Sakura Matsuri

 

Höhepunkt des japanischen und koreanischen Kirschblütenfestes, des Sakura matsuri, auch : "Hanami" (d.h. die Kirschblüten ansehen).  

Das Kirschblütenfest ist ein klassisches Frühlingsfest, in dessen Zeitraum oft auch die Frühlingstagundnachtgleiche fällt.

Das Feiern anlässlich der Kirschblüte reicht tief in die japanische Geschichte zurück. Die erste Sakura - Feier soll – in der Heian – Zeit - der Kaiser Saga im Jahre 812 abgehalten haben.

 

Die Kirschblüte wird in Japan vielfach als Nationalblüte angesehen. Die Kirsche wächst weit verbreitet wild im Lande, wird aber auch in den Städten und der Umgebung in großem Umfang kultiviert. Für jede Blüte gibt es - nach traditioneller japanischer Vorstellung - eine Blütenfee und die Fee der Kirschblüte ist besonders heilig.

Japanische Kirschblüten sind entweder weiß oder zart rosa. Die Blätter sind dünn und sehr zart. Kirschen blühen nur wenige Wochen lang.

Viele Japaner sehen die Kirschblüten auch deshalb als so kostbar an, weil man nie sicher sein kann, wie lange sie noch blühen. Zur Zeit der Kirschblüte warten viele Japaner besonders gespannt auf den Wetterbericht, denn heftiger Regen oder Sturm würde die Kirschblüte beenden, denn leicht verfaulen die Blüten oder werden ganz einfach von den Zweigen weggeweht. Der Blütenzauber wäre dann rasch vorbei und auch das Fest vorzeitig zu Ende

Wirkliche japanische Kirschblütenliebhaber, die sich das ökonomisch leisten können, reisen der Kirschblüte nach, denn im Süden Japans blühen die Kirschbäume früher als im Norden. Einige Japaner reisen durch ganz Japan, um jeden Tag unter einem anderen blühenden Kirschbaum sitzen zu können. Originellerweise wird in Japan eine "Wetterversicherung" angeboten, die die Branche vor Verlusten versichert, wenn die Kirschblüten z.B. sehr früh zu blühen beginnen.

Sobald die ersten Kirschknospen aufblühen, innerhalb Japans von Süden nach Norden fortschreitend, beginnt das Fest. "Nutze die Zeit und hinaus in die Natur" heißt ein Wahlspruch zum Kischblütenfest. Mit großen Picknick-Körben zieht man mit Verwandten, Bekannten und Freunden v.a. in die blühenden Parkanlagen. In Tokyo und anderen Großstädten sind die Parks zur Kirschblütenzeit so überfüllt, dass man nur schwer einen freien Platz findet. Möglichst unter einem Kirschbaum trinkt man Tee, Sake, knabbert Kekse und hört Musik. Es wird gespielt und getanzt. Zuweilen ertönen auch die Taiko – Trommeln und Flöten der traditionellen japanischen Musik. Sake und andere Alkoholika werden z.T. exzessiv, bis zum Umfallen getrunken .

Vor allem aber erfreuen sich viele Menschen euphorisch an der Pracht der Natur.

 

Das Stück „Das Kirschblütenfest“ von Klabund (frei nach Takeda Izumi) spielt um das Jahr 902, am Tage des Kirschblütenfestes, v.a. in einer Schule. Die Schüler erinnern den Lehrer: „Sie haben …. vergessen, Herr Lehrer, dass heute das Fest der Kirschenblüten ist – und dass Sie uns einige Stunden freigeben wollten… Auf den Straßen ist Maskentreiben, an diesem Tage dürfen die Schüler immer in Tiermasken ausgehen“ (vgl. Klabund, S. 22, a.a.O.).

Es geht in dem Stück um die Treue gegenüber der als göttlich angesehenen Kaiserfamilie, um Opfer und Liebe. Ein junges Mädchen opfert ihr Leben für den gefährdeten Sohn des ermordeten Mikado:

„Sie gab für dich den Kopf – für uns das Leben.

Die schönste Kirschenblüte brach der Tod“ (Klabund, S. 73, a.a.O.).  

Die Kirschblüte symbolisiert traditionell in Japan die Reinheit, auch das Leben der kriegerischen Samurai, wie deren Blüten, leben sie nur kurz. Wie die Kirschen erst unter dem roten Fruchtfleisch ihren harten Kern offenbaren, zeigten die Samurai erst im Opfer ihres Blutes und Fleisches den Persönlichkeitskern (vgl. Chevalier, S. 198/199, a.a.O.).

Die Kirschblüte war allerdings auch das Emblem des „bushido“, des Wegs des Krieges, der Japan in den Abgrund des Pazifischen Krieges führte.

