Ostern [1]: Fest der Auferstehung Christi

 

Das theologisch bedeutendste Fest der Christenheit erinnert an die Auferstehung Jesu, wie sie in den Evangelien dargestellt wird: am dritten Tag nach seiner Hinrichtung fanden Maria Magdalena und die "andere Maria" das Grab leer. Aber Jesus zeigte sich als Auferstandener: „Noli me tangere ...".

Zur Messe im Petersdom zu Ostern (wie auch zu Weihnachten) spendet der Papst alljährlich den Segen „Urbi et orbi" (der Stadt und dem Erdkreis), der sich seit dem 13. Jhdt. entwickelt haben soll. Seit vielen Jahrzehnten wird der Segen von der Loggia des Petersdomes ("Benediktionsloggia") zum Petersplatz hin zelebriert. Nach offizieller Lehre der katholischen Kirche erwirbt der Zuhörer „in frommer Gesinnung" durch den Segen eine völlige Sündenvergebung, auch wenn er den Segen nur im Radio, Fernsehen oder im Internet hört.

In seinem „Orgelbüchlein“ ordnete Johann Sebastian Bach ( vgl. Gregorianisches Neujahr) der Osterzeit u.a. folgende Choral – Durchführungen zu: „Christ lag in Todesbanden“ (BWV 625), „Christ ist erstanden“ (BWV 627), „Erstanden ist der heil’ge Christ“ (BWV 628) und „Heute triumphiret Gottes Sohn“ (BWV 630).

Verschiedenste regionale Traditionen und Gebräuche sind mit dem Osterfest verbunden.

In Polen ist eine besondere österliche Tradition weit verbreitet, der Aufbau einer Art "Osterkrippe": auf einem nachgebildeten Hügel von Golgatha steht das leere Kreuz. Unterhalb sieht man das Felsengrab Christi, mit einer in weiße Grabtücher gehüllten Figur Jesu. Geschmückt ist das ganze oft mit Blumen oder Ostergras. Dies Arrangement bleibt bis zum Sonntag nach Ostern in den Kirchen stehen.

Von den alten Osterbräuchen verschiedener deutscher Regionen ist heute nur noch wenig erhalten: vor diesem "Fest der kleinen Freuden" erfolgte ein genereller Hausputz.

Nur selten noch auf dem Lande ist am Ostersonntag noch etwas davon zu spüren, dass Ostern auch das Frühlingsfest war.  Da finden sich noch Riten, die u.U. altgermanischer Herkunft sind aber schon christlichen Mythen enthalten.

Nach (ober-) sorbischer Tradition soll das Wasser, der Quell allen Lebens, in der Osternacht wundersame Wirkung haben. Das Wasser muß am l. Ostertag vor Sonnenaufgang aus reiner Quelle geschöpft werden. Das  (ursprünglich jungfräuliche) Mädchen, das das Osterwasser von der nächstgelegenen Quelle oder dem nächsten Bach holt, dürfe auf dem Weg nicht sprechen und sich nicht umdrehen. Graue, unheimliche Unholde beherrschten die Nacht, heißt es,  sie könnten das Osterwasser seiner Zauberkraft berauben. Heute sind es allerdings häufiger die jungen Männer, die versuchen das Schweigen zu brechen.

Noch im Haus sei Umsicht geboten, Spritzer auf dem Fußboden könnten Ungeziefer anziehen. Achtlos weggeschüttet, beschwöre Osterwasser sogar Siechtum und Tod. Erst dann komme der Lohn. Ein kräftiger Schluck Osterwasser bringe dauerhafte Schönheit, stähle den Körper und schütze vor Krankheiten. Ein paar Tropfen, dem Viehtrank beigegeben, vermehre die Milch und wende Unglück von der Herde.

Auch wurde (wird ??) in der Region um Bautzen das Osterwasser von den jungen Frauen in die Kirchen gebracht, wo es gesegnet als Taufwasser diente (vgl. Tagesspiegel, 29. März 1998). 

Der Adel veranstaltete früher  in manchen Regionen Mitteleuropas zu Ostern traditionell Schnepfenjagden.

