, 67 - 79). 

Nach dem Matthäus–Evangelium stellte Jesus Johannes den Täufer noch über Mose und Elia, denn es heißt dort: „Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen, der größer sei denn Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer denn er“ (Matth 11, 11).

Hochverehrt wird Johannes der Täufer auch von den Mandäern

 

Im Islam gilt Johannes der Täufer (Yahya) als ein hochverehrter Prophet. In der Damaszener Umayyaden – Moschee (errichtet seit 708 [1] ) wird bis heute in der Ädikula (Kuppelbau) im Ostteil das angebliche Haupt des Täufers aufbewahrt (vgl. Abb. unten).

In seinem „Rosengarten“ berichtet Sa’di von Wallfahrten zum Grabe des Johannes: „Als ich eines Jahres in Andacht auf einem Kissen des Grabmals des Propheten Johannes – Heil sei über ihm – in der Hauptmoschee zu Damaskus kniete, kam ein König aus Arabien … zufällig als Wallfahrer dorthin, verrichtete sein Gebet und seine Anrufung und sprach seine Bitten“ (Sa’di, S. 48, a.a.O.).

Der 24. Juni ist gleichzeitig der historische Tag der Sommersonnenwende, nach der Julianischen Kalenderreform einer der Quartalstage. In vielen christlichen Ländern gibt es eine Fülle von Brauchtum, das zum größten Teil „heidnischen", vorchristlichen Sonnenwendriten entstammt.

Das vor allem auf Bergen stattfindende Johannisfeuer (auch: Würzfeuer) hängt vermutlich zusammen mit der gleichzeitgen Sonnenwende, weshalb es oft auch Sonnenfeuer bzw. Sonnwendfeuer heißt. Es ist ein erstmals seit dem 12. Jhdt., seit dem 14. Jhdt. häufig belegter Brauch in der Nacht vor dem Johannistag.

Dem Volksglauben nach sollte das Johannisfeuer böse Geister vertreiben, Krankheiten, Viehschaden und die Geburt misswüchsiger Kinder abwehren. Insbesondere sollten auch Hagelschäden abgewehrt werden. Vielfach waren Johannisfeuer „Hagelfeuer“.

 

Ähnliche Wirkungen wurden auch den Strohpuppen zugesprochen, die man in manchen Gegenden ins Feuer wirft („Hanslverbrennen“). Diese vielfältigen erwarteten Wirkungen des Johannisfeuers zeigen die hohe Popularität des Täufers, dem generell starke Schutz- und Fürbittkräfte zugesprochen wurden. Ein Beleg dafür ist die im Mittelalter außergewöhnlich starke Verbreitetung der Namen Hans, Johannes, Jan, Jean. Iwan usw.. Die Namensgebung bedeutete damals, dem Kind den entsprechenden Heiligen als Schutzpatron zuzueignen.

 

Besonders in ländlichen Regionen Skandinaviens, Norddeutschlands und auch Griechenlands ist es weit verbreitet, daß die jungen Männer am Johannistag über ein Johannisfeuer (Sonnenwend–Feuer, in der Steiermark „Sunnawenhansl – Frohfeuer“) springen. Früher, bis in die Mitte des 19. Jhdts., sprangen zuweilen auch Liebespaare gemeinsam über das Johannisfeuer, damit ihrer Liebe weiterhin Glück beschert sei. Wenn ein Paar sich bei diesem Sprung nicht losließ, so deuteten dies die Menschen früher als ein gutes Zeichen für eine bald bevorstehende Hochzeit.

Der Sprung über das Feuer (vgl. Abb. oben) soll Unheil verhindern, er reinigt von Krankheit und wirkt umso besser, je mehr Personen über das Feuer springen. Für Kinder war der Sprung mehr als eine Mutprobe, das Feuer sollte reinigen und vor Krankheiten schützen.

Vor dem Erlöschen des Feuers warfen die jungen Frauen den Blumenstrauß, den sie zum Festkleid trugen, in die verlöschenden Glut und sprachen: „Wie dieser Kranz möge all mein Mißgeschick verbrennen und in Nichts zerfallen.” Die Asche des Johannisfeuers wurde als Segen auf die Felder gebracht.

