Abb. Sklavenhandel in Afrika 1873 (aus „Die Zeit“, Nr. 51/2017, S. 9)

 

2. Dezember: Internationaler Tag für die Abschaffung der Sklaverei.

 

Sklaverei bezeichnet den Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden. Die Abgrenzung zu verwandten Formen wie der Leibeigenschaft oder Hörigkeit ist fließend.

Der Kampf gegen die Sklaverei war lang und ist immer noch nicht gewonnen.

Benjamin Franklin gründete 1775 die erste nordamerikanische Anti-Sklaverei-Gesellschaft. Zu ihren Gründungsmitgliedern gehörte u.a. Thomas Paine (1737 – 1809; vgl. „Die Zeit“, 24/2009, S. 76)).

 

Adelbert von Chamisso fand während seiner „Reise um die Welt“ im Dezember 1815 in Süd-Brasilien, auf der Insel Santa Catharina „.. den Sklavenhandel noch im Flor. Das Gouvernement Santa Catharina bedurfte allein  jährlich 5-7 Schiffsladungen Neger, jede zu 100 gerechnet, um die zu ersetzen, die auf den Pflanzungen ausstarben. Die Portugiesen führten solche aus ihren Niederlassungen in Kongo und Mozambique selber ein. Der Preis eines Mannes in den letzten Jahren betrug 200-300 Piaster. Ein Weib war viel geringeren Wertes. Die ganze Kraft eines Menschen schnell zu verbrauchen und ihn durch neuen Ankauf zu ersetzen, schien vorteilhafter zu sein, als selbst Sklaven in seinem Hause zu erziehen. Mögen euch ungewohnt die schlichten Worte eines Pflanzer der neuen Welt ins Ohr schallen.-  Der Anblick dieser Sklaven in den Mühlen, wo sie den Reis in hölzernen Mörsern mit schweren Stampfkolben von seiner Hülse befreien, indem sie den Takt zu der Arbeit auf eine eigentümliche Weise ächzen, ist peinvoll und niederbeugend. Solche Dienste verrichten in Europa Wind, Wasser und Dampf. Und schon stand zu Krusensterns Zeit eine Wassermühle im Dorfe San Miguel. Die im Hause des Herrn und die in ärmeren Familien überhaupt gehalten werden, wachsen natürlich die Menschen näher als die, deren Kraft bloß maschinenmäßig in Anspruch genommen wird. Wir waren übrigens nie Zeugen grausamer Mißhandlungen derselben“ (Chamisso, S. 258, a.a.O.).

 

Französische Sklavenhändler dürften mehr als eine Million Afrikaner als Sklaven transportiert und verkauft haben. Geldanlagen im Sklavenhandel waren profitabel und deshalb beliebt, so ist bekannt, dass etwa Voltaire Teile seiner Mittel im Sklavenhandel angelegt.

 

Im Zuge der französischen Revolution wurde 1791 in Frankreich die Sklaverei formell abgeschafft,  1802 allerdings durch Napoleon wieder eingeführt.

 

Auf dem Wiener Kongress 1815 setzte Großbritannien unter den europäischen Großmächten ein grundsätzliches Verbot des afrikanischen Sklavenhandels durch. Jedoch wurden dabei keine Fristen zur Umsetzung des Beschlusses festgelegt.

 

Am 15. April 1818 wurde – unter deutlichem Druck aus England – ein französisches Gesetz erlassen, das den Sklavenhandel zum Verbrechen erklärte und und unter Strafe stellte. 

 

Die „Oesterreichisch-kaiserliche privilegierte Wiener Zeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 1. Februar 1821  davon, dass der französische Kapitän Blais, der das Schiff „Hippolyt“ führte, dabei ertappt wurde, als er vor der afrikanischen Küste Sklaven einhandeln wollte. „… Man brachte ihn nach Saint-Louis (Stadt nahe der heutigen Grenze zu Mauretanien, C.M.), wo er wegen Sklavenhandels zum Verlust seiner Kapitänsrechte und des Schiffs samt Ladung zur Einziehung verurteilt wurde. Er appellierte aber an den obersten Gerichtshof des Senegal, welcher, da drei Richter für und drei wider den Appellanten stimmten, zu dessen Gunsten entschied, ihn freisprach und Schiff und Ladung zu restituieren befahl“.

 

Später erklärte ein oberes Gericht in Paris – in Anwendung des Gesetzes von 1818 das Urteil aus dem Senegal für null und nichtig (vgl. Stegemann, S. 344, a.a.O.).  

 

Im Jahre 1848 erfolgte in der Zweiten Französischen Republik die Abschaffung der Sklaverei.

 

 

 

Nach ungesicherten, umstrittenen Berechnungen raubten zwischen 1500 und 1900 arabische Sklavenhändler bis zu 17 Mio. Menschen v.a. in Nord- und Ostafrika, im gleichen Zeitraum verschleppten europäische Sklavenhändler bis zu 15 Millionen Menschen v.a. aus dem westlichen Afrika (vgl. „Die Zeit“, Nr. 51(2017, S. 9). Ohne Zweifel ist Afrika der Kontinent, der am meisten und längsten unter dem Sklavenhandel gelitten hat.

 

 

 

Im Rahmen des Völkerbundes wurde im Jahre 1926 ein Staatsvertrag zur Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels abgeschlossen.

Die jemenitische Regierung unter dem Imam Yahya schloss sich nicht der Konvention gegen den Menschenhandel an, die Sklaverei blieb im Jemen zulässig (vgl. Rathmann, Bd. 3, S. 214, a.a.O.).

 

In der UNO-Charta für Menschenrechte von 1948 - die auch von Saudiarabien unterschrieben wurde - heißt es: „Niemand darf in Sklaverei oder Abhängigkeit gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in jeglicher Form sind verboten."

