4. Oktober

 

Tag des Hl. Franziskus von Assisi und Welttierschutztag

 

Der Hl. Franziskus von Assisi (San Franceso, 1181 - 1226), der Begründer des Franziskaner - Ordens, ist einer der bis heute populärsten christlichen Heiligen überhaupt.

Francesco Giovanni di Pietro Bernardone war der Sohn des reichen Kaufmanns Pietro Bernardone, der seinen Tuchhandel bis nach Südfrankreich ausgedent hatte. Seine Mutter, Giovanna Pica, stammte aus Frankreich; das Elternhaus in Assisis kann bis heute besichtigt werden.

 

 

 

Er „… bracht seine Zeit eitel hin, wohl bis an sein zwanzigstes Jahr“ (Passional, S. 129, a.a.O.).

 

In einem Städtekrieg zwischen Assisi und Perugia geriet Franz in eine einjährige Gefangenschaft bis 1203 in Perugia. Er erkrankte an Tuberkulose und wurde gegen ein hohes Lösegeld freigelassen.

In dieser Zeit setzte langsam und schrittweise sein innere Wandlung ein (vgl. Gobry, a.a.O.):

 

Dante sprach in der Divina Commedia auch den Konflikt des jungen Franziskus mit seinem Vater an – um der „Frau“, der Armut willen – und das Anrufen des Bischofs von Assisi:

                               „Jung ist er für die Frau zum Kampf gezogen

                               Mit seinem Vater, der, gleichwie dem Tod,

                               Das Tor zu öffnen keiner sit gewogen;

 

                               Vor seinem geistlichen Gerichtshof bot

                               Er coram patre seine Hand ihr an,

                               Drauf, Tag für Tag, er mehr für sie geloht“ (Dante, Paradies, XI 60 – 66, S. 357, a.a.O.).

 

Er löste seine Beziehungen zum väterlichen Reichtum, verschenkte seinen persönlichen Besitz und wurde Einsiedler in Portiunkula bei Assisi. Bald galt Franz als der „pazzo“, der Verrückte (vgl. Beinert, S. 115, a.a.O.).

er zog seine Schuhe aus und ging barfuß.

Der Akt des „Entschuhens“ muss Dante besonders beeindruckt haben, denn er sprachihn mehrfach an:

                               „So daß der würdige Bernhard ohne Schuhe

                               Zuerst lief hinter solchem Frieden her“ (Dante, Paradies, XI 81-82, S. 358, a.a.O.).

Gemeint war hier Bernhard da Quintavalle (ca. 1175 – ca. 1245), ein reicher Bürger von Assisi, der der erste Jünger Franz‘ gewesen sein soll und seliggesprochen wurde.  

Erwähnt wurden von Dante in diesem Kontext auch zwei Jünger:

                               „Egidius entschuht sich und Silvester,

                               Dem Bräutigam nach! Die Braut gefällt so sehr!“ (Dante, Paradies, XI 85-86, S. 358, a.a.O.). 

Ägidius von Assisi  (ca. 1190 – 1262) war Analphabet und Bauer in Assisi. Er wurde unter Papst Pius Vi. im Jahre 1777 kanonisiert, sein Gedenktag ist der 23. April. Silvester von Assisi (ca. 1175 – 1240) war ein Aristokrat aus Assisi, Priester und Cousin der Hl. Clara.

 

Sein Leitgedanke war: „Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben: und komm und folge mir nach!“ (Matth 19, 21).

 

 

Reinhold Schneider charakterisierte das Verhalten des Farnziskus an Beispielen: Er habe „ ….. vor den Frauen die Augen nieder(geschlagen), weil er die Braut Jesu Christi ehrte in einer jeden und bewusst auf der von Christus geweihten Erde ging. Er fürchtete noch, das Wasser zu kränken, wenn er es verschüttete, und er liebte die Steine, weil der Erlöser auf ihnen gekniet; er nahm sich jeden beschriebenen Blattes an aus Achtung vor dem Buchstaben und dem Wort, die uns das Heil vermittelt“ hätten (vgl. Reinhold Schneider, S. 158, a.a.O.).

 

Im Rahmen des “ägyptischen Kreuzzuges” 1217 – 21 versuchte der Hl. Franz von Assisi, der die Kreuzfahrer begleitete, den ajjubidischen Sultan al – Kamil Muhammad (reg. 1218 – 1238) zum Christentum zu bekehren. Franziskus ging mit einer Friedensfahne in der Hand in das Lager des Sultans bei Fariskur am Manzala – See. „Der verblüffte Sultan hörte sich die Argumente des Besuchers an; er hielt ihn für verrückt und befahl, ihn unbehelligt zur christlichen Seite zurückkehren zu lassen“ (Atiya, S. 79, a.a.O.).

