29. Januar

 

Gedenktagtag des Hl. Julianus, des Gastfreien („Hospitator“)

 

Mehrere als Heilige verehrte Menschen trugen den Namen Julian(us), so ein angeblich wundertätiger Bischof von Le Mans. Dieser wurde zuvor als Simon der Aussätzige von Jesus geheilt, in seinem Hause war Jesus zu Gast (vgl. Mk 14, 3-9). Von den Aposteln soll Simon unter dem Namen Julianus als Missionar nach Gallien gesandt worden sein, wurde dort Bischof von Le Mans und soll nach der Legende u.a. drei Tote wieder zum Leben erweckt haben.

Auch dieser Hl. Julian wurde und wird als Patron von Gastwirten und Herbergsleuten verehrt, da er Jesus selbst beherbergt haben soll.

Ein anderer Hl. Julian (von Auvergne), ein zum Christentum konvertierter römischer Tribun, soll 304 den Märtyrertod gefunden haben, den er gerne, ja begeistert empfing: „Als das Julianus vernahm, lief er fröhlich aus dem Haus und bot sich selbst dem Henker ohne Furcht, und empfing mit Willen den Todesstreich“ (Voragine, S. 164 f., a.a.O.). Seine Gebeine sollen in der Krypta der Basilique St. Julien in Brioude / Auvergne ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Vor allem in der Zeit Gregors von Tours wurde die Basilika ein wichtiges Wallfahrtsziel, denn Gregor popularisierte den Heiligen: „Es schreibt Gregorius von Tours, dass ein Bauer an einem Sonntag seinen Acker pflügen wollte; da krampften sich seine Finger zusammen und der Griff des Beiles, damit er das Pflugeisen reinigen wollte, blieb an seiner rechten Hand hangen. Das trug der arme Mensch zwei Jahre, aber darnach ward er in Sanct Juliani Kirche gesund durch die Fürbitte des Heiligen“ (Voragine, S. 165, a.a.O.).

Ein dritter Heiliger namens Julianus war ein Sohn aus hochadligem Hause, dessen Legende Elemente des Ödipus-Mythos aufnahm. Auf der Jagd wurde ihm wundersamerweise von einem Hirsch geweissagt: „Warum verfolgst Du mich, der du deinen Vater und deine Mutter töten wirst?“ (Voragine, S. 166, a.a.O.).

Um der Weissagung zu entgehen, entfloh der junge Julianus heimlich aus dem väterlichen Schlosse und ging in die Fremde. Einem fremden Kaiser (Flaubert schreibt, dem Kaiser von Occitanien; Flaubert, S. 24, a.a.O.) diente er so treu und tapfer, dass dieser ihm eine schöne, reiche Schlossherrin zur Ehefrau gab, mit der er glücklich zusammenlebte.

Julians Eltern aber suchten ihren verlorenen Sohn und erreichten schließlich dessen Schloss. Er war auf der Jagd, seine Frau erkannte in den Gästen die Eltern ihres Mannes, bewirtete sie zuvorkommend und gab ihnen als besondere Ehre zur Nacht ihr eigenes Bett.

Nächtens, als Julian zurückkehrte, fand er im Bett seiner Frau einen fremden Mann, ihren vermeintlichen Liebhaber: Im Zorn ermordete er beide. Als es zu spät war erst, erkannte er, wen er ermordet hatte und wie die Weissagung in Erfüllung gegangen war.

Zur Buße gaben Julian und seine Frau allen ihren Besitz den Armen, zogen bettelnd und büßend durchs Land.

An einem großen Strom bauten sie schließlich eine bescheidene Herberge für Reisende und Pilger, außerdem setzte Julian sie mit einem kleinen Kahn über den gefährlichen Strom.

Berühmt ist die Geschichte von dem letzten Gast, den Julian beherbergte, einem Aussätzigen. Voragine schreibt dazu: „Da stund er eilends auf und fand einen Menschen, der war halb tot vor Kälte. Er trug ihn in sein Haus, und machte ein Feuer an, dass er wieder zu Kräften käme. Aber da er nicht warm wurde und Julianus fürchtete, er möchte sterben, da trug er ihn in sein eigen Bett und deckte ihn warm. Aber nach einer kleinen Weile erhob sich der Mensch; und der zuvor einem Aussätzigen gleich gesehen hatte, stand in gar klarem Schein und hob sich gegen den Himmel und sprach:’Juliane, du sollst wissen, dass ich von Gott bin zu dir gesendet, und soll dir künden, dass er deine Buße in Gnaden angenommen hat“ (Voragine, S. 168, a.a.O.).

Nach seinem bald darauf erfolgenden Tod wurde Julianus als der gastfreie, „Hospitalius“ verehrt.         

 

Gustave Flaubert schrieb 1877 „Die Sage von St. Julian dem Gastfreien“, „..... ungefähr so, wie man sie auf einem Kirchenfenster in meiner Heimat findet“ (Flaubert, S. 48, a.a.O.). Bei Flaubert schlägt die sadistische Grausamkeit des Jägers Julian um in ein Gottesurteil.

 

(unveränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender)

 

 © Christian Meyer