In anderen Regionen bewahrten junge Frauen den Johannisstrauß unter dem eigenen Kopfkissen auf, um das Liebesglück zu erhalten.

Theologisch werden die Johannisfeuer als ein altes Sonnensymbol gedeutet und stehen dadurch auch für Christus.

Johannes der Täufer selbst hat einen Feuerbezug. Er gilt als Vorläufer Jesu und es heißt bei Maleachi [1a]: „Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt! spricht der HERR Zebaoth. Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge der Wäscher“ (Maleachi 3,1-2).

Auch führte Johannes aus, dass der, der nach ihm komme, mit „Feuer und mit Geist“ taufen werde (Matt 3,11).

Bergsymbolik ist auch im „Lobgesang des Zacharias“ (des Vaters von Johannes) zu finden, wenn er über seinen neugeborenen Sohn weissagt: „Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du ... Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk ... durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe“ (Luk 1,76-78).

 

In Deutschland ist der Johannistag traditionell der Tag des „letzten Stichs“ bei der Spargelernte (vgl. Tagesspiegel, 24. Juni 2014, S. 1). Die Folien werden nun entfernt und die Feldpflege beginnt. Die Spargelpflanze soll so genügend Zeit zur Regeneration haben, sich auf den Frost des kommenden Winters vorzubereiten. Der Tag wird deshalb auch „Spargelsilvester“ genannt.

Hergebrachte Bauernregeln dazu lauten:

„Stich den Spargel nie nach Johanni“

„Kirschen rot, Spargel tot“

Spargelpflanzen können – bei angemessener Pflege – mehr als 10 Jahre beerntet werden.

 

Nach einer weiteren Bauernregel ist der 24 Juni auch der letzte Tag, an dem noch Rhabarber geerntet werden sollte.

Um den  Johannistag erreichen die Johannisbeeren [2] ihre Erntereife und die Johanniskäfer (Glühwürmchen) schwärmen.  Es handelt sich um Zeigerpflanzen und -tiere die nach dem Johannistag benannt wurden.

 

Zum Johannistag gehörten früher Johanniskränze aus siebenerlei oder neunerlei Kräutern und Pflanzen, z.B. Bärlapp, Beifuß, Eichenlaub, Farnkraut, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen. Der Beifuß wird bis heute auch Sonnwendgürtel genannt, weil man einst mit dieser Pflanze umgürtet durch das Feuer sprang und ihn anschließend in die Flammen warf. So glaubte man seine Krankheiten für das folgende Jahr zu „verbrennen“. Die Königskerze (Verbascum) heißt auch Sonnwendblume und steckte als wichtigstes Zubehör meist in der Mitte des Johannistag - Kräuterbuschels

Die Kränze wurden über Tür und Fenster gehängt, um vor Geistern und Dämonen zu schützen, die in der Johannisnacht spukten. In Sachsen und Thüringen warf man den Kranz über das Haus, damit der Segen wirkte. Gekreuzte Besen vor Türen und Toren sollten Spukgestalten abwehren; ein Johanniskranz unter dem Kopfkissen brachte Glück in der Liebe, gleichfalls ein Blütenteppich unter dem Esstisch, das so genannte „Johannisstreu”.  Von Johann Wolfgang von Goethe stammen die Verse:

Johannis-Feuer sei unverwehrt,

Die Freude nie verloren!

Besen werden immer stumpf gekehrt

und Jungens immer geboren“.

 

Am Vorabend des Johannistages besuchten früher oft Angehörige die Gräber auf dem Friedhof und schmückten sie mit Blumen und Rosenstöcken.

 

Einer traditionellen Überlieferung nach kommt in der Johannisnacht das Petermännchen, der fürstentreue, gutmütige, aber zu Scherzen aufgelegte Schlossgeist zu Schwerin, mit einem Kahn über den See. Es legt an der Grotte an und geht durch den Grotteneingang ins Schloß um dort sein (Un-) Wesen zu treiben (vgl. Falk, S. 4, a.a.O.).

