Maya-Zeichnung von Huracán, mit einem schlangenartigen Bein

 (Abb. aus https://www.google.de/search?q=huracan+mayan+god&client=firefox-b&dcr=0&tbm)

 

Abb. Big Dipper – Große Schöpfkelle ist der US-amerikanische Name für den Großen Wagen (Abb. aus https://www.google.de/search?q=the+big+dipper+hurricane&client)

23. März: Welttag der Meteorologie

 

Der Welttag der Meteorologie, Internationale Tag der Meteorologie bzw. Weltwettertag findet jährlich weltweit am 23. März statt und soll an die 1950 in Kraft getretene Konvention der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erinnern. Sie hat ihren Sitz in Genf und ist eine Beispiel für eine friedliche Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten Staaten.  Seit 1954 ist die Bundesrepublik durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) vertreten. Aus weltumspannenden aktuellen Wettermeldungen konnten zuverlässigere Wetterprognosen erstellt werden.

Die WMO wählt zu jedem Tag der Meteorologie ein spezielles Thema, wie zum Beispiel im Jahr 2012 das Thema „Das Versorgen unserer Zukunft mit Wetter, Klima und Wasser“. Insbesondere die immer wieder katastrophalen Folgen von Extremwetterlagen könnten mit verbesserten Prognosen vermindert werden.

 

Aristoteles (384 - 322 v.Chr.) begründete mit seiner – streng rationalen, auf alle göttlichen Interventionen verzichtenden – Schrift „Meteorologie“ [1] die Fachwissenschaft der Meteorologie. Er trennte siderische und atmosphärische Naturerscheinungen, letztere sah er allerdings – fälschlich – als Phänomene in dem Raum zwischen Erde und der ersten Planetenbahn (i.e. die Mondbahn) an. Kometen und andere Lichterscheinungen waren für ihn durch Reibung entzündete Ausdünstungen der Erde, so wie bei der Entzündung eines großen Spreuhaufens durch einen Feuerfunken (vgl. Aristoteles, 1970, F 344 a 25, a.a.O.). 
Meteoriten erklärte Aristoteles durch ungewöhnlich starke Winde, die Steine in die Höhe gehoben hätten (vgl. Aristoteles, 1970, F 344 b 30, a.a.O.). Meteoriten wurden deshalb lange „Aerolithen“ genannt (vgl. Utzinger, S. 109 f., a.a.O.).

Zu den auffälligen Extremwetterlagen der letzten Jahre gehören die Monsune wie auch die tropischen Wirbelstürme.

Monsune entstehen im Sommer aus dem Kontrast zwischen dem wärmeren Land und dem kälteren Meer: die warme Luft über dem Land steigt auf und saugt so die feuchtigkeitsgesättigte Luft über dem Meer zum Land, wo es zu Monsunniederschlägen kommt.

Die (rekordverdächtigen) Monsunniederschläge des Sommers 2017 in Indien und Nepal könnten eine Folge des Klimawandels sein.

Durch die globale Erwärmung verstärkt sich der Land-Meer-Kontrast, da sich das Land rascher erwärmt als die Meere. Modellrechnungen sagen so für die Zukunft verstärkte Monsune voraus.

Der Weltklimarat (IPCC) prognostizierte in seinem 5. Sachstandsbericht im Jahre 2013/14 eine zunehmende Monsunintensität als Folge der anthopogenen  globalen Erwärmung (vgl. Rahmstorf, in „Tagesspiegel“, 12. September 2017, S. 24).

Auch für gemäßigte Zonen sind durch den Klimawandel häufigere Extremregenereignisse zu erwarten (wie die Überschwemmungen in Berlin im Sommer 2017).   

 

Seit langem zogen die tropischen Wirbelstürme das besondere Interesse der Meteorologen auf sich. Der Aufbau eines tropischen Wirbelsturms ähnelt einem riesigen, bis in die obere am Äquator ca. 18 km hohe Troposphäre reichenden Zylinder, dessen Zentrum das sogenannte Auge ist, ein nahezu windstiller und wolkenloser Bereich von ca. 15–30 km Durchmesser. Rings um das Auge befindet sich eine Wolkenmauer, in der hohe Windgeschwindigkeiten und starke Niederschläge herrschen.

 

Wie Stefan Rahmstorf (vom PIK) betonte, werden tropische Wirbelstürme (Hurrikane, Tornados, Taifune, Zyklone) durch warmes Meereswasser  (ab 26/27° C Wassertemperatur) möglich und angetrieben. Sie können sich zudem nur über großen Wasseroberflächen mit geringerer Reibung als an Land bilden. Auch  ist die Luftfeuchtigkeit über warmen Ozeanen durch die Verdunstung von Wasser hoch. Eine warme Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen und dann auch abregnen.  Die Wärme wird dem Ozean beim Verdunsten (Verdunstungskälte) langsam entzogen,  bleibt aber als latente Wärme im verdunsteten Wasser erhalten. Bei der Kondensation jedoch wird sie schnell in die Atmosphäre abgegeben  und heizt sie auf: Die Kondensationswärme treibt tropische Wirbelstürme hauptsächlich an.

Sie können sich zudem nur über großen Wasseroberflächen mit geringerer Reibung als an Land bilden. Auch  ist die Luftfeuchtigkeit über warmen Ozeanen durch die Verdunstung von Wasser hoch. Eine warme Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen und dann auch abregnen. Die Wärme wird dem Ozean beim Verdunsten (Verdunstungskälte) langsam entzogen,  bleibt aber als latente Wärme im verdunsteten Wasser erhalten. Bei der Kondensation jedoch wird sie schnell in die Atmosphäre abgegeben  und heizt sie auf: Die Kondensationswärme treibt tropische Wirbelstürme hauptsächlich an.