In einigen norddeutschen Gegenden ist noch das "Stiepern" oder "Schmackostern" beliebt, das Schlagen mit Birkenruten, das keine Züchtigung, sondern eine glückbringende Geste sein soll, Überbleibsel eines wohl schon altgermanischen Fruchtbarkeitszaubers. Lange vor Ostern brechen die Schulkinder die Birkenzweige [2] , lassen sie in der Vase junges Grün treiben und ziehen damit am Morgen des zweiten Ostertages von Haus zu Haus. Die Bewohner empfangen leichte Rutenstreiche und hören den Vers:

                                          „Ostern, Schmackostern ist hier!

                                           Drei Groschen zum Bier;

                                           Drei Eier und ein Stück Speck,

                                           Dann gehen wir weg!“

 

Kirchliche Weihen von Speisen zu Ostern sind seit dem 7. Jhdt. belegt, - auch die Weihe von Eiern. Zur Unterscheidung wurden die geweihten Eier [3] oft verziert oder gefärbt.

Seit dem 11. Jahrhundert schon wurden nachweislich in der Slowakei Eier bemalt. Sie wurden mit "heidnischen" und christlichen Ornamenten verziert, mit Kreuzen, Wellenlinien, Dreiecken, Ranken, Blüten usw.

Bei den Sorben u.a. wurden Ornamente mit Hilfe einer abgebrochenen Feile oder einem spitzen Messer auf dem hartgekochten, gefärbten Ei eingeritzt (vgl. Vossen et al., a.a.O.).

Der Minnesänger Freidank [4] berichtet im 13. Jhdt. von "geverwedt eyer".

Vielleicht im Zusammenhang mit der Reformation vollzog sich im 16. / 17. Jhdt. ein Wandel in der Sitte des österlichen  Eierschenkens: nun erhielten Pater, Freunde Eier als Liebesgabe. 

Spätestens im 17. Jhdt. wurde der Brauch immer populärer, Ostereier  zu verschenken. Häufig wurden halbierte, leere Hühnereier bemalt, beklebt und mit Süßigkeiten gefüllt und wieder zusammengeklebt. Seit dem 19. Jhdt. gibt es im Handel Ostereier aus Krokant und Schokolade.

Eine Besonderheit sind u.a. in der mährischen Slowakei die "Sauerkrauteier". Das Ei wird dabei zuerst in ein gelbes Farbbad gegeben; nun werden alle Partien die gelb bleiben sollen, mit Wachs abgedeckt und das Ei kommt in ein rotes Farbbad. Alle was rot bleiben soll erhält anschließend eine Wachsschicht. Nun wird das Ei in ein leicht ätzendes Bad von Sauerkrautsaft gelegt: alle nicht mit Wachs abgedeckten Stellen wird die Farbe entzogen, sie werden milchig - weiß.

Im orthodoxen Raum gibt es Eier, die mit weißem Wachs überzogen und mit Perlenapplikationen verziert sind. In Russland sagte man, daß das Grab Christi am Ostermorgen zersprungen sei, wie ein Hühnerei, dem das Küken entschlüpft. Auf russischen Ostereiern fanden sich früher oft österliche Abbildungen, Symbole oder auch die kyrillischen Buchstaben "XB" für den "Ostergruß" [5] "Христóс воскрéсе" (Christos woskrese), d.h.  "Christ ist erstanden".

Auch in der Ukraine war und ist es Tradition, zu Ostern Eier mit z.T. selbst hergestellten Farben mit symbolischen geometrischen Mustern bunt zu bemalen. Die Eier, „pyssanki“ genannt, werden als Tischdekoration benutzt (vgl. Néret, S. 11, a.a.O.).  

 

Über den Bringer der Ostereier herrschte lange Zeit Uneinigkeit. Ist es.....

·         der Hahn, wie man es lange in Oberbayern, Westböhmen, Thüringen, Schleswig - Holstein und im Egerland glaubte

·         die Himmelshenne oder der Ostervogel, wie man lange in Tirol, Kärnten und im Odenwald annahm

·         der Storch (Röhn, Thüringen)

·         der Kuckuck (Solling, Altmark, Braunschweig, Siebenbürgen, Schweiz)

·         der Fuchs (Lippe, Ravensberg, Westfalen, Friesland, Hannover)

·         der Palmesel (Fulda)

Noch zu Beginn des 19. Jhdts. war der Osterhase in manchen Regionen Mitteleuropas unbekannt.