Schließlich symbolisierte die fragile Kirschblüte, die vom Wind davongetragen wird, in Japan den idealen Tod, unabhängig von den Gütern der Welt und den Unwägbarkeiten der Existenz.

Der Poet, Literaturwissenschaftler und Philosoph Motoori Norinaga (1730 – 1801) meinte, wenn er den Geist Japans definieren wollte, dächte er an die Blüte einer wilden Bergkirsche, duftend in der Morgensonne (vgl. Chevalier, S. 199, a.a.O.).

 

Ein von Klabund nachgedichtetes Geisha – Lied heißt:

„Prozession der Oirans beim Feste der Kirschenblüten zu Yedo“ (Edo)

                   „Sie gehen wie Tiere: Katze, Hund und Reh,

                    behängt mit roten und mit grünen Lappen.

                  Sie tappen

                   Mit zarten Pfoten durch den Blütenschnee“ (vgl. Klabund, S. 94, a.a.O.).

Zur Zeit der Kirschenblüte feierte man einst in Edo ( Tokyo) ein großes, z.T. orgiastisches Fest mit u.a. Tiermasken – Umzügen. Besonders berühmt waren die prächtigen Straßenumzüge der „Oirans“ Kokotten, die anlässlich des Kirschblütenfests hinsichtlich ihrer Toilette einen enormen Aufwand entfalteten (vgl. Klabund, S. 106, a.a.O.).

 

Eine Fülle von Kirschblütengedichten kennt die japanische Lyrik, so z.B. von Sosei Hôshi:

                                                „Miyako im Frühling

                                                Soweit ich blicke

                                                Zwischen Weidengezweige

                                                Kirschblütenpracht!

                                               Siehe, die Stadt: des Frühlings

                                               Brokatenes Festgewand“ (zit. n. Gundert, S. 426, a.a.O.).

Oder ein Gedicht von Ki no Tomonori (850 – 915):

                                               „In des himmlischen

                                                Lichtes heiteren Frieden

                                                eines Frühlingstages

                                                was verstörte die Blüten?

                                                Ruhelos fallen sie ab“ (zit. n. Gundert, S. 430, a-a-O.).

 

Berühmt ist das japanische Volkslied "Sakura, Sakura" [1], das die Zeit der Kirschblüte besingt.

 

Das Kirschblütenfest ist auch in Korea sehr beliebt und wird sehr ähnlich gefeiert. Quasi überall weltweit, wo es eine japanische Auslandsgemeinde gibt, wird das Fest gefeiert. So z.B. seit Jahrzehnten in New York City, oder in Hamburg (seit 1968), aber auch in kleineren Städten wie in Enger /Westfalen.

(veränderlich, je nach Zeit der Kirschblüte; die japanische Kolonie z.B. in Australien feiert das Kirschblüten Fest im dortigen Frühling, im September)

Die meisten japanischen Kirschbäume sind sterile, fruchtlose Zierkirschen. Sie wurden einzig der Schönheit ihrer Blüten wegen gepflanzt. Echte Kirschen sind in Japan schon seit Jahrzehnten unglaublich teuer, eine wahre Delikatesse. 

Erfreulicherweise aber werden betrunkene Japaner selten gewalttätig, sie schlafen ein oder benehmen sich merkwürdig….

Der expressionistische Dichter Klabund (eigentlich Alfred Hemschke) lebte von 1890 bis 1928. Die Musik zu Klabunds Schauspiel stammt von dem österreichischen Komponisten Ernst Toch (1887 – 1964). !933 verließ der aus einer jüdischen Familie in Wien stammende Komponist Deutschland und emigrierte in die USA, wo er jedoch an seine europäischen Erfolge nicht anknüpfen konnte.

Ein Geheimbund von nationalistisch – expansionistisch orientierten Offizieren in den 30 – er Jahren des 20. Jhdts. nannte sich nicht zufällig „Sakura – kai“ Kirschenbund“ (vgl. Hall, S. 324, a.a.O.). Die japanischen Kamikaze - Flugzeuge im 2. Weltkrieg hießen "Kirschblüte".

Sosei Hôshi lebte im 9./10. Jhdt. und war Lehrer des tendai – Buddhismus im Kloster Unrin – in Kyoto. „Hôshi“ bedeutet „Gesetzesmeister“ und ist ein Mönchstitel.

 „Miyako“ ist ein alter Name der damaligen Kaiserresidenz Kyoto.

 
       

Die japanische Kolonie z.B. in Australien feiert das Kirschblüten Fest im dortigen Frühling, im September.

(unveränderlich, das Fest beginnt nach dem Gregorianischen Kalender zu Beginn des Monats April)
© Christian Meyer


[1] In den 60er und 70er Jahren des 20. Jhdts. wurde das Lied „Sakura“ in der Interpretation der Sängerin Belina und der Gitarristen Siegfried Behrend in (West-) Deutschland recht populär.