 

Auch in den Tropen gibt es sie deshalb nur in der warmen Jahreszeit und in den gemäßigten Zonen gar nicht.

Eine warme Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen und dann auch abregnen.  Hurrikane werden aber nur die Wirbelstürme im Nordatlantik und Nordost-Pazifik genannt.

 

Das Wort „Hurrikan“ (und auch „Orkan“ [2]) kommt wahrscheinlich aus der (ausgestorbenen) Antillen-Sprache Taino, und bezeichnete die verheerenden Wirbelstürme, die die Spanier bereits 1495 auf den Antillen kennen- und fürchten lernten. 

Huracán“ ( „Einbein“ bzw. Hun-r-akan, mit dem Beinamen „Tohil“; vgl. Abb. oben) ist zudem der Name einer als sehr mächtig angesehenen Maya-Gottheit, einem Gott der Stürme und Unwetter (vgl. Pfeifer, Bd. II, S. 1209, a.a.O.). Er äußerte sich Grollen des Donners. Huracán und Kukulcan (der aztekische Quetzalcoatl) schufen nach Maya-Vorstellung gemeinsam die Welt, Huracán aber war der mächtigere, der von Kukulcan verehrt wurde. Da es in „Tullan“ – wo die Menschen lebten – kalt war, gab Huracán den Menschen das Feuer, nach Maya-Quiche-Überlieferung durch Reiben seiner Sandalen (vgl. Guirand, S. 531, a.a.O.).

Huracán (auch: Gott K) wurde im Popul Vuh (bei den Quiche-Maya) als „U K’ux Kaj“ Herz des Himmels, als ein wichtiger Schöpfergott angesehen. Er war an allen drei Versuchen der Menschenerschaffung beteiligt und verursachte durch eine Sintflut den Untergang der zweiten Menschenschöpfung.

 Die Gottheit Huracán könnte sowohl in Mesoamerika (wohl v.a. in Guatemala)  als auch auf den Antillen verehrt worden sein.

Die Taino und die mittelamerikanischen Maya waren allerdings weder sprachlich noch kulturell miteinander verwandt.

Die Bezeichnung „Huracán“ „Einbein“ geht vermutlich zurück auf das so bezeichnete Sternbild des Großen Wagens, bei dem die Deichsel in Mesoamerika nach unten weist (vgl. Pfeifer, Bd. II, S. 1209, a.a.O. vgl. Abb. oben), im Herbst allerdings verschwindet der Große Wagen hier unter dem Horizont [3] .  Das Sternbild des Großen Wagens ist nur bis zum 41° nördlicher Breite circumpolar.

 

Wenn das Sternbild „Huracán“ „Einbein“ nicht zu sehen war, traten die Herbststürme in Mesoamerika und der Karibik auf.  Als Hurrikan-Saison gilt offiziell der Zeitraum vom 1. Juni bis 30. November jährlich 

 

Der Codex Dresdensis entstand vermutlich im 13. Jhdt. im nördlichen Yucatán [4] und gelangte auf unbekanntem Wege nach Europa. Er ist einer der drei Maye-Codizes, die die große Bücherverbrennung im Jahre 1561 überstanden. Die beiden anderen Codizes befinden sich in Paris und Madrid. Der Codex Dresdensis  im Sächsischen Landesmuseum in Dresden umfasst 39 Groß-Tafeln. Der Folio 74  (vgl. Abb. unten) des Codex ist die einzige vollfarbige Seite des unvollendet gebliebenen Codex. Dargestellt ist auf der Seite die „Große Flut“ – nicht aber eine apokalyptische Sintflut.

 

Oben links ist das Himmelskrokodil dargestellt, das fortwährend Wasser ausspeit. Das Himmelskrokodil [5] wurde in der Maya-Mythologie als die unterste Schicht des Himmels oder das Band der Milchstraße betrachtet.

Darunter ist in der Abbildung die Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin Ix Chel zusehen, mit einer Schlange auf dem Kopf. Sie hat in der Mayamythologie verschiedene Erscheinungsformen: als Ix chel war sie eine Greisin, eine Weberin oder Hüterin des Wassers und der Weisheit. Als Ix chup war eine junge stillende Mutter.

In unserer Abbildung schüttet die Göttin aus einem Krug zusätzliches Wasser aus. Auf dem Kleid der Göttin sind gekreuzte Knochen zu sehen sowie, in dem ausgeschütteten Wasser, die Hieroglyphen-Zeichen für das Datum 5 Eb [6] – dem prophezeiten Flut-Datum.

Darunter steht der schwarz gekleidete Gott der Unterwelt und des Todes Hunhau (auch: Ahpuch, Gott A), mit einem seiner Attribute, der Eule, auf dem Kopf: sie scheint die Katastrophe zu dirigieren. Der Gott herrscht über das „Mitlan“, die Unterwelt (entspricht etwa der aztekischen Mictlantecutli).

 

In dem textlichen Zusammenhang des Folio 74 geht es um Wetterberechnungen, Regenfälle, Stürme etc. Wahrscheinlich prognostiziert die Darstellung des Folio 74 eine Überschwemmung (als Folge eines tropischen Wirbelsturms ??), die sich nach den kalendarischen Tabellen auf den Seiten zuvor im Codex vermutlich alle 5 Jahre wiederholen sollten, - wenn nämlich der Tag 5 Eb in die Regenzeit fiel.   