Schon in der Antike wurde der Hase bzw. das Kaninchen wegen seiner Fruchtbarkeit als Symbol der uralten Muttergottheiten, der ewigen Erneuerung des Lebens [6],besonders verehrt.  

Den in Fabeln weit verbreiteten Namen "Meister Lampe" [7] soll der Hase erhalten haben, weil er der germanischen Erdgöttin Holda / Holle bei ihren nächtlichen Wanderungen den Weg beleuchtete.

Der Osterhase ist seit dem 17. Jhdt. nachgewiesen. Der Heidelberger Medizinprofessor beschrieb in seiner Schrift von 1682 "De ovis paschalis" oder "Von den Oster - Eyern", daß es in Westfalen, dem Elsaß und der Pfalz Brauch sei, den Kindern einzureden, der "Osterhase" bringe die Ostereier.

Gegen Ende des vorigen Jhdts. wurde der Hase als Ostersymbol immer populärer, v.a. auch durch massenhaft verbreitete Abbildungen, die Osterhasen vermenschlicht in verschiedensten Alltagssituationen als Gabenbringer zeigten. Bereits 1919 gab es Osterhasen aus Pappmaché in den Angeboten der Spielwarenhersteller im thüringischen Sonneberg. Weltweit populär wurde unterdessen der Osterhase [8] (frz. ‘lapin de Paques’  = Osterkaninchen), zusammen mit den Ostereiern zum eigentlichen, vorchristlichen Symbol des Festes.

Oft wurden die Ostereier im halbhohen Ostergras versteckt. In besonderen Behältnissen wurden dazu schon nach dem Aschermittwoch Haferkörner ausgesät und auf den Fensterbrettern herangezogen. 

In u.a. Österreich waren aus Wolle gestrickte und gewickelte Wunderknäuel beliebt, in deren Innern verschiedene Geschenke versteckt worden waren.

In Schwaben und Franken wurde früher (heute wohl nur noch selten) dem Osterhasen ein Hasengärtlein, eine Art Nest aus Frühlingsgrün, Blumen und Moos. Zuweilen wurden dafür auch kleine Span- bzw. Weidenkörbe verwendet. Am Tag vor Ostern stellten die Kinder das Hasengärtlein in den Garten, fanden dann Ostereier darin. In Nürnberg gab es Hasengärtlein, die gezogen werden konnten.

Zum Beispiel im Odenwald gibt es stellenweise bis heute die Tradition der Ostervögel: die Vögel [9] mit oft roten Papierflügeln und Wachsschnäbeln werden über dem Ostertisch aufgehängt. Sie sollen dem ganzen Haushalt Segen bringen.

 

Gebackene Osterlämmer wurden anscheinend in der Zeit des Rokoko erfunden. Auch heute noch werden sie oft aus zartem Rühr- oder Biskuitteit in Extraformen gebacken. Weiß gemacht werden sie oft mit Puderzucker oder mit Zuckerguss. Zuweilen bekommen sie dann ein rot – weißes Auferstehungsfähnchen  aus Papier an einem Holzspan zwischen die Vorderpfoten gesteckt und ein rosa Seidenbändchen um den Hals gebunden. Weit verbreitet sind solche gebackenen Osterlämmer bis heute in Italien. 

In Griechenland wird am Abend des Ostersonntags (nach dem angenommenen Termin der Auferstehung Christi) traditionell oft eine Figur aus brennbaren Materialien (Holz, Stroh etc.) von Judas Ischarioth verbrannt.

Auch der Mythos von der versunkenen Stadt „Vineta“, der z. B. von Selma Lagerlöf dargestellt wurde, ist mit dem Ostertag verbunden.  alle hundert Jahre wiederauftauchend, mit einem Pfennig zu erlösen.... 

 

Nach islamischer Vorstellung starb Jesus nicht am Kreuz und erstand von daher auch nicht vom Tode, - das christliche Ostergeschehen habe nicht stattgefunden.

Am 8. April 1341, dem 1. Ostertage des Jahres empfing Francesco Petrarca auf dem Kapitol in Rom aus der Hand des Condottiere und römischen Senators Orso dell’Anguillara die römische Bürgerwürde, ein Diplom als „magister, poeta et historicus“ sowie den Dichter - Lorbeerkranz.