In der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ (am Johannistag 1868 in München uraufgeführt, mit triumphalem Erfolg) schildert Richard Wagner im II. und III. Akt den festlichen spätmittelalterlichen Johannistag. Die Lehrbuben singen:

„Johannistag! Johannistag,

Blumen und Bänder soviel man mag.…

Johannistag! Johannistag,

Da freit ein jeder, wie er mag:

der Meister freit,

der Bursche freit,

da gibt's Geschlamb und Geschlumbfer.

Der Alte freit

die junge Maid,

der Bursche die alte Jumbfer!

Juchhei! Juchhei! Johannistag!“

   

Der Johannisbrotbaum hat vielleicht mit Johannes dem Täufer, nichts aber mit dem Johannistag zu tun. Der Johannisbrotbaum (bot. Ceratonia siliqua, auch Karubenbaum oder Karobbaum) ist eine im Mittelmeerraum und in Vorderasien verbreitete Pflanzenart aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae; vgl. Abb. oben). Er ist ein immergrüner, äußerst hitze- und trockenresistenter, von 10 bis 20 m hoher Baum, der allerdings empfindlich auf Frost reagiert. Deshalb ist er selten in Höhen über 500 m zu finden.

 

Shakespeares „Sommernachtstraum“ trägt im englischen Original den Titel „A Midsummer Night’s Dream“: „Midsummernight ist die Nacht vom 23. auf den 24. Juni (Johannisnacht). Altem Volksglauben zufolge droht in dieser Nacht nach sommerlicher Hitze der Ausbruch des sprichwörtlichen Mittsommerwahnsinns (midsummer madness), der die Menschen um den Verstand bringt, so dass ihre Phantasie, ungezügelt von kontrollierender Vernunft, die wildesten Blüten treibt und empfänglich wird für die magischen, dunklen Kräfte der Natur – der Wahnsinn regiert, aller Alltagssinn löst sich auf. Laut Volksglauben können junge Leute in dieser Nacht herausfinden, wer ihr zukünftiger Ehepartner sein wird“ (vgl. Shakespeare, „Sommernachtstraum“, in den Anmerkungen der Neuübersetzung von Frank Günther, a.a.O.). 

Um „alles Unglück für das kommende Jahr abzuwaschen”, gehörten mancherorts „Quellgänge” zum Johannistag. Es musste fließendes Wasser aus Quellen oder Bächen sein, mit dem man die mit Blumen geschmückten Frauen besprengte.

In der Region um die portugiesische Stadt Porto sind die Bräuche zur Johannisnacht direkt verbunden mit vorchristlichen Fruchtbarkeitsriten. Zur Stärkung der "männlichen Kraft" wird den Männern mit den großen, kugeligen Blütenständen des Porrée oder - heutzutage - mit farbigen Plastikhämmern auf den Kopf getippt. Johannisbrot z. T. in Gestalt des männlichen Geschlechtsorgans wird verkauft und verspeist. Während der ganzen Nacht sind die sozialen Barrieren vermindert, zu Musik und Feuerwerk etc. wird bis zum Morgengrauen getanzt und gefeiert. 

In Ragow (am Rande des Spreewaldes) findet am Johannistag das Stollereiten statt (in anderen Dörfern der Region auch an anderen Tagen), ein Pferdewettrennen vermutlich sorbischen Ursprungs. Manche Frauen tragen zu diesem Fest auch heute noch die traditionelle Spreewälder Tracht. Als Rennbahn dient ein Stoppelfeld. Die Sieger erhalten als Preis einen Stollen, daher der Name. Wer in Ragow als letzter ins Ziel kommt, erhält als Trostpreis ein mit bunten Bändern geschmücktes Tonpfeifchen (vgl. Ufer, S. 21 /22, a.a.O.).

 

Norbert Elias berichtet in seinem „Prozess der Zivilisation“ über die besondere Sitte zum Fest des Johannistages im Paris des 16. Jhdts. „… ein oder zwei Dutzend Katzen lebendig zu verbrennen.“ Der tierquälerische Brauch war weithin berühmt, von fern und nah versammelten sich Zuschauer: „Festliche Musik spielte auf. Unter einer Art von Gerüst wurde ein mächtiger Scheiterhaufen errichtet. Dann hing man an dem Gerüst einen Sack oder Korb mit den Katzen auf. Sack oder Korb fingen an zu glimmen. Die Katzen fielen in den Scheiterhaufen und verbrannten, während sich die Menge an ihrem Schreien und Miauen erfreute. Gewöhnlich waren König und Hof anwesend“ (Elias, Bd.I, S. 374, a.a.O.).