Carlos Rincón führte zu den Codizes aus, dass alle mesoamerikanischen Kulturen orale Kulturen waren: „Die mit Maya-Glyphen beschriebenen Kodizes sollten als Gedächtnisstütze dienen und die mündliche Wiedergabe der Texte vervollständigen“ (Rincón, in de Landa, S. 228, a.a.O.).

 

Diego de Landa wurde von Mayas erzählt, dass einst in der Vergangenheit „… an einem Winterabend gegen sechs Uhr ein Wind auf(kam) und langsam an(wuchs), bis er zu einem Orkan wurde, der in alle Richtungen blies, und dieser Sturm riß alle großen Bäume um… und er ließ alle hohen Häuser einstürzen, die, da sie aus Stroh sind und wegen der Kälte im Innern von einem Feuer erwärmt wurden, in Brand gerieten, so daß ein großer Teil der Menschen in den Flammen starb, und wenn einige dem Feuer entkamen, wurden sie von dem herabstürzenden Holz zerschmettert; dieser Orkan dauerte bis zur zwölften Stunde des nächsten Tages …. Das Land … hatte derart viele Bäume eingebüßt, dass diejenigen, die es jetzt gibt, so aussehen, als hätte man sie zusammen gepflanzt , … als sei es ganz mit einer Schere zurecht gestutzt“ (de Landa, S. 28/29, a.a.O.). Carlos Rincón – der Herausgeber von de Landa (a.a.O.) – vermutet, dass der in Landas Bericht erwähnte Orkan zwischen 1460 und 1465 Yucatán heimsuchte (Rincón, in de Landa, S. 187, a.a.O.).

 

Wissenschaftler fanden aus Ablagerungen heraus, dass um 1500 Belize von einem außergewöhnlich starken Wirbelsturm betroffen war. 

 

Schon Christoph Columbus erlebte auf seiner 2. und seiner 4. Reise tropische Wirbelstürme.  Der früheste Bericht über einen Hurrikan stammt aus dem Jahre 1494, als die Expedition bei der Insel Haiti (damals: Hispaniola) in einen Wirbelsturm geriet. Columbus schrieb darüber im Juli 1494 an die kastilische Königin Isabella: „Nichts als der Dienst Gottes und die Größe der Monarchie würden mich solcher Gefahr aussetzen“

 

Im Jahre 1555 wurde in dem Buch “Historia General y Natural de las Indias” das Wort Hurrikan erstmals erwähnt, um die für die Spanier neuartigen Wirbelstürme der Karibik zu beschreiben. 

 

Das Wort Orkan ( schwerer Sturm) wurde in der 2. Hälfte des 17. Jhdts. von dem gleichbedeutenden Niederländischen “orkaan” ins Deutsche übernommen (vgl. Pfeifer, Bd. II, S. 1209, a.a.O.). Beide gehen zurück auf das Spanische „huracàn“ Wirbelsturm, ebenso port. „furacão“ und frz. “ouragan”. 

 

Der Begriff „Tornado” wurde vom Partizip Perfekt des spanischen/portugiesischen Verbs “tornar” drehen abgeleitet. Im 17. Jhdt. wurde er als “tornade” ins Französische entlehnt.

 

Im späten 16. Jhdt. gelangte das Wort „Hurrikan“ ins Englische, in verschiedenen Schreibweisen. Aus dem Englischen “hurricaine” wurde erst in der 1. Hälfte des 19. Jhdts. das deutsche “Hurrikan” ≙ „heftiger Wirbelsturm“ entlehnt.

Das Wort „Hurrikan“ verbreitete sich rasch, schon bei William Shakespeare (1564 – 1616) ist der Begriff zweimal nachgewiesen.

Im „König Lear“ (entstanden um 1605) meint Lear zum Sturm: „Blow, winds, and crack your cheeks! rage! blow! You cataracts and hurricanoes, spout” (Wolf Graf Baudissin übersetzte allerdings:

 

“Blast Wind, und sprengt die Backen! Wütet! Blast!

                               Ihr Katarakt und Wolkenbrüche, speit,

                               Bis ihr die Türm ersäuft, die Hähn ertränkt“

                                                               (Shakespeare, König Lear, Akt VI, Szene 2, S. 743, a.a.O.).

 

Und in „Troilus und Cressida“ (Erstveröffentlichung 1609) spricht Troilus zu Ulysses von dem „… not the dreadful spout, / Which shipmen do the hurricano call” . Wolf Graf Baudissin übersetzte hier:

 

                                               „... Nicht der grause Schwall

                                               Des Meeres, den Schiffer Hurrikano nennen“

                                                               (Shakespeare, Troilus und Cressida, Akt V, Szene 2, S. 565, a.a.O.).

 

Deutlich ist aus den Textpassagen, dass Shakespeare in dem „hurricano“ eher eine Wasserhose (spout) sah als einen Wirbelsturm.

Der grausame Sturmriese in dem spätmittelalterlichen Ritterroman „Amadis“ (dt. 1594; Buch 22, Kap. 18f., Fries, a.a.O.) trug den Namen „Hurracan von der Hell“. 

 

Künstlerisch thematisiert wird ein Hurrikan auch in der Oper in drei Akten „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Brecht/Weill (a.a.O.), die 1930 im Leipziger Neuen Theater uraufgeführt wurde (übrigens unter Polizeischutz). In den Bildern 10, 11 und 12 bewegt sich ein zerstörerischer Taifun auf Mahagonny zu, biegt dann aber ab, - die Stadt ist gerettet. Die Opernfigur Jim Mahoney meint daraufhin:

 

                                               „Wir brauchen keinen Hurrikan!

