2. November: katholisches Allerseelen - Fest

 

An diesem Festtag wird das Gedächtnis aller Verstorbenen gefeiert. Die Gräber werden geschnmückt, bevor der erste Schnee fällt. Den Toten wird eine Kerze als Symbol für das ewige Licht aufs Grab gestellt: der Schein soll -nach katholischer Vorstellung - an den Heiland erinnern. Außerdem soll der Schein alle Vorübergehenden mahnen, ein gebet für die Verstorbenen zu sprechen.

Auch mit Allerseelen war ein heute nur noch wenig erhaltenes Brauchtum verbunden. Früher wurden oft in vielen Regionen Mitteleuropas Seelenbrote gebacken und für die Verstorbenen des vergangenen Jahres noch einmal ein Gedeck aufzulegen. Ursprünglich waren die Seelenbrote wie der Allerheiligenstriezel eine Spende für die Waisenkinder und die Armen, die am Vormittag von Haus zu Haus zogen und diese Brote einsammelten. Auf ein Opfergebäck für die armen Seelen gehen vermutlich die Seelenbrote zurück. Man meinte, sie seien für diesen Tag aus dem Fegefeuer entlassen. Für sie heizt man, weil die armen Seelen leicht frieren, und läßt die Brote über Nacht auf dem Tisch stehen. Oft waren die Allerseelenbrote reiche Gebildbrote aus Roggen mit Speck oder auch Hefebrote mit reichlich Zucker und Butter.

In England betteln Bedürftige bis heute oft an diesem Tag mit traditionellen Formeln um „Seelenkuchen“.

 

Goethe erwähnte in seiner „Italienischen Reise“ auch die Allerseelenfeier in Rom. Das Fest „… feiert der Papst in seiner Hauskapelle auf dem Quirinal. Jedermann hat freien Zutritt .… Die Function war angegangen, Papst und Cardinäle schon in der Kirche. Der Heilige Vater, die schönste würdigste der Männergestalt, Cardinäle von verschiedenem Alter und Bildung.

Mich ergriff ein wunderbar Verlangen, das Oberhaupt der Kirche möge den goldenen Mund auftun und, von dem unaussprechlichen Heil der seligen Seelen mit Entzücken sprechend, uns in Entzücken versetzen. Da ich ihn aber vor dem Altare sich nur hin und her bewegen sah, bald nach dieser, bald nach jener Seite sich wendend, sich wie ein gemeiner Pfaffe gebärdend und murmelnd, da regte sich die protestantische Erbsünde, und mir wollte das bekannte und gewohnte Meßopfer hier keineswegs gefallen. Hat doch Christus schon als Knabe durch mündliche Auslegung der Schrift, und in seinem Jünglingsleben gewiss nicht schweigend gelehrt und gewirkt; denn er sprach gern, geistreich und gut, die wir aus den Evangelien wissen. Was würde der sagen, dachte ich, wenn er hineinträte und sein Ebenbild auf Erden summend und hin und wieder wankend anträfe? Das Venio iterum crucifigi! Fiel mir ein, und ich zupfte meinen Gefährten, dass wir ins Freie der gewölbten und gemalten Säle kämen.

Hier fanden wir eine Menge Personen, die köstlichen Gemälde aufmerksam betrachtend, denn dieses Fest Allerseelen ist auch zugleich das Fest aller Künstler in Rom“ (Goethe, Italienischer Reise, S. 106/107, a. a. O.).

 

In Mexiko entstand schon seit Jahrhunderten eine besondere Form, wie Allerseelen (Dia de los muertes) begangen wird: Gefeiert wird die Heilige Frau Tod, La Santisima Muerte, die durch zuweilen prächtig geschmückte Skelette repräsentiert wird. Es herrscht eine schaurig-fröhliche Atmosphäre, es wird getrommelt und getanzt, kleine Schädel aus Zucker werden genascht, auf den Hausaltar oder die Gräber werden Speisen für die Verstorbenen gelegt etc. (vgl. „Tagesspiegel“, 20. November 2014, S. 27).

Viele Forscher vermuten, dass diese besondere Form des Totenkultes auf vorkolumbianische Wurzeln zurückgeht.

 

(unveränderlich nach dem Gregorianischen Kalender)

 

© Christian Meyer