Abb. Logo des Jahres der Wälder (aus „Berliner Waldzeitung“, 2/2010, S. 1), entwickelt von dem Waldforum der Vereinten Nationen (UNFF).

 

Das Logo soll die Vielfalt der Wälder symbolisieren: Als Basis des Logos dient ein Baumstamm, als Symbol für den Wald als Lebensgrundlage für viele Regionen und Menschen. Der Mensch steht in der Mitte des Logos und soll die Verbundenheit der Menschen mit den Wäldern andeuten. Der Hirsch (oben links im Logo) soll die Jagdtiere und die Jagd symbolisieren, sowie auf ihre Bedeutung für die Ernährung des Menschen hinweisen. Der Apfel (oben im Zentrum des Logos) steht für die Wildfrüchte der Wälder: viele der heutigen Fruchtsorten stammen von Wildformen des Waldes ab. Die Regenwolke (oben rechts) steht für die zentrale Bedeutung der Wälder für das Klima der Erde. Die senkrecht stehenden Wellenlinien darunter stehen für die Gewässer und die Bedeutung der Wälder für den Wasserkreislauf. Das Haus (rechts in der Mitte) steht für die Bedeutung des Holzes als regenerativer Werkstoff (für Möbel, Häuser, Werkzeuge etc.) und nachhaltig nutzbare Energiequelle.

Der Nadelzweig (rechts unten) symbolisiert die borealen Nadelwälder, die umfangreichsten Waldgebiete der Erde. Das Laubblatt (links in der Mitte) steht für die Wälder der gemäßigten Zonen. Die Eidechse (unten links) soll die Tiere in den Wäldern symbolisieren: Wälder sind die Heimat der meisten landlebenden Tiere. Die Ente (unten links außen) steht für die domestizierten Tiere, die meist von im Wald lebenden Vorformen abstammen. Die Medizinflasche (linke Mitte) weist auf die Bedeutung des Waldes als Herkunftsort vieler Arzeneipflanzen hin, sowie auf die heilende Wirkung der Wälder ( vgl. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, S, 27 – 29, a.a.O.).

 

 

25. April: Tag des Baumes

 

In vielen Mythen und Religionen weltweit spielen Bäume eine bedeutsame Rolle, sie stehen in der Regel für Leben, Fruchtbarkeit, Hoffung und Zukunft.  

 

In der Hebräischen Bibel, der Thora, werden Bäume als Geschenk Gottes angesehen. So heißt es z.B. bei Jesaja, Gott wolle „… in der Wüste geben Zedern, Akazien, Myrten und Kiefern; ich will auf den Gefilden geben Tannen, Buchen und Buchsbaum miteinander“ (Jesaja 41, 19).

Schon am dritten Tag schuf Gott – nach der biblischen Überlieferung - die Bäume: „Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, die ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage“ (1. Mose 1, 11). In Gottes Absicht habe es gelegen, dass die Bäume der Nahrung der Menschen dienten: „Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten“ (1. Mose 2,16), - bekanntlich außer von dem Baum der Erkenntnis … 

 

Auch später wurden immer wieder legendäre Ereignisse mit Bäumen verbunden, so z.B. der Apfelbaum, unter dem Isaac Newron gesessen haben soll.

 

Was wären die Märchen der Gebrüder Grimm ohne den Wald….

 

Der spätere internationale „Tag des Baumes“ basiert auf einer Anregung des US-amerikanischen Journalisten Julius Sterling Morton. Er beantragte 1872 bei der Regierung von Nebraska die Einführung eines „Arbor Day“, an dem alljährlich Büsche und Bäume als Erosionsschutz gepflanzt werden sollten. In den nächsten zwanzig  Jahren wurde dieser Tag - ursprünglich der 10. April - in den ganzen USA eingeführt. An dem Tag des Baumes wurden und werden Baumpflanzungen und Feierstunden veranstaltet, mit denen die Bedeutung des Waldes, der Bäume für den Menschen ins Bewusstsein gerufen werden sollen.

Der „Internationale Tag des Baumes“ wurde dann am 27. November 1951 von den Vereinten Nationen bzw. der FAO („Food and Agriculture Organisation“) beschlossen und auf den 25. April festgesetzt.  