                                               Denn was er an Schrecken tun kann /

                                               Das können wir auch selber tun!“ ….

                                               „Was ist ein Taifun an Schrecken /

                                               Gegen den Mensch, wenn er seinen Spaß will?“

                                                                                              (vgl. Brecht/Weill, a.a.O.).   

 

Vorbild war damals ein „… schrecklicher Hurrican von Florida; ein schreckliches Bild, das damals jede deutsche Zeitung druckte“ (Lotte Lenya, in Brecht/Weill, a.a.O.).

Sehr wahrscheinlich handelte es sich dabei um den Okeechobee-Hurrikan (nach dem Süßwassersee in Florida) oder Huracán San Felipe Segundo [7], dem folgenschwersten tropischen Wirbelsturm der Saison 1928. Im September 1928 wurden mindestens 2500 Bewohner Floridas durch die Sturmauswirkungen getötet.

 

Gita war der erste große tropische Wirbelsturm der südpazifischen Zyklon-Saison 2017/18.

Noch Anfang Februar war „Gita“ nur ein Monsun-Tiefdruckgebiet im südlichen Pazifik. Am 3. Februar wurde es als tropische Störung klassifiziert und mäandrierte in der Nähe von Vanatu. Sie folgte - durch Verdunstung des warmen Ozeanwassers allmählich sich verstärkend - einer östlichen Zugbahn bis nach Fidschi und wurde bei Samoa am 9. Februar zu einem tropischen Zyklon, der dortigen Kategorie 1, auf der Südhalbkugel durch die Corioliskraft im Uhrzeigersinn sich drehend. Der Zyklon wandte sich nun nach Süden, intensivierte sich weiter und wurde am 10. Februar zu einem tropischen Wirbelsturm höherer Kategorie.        

In der Nacht 11./12.  Februar 2018 wurde das südpazifische Königreich Tonga mit seinen 176 Inseln von „Gita“ getroffen, dem stärksten Zyklon der Region in den letzten sechs Jahrzehnten. Durch Sturmböen mit ca. 220 km/h wurde das Land verwüstet, Ernten vernichtet, Tausende Menschen wurden obdachlos, denn Hunderte von Gebäuden – einschließlich des über 100 Jahre alten Parlamentsgebäudes – sowie Infrastrukturanlagen wurden zerstört. Es gab auf Tonga 2 Tote und 41 Verletzte.

Durch die geringere Verdunstung über dem kühleren Meer abgeschwächt traf Gita noch auf Neuseeland und Australien. 

In der Wirbelsturmsaison 2020 über dem Atlantik gab es bereits bis Anfang Oktober so viele starke Stürme, dass die vorgesehenen 21 Namen in alphabetischer Reihenfolge verbraucht waren und von den Meteorologen auf das griechische Alphabet (bis „Delta“) zurückgegriffen werden musste. Das letzte Mal zuvor geschah das im Jahre 2005 (vgl. Tagesspiegel, 11. Oktober 2020, S. 24).  

 

Wetterextreme haben immer zerstörerische Größenordnungen (vgl. Tagesspiegel, 16. April 2018, S. 6). Inwieweit der anthropogene Klimawandel dazu beiträgt ist trotz Plausibilität und hoher Wahrscheinlichkeit unter Meteorologen umstritten.   

 

Der größte bekannte, vielleicht auch schönste Wirbelsturm aber befindet sich auf dem Planeten Jupiter, es ist der Große Rote Fleck (vgl. Abb. unten).

Er ist mit einer Ausdehnung von ca. 16 000 km größer als die Erde, die größten irdischen Wirbelstürme erreichen gerade ein Zehntel dieser Größe (vgl. FAZ, 14. Juli 2017, S. 8). Die dortigen Windgeschwindigkeiten dürften sich um die 600 km/h belaufen. Die Drehrichtung verläuft entgegen dem Uhrzeigersinn. Die Rotation hat eine Periode von ca. 6 irdischen Tagen. 

Der ovale Wirbelsturm auf dem Jupiter existiert - mit nur leichten Veränderungen - schon seit Jahrhunderten, die ersten Berichte über einen Fleck in der Atmosphäre des größten Planeten unseres Sonnensystems stammen aus dem 17. Jhdt. von Robert Hooke, seit 1830 wird der Wirbelsturm 22° südlich des Jupiteräqutors kontinuierlich beobachtet. Der Große Rote Fleck ist damit das beständigste bekannte Wetterphänomen in unserem Sonnensystem.

In den letzten Jahrzehnten wurden von Raumsonden immer genauere Bilder des Großen Roten Flecks zur Erde gesandt, so1973 von Pioneer 10, 1979 von Voyager 1 oder seit 2016 durch die Sonde Juno, die seither den Jupiter umkreist.

Astronomen hoffen darauf, dass die übermittelten Daten von Juno die Wetterabläufe auf dem Jupiter verständlich machen könnten. Vermutlich wird der dortige Wirbelsturm angetrieben durch Klimazyklen und Temperaturunterschiede zwischen den Polen und dem Äquator. Vieles spricht dafür, dass der Große Rote Fleck sich – trotz der Vereinigung mit anderen, kleineren Wirbelstürmen – langsam verkleinert und runder wird.

Vermutet wird nur, dass durch das Fehlen einer festen Oberfläche auf dem Jupiter sich der dortige Hurrikan nicht abschwächt, wie dies auf der Erde geschieht.  

