10. / 11. / 12. / 13. / 14. / 15. Mai:  Eisheilige

 

Tage der Hll. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, der „Eisheiligen“; diese Tage werden auch „Die drei gestrengen Herren“ oder „Die drei Eismänner“ genannt. Dabei sind meist nur die Hll. Pankratius, Servatius und Bonifatius gemeint.

Zum Teil wird regional auch noch der Hl. Andreatus, dessen am 10. Mai gedacht wird, zu den Eisheiligen gezählt.

Der christliche Hl. Mamertus (Namenstag: 11. Mai) entstammte einer wohlhabenden gallorömischen Familie aus in der Region um Lugdunum / Lyon. Er war der Bruder des Dichters Claudianus Mamertus.

Er wurde 461 Erzbischof von Vienne, wo er auch um 475 / 477 verstarb.

Um 464 hatte Mamertus einen Konflikt mit Papst Hilarius (Pont. 461 – 468) wegen einer 450 erfolgte Neueinteilung der südgallischen Diözesen. Er setzte selbst einen neuen Bischof in St. Dié ein und wurde deshalb vom Papst scharf gerügt.

Während seines Episkopats soll Mamertus durch sein Beten einer zerstörerischen Feuersbrunst Einhalt geboten haben und auch darüber hinaus noch allerlei Wunder bewirkt haben. Mamertus führte um 470, nachdem Vienne zuerst durch Feuer, dann durch ein Erdbeben verwüstet worden war, an den drei Tagen vor dem Fest Christi Himmelfahrt die „Drei Bittgänge" ein, um Katastrophen und Heimsuchungen abzuwenden und göttliche Hilfe zu erflehen. Die dazu erstellten Litaneien und Gebete verbreiteten sich in ganz Gallien und Spanien.  

Mamertus gilt als Patron der Ammen, der Hirten und der Feuerwehr; er soll beistehen gegen Krankheiten der Brüste, Fieber und Dürre

In der Kunst wird der Hl. Mamertus im Bischofsornat mit einem brennenden Licht zu Füßen des Kreuzes dargestellt.

In Norddeutschland, in den Niederlanden und in der Schweiz gilt "Sankt Mamerz" als der erste "Eisheilige"; die „Eisheiligen“ beginnen deshalb dort bereits mit Mamertus am 11. Mai.

 

Der Hl. Pankratius (Namenstag: 12. Mai; der griech. Name bedeutet „der alles Beherrschende“) soll aus Phrygien stammen. Als neunjähriger Waise soll er nach Rom zu seinem Onkel gekommen sein. Als 14jähriger soll er während der Diokletianischen Christenverfolgung um 304 wegen seines Beharrens am Christentum enthauptet worden sein.

Sein Kult breitete sich seit dem 5. Jhdt. aus.  Papst Symmachus ließ an seiner Gedächtnisstätte die Basilica San Pancrazio fuori le mura errichten, eine der Stationskirchen an der Via Aurelia.

Pankratius gilt als Wetterheiliger, als Eideshelfer und Jugendpatron. In manchen Regionen wird Pankratius als einer der 14 Nothelfer [1] verehrt.

Der Hl. Servatius (Namenstag: 13. Mai) war Bischof von Tongern [2] . Er gründete Marienheiligtümer in Tongern und Maastricht und war ein entschiedener Gegener des Arianismus. Er soll einen Einfall der Wandalen vorausgesagt haben und starb in hohem Alter hochverehrt im Jahre 403 in Maastricht. Sein Grab in der St Servatiuskirche (St. Servaaskerk) zu Maastricht, der ältesten Kirche der Niederlande, wurde bald ein Zentrum seiner Verehrung. Er wurde in ganz West - Europa eine der verehrtesten Heiligengestalten des Mittelalters.

Der Hl. Bonifatius (Namenstag: 14. Mai) ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen  „Apostel der Deutschen“ (ð 5. Juni). Über den „Eisheiligen“ Bonifatius ist wenig bekannt: Er soll in Tarsus im Kilikien gelebt haben und dort um 306 den Märtyrertod erlitten haben.