Bereits zuvor hatte die „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald(SDW) beschlossen, alljährlich einen „Tag des Baumes" in (West-) Deutschland zu begehen, dessen Ziel es war, möglichst in jeder Gemeinde, jedem Forstamt, jeder Schule etc. durch Pflanzungen und Veranstaltungen die Bedeutung der Bäume und Wälder zu betonen.
Erstmals am 25. April 1952 wurde der deutsche „Tag des Baumes“ gefeiert: Bundespräsident Theodor Heuss und der Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (1947-1956), Bundesinnenminister Robert Lehr, pflanzten im Bonner Hofgarten symbolisch einen Ahorn. Dieser erste „Tag des Baumes" war noch ganz durch die Nachkriegssituation bestimmt und verurteilte die damalige Übernutzung der Wälder, beispielsweise durch die sogenannten „Reparationshiebe" der Alliierten.

 

Nach einer Berechnung [1] aus dem Jahre 2015 gibt es auf dem Planeten Erde ca. 3,04 Billionen Bäume, „... das sind mehr, als die Milchstraße Sterne enthält“ (Albrecht, 2015, a.a.O.). Auf jeden Menschen kommen – statistisch – mehr als 400 Bäume.

Allerdings sind in den vergangenen ca. 12 000 Jahren – v.a. seit der Erfindung der Landwirtschaft – durch den Menschen ca. die Hälfte aller irdischen Baumbestände gerodet, abgeholzt worden, ein Prozess, der auch heute noch abläuft: Jedes Jahr werden auf der Erde ca. 15 Mrd. Bäume gefällt, vornehmlich in den äquatorialen Regenwäldern (Albrecht, 2015, a.a.O.), die jedoch immer mehr umfangreichen Rodungen und Zerstörungen anheimfallen.

Zudem stellten Forscher um den Biologen Roel Brienen (Universität Leeds/GB) fest, dass im Amazonas-Gebiet die Bäume – durch den höheren CO2-Gehalt in der Luft zwar schneller wachsen, allerdings auch wieder früher absterben. Die dortige Baumsterblichkeitsrate wuchs in den letzten 20 Jahren um ca. 30% an. Die Ursachen für diese Entwicklung sind noch ungeklärt.

Schließlich produzieren die Regenwälder einen Teil der Niederschläge, die sie zum Leben benötigen, durch die Verdunstung in ihren Kronen selbst. „Es fällt nicht schwer, ein Szenario auszumalen, nach dem die Regenwälder an einen Punkt gelangen, wo sie so geschrumpft sind, dass der Kreislauf zum Stillstand kommt. Dann würde sich das regionale Klima dort ähnlich radikal ändern, wie das vor zehntausend Jahren in der Sahara geschah, als sich die fruchtbare Savannenlandschaft allmählich wieder in eine Wüste verwandelte“ (vgl. Jörg Albrecht, 2015, a.a.O.).

 

Für viele indigene Völker der Anden-Region ist Pachamama, die Mutter Erde, die Schöpferin allen Lebens, insbesondere auch der Wälder. Die Bäume dürften von daher nur angerührt werden, wenn es unbedingt notwendig war. Traditionell galt die Regel, für jeden gefällten Baum müsste man zwei neue pflanzen (vgl. „Tagesspiegel“, 21. Februar 2016, S. R1).

Faktisch aber werden auch z.B. in Ekuador immer größere Teiel des Regenwaldes zerstört; auch Indigene fällen Bäume, um das Holz zu verkaufen.

Durch die Erdölförderung und das Goldschürfen im Nordosten des Landes sind die dortigen Flüsse z. T. mit Quecksilber kontaminiert und weite Regenwaldregionen zerstört. Der hauptsächliche Verursacher, Texaco, wurde schon 2009 von einem ekuadorianischen Gericht zu einer Schadensersatzzahlung von 9 Mrd. US-$ verurteilt, aber bis heute ist nicht ein Cent gezahlt worden.