 

Franz von Assisi starb am 3. Oktober 1226 bei der kleinen Portiuncula-Kapelle, im heutigen Ort Santa Maria degli Angeli ca. 5 km südlich von Assisi. Als letzte Worte von Franz überlieferte das Passional: „Mein Bruder Tod, sei willkommen“ (Passional, S. 137, a.a.O.). Über der Portiuncula-Kapelle und Franz‘ Sterbezelle wurde 1569 – 1630 die mächtige Kuppelkirche Santa Maria degli Angeli errichtet – sicher nicht im Sinne des Heiligen.

Östlich der Sakristei der Kirche befindet sich ein kleiner Garten. Dort soll der Legende nach Franz in Versuchung geführt worden sein. Um der Versuchung zu widerstehen, warf sich der Heilige in den dortigen Rosenstock, der daraufhin alle seine Dornen verlor.

Beerdigt wurde Franz ebenfalls in Assisi, in der bis 1253 errichteten Doppelkirche San Francesco. Gebaut wurde die Kirche nach den Plänen des franziskanischen Bruders Elias, der reich geschmückte Bau entsprach keinesfalls der von Franziskus vorgeschriebenen Schlichtheit. Das Grab des Heiligen mit seinem 1818 wiederaufgefundenen Steinsarkophag befindet sich heute in der Krypta der Kirche.

 

Schon zwei Jahre nach seinem Tod wurde Franziskus durch Papst Gregor IX. seiner (angeblichen) ca. 60 Taten und Wunderwerke wegen am 16. Juli 1228 heiliggesprochen (vgl. Krüger, 1991, S. 11, a.a.O.). Nach der Heiligsprechung begann man mit dem Bau der großen Kirche San Franceso über der kleinen Portiunkula-Kapelle, - sicher nicht im Sinne von Franz. 

 

Ein Indiz für das enorme Prestige, das Franziskus rasch erlangte, ist in der großen Zahl an Kunstwerken zu sehen, in denen sein Leben und Wirken dargestellt wurde.

In dem Kloster San Benedetto in Subiaco (Latium) führt von dem Sacro Speco (vgl. Benedikt von Nursia) eine Wendeltreppen zu einer Kapelle mit einem Fresko eines anonymen Künstlers, das Franziskus darstellt und wohl schon zu Lebzeiten des Heiligen entstand. Es zeigt Franziskus noch ohne Stigmata und ohne Heiligenschein.

 

Abb. einfügen….. (Photo: Christian Meyer, 2004)

 

Vermutlich Giotto (1266 – 1337) stellte in Assisi, in der Oberkirche  in einem Fresken-Zyklus u.a. die Vision von Papst Innozenz III. und die Bestätigung der ersten Ordensregel dar.

Ähnliche Darstellungen finden sich ...

·         von Giotto in Santa Croce zu Florenz in der ersten Kapelle des Chorraumes rechts, entstanden um 1320

·         in einem Freskenzyklus von Domenico Ghirlandaio in der Cappella Sassetti (2. Kapelle rechts vom Chor) in der Kirche Santa Trinità zu Florenz, entstanden zwischen 1482 und 1485

·         als Mosaik in der alten Apsis der Peterskirche in der Villa Catena bei Poli im Latium (vgl. Kühner, 1960, S. 70, a.a.O.).

 

Zu den frühesten Franziskus-Darstellungen in Deutschland gehören die Glasfenster der Franziskaner- (Barfüßer-) Kirche zu Erfurt. Drei ca. 1230-40 entstandene östliche Fenster zeigen dort die Darstellung eines Legendenzyklus zum Leben von Franz von Assisi, u.a. die Stigmatisierung. Die Glasmalereien stammen von einem nicht mehr existierenden franziskanischen Vorgängerbau.

 

 

Berühmt wurde die anonyme italienische Legendensammlung über das Leben des Heiligen und seiner frühen Anhänger, das „Florilegium“ „Fioretti di San Francesco“ aus dem 14. Jhdt. (a.a.O.). Die Sammlung besteht aus 53 Kapiteln, sie beruht auf einer lateinischen Fassung des späten 13. Jhdts., die z.T. Giovanni di Marignoli zugeschrieben wurden.   

