Der einzig von seinen Haaren bedeckte Gabra Manfas mit Löwen und Leoparden zu seinen Füßen (äthiopische Darstellung, photographiert von Marie-José Wijntjes, The Netherlands; vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Gabra_Manfas_Qeddus.jpg)

14. März: Todestag des ägyptisch–äthiopischen Hl. Gabra Manfas und Prozession zum Zuqualla - Berg

 

Abune Gabra Manfas Kiddus (auch: St. Abune Gebremenfeskidus, auch Qeddus; umgangssprachlich wird der Heilige in Äthiopien auch Abo genannt) soll aus Ägypten stammen und wird bis heute in Äthiopien hoch verehrt.

Die Überlieferungen über sein Leben sind von Legenden und Wundergeschichten überwuchert. Insgesamt soll Gabra Manfas 562 Jahre alt geworden sein, 300 Jahre davon soll er in Ägypten gelebt haben.

Seine Eltern, Simon und Eklesia, sollen aus einer vornehmen Familie gestammt haben, Eklesia aus dem israelitischen Stamm Benjamin. Dreißig Jahre lang soll die Ehe beider kinderlos geblieben sein. Empfängnis und Geburt von Gabra Manfas soll von den Daten her  mit denen Jesu zusammenfallen. An seinem festlichen Taufbankett – 40 Tage nach der Geburt – soll der römische Kaiser teilgenommen haben.

Als Gabra Manfas Qeddus drei Jahre alt war, sandte Gott der Legende den Erzengel Gabriel zu ihm, der ihn gegen die Wünsche der verzweifelten Eltern mit sich in die Wüste führte und unter die Obhut des Mönchs Zamada Berhan stellte. In der Wüste wurde Gabra Manfas zum Priester geweiht und Abt.  

 

In der Wüste vollbrachte Gabra allerlei Wunder, Pilger aus den verschiedensten fernen Ländern sollen den wundertätigen Eremiten aufgesucht haben.

Dann sandte Gott den Engel Gabriel ein zweites Mal zu dem Heiligen und führte ihn noch tiefer in die Wüste, wo er nun mit sechzig Löwen und sechzig Leoparden zusammen lebte, - ähnlich dem alttestamentarischen Propheten Daniel (in der Löwengrube). Auch verstand er die Sprache der Tiere, hier ähnlich dem (zeitlich späteren) Franz von Assisi. In dieser Zeit sollen die Haare des Heiligen sich zu einer Art weißem Pelz entwickelt haben, die den ganzen Körper bedeckten.

Später unternahm der Heilige eine Pilgerfahrt ins Heilige Land und besuchte u.a. Bethlehem, den Fluss Jordan, Jerusalem und Nazareth. Auf göttliche Anregung hin besuchte Gabra auch die Stadt Gabaon (im früheren Judäa, im Stamme Benjamin), wo der Teufel ihn - der Legende nach - durch wilde Tiere anfallen ließ. Eine Schlange, die den Heiligen angriff, wurde wundersam durch ihn versteinert.     

Als der Heilige Gabra Manfas Qeddus 300 Jahre alt war, wurde ihm von Gott befohlen, nach Äthiopien zu reisen und dort zu priedigen. Von seinen Löwen und Leoparden begleitet reiste der Heilige in einem gefügelten Wagen. 

Gabra Manfas Qeddus gilt in Äthiopien als der Gründer des Klosters von Zuqualla.

Bevor er das Kloster an dem Zuqualla gründete wurde der Heilige – der Überlieferung nach – 100 Jahre lang von Dämonen und Teufeln vesucht. Daraufhin hätte Gott die Äthiopier von ihren Sünden freigesprochen.

Später soll der Heilige sieben Monate ohne mit den Wimpern zu zucken in den Himmel gestarrt haben. Der Teufel kam in Gestalt eines Raben und pickte in seine Augen, aber der Heilige wurde durch die Erzengel Gabriel und Michael kuriert.

Dreimal soll Gabra Manfas Qeddus in das Heilige Land zurückgekehrt sein und dort in Hebräisch und allen anderen Sprachen der Welt gepredigt haben.  

Gestorben soll der Heilige an einem Sonntag sein, an dem 5. Tag des äthiopischen Monats Maggabit, als er büßend auf dem Boden lag, die Arme ausgebreitet, in der Haltung Jesu am Kreuz.   

 

Der Zuqualla-Berg ist ein von äthiopischen Christen und Animisten gleichermaßen als heilig angesehener erloschener Vulkan mit einer Höhe von 2989 m in der Oromia - Region.  Im Krater befindet sich ein ebenfalls als heilig angesehener elliptischer Kratersee, der Dembel – See.  Auf einer Insel im Kratersee befindet sich ein Kloster, das der Überlieferung nach im 12. /13. Jhdt. von dem Hl. Gabra Manfas Kiddus gegründet wurde und an der Stelle einer Einsiedelei des Hl. Mercurius errichtet worden sein soll.

Im Jahre 1531 wurde das Kloster von Soldaten des somalisch-muslimisch-äthiopischen Herrschers Ahmad Gragn (+ 1543; amhar. "der Linkshänder") zerstört und die Kirche am Berghang geplündert.

Später wurden zwei Kirchen beim Kloster errichtet, eine 1880 unter Kaiser Menelik II., geweiht dem Hl. Gabra Manfas. Die zweite Kirche wurde - entworfen von dem Italiener Sebastian Castagna - errichtet unter Kaiser Haile Selassie und geweiht dem Kidane Mihret (dem Schutzengel der Mütter).

Rund um den Vulkan befindet sich weitere als heilig betrachtete Örtlichkeiten, z.T. auch einige Felsformationen, die auch Ziel von farbenprächtigen religiösen Prozessionen sind.  Der Zuqualla gilt als eine Art Abbild des Berges Tabor im Heiligen Land.

 

Die wichtigsten Riten an denen jeweils tausende von Gläubigen teilnehmen finden dreimal jährlich statt, am 14. März (dem Todestag des Hl. Gabra Manfas und dem koptischen Apostelfest), am 12. Juli und am 15. Oktober.

Im Jahre 2005 verfertigte Theo Eshetu einen „Video – Trip to Mount Zuqualla“, der in der Tropen – Ausstellung im Berliner Martin – Gropius – Bau im Herbst 2008 gezeigt wurde.

 

(unveränderlich, nach dem äthiopischen Kalender am 5. Tag des 7. Monats Maggabit; das entspricht dem Gregorianischen 14. März.  An jeweils dem fünften Tag jedes Monats im äthiopischen Kalender wird des Heiligen Gabra Manfas Qeddus gedacht.)

 

 © Christian Meyer