Im artenreichen Nationalpark Yasuni, am Oberlauf der Rio Napa und seit 1989 Weltnaturerbe der UNSECO wurde wiederum Erdöl gefunden. Der ekuadorianische Präsident Rafael Correa bot im Jahre 2007 an, „… auf die Ausbeutung der Vorkommen zu verzichten und den REgenwald intakt zu erhalten, wenn die Weltgemeinschaft Ecuador für die Hälfte der entgangenen Einnahmen entschädigt. Das wären rund 5 Mrd. Dollar gewesen, die in einem Treuhandfonds hätten eingezahlt werden sollen. Doch die Zusagen beliefen sich nur auf einen Bruchteil der Summe, auf 13,3 Millionen“ (vgl. „Tagesspiegel“, 21. Februar 2016, S. R1). Durch den Plan wäre der Ausstoß von ca. 400 Mio t des klimaschädlichen CO2 verhindert worden.Noch im Jahre 2016 soll mit der Förderung begonnen werden, wieder zulasten auch des Regenwaldes. 

 

Das baumreichste Land der Erde ist Russland mit ca. 640 Mrd. Bäumen (vgl. „Bild der Wissenschaften“, H.12/2015, S. 8). Auch verfügt Russland mit 8,1 km2 über die größten irdischen Waldflächen, es folgen Brasilien mit 4,9 Millionen km2 und Kanada mit 3,5 Millionen km2 Wald. Durch Pflanzungen und Wiederaufforstungen sinkt der jährliche Verlust an Bäumen auf ca. 10 Mrd. Exemplare.

 

Keiner der Wälder im heutigen Deutschland - in den letzten Jahrtausenden zumindest - war ein „natürlicher“ Wald.. Der gegenwärtige Wald ist eine Art Sekundärwald, ein menschlich angelegter und bewirtschafteter oft monokultureller Forst zur Holzproduktion. Aber auch ein dichter unbewirtschafteter urwaldartiger Wald wie er in den Nationalparks im Entstehen begriffen ist, wäre kein natürlicher Wald. Dazu bedürfte es der Herden großer Pflanzenfresser, die den Wald licht, hell, sonnendurchflutet und artenreich – im ökologischen Gleichgewicht - halten  könnten. Diese Tiere aber haben unsere Vorfahren schon vor vielen Jahrhunderten ausgerottet. 

 

Am „Tag der Baumes“ 1996 wurden in einer zentralen Baumpflanzaktion - mit Hilfe des Modemachers Bogner - mehr als 10000 Spitz- und Bergahorne an der Wahnbachtalsperre (in der Nähe von Bonn) gepflanzt.

Tatsächlich wurden in den letzten Jahren am Tag des Baumes jeweils über 1 Million Bäume gepflanzt, auch durch viele helfende Hände und durch finanzielle Unterstützung von Sponsoren und Spendern.

Laut dem „Waldbericht 2008“ hat sich der Zustand des Waldes in Deutschland nur geringfügig verbessert. Im Durchschnitt leiden immer noch ca. 20 % der Bäume an einer Kronenverlichtung. Den Buchen geht es etwas besser, inzwischen tragen weniger als ein Drittel der Buchen einen um 25% verringerten Laubbestand. Bei den Eichen hat rund die Hälfte der Exemplare derart wenig Laub“ (vgl. „Berliner Zeitung“, 21./22. Februar 2009, S. 16).

Im Jahr 2006 beschloß die Vollversammlung der Vereinten Nationen 2011 zum Jahr der Wälder zu erklären.

Es gibt mehr als 90 verschiedene Definitionen von Wald (vgl. FWA 2008, S. 722).

Nach der Definition der FAO ist Wald eine von Bäumen dominierte Vegetationsform mit einer Mindestfläche von 0,5 ha, bei der die Bäume ausgewachsen mindestens 5m groß sein und 10 % der Bodens überschirmen müssen (vgl. FWA 2008, S. 722).

Nach dieser Definition gab es 2005 weltweit knapp 3,95 Mrd. ha Waldflächen, was ca. 30 % der (eisfreien) irdischen Landfläche entspricht. Pro Kopf der Weltbevölkerung wären das 0,62 ha Wald, mit sinkender Tendenz (vgl. FWA 2008, S. 722).