Oft hatten der König oder der Dauphin die (zweifelhafte) Ehre, den Scheiterhaufen anzuzünden.  Auf besonderen Wunsch König Karls IX. (reg. 1560 – 74) wurde einmal ein Fuchs gefangen und mit verbrannt. Norbert Elias sieht in dem Verschwinden z.B. dieser Form öffentlichen Quälens ein Beispiel für die mäßigende, dämpfende Affekttransformation im Prozess der Zivilisation. 

 

Die enorme Popularität Johannes des Täufers im Mittelalter kann man nicht nur an der weiten Verbreitung seines Namens in den Formen „Johannes”, „Hans”, „Jean”, „Juan“ „Giovanni“, „Jan“ oder „Iwan“ erkennen, sondern auch an den verdeckenden Bezeichnungen: für Hans gibt es eine Fülle von Beispielen wie z. B. Hanswurst, Prahlhans, Schmalhans, Hans-Guck-in-die-Luft, "gehänselt" werden mag niemand. Auch in der Pflanzen- und Tierwelt hat der Täufer seinen Namen hinterlassen: z.B. Johannisbeere, Johanniskraut, Johannisbrot und Johanniswürmchen (Glühwürmchen) belegen dies.

 

In Florenz (San Giovanni ist Schutzpatron der Stadt Florenz) wird am Johannistag (und zuvor am 1. Maisonntag) der farbenprächtige Calcio in Costume (ital. „Fußball in historischen Kostümen“) begangen.

Schon im Mittelalter spielten die Söhne der Patrizierfamilien dieses ruppige Ballspiel, das mehr an Rugby als an Fußball erinnert.

In jeder Mannschaft sind 27 Spieler, aus den jeweiligen Stadtvierteln (rione) werden nur die Gewandtesten und stärksten ausgewählt, oft Ringer und Boxer. Aber auch für die Söhne der alten florentiner Familien ist die Teilnahme bis heute eine Ehre und sehr begehrt.

In mittelalterlichen Kostümen und Rüstungen versammeln sich die Mannschaften vor Santa Maria Novella und ziehen gemeinsam zu der Piazza della Signoria, wo das Spiel beginnt, „.... eine so grandiose Massenprügelei, dass der Nichtflorentiner den Eindruck hat, die Fehden zwischen Guelfen und Ghibellinen seien wieder ausgebrochen“ (vgl. Zitzewitz, S. 90, a.a.O.).

Der siegreiche Rione brät zum Abschluss einen Ochsen am offenen Feuer und der Wein fließt in Strömen. 

Zu dem Calcio in Costume verkauft die Stadt Florenz Eintrittskarten für die Vorführung auf der Piazza della Signoria.

 

Der Johannistag nennt sich auf russ. „Fest des Iwan Kupalo“, in ostslawischer Tradition gilt die Johannisnacht bis heute als „Nacht auf Iwan Kupalo“ (in der Nacht vom 6. zum 7. Juli).

„Kupalo“ ist einerseits ein altslawischer, vorchristlicher Gott, der mit „Unzucht“, Ernte und Fruchtbarkeit verbunden war, das Kupalo - Fest (auch„Kupalnitza“) war ein „heidnisches“ Feuer- und Wasserfest. Zum anderen bedeutet Kupalo auch „taufen“ [3] , Iwan Kupalo ist also Johannis der Täufer, in dem Fest haben sich - von der orthodoxen Kirche akzeptiert - vorchristliche und christliche Vorstellungen verschmolzen. 

In vorchristlicher Zeit  opferte man dem Kupalo zum Beginn der Erntezeit; zur Sommersonnenwende, auf freiem Felde wurden große Holzhaufen angezündet. Junge Männer und Frauen tanzten bekränzt um das Feuer herum; dann die Bauern trieben ihr Vieh durch diese Feuer, das sollte sie vor Krankheiten und schädigenden Dämonen beschützen.