Im 19. und frühen 20. Jhdt. wurden die „Fioretti“ als Andachtsbuch populär und vermittelten ein romantisierendes Bild des Franziskus; auch z.B. Felix Timmermans Franziskusroman (1932) und Roberto Rossellinis (1906 - 1977 )Film „Franziskus, der Gaukler Gottes" (1950) wurden stark von den „Fioretti“ geprägt.

 

Der ungarisch - deutsche Komponist Franz Liszt (Liszt Ferenc, 1811 - 1886) schrieb  1862 (rev.  Fassung 1880-81) Kompositionen (für Bariton, Männerchor, Orchester und Orgel) mit den Titeln „Cantico del Sol di Francesco d'Assisi“ (S 4 [1]) und die „Franziskus-Legenden“ (S 175 Nr. 1), „Die Vogelpredigt des Heiligen Franziskus“ und „Der Heilige Franziskus über die Wogen schreitend“  (S 175: Nr. 2).

 

Reinhold Schneider glaubte 1945/46, nach dem Nationalsozialismus und dem  2. Weltkrieg, dass die Welt „… die Stelle erreicht (habe), wo sie dem Armen von Assisi nicht mehr ausweichen“ könne (Reinhold Schneider, S. 153, a.a.O.). Franziskus verpflichte uns „…. die Wahrhaftigkeit Jesu Christi zu leben in unserem Leben; als die letzte Folgerichtigkeit in der Annahme des ‚Folget mir nach!’? Nur darum ist es dem Heiligen von Assisi gegangen“ (Reinhold Schneider, S. 153, a.a.O.).

Schneider erwähnt dabei die berühmte Fell – Episode des asketischen Franziskus: „Wenn er seines leidenden Körpers wegen die strengste Askese übertrat, ließ er, nachdem er endlich bewogen worden war, die kranken Organe mit einem Stück Fell zu erwärmen, auch außen auf die Kutte ein Stück Fell nähen. Die Menschen sollten ihm kein Opfer zutrauen, das er nicht brachte….. Es ging ja nicht um das einzelne Opfer; es ging darum, den makel der Unwahrhaftigkeit zu tilgen. Dieses Leben der Nachfolge sollte offen sein bis zum Tode…. Und so wurde dieses Leben als das eigentliche Vermächtnis der Heiligen ein allen offen stehendes Heiligtum“ (Reinhold Schneider, S. 154, a.a.O.) – in dieser Hinsicht übrigens eine interessante Parallele zum Leben  ð Gandhis. 

 

Mereschkowski beschrieb in seinem Roman „ Leonardo da Vinci“ u.a. die berühmte Vogelpredigt des Heiligen: „ Franziskus liebte … die Tiere. Zuweilen saß es stundenlang, an Stelle des Gebets Gottes Weisheit preisend, vor einem Bienenkorbe, mitten unter den Bienen, und beobachtete, wie sie ihre Wachszellen kleben und mit Honig füllen. Einst predigte er auf einem wüsten Berge den Vögeln Gottes Wort; sie saßen in Reihen zu seinen Füßen und horchten zu; als er aber seine Rede beendet hatte, flatterten sie auf, schlugen mit den Flügeln, zwitscherten und fingen an, mit offenen Schnäbeln sich an das Ordenskleid der heiligen Franziskus zu schmiegen, als ob sie ihm damit sagen wollen, dass sie seine Predigt verstanden hätten. Er segnete sie, und fröhlich zwitschernd flogen sie gen Himmel“ (Mereschkowksi, S.. 130, a.a.O.).

Der Hl. Franziskus wird - u.a. wegen seiner Vogelpredigt (s. Abb. unten) - auch als Schutzheiliger der Tiere betrachtet.

 

Durch die Annahme des Namens Franziskus durch den (266.) Papst, Jorge Mario Bergoglio im Jahre 2013 wurde der Heilige vielfach erneut ins Bewußtsein gerufen und Erwartungen geweckt, die hoffentlich nicht enttäuscht werden. 