Am 2. Dezember 1949 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Konvention über die Bekämpfung des Menschenhandels und der Ausbeutung anderer Personen.

Als letztes Land der Erde hob Mauretanien 1980 seine bis dahin auch formal noch bestehenden Sklavereigesetze auf.

Allerdings stirbt Sklaverei niemals einfach von selbst ab. Bis heute existiert sie faktisch noch z.B. im Jemen, Mauretanien, in Saudi-Arabien  und im Sudan,  erneut aber im Territorium, das der "Islamische Staat" beherrscht.

 

Auch in der islamischen Welt hat die Sklaverei eine alte Tradition. Schon der französische Orientalist des 17. Jhdts., Barthélemy d’Herbelot, berichtete: Im Jahre 652 (31 n. d. H., zur Zeit des 3. Kalifen Othman) zwang der Emir Abdallah ben Said, der arabische Gouverneur von Ägypten, dem nubischen König Khalidurat einen Schutzgeld-Vertrag auf: Nubien sollte in Zukunft unter muslimischem Schutz stehen, sofern es jedes Jahr 360 Sklaven beiderlei Geschlechts an den Imam von Aswan überstellte (vgl. d’Herbelot, Bd. 3, S. 662, a.a.O.).

Der senegalesisch-französische Anthropologe Tidiane N’Diaye (*1950) hält den arabisch-muslimischen Sklavenhandels in Afrika mit seiner Schätzung nach über die Jahrhunderte ca. 17 Mio. Opfern sogar für einen „verschleierte Völkermord“(vgl. N’Diaye, a.a.O.).

Im Jahre 2003 soll Scheich Saleh Al-Fawzan (*1933), ein Mitglied des saudischen Kleriker-Rates, der höchsten geistlichen Institution des Landes, in einer Fatwa geurteilt haben, dass die Sklaverei ein Teil des Islams, ein Teil des Dschihad sei und solange bestehen bleibe, wie der Islam selbst: Wer das leugne sei ein Ungläubiger (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Contemporary_slavery) – sicher eine Extremposition.

 

Daneben kommt es weltweit in vielen Ländern zu neuen Formen „moderner“ Sklaverei, die zwar nicht so heißt, juristisch auch als abgeschafft gilt, faktisch aber der Sklaverei gleich kommt.

Die Stiftung „Walk Free“ veröffentlichte im Mai 2016 den (allerdings nicht unumstrittenen) „Global Slavery Index“, nach dem im Jahre 2015 knapp 46 Mio. Menschen in weltweit 176 Ländern in modernen Formen der Sklaverei leben, d.h. sie haben keine Kontrolle über das, was mit ihrem Körper geschieht, welche Arbeit sie ausführen, leben z.T. intergenerationell in Schuldknechtschaft und können sie sich nicht aus ihrer Lage befreien.

In Indien leben mit ca. 18,3 Mio. die meisten Menschen in moderner Sklaverei, als Bettler, Haushaltshilfe, SexarbeiterInnen oder Kindersoldaten (vgl. Tagesspiegel, 1. Juni 2016, S. 5).   

China belegt nach dem „Global Slavery Index“ mit 3,4 Mio. moderner Sklaven den 2. Platz hinsichtlich der absoluten Zahlen. 

Den höchsten prozentualen Anteil an modernen Sklaven hat Nord-Korea mit ca. 1,1 Mio von 25 Mio. Einwohnern, das sind ca. 4,4% der Gesamtbevölkerung. Der nord-koreanische Staat verleiht – nach einem UN-Bericht – Arbeiter an mehr als 40 Länder weltweit, v.a. nach Asien und Afrika, aber auch in die EU (v.a. nach Polen).

Der Staat Nord-Korea nimmt durch die Zwangsarbeiter jährlich geschätzte 2 Mrd. € ein, denn die Arbeiter erhalten nur einen sehr geringen Lohn und leben in einem scharf kontrollierten, praktisch geschlossenen System.

In Polen z.B. arebiten die Nord-Koreaner mit regulären Arbeitserlaubnissen sechs Tage wöchentlich, je 12 Stunden, unter zahlreichen Verletzungen des Arbeitsrechts.

Tatsächlich aber sind die Arbeitsplätze im Ausland in Nord-Korea sehr begehrt, es werden für sie sogar Bestechungsgelder bezahlt (vgl. Tagesspiegel, 1. Juni 2016, S. 5).  

 

 

Auch die „herkömmliche“ Sklaverei ist in Afrika nicht vorbei. Im Herbst 2017 wurde in Libyen heimlich ein Video aufgenommen, das eine Szene auf einem nächtlichen Sklavenmarkt dokumentierte. Eine Gruppe afrikanischer Männer, vermutlich Flüchtlinge, die nach Europa gelangen wollten, werden verkauft: „Große, strake Jungs für die Feldarbeit“ sagt ein Verkäufer auf Arabisch. Es folgt eine Versteigerung, an deren Ende die Afrikaner für jeweils 1200,- Libysche Pfund ( 337,- €) verkauft werden (vgl. „Die Zeit“, Nr. 51/2017, S. 9).

 

In einigen Regionen Nordafrikas, v.a. in Libyen hat gegenwärtig (2017) der Menschenhandel den Drogenhandel als ertragreichste Einkommensquelle verdrängt.

 

 

 

 

(unveränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender)

 

© Christian Meyer

 

Abb.: Sklavenhandel 2017 in Libyen: Auf der Schulter des zukünftigen dunkelhäutigen Sklaven liegt die Hand des hellhäutigen Versteigerers (Abb. aus „Die Zeit“,Nr. 51/2017, S. 9)