Die Wälder sind auf der Erde aber sehr ungleich verteilt. In 25 Staaten gibt es praktisch keine Wälder mehr, umgekehrt entfallen auf die 10 waldreichsten Länder (Russland, Brasilien, Kanada, USA, China, Australien, Kongo, Indonesien, Peru und Indien) ca. zwei Drittel aller irdischen Wälder.

In Deutschland sind zurzeit (2010) ungefähr 31 %, der Oberfläche mit Wäldern bedeckt, mit leicht steigender Tendenz.

 Für ca. 1,6 Mrd. Menschen ist der Wald „…. unverzichtbare Existenzgrundlage“ (vgl. „Berliner Waldzeitung“, 2/2010, S. 1).

Jedes Jahr allerdings werden weltweit durchschnittlich ungefähr 13 Mio. ha Wald zerstört.

Der Wald spielt für das irdische Klima eine zentrale Rolle. Da die Waldflächen bei ihrem Wachstum das Treibhausgas CO2 binden und zumindest zeitweise dem CO2 – Kreislauf entziehen, folgt aus der Abholzung von Waldflächen ein zusätzlicher (anthropogener) Anstieg des atmosphärischen Kohlendioxids: Der Beitrag der Entwaldungen wird auf ca. 5,9 Mrd. t CO2 im Jahr geschätzt (vgl. FWA 2008, S. 714) – ungefähr soviel, wie die USA pro Jahr emittieren!

Alle Wälder und Waldböden der Erde enthalten zusammen ungefähr 283 Gigatonnen Kohlenstoff – 50 % mehr als die Erdatmosphäre (vgl. FWA 2008, S. 722).

Vom Menschen freigesetztes CO2 verbleibt bis zu 200 Jahren in der Atmosphäre, bis es durch biologische und chemische Prozesse (wie der pflanzlichen Photosynthese) wieder angebaut worden ist (vgl. FWA 2008, S. 714).

 

Der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) führte 10 gute Gründe an, Bäume  zu schützen:

  1. Bäume sind Klimaschützer: eine ausgewachsene Buche entlastet an einem einzigen Sonnentag die Atmosphäre um ca. 18 kg von dem Treibhausgas CO2.
  2. Bäume sind Staubfilter: sie reduzieren die gesundheitsgefährdenden Staubbelastungen (Feinstäube, Bakterien, Sporen etc.) der Atemluft insbesondere in Städten; so filtert eine 40 Jahre alte Buche durch die Blätter ihre Baumkrone wie durch ein Sieb ca. 2 kg Staub ab einem Tag aus der Luft.
  3. Bäume sind Lärmschlucker: insbesondere in den schluchtartigen Straßen der Städte, in denen die Häuserwände die Geräusche reflektieren, wirken die belaubten Baumkronen schalldämpfend. Eine 80jährige Buche mit sommerlichen ca. 800 000 Blättern hat eine Gesamtblattoberfläche von ungefähr 1600 m2, die vor Schall schützen.
  4. Bäume sind Schattenspender: Alte Bäume mit ihrem großen Laubdach spenden nicht nur Schatten und (durch die Verdunstungskälte) angenehme Kühlung, sie schützen auch vor intensiverer UV- Strahlung. Ein Baum mit einem Kronendurchmesser von 15m beschattet eine Fläche von ca. 160 m2. Die dichteste Krone mitteleuropäischer Straßenbäume ist die Rosskastanie.
  5. Bäume sind Luftbefeuchter: ein größerer Baum verdunstet pro Tag bis zu 400 l Wasser und erhöht so die Luftfeuchtigkeit und kühlt seine Umgebung um einige Grade ab. Deshalb wirken Bäume – insbesondere im Hochsommer – erfrischend.
  6. Bäume sind Artenschützen: Große Bäume sind Ökotope für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Je älter und größer ein Baum ist, desto größer ist auch die Zahl seiner „Untermieter“ und damit sein ökologischer Wert für die Artenvielfalt.
  7. Bäume sind Bodenschützer: Durch die Wurzeln der Bäume wird der Boden aufgelockert und durchlüftet, sie verleihen ihm auch Halt vor der Erosion. Zudem hält das Wurzelwerk an steilen Hängen den Erdboden fest, verhindert Erdrutsche und bremst Lawinen ab. Das Laub der Bäume wird (wenn es liegenbleibt) von verschiedensten Mikroorganismen zu neuem Boden verarbeitet.
  8. Bäume sind Wasserspeicher: Bäume speichern mit ihrem Geflecht von Wurzeln das Regenwasser und führen es dann langsam durch Verdunstung wieder dem Wasserkreislauf zu. In Städten mit ihrer Kanalisation und Bodensiegelung ist diese Funktion der Bäume besonders wichtig. Zudem filtern die Wurzeln der Bäume Schmutz und viele Schadstoffe aus dem Wasser und geben es geeinigt wieder ab. 
  9. Bäume sind Gestalter des Stadtbilds: Berlin hat z.B. ca. 416 000 Straßenbäume, die das Stadtbild prägen und schmücken. Besonders gilt dies für große und alte Bäume. „Leider ist es für viele Bezirke leichter und Kosten sparender, die alten Bäume zu fällen, als sie erhaltungsgerecht zu pflegen“ (vgl. BUND, „10 gute Gründe, Bäume zu schützen“, Berlin, o.J.)
  10. Bäume sind „Wohlfühlspender“: Bäume vermitteln Gefühle von Freude und Beruhigung, sie laden ein zum Spielen, Ausruhen, Verweilen und zur Kommunikation. Sie vermitteln auch in den von der Natur entfremdeten Städten das Erlebnis der Jahreszeiten (vgl. BUND, „10 gute Gründe, Bäume zu schützen“, Berlin, o.J.)

