6. AugustHiroshima - Tag

 

Tag der Explosion der ersten Atombombe, die über Menschen abgeworfen wurde.

 

Die Mitarbeiter des Manhattan–Projekts James Franck [1] und Leo Szilard versuchten noch im Sommer 1945 den Einsatz der Bomben zu verhindern. Jedoch wurde ihr Versuch von dem zuständigen Leiter des Manhattan–Projekts, Brigadegeneral Leslie R. Browes energisch abgelehnt. Dieser schlug dem US-Präsidenten dann den Abwurf über Japan vor. Ursprünglich war ein Abwurf über Hamburg diskutiert, aber Deutschland kapitulierte zuvor, so dass dies nicht mehr in Betracht kam.

Franck warnte schon im Juni 1945 im sog. Franck-Report  vor den Folgen der Atombombe, dies war der erste Appell gegen die Bombe.

(vgl. Horst – Eberhard Richter: „Ein Emigrant aus Göttingen – Der Franck – Report – Ein Versuch, die die Atombomben-Abwürfe im letzten Augenblick zu verhindern“, in „Freitag“, Nr. 31, 5. August 2005)

Auch in den letzten Jahrzehnten kamen erneut Menschen durch Folgewirkungen militärisch genutzter Radioaktivität ums Leben.

Nicht nur im Irak-Krieg nutzten u.a. die US-Streitkräfte Munition, in denen abgereichertes Uran [2] inkorporiert war (sog DU-Munition, von engl. „depleted uranium“ entleertes, abgereichertes Uran ).

DU-Munition, d.h. Munition, deren Projektile abgereichertes Uran enthalten, hat  aufgrund der hohen Dichte des Urans (~19,1 g/cm3) beim Auftreffen auf das Ziel eine große Durchschlagskraft und wird deshalb vielfach als panzerbrechende Munition verwendetet. Erstmals eingesetzt wurde DU-Munition bereits in der Mitte der 70er Jahre des 20. Jhdts.

Allein in dem letzten Irak- Krieg von 2003 und auch bei den Kämpfen um Falludscha 2004 sollen ca. 2000 t dieser Munition genutzt worden sein.

Die schädigende Hauptwirkung der DU-Munition entsteht, wenn sich beim Einschlag und der Explosion der Geschosse ein Aerosol aus Luft und kleinsten Uran- und Uranoxid-Partikeln bildet. In dem trockenen Klima des Irak wird der radioaktiv kontaminiert Sand und Staub erst langfristig ausgewaschen; so  scheinen diese Partikel von Anwohnern, auch spielenden Kindern  bis in die tieferen Atemwege eingeatmet oder über die Nahrung aufgenommen zu werden und in die Blutbahn zu geraten; radioaktive Partikel werden inkorporiert und bestrahlen langfristig den Körper.

In der Folge kam es im südlichen Irak, v.a. in Basra und Umgebung zu einer großen Zahl von z.T. erschreckenden Mißbildungen neugeborener Kinder, zu einer erhöhten Rate der Kindersterblichkeit, von verschiedenen Krebserkrankungen, u.a. von Leukämie.

Auch die Studie „Krebs, Kindersterblichkeit und Geburtenänderung im Geschlechterverhältnis“ von Chris Busby, Malak Hamdan und Entesar Ariabi aus dem Jahre 2010 legt einen Anstieg bei Krebs und Missbildungen in Falludscha/Irak nahe (vgl. http://www.mdpi.com/1660-4601/7/7/2828).  

Das Golfkriegssyndrom oder das ähnliche Balkansyndrom könnten ebenfalls mit der DU-Munition im Zusammenhang stehen.

Die Folgewirkungen, insbesondere das Ausmaß der Bedrohung  durch Uran-Munition, sind allerdings bis heute (2016) umstritten.

Uranmunition soll z. Zt. von ca. 21 Staaten eingesetzt werden, u.a. von den USA, Rußland, China, Frankreich, Großbritannien, Schweden, den Niederlanden, Japan, der Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten  und Israel.

Die Bundeswehr setzt keine Munition mit abgereichertem Uran ein.

Eien ganze Reihe von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie z.B. die „Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ setzen sich dafür ein, diese Munition zu ächten.

 



[1] James Franck (* 1882 in Hamburg; † 1964 bei einem Besuch in Göttingen), deutsch – jüdisch-stämmiger amerikanischer Physiker. Er studierte  in Heidelberg Chemie und in Berlin Physik.

Als von Hause aus nationalbewusster Deutscher meldete sich James Franck im Ersten Weltkrieg freiwillig und wurde Leutnant. Für erwiesenen Mut vor dem Feind und wegen seines Verhaltens bei einem Gasangriff 1917, dessenwegen er schwer verletzt zurück nach Berlin musste, wurde  mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse ausgezeichnet.

Franck wurde als Physiker unsterblich durch den 1912-14 durchgeführten Franck-Hertz-Versuch (mit Gustav Hertz), der das Bohrsche Atommodell endgültig bewies. Beide Physiker dafür erhielten dafür 1925 den Nobelpreis.  Schon 1920 ging Franck als Professor für Experimentelle Physik an die Universität Göttingen

Als die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht gewannen, kündigte Franck aus Protest seinen Posten an der Universität Göttingen und emigrierte in die USA und nahm die US -amerikanische Staatsangehörigkeit an. In Chicago kam er mit dem Manhattan-Projekt in Kontakt. Er arbeitet dort mit, hatte jedoch moralische Bedenken, die er schließlich zusammen mit Gleichdenkenden im Franck-Report veröffentlichte.

 

1951 wurde Franck die Max-Planck-Medaille verliehen.

 

[2] Abgereichertes Uran entsteht als Atom-Müll bei dem Anreicherungsprozess, bei der Herstellung von zivilen Atombrennstäben oder waffenfähigem Uran mit einem höheren Anteil an dem nicht spaltbaren Isotop Uran 138. Das abgereicherte Uran soll mit 15.000 Bq/g eine α-Strahlungs-Aktivität haben, die etwa 40 % geringer ist, als die von Natururan (etwa 25.000 Bq/g).

 

(unveränderlich nach dem Gregorianischen Kalender)


© Christian Meyer