 

Der Johannistag war (und ist) in vielen Regionen Europas auch verbunden mit allerlei Aberglauben

Nach dem Volksglauben könnten in dieser Nacht Wunder geschehen, der Tau und die Kräuter seien heilsam und Wasser habe eine wundersame Reinigungskraft.

Nach alter traditioneller Vorstellung blüht das Farnkraut nur ein Mal pro Jahr, in der Nacht vor dem Johannistag, vor Iwan Kupala. Mit der Farnkrautsblume, die um Mitternacht für wenige Augenblicke blühe und sogleich Samen erzeuge, seien besondere Zauberkräfte verbunden. Diese kann man nur bekommen, wenn man besondere Regeln und Beschwörungspraktiken befolgt.  So darf man in der Adventszeit nicht beten, keine Kirche besuchen, kein Weihwasser berühren etc. In der Johannisnacht müsse man dann – nach bestimmten Legenden - zwischen elf und zwölf Uhr nachts zu einem Kreuzweg gehen. Über den Weg müssen schon Leichen zum Friedhof getragen worden sein, sonst ist er ungeeignet. Dort erscheinen dann viele warnende Verstorbene, die versuchen, das Vorhaben zu vereiteln. Genau um zwölf Uhr kommt der schwarze Jäger und übergibt eine Tüte mit Farnsamen. Mit deren Hilfe kann man alle Schätze sehen und heben, sich unsichtbar machen und die Sprache der Tiere verstehen. Sie schaffen eine glückliche Hand bei allen Vorhaben, sie helfen die Gunst der Frauen zu erlangen,  auch Kristalle und Erdspiegel aufzufinden, in welchen man alles erkennen kann, was in und auf der Erde geschieht. .

Auch in den baltischen Staaten ist der Johannistag – nach Weihnachten – das wichtigste Fest im Jahreskreis. 

Die estnische Schriftstellerin Aimée Beekman (*1933) erzählt in ihrem 1978 erschienenen Roman  „Partnerwahl“ (a.a.O.) von estnischen traditionellen Bräuchen. So in einem Park einer kleinen unbenamsten Stadt, in den die Leute „ … an Johannistag, zur Sommersonnenwende … kamen, wenn sie alte Autoreifen verbrannten und, unter Bäumen sitzend, die Flaschen kreisen ließen, - wie es überall üblich war. Nicht ausgeschlossen war auch, daß auf dem Fest der weißen Nächte Mädchen betrunkene Jungen von hier aus ins Dickicht lockten. Als Vorwand diente immer die uralte unerreichbare Farnkrautblüte“ (Beekman, S. 58, a.a.O.).     

Vielfach nahm man traditionell im Baltikum an, diese Blüte würde Glück, Reichtum und sogar Hellsichtgkeit verschaffen.  

Die Fortpflanzung der verschiedenen Farnarten stellte früher ein großes Rätsel dar,  man fand bei Farnen weder Samen noch Keimlinge, - das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Deshalb galten Farne als Zauberpflanzen. Tatsächlich  gehören alle Farnarten zu den Gefäßsporenpflanzen. Sie bilden weder Blüten noch Früchte aus und vermehren sich - im Gegensatz zu den Blütenpflanzen, die sich über Samen vermehren - mittels ihrer Sporen, die sich gewöhnlich auf ihrer Laubunterseite befinden.

 

Einst wurde auf ländlichen Märkten oft gerufen: „Johannishand – Glückshand“. Verkauft wurde dann eine „Glückshand“,  ein Handamulett, eine in Form einer Hand geschnitzte, sprossende, in der Johannisnacht ausgegrabene Wurzel von Farnen. Sie sollte Erfolg im Spiel und in der Liebe bringen. In der Geldbörse getragen, sollte das Geld nicht ausgehen. Auch sollte die Johannishand gegen Hexerei, Zauber und z.B. gegen die Behexung von Vieh helfen.

 
In Teilen der West – Ukraine sind bis heute in der Nacht  Tänze, Reigen, Sprünge über das Feuer, Lichter- und Blumenkränze auf dem Wasser, rituell – ekstatische Bäder verbreitet (vgl. Andruchowytsch, S. 304, a.a.O.). 