 

Die Stiftung „Menschen für Bäume“ wählte den Berg–Ahorn zum Baum des Jahres 2009. Im Jahre 1995 war bereits der Spitzahorn Baum des Jahres gewesen.

 

Der Berg – Ahorn (Acer pseudoplatanus L., oder weißer, stumpfblättriger Ahorn; in Schlesien früher auch "Urle") ist ein schnellwachsender, bis zu 20 – 20 m hoher großer, schöner Baum.  Seine größte Höhe erreicht der Baum im Alter von ca. 80 – 100 Jahren, er wird aber bis zu ca. 500 Jahre alt. Die Rinde ist bei jungen Bäumen hellbraun bis grau und glatt. Älter geworden verändert sich die Rinde: sie wird dunkelgrau, geschuppt, schwachborkig und blättert in Platten ab. Der Stamm sieht dann einer Platane ähnlich (daher der Name).

 

Der Berg-Ahorn hat langstilige, fünffingrige Blätter, wie gespreizte Finger. Die Blattform ist unverkennbar und ziert  die Fahne von Kanada.

Auch die Früchte des Ahorn sind unverwechselbar: die propellerartigen Doppelflügel werden leicht vom Wind erfasst und wirken wie eine Art von Hubschrauber, mit bis zu 16 Umdrehungen pro Sekunde. So können die Ahornsamen über größere Entfernungen verbreitet werden. Da die gespaltene Samenfalte klebrig ist, werden die Früchte von Kindern oft als „Nasenhorn“ genutzt.

Das helle, beinahe weiße Holz der Berg – Ahorns ist u.a. für den Instrumentenbau gefragt, so für Flöte oder Fagott. Bei Saiteninstrumenten, (insbesondere bei Guitarre, Cello, Bratsche und Violine) soll Ahornholz eine wunderbare Resonanz bewirken. Berühmt wurden die Geigenböden, die aus so genanntem „Riegelahorn“ gefertigt wurden.

Im regionalen Volks(aber)glauben hat Ahornholz als Türschwelle eine ganz besondere Eigenschaft: Zauberer und Hexen könnten eine solche Schwelle nicht überschreiten.

 

Beheimatet ist der Berg – Ahorn in Europa und Westasien, im kühl-feuchten Bergklima. In Mitteleuropa ist er die häufigste Ahornart. V.a. findet er sich in der Mittelgebirgen, den Alpen, Karpaten und Pyrenäen. In den Zentralalpen steigt der Berg – Ahorn bis in eine Höhe von fast 2.000 m. Der anspruchslose Baum gilt als Pionier zur Bodenerschließung.