Auch der Orden der Franziskaner erlebte im Laufe seiner Geschichte einige Versuche zur Rückkehr zu den Traditionen des Franziskus, so z.B. durch die Gründung der Kapuziner im Umkreis von Fra Matteo da Bascio (1495-1552). Hella S. Haasse erwähnt  Fra Matteo in ihrem historischen Roman „Die scharlachrote Stadt“: Franziskus sei ihm im Traum erschienen und habe gefordert: „‘Ich verlange, dass sich der Orden an meine Regeln hält, bis auf den letzten Buchstaben, bis auf den letzten Buchstaben‘. Die Brüder von Montefalcone waren jedoch nicht zur Reform bereit; deswegen hat Fra Matteo mit einem halben Dutzend Anhänger das Kloster verlassen. Sie leben nun wie Einsiedler in den Wäldern … Die Franziskaner haben hier in Rom ihre Exkommunikation und Hinrichtung gefordert“ (Haasse, S. 80, a.a.O.). Die Einsiedler fanden jedoch einflussreichen Schutz und konnten bald einen eigenen Orden, die Kapuziner gründen.  

 

Schon seit dem Ende des 19. Jhdts. wurde deshalb sein Tag auch als Welttierschutztag begangen, seit 1931 wird er auch international als solcher begangen.

Dies hat den Tieren bislang allerdings nicht genügend genützt, denn - wie die Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fond for Nature) errechnete, ist heute u.a. jede vierte Säugetierart vom Aussterben bedroht.

Insbesondere müssten die Wilderei eingeschränkt und der Handel mit bedrohten Tierarten eingedämmt werden. Im Artenschmuggel seien die Deutschen unterdessen  "Weltmeister" geworden (vgl. TAZ, 5. Oktober 2000, S. 2).

Unsere „Mitgeschöpfe“ auf der Erde, die viel zahlreicher als die Menschen sind, leiden vielfach bis heute unter dem Verhalten der Menschen.

Der „Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung“ zum Beispiel betonte immer wieder, dass wir „…. Grausamkeiten gegenüber Tieren entwickelt (haben), die sich der heilige Franziskus sicher kaum hat vorstellen können“.

Die Welttierschutzunion (IUCN) führte 2014 auf ihrer Liste der gefährdeten Arten 77 340 Arten auf, davon waren 22 784 sogar akut vom Aussterben bedroht, 85 % von ihnen durch die Zersörung ihrer Lebensräume (vgl. Tagesspiegel, 28. Juni 2015, S. 32).

Eine Erfolgsgeschichte des Tierschutzes ist jedoch die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland, wo sie unterdessen bis nach Baden-Württemberg gelangt sind. Wölfe sind allerdings auch eine besonders anpassungsfähige Art, - mit sich wandelndem Klima (vgl. Tag der Umwelt) kommt sie gut zurecht (vgl. Tagesspiegel, 28. Juni 2015, S. 32).

 

Nach dem 2. Vatikanischen Konzil wurde „… Franz von Assisi … als Heiliger des Friedens und der Gewaltlosigkeitneu entdeckt“ (Beinert, S. 7, a.a.O.).

 

Einer speziellen Form des Tierschutzes hat sich deutschlandweit die „Offensive gegen die Pelzindustrie“ verschrieben. Sie übt schon seit 2001 Druck auf pelzverkaufende Mode-und Kaufhausketten aus und erreichte, dass eine ganze Reihe von großen Unternehmen aus dem Pelzhandel ausstieg.

Nach Berechnungen der „Offensive gegen die Pelzindustrie“ wurden 2013 mehr als 50 Millionen Tiere (z. B. Nerze, Füchse, Chinchillas, Biber, Marder, Waschbären, Kaninchen oder Karakulschafe) durch die Pelzindustrie umgebracht, durch Genickbruch, Stromschlag, Kohlenmonoxidvergasung o. ä. (vgl. offensive-gegen-die-pelzindustrie.net). Die Offensive droht den verbleibenden Pelzhändlern (z. B. Ansons) mit Protestdemonstrationen und Boykottmaßnahmen.

 

 

(unveränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender)

 
© Christian Meyer



[1] „S“ steht für „Verzeichnis nach Humphrey Searle“; Searle war ein englischer Komponist (1915 – 1982), der 1966 ein weithin anerkanntes Verzeichnis der Werke Liszts fertigstellte.

 

 

 

Die Vogelpredigt in S. Croce
Die Vogelpredigt in S. Croce

„Die Vogelpredigt des Hl. Franziskus“, Detail eines Altarbildes in der Cappella Bardi (einer florentiner Bankiersfamilie) der Basilica di S. Croce in Florenz; das Bild wird Bonaventura Berlinghieri (1228 – 1274) oder einem anonymen Maestro del San Francesco Bardi zugeschrieben. Es handelt sich um eine sehr frühe Darstellung des Franziskus.