In ganz Russland spritzen sich an dem Iwan–Kupalo - Tag bis heute die Kinder und auch viele Erwachsene mit Wassereimern und – flaschen gegenseitig nass.

Der galizische Lehrer, Komponist und Publizist Anatol  Wachnianyn (1841 - 1908). komponierte zwischen 1870 und 1890 seine Oper „Kupalo“ die erste ukrainische Oper überhaupt. 

 

Seit 1834 wird der Johannistag von den Franko-Kanadiern als Nationalfeiertag begangen. In Folge dessen erklärte 1908 Papst Pius X. Johannes den Täufer zum Schutzpatron der Franko-Kanadier. Seit 1977 schließlich ist der Johannistag in Québec ein arbeitsfreier „Nationalfeiertag“.  

 

In Brasilien, insbesondere im Nordosten, wird das Fest „São João“ genannt und ausgiebig gefeiert, das nach dem Karneval zweitwichtigste Fest des Landes. Zeitlich fällt das Fest mit der Maisernte zusammen, so werden allerlei Maisgerichte gegessen (Kuchen, Puddings, Suppen und Maiskolben, die über dem Johannisfeuer gegrillt werden). Typische Tänze sind Forró und Pastoril.

 

Johann Sebastian Bach schrieb für den Johannistag die Kantaten „Christ, unser Herr, zum Jordan kam“ (BWV 7), „Freue dich, erlöste Schar“ (BWV 30) und „Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe“ (BWV 167).

 

Verrschiedenes:

 

  • Die Hauptfigur im Roman „Schlafes Bruder“ (1992) von Robert Schneider (*1961) , das begnadete Musiker Johannes Elias Alder, wird am „Nachmittag Johannis 1803“ geboren.
  • Johannisnacht“, 1996, Roman von Uwe Timm (*1940)

 

·         „Johannistrieb“ wird es auch – mit spöttischer Konnotation - genannt, wenn ein älterer Mann eine junge Frau heiratet („Zweiter Frühling“).

 

 

Auch als „Wetterlostag“ spielt der Johannistag eine Rolle. Bekannt sind z.B. folgende Bauernregeln:

 

                                „Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen“

 

                                „Wenn die Johanniswürmchen schön leuchten und glänzen,

 

                                     kommt’s Wetter zu Lust und im Freien zu Tänzen;

 

                                     verbirgt sich das Tierchen bei Johanni und weiter,

 

                                     wird’s Wetter einstweilen nicht warm und nicht heiter“.

 

„Wenn Johannis ist geboren,
gehen die langen Tage verloren“.

 

„Wenn die Johanniswürmer glänzen,
darfst du bereiten die Sensen“.

 

„Wenn kalt und nass Johannis war,

 

verdirbt er meist das ganze Jahr“.

 

„Wenn der Kuckuck auf Johanni singt,

 

    einen nassen Herbst er uns bringt“.

 

 

 

Der Johannistag ist für die Landwirtschaft von vielfältiger Bedeutung, denn mit der Sommersonnenwende (nach der Schafskälte) beginnt die eigentliche Erntezeit.

 

Zudem erreichen um den Johannistag die Johannisbeeren ihre Erntereife und die Johanniskäfer (Glühwürmchen) schwärmen.  Es handelt sich um Zeigerpflanzen und -tiere die nach dem Johannistag benannt wurden. Zum Johannistag sind Futtergräser sind in Mitteleuropa meist reif, die Sommer-Getreide beginnen nun ihre Reifeperiode.

 

In klimatisch rauheren Regionen (die norddeutschen Küsten, die Alpen, die Schwäbische Alb oder das Erzgebirge) galt „Johanni“ als spätester Termin auch für die Heuernte, sowie auch als Beginn einer Periode guten Wetters. Dafür wurde der Begriff Johannischnitt geprägt:

 

„Vor dem Johannistag / man Gerst und Hafer nicht loben mag.“

 

„Wenn die Johanniswürmer glänzen, / darfst Du richten Deine Sensen.“

 

 

Eine späte Mahd (das Mähen von Gräsern und Getreide) führte u.a. einst – vor der Industrialisierung der Landwirtschaft - in Mitteleuropa zur Artenvielfalt. Denn viele Wiesenpflanzen hatten Zeit, auszusamen, ähnliches galt auch für die bodenbrütenden Vögel sowie auch für die Vermehrung vieler Insekten und Spinnen: „Der Kuckuck kündet teure Zeit, / wenn er nach Johanni schreit“, bedeutet: Eine verzögerte Entwicklung der Vögel ist meist verbunden mit schlechtem Wetter und knappen Ernten.  