Die Ehrung angeboten hatten Petrarca gleichzeitig die Univeristät von Paris und der Senat der Stadt Rom. Letztere nahm er an. Petrarca selbst hängte den Lorbeerkranz in der Peterskirche an dem Altar auf, wie er einem Freund brieflich berichtete.

 

Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine Fülle von Kompositionen, die das Osterfest, die Auferstehung Jesu thematisierten.

In seinem „Orgelbüchlein“ ordnete Johann Sebastian Bach der Osterzeit u.a. folgende Choral – Durchführungen zu: „Christ lag in Todesbanden“ (BWV 625), „Christ ist erstanden“ (BWV 627), „Erstanden ist der heil’ge Christ“ (BWV 628) und „Heute triumphiret Gottes Sohn“ (BWV 630).

 

Georg Friedrich Händel (1685 -1759) war im Frühsommer 1706 von Hamburg aus nach Italien aufgebrochen, wohin ihn Gian Gastone de‘ Medici eingeladen hatte. Händel blieb jedoch nicht in Florenz, sondern reiste weiter nach Rom. Dort war durch ein päpstliches Machtwort die Oper (wie auch der Karneval und alle weltlichen Vergnügungen) „… in Verruf geraten … und zeitweilig sogar verboten worden“, es kam zu einer Art „römisch-katholischer ‚Prohibition‘“ (Stähr, S. 12/13, a.a.O.). Durch diesen „… Akt des moralischen Rigorismus“, einen „tiefgreifenden kulturellen Klimawandel“ gelangte das Oratorium in Rom in den Vordergrund, das durch seine Ursprünge in Rom durch den Hl. Filippi Neri „… über jeden Zweifel erhaben“ erschien (Stähr, S. 13, a.a.O.).

Papst Clemens XI. (pont. 1700 – 1721), wollte einem befürchteten sittlichen Niedergang entgegentreten und die Religiosität fördern; auch waren mehrere Erdbeben im Jahre 1703 als göttliche Vorzeichen eines kommenden Untergangs gedeutet worden.

 Händel komponierte 1798 in Rom das „Oratorio per la Resurrezione di Nostro Signor Gesù Cristo“ (Oratorium zur Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, HW 47) für Solostimmen und Orchester. Es handelte sich um Händels zweites Oratorium (nach dem im Jahr zuvor entstandene Oratorium „Il trionfo del tempo e del disinganno“, HWV 46a), das Libretto stammte von dem erfolgreichen Opernlibrettisten Carlo Sigismondo Capece (1652 – 1728). Der Text geht zurück auf auf die Auferstehungsberichte der Evangelien, die Apokalypse und insbesondere das apokryphe Nikodemus-Evangelium. Aus diesem vermutlich im 5. Jhdt. in griechischer Sprache verfassten Text stammt v.a. die Vorstellung von einer Höllenfahrt Jesu, einem „Abstieg Christi zur Hölle“ („Descensus Christi ad inferos“, vgl. Weidinger, S, 466 f. und 484 ff, a.a.O.). Hierher rührt auch die Erzählung vom Kampf zwischen Satan und Hades (!) mit Jesus an den „… ehernen Toren und … eisernen  Riegeln“ der Hölle (vgl. Weidinger, S. 488, a.a.O.), einem Kampf, in dem Jesus natürlich obsiegt und eine Anzahl von Toten (so Adam oder Elias) aus der Hölle befreit. Die beiden angeblichen Autoren des Textes behaupten selbst auch von Jesus aus der Hölle befreit worden zu sein.

 

Händels damaliger Mäzen, der Marchese Francesco Maria Ruspoli (1672 – 1731) ließ in seinem Palazzo Bonelli „… ein  terrassenförmiges teatro a scalinata  errichten, das bühnenbildartig von einem gewaltigen Hintergrundvorhang abgeschlossen wurde, einem monumentalen Auferstehungsgemälde mit Putten, Cherubim und Dämonen. Schon dies allein verlieh den Aufführungen … einen szenisch – illusionistischen Aspekt und versetzte die erlauchten Besucher des ruspolischen Privattheaters in andächtiges Staunen“ (Stähr, S. 13, a.a.O.).