 

Zum ELSA-Projekt zu Erforschung des Paläoklimas

 

Das ELSA-Projekt [1] wurde 1998 von dem Geowissenschaftler an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Frank Sirocko (*1957) initiiert. Dabei wurden Bohrungen in 68 Eifel-Maaren im Osten und Westen der vulkanisch geprägten Region vorgenommen.

Die Maare sind Ergebnisse einstiger heftiger Vulkaneruptionen, in zwölf der Krater befinden sich bis heute z.T. kilometergroße, tiefe, ab- und zuflusslose, nahezu runde Seen. In der Eifel sind mehr als 70 solcher „Maarvulkane“ bekannt; sie weisen einige biologisch-geologische Besonderheiten auf.    

Da das Wasser in den Maarkratern „steht“ wird es in den tiefen Wasserschichten sauerstofffrei und ohne Organismen, die die Sedimente durchwühlen und abbauen. So kann man aus den Bohrkernen der Sedimente, oft sauber geschichtet, präzise die Sedimentationsgeschichte ablesen, ganz ähnlich wie aus den arktischen Eisbohrkernen.. „Die Eifel ist ein einzigartiges Klima-Archiv“, formulierte der Paläoklimatologe Gerald Haug (*1968) vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

 

Die Bohrkerne zeigen streifenförmige, wie mit dem Lineal gezogene, verschiedene Grau- und Braunmuster, die eine chronologische Bestimmung über zehntausende Jahre ermöglichen. Die Tschernobyl-Katastrophe 1986 kann durch den erhöhten Cäsium-137-Niederschlags datiert werden,  desgleichen eine Reihe von Warm- und Kaltphasen der Erdgeschichte (vgl. Sirocko 2021, a.a.O.).

Die in den Sedimentschichten befindlichen tierischen und pflanzlichen Fossilien, insbesondere die Pollen werden mit Hilfe des organischen Kohlenstoffs C 14 datiert, analysiert, ihr genetisches Material sequenziert, was Rückschlüsse auf die jeweilige Flora und Fauna erlaubt. „Mit jedem neuen Bohrkern wurde das Bild der Vergangenheit klarer und vollständiger“ (vgl. Sirocko 2021, a.a.O.).  

Aus den Bohrkernen konnten auch Hochwasserjahre bestimmt werden, in denen die Sedimente jährlich bis zu drei Zentimeter stark waren. Festgestellt wurde, dass die Hochwasser in der Eifel statistisch alle 20 Jahre auftraten, im Mittelalter, der Entwaldung wegen, besonders häufig (vgl. https://elsa-project.de/).   

 

Leider liegt eine kontinuierliche jährliche Schichtenbildung („Varven“) nur im Holozän (bis vor ca. 30 000 Jahren) vor, ältere Sedimente sind oft nur laminiert; d.h. geschichtet (vom lat. „lamina" Blatt; Gewebeschicht), aber nicht mit einer eindeutigen Jahresauflösung (vgl. Sirocko et al. 2016, a.a.O. ).Neben den Blütenpollen wurde auch die Tephra-Analyse (von gr. „tephra“ Asche; Sammelbezeichnung für vulkanische Lockerstoffe) angewandt. Tephra-Schichten aus dem Eifel-Vulkanismus führen zu deutlich dickeren Schichten. die in einigen Fällen auch mit dem Ausbruchsort verbunden werden konnten.

Gerald Haug und sein Team untersuchten am Max-Planck-Institut die Silizium-Konzentration in den einzelnen Schichten der Bohrkerne; sie können teilweise (ähnlich den Ringe in Baumstämmen) einzelnen Jahren zugeordnet werden. Sehr helle Schichten deuten auf einen hohen Anteil an Tonmineralien und an Kieselalgen (Diatomeen). Sie besitzen ein überwiegend aus Siliziumdioxid bestehendes bis heute nachweisbares Exoskelett.  Bei vermehrtem Nährstoffangebot in dem Maar und höheren Temperaturen, kam (und kommt) es zu einer massenhaften Vermehrung der Algen („Algenblüte“). „Das Wachstum der Diatomeen und anderer Planktongruppen mit Silizium wird hauptsächlich von Änderungen der Temperatur und des Nährstoffangebots in den Maarseen vorangetrieben“ (vgl. Bakke/Haug, a.a.O.).

 

Die Sedimente an dem Grund der Maare sind ein in Mitteleuropa einzigartiges Klimaarchiv. Festgestellt wurden acht unterschiedliche Klimaabschnitte; so gab es mehrfach Kältephasen mit arktischer Flora, boreale Wälder, dann auch Tundra und trockene Steppenzeiten, aber auch wärmere, feuchtere Perioden mit Laub- und Mischwäldern (vgl. Sirocko 2016, a.a.O.).

Generell stellten die Forscher aus dem Studium von Ablagerungen auf dem Boden der Eifelmaare fest, dass es in wärmeren Zeiten häufiger zu extremen Starkwetterereignissen als in kühleren Klimaphasen komme. Während der Eiszeit-Perioden sei das Klima deutlich stabiler gewesen. So liegt der Schluss nahe, dass wir uns durch die anthropogene Klimaerwärmung künftig auf mehr Extremwetterereignisse einstellen müssen.