 

Ein Johannischnitt gilt als ökologisch günstiger Termin für die Mahd von Wiesen und zur Pflege naturnaher Wiesen.

 

 

(unveränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender; das ostslawische Iwan Kupalo – Fest nach dem Julianischen Kalender der orthodoxen Kirche am  7. Juli. Das Datum des Johannstages wurde nach dem Lukasevangelium (1,26-38) vom angeblichen Datum der Geburt Jesu, dem 25. Dezember, Weihnachten, her errechnet, nämlich 6 Monate vorher: Der Ausspruch des Täufers bezüglich des kommenden Christus: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Johannesevangelium 3,30) passte ausgezeichnet zu den (antiken) Daten der Sommersonnenwende des 24. Juni und Wintersonnenwende am 25. Dezember. Johannes der Täufer ist - neben Jesu Mutter Maria - der einzige Heilige, an dessen Geburt ein kirchliches Fest erinnert. Die Gedenktage der übrigen Heiligen sind in der Regel ihre Todestage).  

 
 © Christian Meyer


[1] Die Umayyaden–Moschee wurde vermutlich auf einem Vorgängerbau, einer christlichen Johannes-Basilika errichtet.

[1a] Der „kleine“ Prophet Maleachi (hebr, „mein Bote“) lebte wahrscheinlich im 4. Jhdt. v. Chr. In Jerusalem. Das Buch Maleachi ist das letzte des Alten Testaments.

 

[2] Johannisbeeren werden in manchen Regionen „Ribiseln“ genannt, so in Bayern, Österreich (einschließlich des ehemaligen Böhmens), der Schweiz und Südtirol. Johannisbeeren gehören botanisch zur Gattung Ribes L. (schon von Linné so benannt), auch die Unterfamilie (zu der über 160 Arten, auch die Stachelbeeren gehören) wird Ribesiaceen genannt. Auch die Stachelbeere heiß regional „Ribitzel“. Jedoch ist die etymologische Herkunft des Namens ungewiss. So soll die Rote Johannisbeere (bot. „ribes rubrum L.“ ) von den Normannen nach Frankreich gebracht, erstmals kultiviert und von dort aus weiter verbreitet worden sein. Tatsächlich heißen die Johannisbeeren auf Dänisch und Schwedisch „ribs“, auf Norwegisch „rips“ und auf Isländisch „ribsber“. Auf Französisch und Italienisch heißen die Roten Johannisbeeren „ribes“, auf Tschechisch „rybìz“ und auf Ungarisch „ribizli“ oder „ribizki“. Allerdings wird auch eine abweichende Herkunft vorgeschlagen: Über das Arabische aus dem Persischen; dort bezeichnet „ribās“ oder „riwās“ jedoch eine Art Rhabarber. Mittelalterliche europäische Botaniker hätten diese Bezeichnung zu „ribes“ verändert (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannisbeeren).

Im Englischen werden Johannisbeeren „currant“ genannt, was eigentlich „Korinthen“ bedeutet. Im Anglo-Normanni- schen Französisch hießen sie „raisins de Cornautz“, Trauben von Korinth, was ja gegen eine nordeuropäische Herkunft spricht.

[3] „kupal'sky“ = Taufe; russ. „КУПАЛА“ =  der Täufer; „КУПАТЬ“ = baden; „КУПЛНЯ“ = Bad im Freien; „КУПЕЛЬ“ = Taufbecken; „КРСТИТЕЛЬ“ der Täufer; ukrain. „КРЕСТИТИ“ = taufen; „КУПАННЯ“ = das Baden; „КУПAТИ“ = baden.

Schrein Johannes des Täufers in der Omajaden-Moschee zu Damaskus

(Abb. aus: https://es.wikipedia.org/wiki/Mezquita_de_los_Omeyas#/media/Archivo:StJohnInUmmayad.jpg).