 

Die Heilige und Märtyrerin Sophia („von Rom“, auch Sophie, Sofie; der Name bedeutet im Griechischen „Weisheit“, ihr Gedenktag ist der 15. Mai) war der Überlieferung nach eine junge römische Christin, die für ihren Glauben während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian im Jahr 303/04 das Martyrium erlitten haben soll.  

Einer anderen, wahrscheinlich späterrn Legende nach war die Hl. Sophia eine reiche Witwe in Mailänd, die ihr Eigentum in christlicher Nächstenliebe den Armen schenkte. Mit ihren drei Töchtern soll sie dann nach Rom gegangen sein, wo alle vier unter Kaiser Hadrian (117-138) des Christentums wegen angeklagt und die Töchter nach verschiedenen Foltern und Wundern hingerichtet wurden. Drei Tage nach deren Beerdigung starb dann auch Sophia. Hier wurde die Heilige zur Personifikation der Weisheit, desgleichen sind ihre drei Töchter [3] Fides, Spes und Caritas (oder Pistis, Elpis und Agape, d.i. Glaube, Hoffnung, Liebe) Personifikationen der christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe.  

 

Die Verehrung der Hl. Sophia hatte vor allem in der byzantinischen und orthodoxen Kirche eine große Bedeutung, viele bedeutende Kirchen wurden ihr geweiht. Die berühmteste Kirche in Konstantinopel (dem heutigen Istanbul), die Hagia Sophia, war der "heiligen Weisheit" geweiht.

 

Im Mittelalter ließen Menschen „Sophien-Messen" lesen. Sie gilt als die Patronin der Witwen und Helferin in Not und Bedrängnis.

Im Volk erlangte Sophie als „Eisheilige" Popularität, sie wird zuweilen auch die „Nasse Sophie“ genannt, da es nach einem Kälteeinbruch oft regnet.

Vor allem in Süddeutschland wird die „kalte Sophie“ auch zu den „Eisheiligen“ gezählt.

 

Die „Eisheiligen“ sind das vielleicht bekannteste Wetterphänomen in Deutschland; nach der Überlieferung scheinen sie in früheren Jahrhunderten stärker ausgeprägt gewesen zu sein. Heute werden sie meist von der Warmphase des Spätfrühlings kompensiert.

Darüber hinaus waren einige regionale Abweichungen bemerkbar. In Teilen Norddeutschlands wurden die Tage vom 11. - 13. Mai  (Mamertus, Pankartius und Servatuis) als die Eisheiligen angesehen. In Thüringen und Süddeutschland hingegen die Tage vom 12. bis 14. Mai.

In der Schweiz und Österreich fürchtet man sich vor Pankratius, Servatius und Bonifatius und zudem vor der „kalten Sophie“. Sicher vor "unzweifelhaft feststehenden Rückfällen der Kälte" könne man erst "nach Urban" (25. Mai) sein, sagen wieder andere Bauernregeln. Aus empirischer Beobachtung abgeleitete deutsche Bauernregeln zu den Eisheiligen lauten:

 

                               „Pankrazi, Servazi, Bonifazi

                                sind drei frostige Stazi,

                                und zum Schluss fehlt nie

                                die kalte Sophie“.

                            "Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bevor Sophie vorüber ist."

                            „Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei,

                            ist nicht sicher vor Kälte der Mai“

                           "Mamertus und Pankratius, und hinterher Servatius, sind gar gestrenge Herrn."

                           "Der heilige Mamerz, der hat aus Eis ein Herz."

                           "Mamerz, Servaz, Pankrazi, sind richtige Lumpazi."

                               „Pankratius

                               macht mit den Nachtfrösten Schluss“

                               „Pankraz, Servaz, Bonifaz

                               machen erst dem Sommer Platz“.

                               „Sophia man die Kalte nennt,

                               weil sie gern kaltes Wetter bringt“.

                               „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist,

                               bevor Sophie vorüber ist“.