 

Festgestellt wurde zudem, die Datierungen der Bohrungen in der Eifel entsprachen synchronisiert weitgehend anderen paläoklimatischen Daten. Frank Sirocko meinte: „Das wichtigste Ergebnis war eigentlich, dass wir eine Struktur in dem Klimasignal sehen, was exakt so aussieht wie das, was wir vom Nordatlantik und den Eiskernen in Grönland kennen“.

Auch in den Eifel-Sedimenten wurden Hinweise gefunden, dass es am Ende der letzten Eiszeit (vor ca. 12 000 Jahren in der sogenannten jüngeren Dryas [2]) zu einer Art „Klimaflimmern“ gekommen sei, verbunden mit schnellen Zirkulationsänderungen der Ozeane und der Atmosphäre. Bis zum Übergang des relativ stabilen Holozän-Klimas oszillierten kalte und wärmere Phasen. Gerald Haug   meinte sogar, die raschen, starken Schwankungen während der Jüngeren Dryas würden die heute stattfindenden „Extrem-Wetterereignisse“ in den Schatten stellen (vgl. Bakke/Haug, a.a.O.).

 

Die Komoren  - ein Beispiel der Klimakatastrophe

 

Die Komoren sind eine gebirgige Inselgruppe mit bis zu über 2000 m hohen Vulkanen, gelegen zwischen Madagaskar und Mosambik im Indischen Ozean, südlich des Äquators. Sie haben heute mehr als 870 000 Einwohner. Die Bevölkerung wächst sehr rasch, 1970 waren es noch 270 000 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte der Komoren ist sehr hoch, ca. 322 Menschen  pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist gemischt aus Arabern, Madagassen und Bantus. Die Komoren sind seit 1975 unabhängig, zuvor waren sie französische Kolonie. Die Staatssprache ist neben dem Französischen das Komorische, eine mit dem Suaheli verwandte Sprache. Die Inseln sind muslimisch geprägt, der sunnitische Islam ist Staatsreligion:

Ursprünglich waren die Komoren dicht bewaldet, in den höheren Regionen gibt es (noch) Nebelwälder, die wie natürliche Wassertürme wirken. Der Nebel kondensiert an den Bäumen, das Wasser tropft langsam herab, der Boden saugt wie ein Schwamm die Flüssigkeit auf und speichert sie.

Die Komoren sind in verschiedenerer Art und Weise von der Klimakatastrophe betroffen, u.a. durch die Abholzung größer Landflächen.Nach einem UNO-Bericht sind die Komoren das Land mit der weltweit raschesten Abholzung, dem schnellsten jährlichen Waldverlust.  

Auf der Komoren-Insel Anjouan sind in den letzten 20 Jahren ca. 80 % des natürlichen Waldbewuchses abgeholzt worden, als Brennholz, Bauholz etc., aber auch zur Gewinnung neuer landwirtschaftlicher Flächen, die auch an steilen Berghängen genutzt werden müssen. Ungefähr 90 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, wobei die Flächen auch in den Bergen eng begrenzt sind und immer rarer werden.

Durch den Raubbau an den Wäldern und die Erosion vertrocknen immer mehr Quellen und Flüsse auf den Inseln. Es kommt in der Folge zu einem immer stärkeren Wassermangel.

 

Gefährdet sind durch die Klimaerhitzung auch die komorischen Nebelwälder in den hohen Berglagen; wenn die Nebel durch die Erwärmung in höhere Regionen aufsteigen, kondensiert weniger Feuchtigkeit etc.

Durch intensivere Wirbelstürme wird dieser Effekt noch verstärkt, so z. B. im April 2019 durch den Zyklon Kenneth, den stärksten jemals (in Mozambik) registrierten Wirbelsturm mit bis zu 250 km/h Windgeschwindigkeit: Er führte auch auf den Komoren zu großen Zerstörungen, mehrere Menschen kamen ums Leben,  rund 63 % Prozent der zu erwartenden Ernte wurde vernichtet und über 1000 Menschen wurden obdachlos.

Es gibt staatliche und private Bemühungen, um eine Wiederaufforstung, unterstützt z.B. von der 2013 gegründeten Umweltorganisation. Dahari (komorisch: „dauerhaft, nachhaltig“). Sie setzt sich auch für die Erhaltung der z.T. endemischen Flora und Fauna der Inseln ein, sowie für eine ganzheitliche Bewirtschaftung und Nutzung der knappen Wasserressourcen.  Sie fördert eine agroforestäre Umorganisation der Landwirtschaft.

Die hohe Bevölkerungsdichte und Arbeitslosigkeit führt zu einer starken Auswanderung und Fluchtbewegung von den Komoren. Rücküberweisungen von Auslandskomorern spielen eine große wirtschaftliche Rolle.

Seit Jahren kommen immer wieder Tausende von Komorern ums Leben, durch riskantes Übersetzen, Fliehen auf v.a. Nachbarinseln im Indischen Ozean.

 

Abb. : Stamm  mit Zweigen und Blüten von Cananga odorata (Abb. aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Ylang-Ylang)

 

Eine besondere Rolle spielt auf den Komoren der Anbau von Ylang Ylang (malaiisch: Blume der Blumen; bot. Cananga odorata), einem immergrünen, zu den Magnolien gehörenden, schnellwachsenden, windbeständigen und schädlingsresistenten Baum, dessen Blüten der Rohstoff für ein ätherisches Öl ist, das für Seifen, Shampoos und Parfüms genutzt wird; zum Beispiel hat auch Chanel No. 5 [1]u.a. einen Anteil Ylang-Ylang-Öl. Die Ylang-Ylang-Blüten verströmen einen intensiven Wohlgeruch, am stärksten morgens bei Sonnenaufgang;  Junge Blüten sind hellgrün bis limonengelb, ältere Blüten dunkelgelb.