Früher wurde der Berg – Ahorn oft als schützender Hausbaum in der Nähe von Gehöften geüflanzt.

 

Berühmt wurde der Schwurbaum, ein riesige Berg- Ahorn bei dem Schweizer Ort Trun(Truns); unter seiner Krone gründete man im Jahre 1424 den „Grauen Bund“, aus dem später der Kanton Graubünden hervorging. Vertreter Graubündens trafen sich noch jahrhundertelang alljährlich unter diesem Berg - Ahorn, um den Bund zu erneuern. Im Jahre 1870  aber wurde der ehrwürdige Baum von einem heftigen Sturm umgerissen. Der geborstene Stamm wurde von Graubündenern in einer regelrechten Trauerprozession in den Gerichtssaal zu Chur getragen. Teile des alten Stamms sind bis heute im Museum Sursilvan in Trun ausgestellt. Heute steht an gleicher Stelle ein neuer Berg - Ahorn, der aus einem Steckling des Schwurbaums nachgezogen wurde.  Benachbart dazu steht die barocke St. Anna – Kapelle mit Darstellungen zu graubündischen Geschichte.

 

Der Zuckergehalt im Saft des Berg-Ahorns [2] liegt  (vor dem Blattaustrieb im Frühjahr) mit 1 – 3 % relativ hoch. In Nordamerika allerdings wächst ein naher Verwandter, der Zuckerahorn (Acer saccharinum Wangenh.). Er  erreicht einen Saccharosegehalt bis zu 8 %. Ein Baum des Zucker-Ahorns liefert jährlich ca. 150 Liter Saft.

Allein im Jahre 2008 wurden in Kanada 14 000 t Ahornsirup („maplesyrup“) aus den Bäumen gezapft. Er soll viel gesünder sein als Zucker, viele Vitamine und nützliche Mineralstoffe enthalten. 

Der Saft des Berg - Ahorns enthält jedoch mehr Zucker als die meisten heimischen Bäume. Im Frühsommer scheiden zahlreiche Blattläuse  „Honigtau“ aus, partiell verdauten Zuckersaft: Unter der Krone  eines befallenen Berg-Ahorns wird alles besonders stark mit einem klebrigen süßen Film überzogen.

 

 


[1] Die Wald-Bestandsaufname einer Forschergruppe um den Ökologen Thomas Crowther (Yale/New Haven; USA) kombinierte Satellitenaufnahmen und Computerberechnungen mit den Daten von weltweit 400 000 Beobachtungsstellen (vgl. Bild der Wissenschaften“, H. 12/2015, S. 8). Veröffentlicht wurde der Bericht am 10. September 2015 in der „Nature“ (Nr. 525, S. 201 – 205). 

 

 

 


[2] Früher wurde auch in Europa der austretende Saft des Berg–Ahorns geerntet und daraus Sirup, Zucker und Essig hergestellt. Allerdings erwies sich die Gewinnung als umständlich, die Bäume sind empfindlich: Viele Berg–Ahorn–Exemplare „verbluteten“, sie können – im Gegensatz zum Feld- und Spitz – Ahorn - Verletzungen schlecht wieder schließen. Im Elsaß wird der Baum deshalb auch „Milchahorn“ genannt. Pro Berg-Ahorn können pro Jahr bis zu 50 Liter Saft geerntet werden. Der Berg – Ahorn - Saft wird auch heute noch regional zu einem mostähnlichen Getränk vergoren. Vor allem in der Zeit der französischen Revolution und der Napoleonischen Kontinentalsperre stieg der Rohr-Zuckerpreis stark an und man experimentierte mit allerlei Ersatzstoffen, so auch mit einer Ahorn-Zuckerproduktion (z.B. im Berliner Tiergarten oder im Wiener Prater). Letztlich setzte sich jedoch die neu gezüchtete Zuckerrübe durch, die eine deutlich höhere Zuckerausbeute versprach.

 

 

 

© Christian Meyer

 

 

Abb. aus „Meyers Konversationslexikon“, Bibiliographisches Institut Leipzig / Wien, 1890, Bd. 1, S. 236a