 

Uraufgeführt wurde das ca. zweistündige Oratorium am Ostersonntag, 8. April 1708 (und nochmals a, 9. April) im römischen Palazzo Bonelli (dem heutigen Palazzo Valentini) nahe der jetzigen Piazza Venezia. Geleitet wurden diese Aufführungen von dem dreiundzwanzigjähriger Komponisten selbst (vom Cembalo aus) und von dem Komponisten Arcangelo Corelli vom ersten Pult aus, als Konzertmeister.  

 

Das Oratorium „La Resurrezione“ ist gekennzeichnet durch zwei Handlungsebenen, eine jenseitig himmlisch-höllische und eine irdische in Jerusalem. Die Handlung beginnt mit dem Kampf zwischen dem Engel (Angelo) und dem Teufel (Lucifero) um die Frage, wer nun, nach dem Kreuzestod Jesu gesiegt habe: Der Engel hatte Jesus bis an die Höllenpforte geleitet.

Auf der irdischen Handlungsebene beklagen Maria Magdalena (Maddalena) und Maria Kleophae (die Frau des Kleophas, Cleofe) den Tod Jesu. Der Evangelist Johannes (San Giovanni) lenkt die Aufmerksamkeit auf die angekündigte Auferstehung und auf der himmlischen Ebene preist der Engel den Sieg Gottes über den Teufel, der – in einer „Wutarie“ – seine Niederlage erkennen muss.

Am Ostermorgen bebt die Erde, Johannes besingt den Sonnenaufgang und der Engel bringt Maddalena und Cleofe die Botschaft von der Auferstehung . San Giovanni besingt schließlich das Glück der Mutter Jesu. Die Schlusszene ist ein allgemeiner Lobpreis, bei dem auch der Teufel mitsingen darf (zumindest in der Aufführung in der Berliner Philharmonie im Oktober 2014).

  

Ein päpstliches Dekret von 1703 verbot im Kirchenstaat Auftritte von Frauen in allen musikalischen Darbietungen. Nur in der Rolle der Maddalena sang so bei der römischen Uraufführung tatsächlich eine Frau, die junge Margharita Durastanti, die später auch in London mit Händel zusammenarbeitete. Marchese Ruspoli erhielt bereits am Ostermontag eine „ammonizione“ (Abmahnung, im Fußball heute auch die Gelbe Karte), eine strengen päpstlichen Verweis, überbracht von einem Kardinal persönlich (vgl. Stähr, S. 18, a.a.O.). Papst Clemens XI. setzte durch, dass Margherita Durastanti in der zweiten Aufführung durch den Kastraten Pippo ausgewechselt wurde.

 

Auffällig ist an Händels Musik hier, dass sich dies Oratorium kaum von einer Oper unterscheidet, besonders bei einer szenischen Aufführung auf einer Bühne. Auch spielt der Chor in „La Resurrezione“ eine untergeordnete Rolle, er wird von den Solisten übernommen. Bemerkenswert sind auch die Naturanalogien in Händels Musik: Zum Beispiel werden in der Arie der Maria Cleofa (Nr. 12, „Naufrando va per l’onde“, „Droht das schwache Boot auf den Wellen zu kentern…“) die „rollenden Meereswogen§ durch „rasende, sozusagen sturmgepeitschte Sechzehntel“ ausgedrückt (vgl. Stähr, S. 22, a.a.O.). Der Opernkomponist Händel verleugnete die Opernhaftigkeit auch in dieser frühen geistlichen Musik nicht.  

Dieses Oratorium Händels wurde nach den Uraufführungen 1708 für ca. 250 Jahre nicht mehr aufgeführt. Händels „La Resurrezione“ kann als eine Art Zwitter „… zwischen Erzählung und Konzertmusik“ abgesehen werden (vgl. „Der Tagesspiegel“, 31. Oktober 2014, S. 21).

 

Seit 1959 entwickelte sich in verschiedenen Ländern weltweit eine neue österliche Sitte, der Ostermarsch. Anknüpfend an den alten Ostergruß "Friede sei mit Dir" veranstalten Friedensfreunde und Pazifisten weltweit an den Ostertagen Demonstrationen gegen die jeweils jüngsten "Anschläge" der militärisch - industriellen Komplexe. Im Zentrum der Ostermarschbewegung standen von daher u.a. die Atombewaffnung, die Notstandsgesetze oder die "Nachrüstung". In den letzten Jahren wurden verstärkt die schleichende Militarisierung des Alltags, militärische Interventionen im Ausland und die rapide Zerschlagung des Sozialstaats im Inland thematisiert. 