Der Baum wird auf den Komoren großflächig angebaut und vielfach auch in hunderten kleinen Anlagen selbst destilliert, was den Holzverbrauch erhöht. Es gibt allerdings unterdessen Versuche für nachhaltigere Energienutzungen für die Destillation, sie stehen aber erst am Anfang. Das ätherische Öl von Ylang Ylang ist ein wichtiges Exportgut der Komoren.

10 - 15 % der Abholzung auf den Komoren soll auf das Konto des Blütenöls gehen. Für einen Liter des Öls werden 400 Blüten benötigt, ein Liter kostet umgerechnet ca. 6000 Euro. Natürlich erhalten die Pflückerinnen – Männer sind traditionell von dieser Arbeit ausgeschlossen -  auf den Komoren nur einen minimalen Lohn: Für ein Kilo der Blüten nur ca. 0,50 Cent (vgl. Salm-Reifferscheidt, S. 60. a.a.O.).

 


[1] ELSA (d.h. „Eifel Laminated Sediment Archive“), Forschungsprojekt zur Untersuchung von Bohrkernen aus den Sedimenten der Maare und Trockenmaare in der Eifel, zur Erforschung des Paläoklimas; die Bohrungen erfolgten seit 1998, bis zu einer Tiefe von 1500 m. Ziel des Forschungsvorhabens war die Rekonstruktion der regionalen Klimageschichte der vergangenen 60.000 Jahre (vgl. https://elsa-project.de/).

[2] Der Begriff „Jüngere Dryaszeit“ wurde von dem dänischen Botaniker und Geologen  Knud Jessen (1884 – 1971) im Jahr 1935 geprägt. Der Name Dryas bezeichnet die botanische Gattung des Weißen Silberwurz  (Dryas octopetala), die während dieser Zeit in ganz Mittel- und Nordeuropa verbreitet war.

 

 

(Der Tag der Meteorologie liegt unveränderlich am 23. März, nach dem Gregorianischen Kalender) 

 

© Christian Meyer

 

 


[1] Vom gr. „ μετέρος“    „schwebend, in der Höhe, oben am Himmel; schwankend“. „Meteorologie“ bedeutete von daher „Lehre von dem, was sich in der Schwebe befindet“.

[2] Im Deutschen bezeichnet das Wort „Orkan“ einen besonders starken Sturm wie Im Herbst 2017  „Xavier“, nicht einen Wirbelsturm.


[3] In unseren Breiten steht der Große Wagen im Frühling hoch, nahezu im Zenit; im Sommer dagegen scheint er an seiner Deichsel senkrecht herunter zu hängen; im Herbst steht er knapp über dem Nordhorizont, als ob er auf ihm  entlangführe; im Winter schließlich steht er aufrecht auf seiner Deichsel.


[4] Der Name Yucatán soll bei dem ersten Kontakt der Spanier mit den Mayas entstanden sein. Die Konquistadores redeten die Mayas auf Spanisch an, diese antworteten: „Ma c’ubab than“ „Wir verstehen eure Worte nicht“. Die Spanier sollen diesen ihnen unverständlichen Satz für den Namen der Region  - Yucatán - gehalten haben (vgl. Rincón, in Landa, S. 221, a.a.O.).

[5] Das Krokodil (   Imax/Imix) war in der Maya-Astrologie ein Sternzeichen.  Nach der Überlieferung soll ein

Krokodil (oder eine Schildkröte) die Welt auf dem Rücken tragen. Zudem trug der 1. Tag der Maya-Woche die Bezeichnung Imix, Krokodil (Glyphe, vgl. unten)

[6] Im Maya-Kalender erhielten jeweils 20 Tage Tageszeichen, Nahuales. Der jeweils 12. Tag hatte das Tageszeichen „Eb“ Straße, Gras. Die Datumsglyphe für den Tag 5 Eb bestand aus einem waagerechten Strich für Fünf (gesprochen: Ho) und der Glyphe für Eb (vgl. unten). Nach dem 260tägigen Maya-Kalender Tzolkin wiederholte sich jeder Tag nach 260 Tagen. 

[7] Der Sturm wurde San Felipe Segundo Hurricane genannt, weil er am Gedenktage der Seligsprechung von San Felipe de Jesus (14. September 1627) auf Land traf. „Segundo“, der Zweite wurde er genannt, weil an dem selben Tag im Jahre 1876 ein Wirbelsturm „San Felipe“) ebenfalls Puerto Rico verwüstete. Traditionell wurden die Stürme und Hurrikane immer nach den jeweiligen Heiligen-Gedenktagen benannt. Seit 1953 wurden die Stürme mit weiblichen Vornamen bezeichnet, seit 1978 mit Vornamen beider Geschlechter.  