 

Seit Jahrhunderten werden die „Eisheiligen“ besonders von Bauern und Gärtnern gefürchtet: „Pflanze nie vor der kalten Sophie“, „Die Eisheiligen abwarten“ meinen erfahrene Gärtner hinsichtlich von Sommerblumen, Kübepflanzen etc.  

Allgemein gilt: An den Namensfesten der Eisheiligen - offiziell: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Kalte Sophie - drohen Kälteeinbrüche mit Nachtfrostgefahr in Deutschland.

Früher schützte man während der Eisheiligen oft die Gärten, Äcker und Weingärten mit brennenden Feuern, um jene durch den Rauchnebel, der sich über die Blüten und Triebe legte und die Wärme vor Frost zu schützen.

 

Ursache für mögliche Kälte in der Mai - Mitte liegt in der unterschiedlichen Erwärmung des europäischen Kontinents und des Nordatlantiks. Dabei kann kalte Luft polaren Ursprungs nach Nord - und Mitteleuropa gleichsam angesaugt werden, manchmal auch in einer Rechtskurve von Nordwestrussland her komend. Doch die Eisheiligen sind seit Jahren eigentlich wenig zuverlässig und pünktlich: Die „Trefferquote" liegt nur noch bei rund 60 Prozent, sagen die Meteorologen. Seit 1998 sind die klassischen Eisheiligen in Deutschland praktisch ausgefallen (vgl. „Tagesspiegel“, 12. Mai 2007, S. 38). 

Durch die langsam zunehmende Klimaerwärmung scheint das Klimaphänomen der Eisheiligen in Mitteleuropa an Bedeutung zu verlieren. Allerdings können tiefe Temperaturen, insbesondere Frosteinbrüche für junge Triebe von Obstbäumen und junge Gemüsepflanzen gefährlich werden. Deshalb wird empfohlen mit u.a. folgenden Pflanzen bis nach den Eisheiligen zu warten: Tomaten, Gurken, Zucchini, Bohnen, Basilikum oder Dahlien. Folgende Pflanzen hingegen kann man auch zuvor im Freine pflanzen oder herausstellen: Blattsalat, Radieschen, Kohlrabi, Zwiebeln, Kartoffeln, Schnittlauch oder Geranien. Geranien werden sogar besonders widerstandfähig und üppig, wenn sie leichtem Frost ausgesetzt wurden (vgl. ND-Ratgeber Haus und Garten, 29. April 2015, S. 5).

 

(unveränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender)

 

 © Christian Meyer



[1] Am Obermain, in „Vierzehnheiligen“, werden als die Nothelfer (auch auf Reisen) folgende Heilige verehrt:

1. Erasmus mit der Winde                                2. Eustachius mit dem Hirsch

3. Georg mit dem Drachen                                               4. Katharina mit Rad und Schwert

5. Cyriakus mit einem Dämon an der Kette                 6. Christophorus mit dem Christkind

7. Dionysius mit dem abgeschlagenen Haupt unter dem Arm

8. Achatius mit Dornenkrone und Kreuz                         9. Vitus mit dem Hahn

10. Blasius mit den gekreuzten Händen                         11. Barbara mit dem Turm

12. Ägidius mit der Hirschkuh                                         13. Margarethe mit dem Drachen an der Kette

14. Pantaleon, der Arzt, mit den aufs Haupt genagelten Händen. 

[2] Tongern ist eine Stadt in der belgischen Provinz Limburg. Sie ging aus dem römischen Aduatuca Tungrorum hervor und war schon im 4. Jhdt. Bischofssitz. Der Sitz des Bistums wurde später nach Maastricht und 720 nach Lüttich verlegt.

[3] Neben der (naheliegenden) Verehrung von Dreiergruppen von christlichen Heiligen gibt es v.a. in der Ostkirche eine Verehrung von Vierergruppen, z.B. der hl. Sophia mit ihren drei Töchtern. Diese Gruppe wurde vor dem 6. Jahrhundert in der westlichen Christenheit bekannt und verbreitete sich in Frankreich (Cahors), in Luxemburg und im Rheinland nördlich der Mosel.