 

Die Glyphe: Imix - Krokodil

Die Glyphe Eb, Straße, Gras

Codex Dresdensis - Folio 74

Abb. Der Große Rote Fleck auf dem Jupiter; farbverstärkte Aufnahme der Sonde Juno (Foto: Rex Features)

 

 

 

 

Abb.: Stamm  mit Zweigen und Blüten von Cananga odorata (Abb. aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Ylang-Ylang)

 

 

Die Komoren - ein Beispiel der Klimakatastrophe

 

 

 

Die Komoren sind eine gebirgige Inselgruppe mit bis zu über 2000 m hohen Vulkanen, gelegen zwischen Madagaskar und Mosambik im Indischen Ozean, südlich des Äquators. Sie haben heute mehr als 870 000 Einwohner. Die Bevölkerung wächst sehr rasch, 1970 waren es noch 270 000 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte der Komoren ist sehr hoch, ca. 322 Menschen  pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist gemischt aus Arabern, Madagassen und Bantus. Die Komoren sind seit 1975 unabhängig, zuvor waren sie französische Kolonie. Die Staatssprache ist neben dem Französischen das Komorische, eine mit dem Suaheli verwandte Sprache. Die Inseln sind muslimisch geprägt, der sunnitische Islam ist Staatsreligion:

 

Ursprünglich waren die Komoren dicht bewaldet, in den höheren Regionen gibt es (noch) Nebelwälder, die wie natürliche Wassertürme wirken. Der Nebel kondensiert an den Bäumen, das Wasser tropft langsam herab, der Boden saugt wie ein Schwamm die Flüssigkeit auf und speichert sie.

 

 

 

Die Komoren sind in verschiedenerer Art und Weise von der Klimakatastrophe betroffen, u.a. durch die Abholzung größer Landflächen.Nach einem UNO-Bericht sind die Komoren das Land mit der weltweit raschesten Abholzung, dem schnellsten jährlichen Waldverlust.  

 

Auf der Komoren-Insel Anjouan sind in den letzten 20 Jahren ca. 80 % des natürlichen Waldbewuchses abgeholzt worden, als Brennholz, Bauholz etc., aber auch zur Gewinnung neuer landwirtschaftlicher Flächen, die auch an steilen Berghängen genutzt werden müssen. Ungefähr 90 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, wobei die Flächen auch in den Bergen eng begrenzt sind und immer rarer werden.

 

Durch den Raubbau an den Wäldern und die Erosion vertrocknen immer mehr Quellen und Flüsse auf den Inseln. Es kommt in der Folge zu einem immer stärkeren Wassermangel.

 

 

 

Gefährdet sind durch die Klimaerhitzung auch die komorischen Nebelwälder in den hohen Berglagen; wenn die Nebel durch die Erwärmung in höhere Regionen aufsteigen, kondensiert weniger Feuchtigkeit etc.

 

 Durch intensivere Wirbelstürme wird dieser Effekt noch verstärkt, so z. B. im April 2019 durch den Zyklon Kenneth, den stärksten jemals (in Mozambik) registrierten Wirbelsturm mit bis zu 250 km/h Windgeschwindigkeit: Er führte auch auf den Komoren zu großen Zerstörungen, mehrere Menschen kamen ums Leben,  rund 63 % Prozent der zu erwartenden Ernte wurde vernichtet und über 1000 Menschen wurden obdachlos.

 

 

 

Es gibt staatliche und private Bemühungen, um eine Wiederaufforstung, unterstützt z.B. von der 2013 gegründeten Umweltorganisation. Dahari (komorisch: „dauerhaft, nachhaltig“). Sie setzt sich auch für die Erhaltung der z.T. endemischen Flora und Fauna der Inseln ein, sowie für eine ganzheitliche Bewirtschaftung und Nutzung der knappen Wasserressourcen.  Sie fördert eine agroforestäre Umorganisation der Landwirtschaft.

 

 

Die hohe Bevölkerungsdichte und Arbeitslosigkeit führt zu einer starken Auswanderung und Fluchtbewegung von den Komoren. Rücküberweisungen von Auslandskomorern spielen eine große wirtschaftliche Rolle.

 

Seit Jahren kommen immer wieder Tausende von Komorern ums Leben, durch riskantes Übersetzen, Fliehen auf v.a. Nachbarinseln im Indischen Ozean.

Eine besondere Rolle spielt auf den Komoren der Anbau von Ylang Ylang (malaiisch: Blume der Blumen; bot. Cananga odorata), einem immergrünen, zu den Magnolien gehörenden, schnellwachsenden, windbeständigen und schädlingsresistenten Baum, dessen Blüten der Rohstoff für ein ätherisches Öl ist, das für Seifen, Shampoos und Parfüms genutzt wird; zum Beispiel hat auch Chanel No. 5 [1]u.a. einen Anteil Ylang-Ylang-Öl. Die Ylang-Ylang-Blüten verströmen einen intensiven Wohlgeruch, am stärksten morgens bei Sonnenaufgang;  Junge Blüten sind hellgrün bis limonengelb, ältere Blüten dunkelgelb.

 

Der Baum wird auf den Komoren großflächig angebaut und vielfach auch in hunderten kleinen Anlagen selbst destilliert, was den Holzverbrauch erhöht. Es gibt allerdings unterdessen Versuche für nachhaltigere Energienutzungen für die Destillation, sie stehen aber erst am Anfang. Das ätherische Öl von Ylang Ylang ist ein wichtiges Exportgut der Komoren.

 

10 - 15 % der Abholzung auf den Komoren soll auf das Konto des Blütenöls gehen. Für einen Liter des Öls werden 400 Blüten benötigt, ein Liter kostet umgerechnet ca. 6000 Euro. Natürlich erhalten die Pflückerinnen – Männer sind traditionell von dieser Arbeit ausgeschlossen -  auf den Komoren nur einen minimalen Lohn: Für ein Kilo der Blüten nur ca. 0,50 Cent (vgl. Salm-Reifferscheidt, S. 60. a.a.O.).

 



[1] Coco Chanel betrachtete die Fünf als ihre Glückszahl; daher der Name des Parfüms, das am 5.5.1921 der Öffentlichkeit präsentiert wurde,