 

(variabel nach der christlichen Osterberechnung; der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond) 

 
© Christian Meyer


[1] Die deutsche Bezeichnung "Ostern" wie auch das englische "Easter" stammt von der umstrittenen germanischen Frühlingsgöttin "Ostara" ab. Bei den Angelsachsen soll sie "Eostra" genannt worden sein und als Personifikation der aufsteigenden Sonne gegolten haben. 

[2] Regional werden auch Wacholderzweige zum "Schmackostern" benutzt.

[3] Eier gelten in einigen Schöpfungsmythen als Lebenssymbol, z.T. auch als Wegzehrung ins Jenseits.Schon im antiken Ägypten und Iran wurden im Frühling Eier bemalt. Im europäischen Mittelalter war es in verschiedenen Regionen üblich, den Pachtzins - er wurde u.a. um Ostern fällig - in Naturalien abzuführen, z.B. in Eiern oder gefangenen Hasen. Vielleicht wurden hier zwei heterogene Traditionen zusammengefaßt. 

[4] Freidank (Vrîdank) ist der vermutlich allegorische Name eines mittelhochdeutschen Dichters (1. Hälfte des 13. Jhdts.). Er verfaßte das Lehrgedicht "Bescheidenheit" in 53 Abschnitten und mehr als 4000 Versen zu verschiedensten Bereichen und Erfahrungen des hochmittelalterlichen Lebens.

[5] Auf den russischen liturgischen Ostergruß "Христóс воскрéсе" (Christ ist erstanden) folgt die Antwort "Воистину воскрéсе" (Er ist in Wirklichkeit auferstanden).

[6] Im antiken Ägypten gab man teilweise dem Osiris die Gestalt eines Hasen, der zerstückelt in den Nil geworfen wurde und so die periodischen Fruchtbarkeit bringenden Überschwemmungen bewirkte (vgl. Chevalier, S. 572, a.a.O.). 

Gluskap (Kluskave), der von einer Jungfrau geborene Kulturheros der nordöstlichen Algonkin (in Kanada), wird oft als Hase gedacht oder symbolisiert. Er kämpfte dem Mythos nach gegen seinen bösen Zwillingsbruder und erschafft nach der großen Flut aus einem Schlammbrocken eine neue Erde. Zurückgezogen im mythischen Norden lebend wirkt er weiter zum Wohl der Menschen und der Erde (vgl. Lurker, S. 118, a.a.O.).

[7] Bis heute soll regional der Begriff „Lampert" für "Kaninchen" verwendet werden (vgl. auch "18. September, Hl. Lambert).

[8] Kaninchen und Hasen sind weniger miteinander verwandt als z. B. Löwe und Tiger. Sie sind keine Nagetiere (früher wurden sie in der Gruppe der Murmeltiere, Eichhörnchen, Hamster, Stachelschweine, Mäuse etc. geführt, da diese Gruppe in Einfach- und Doppelzähnige unterteilt wurde, und die Doppelzähnigen haben hinter den großen Nagezähnen des Oberkiefers noch 2 kleine Stiftzähne.), sondern als eigene Gruppe die Hasenartigen oder Lagomorphen. Hase und Kaninchen gehören in dieser Gruppe nicht nur verschiedenen Arten, sondern auch verschiedenen Gattungen an, können nicht gekreuzt werden. Die Existenz von Leporiden ist zwar immer wieder behauptet, nie belegt worden. Der Hase ist ein ausdauernder Läufer, er lebt meist paarweise oder einzeln. Er legt kein Nest an, sondern ein offenes Lager. Charakteristisch für Hasen ist ihre enorme Fruchtbarkeit, eine Häsin kann im Jahr zweimal Junge werfen. Die Tragzeit beträgt 42 Tage, die Häsin kann sich einige Tage vor der Geburt wieder decken lassen ("Schachtelträchtigkeit"). Dieses seltsame Phänomen wurde bereits vor 2 Jtsd. in groben Zügen von Herodot geschildert. Die Jungen sind typische Nestflüchter. Sie haben lange Hinterläufe (bis zu 80 km/h), die Ohren sind länger als der Kopf, die Chromosomenzahl beträgt 48.

Trotz seiner Fruchtbarkeit wurde der Hase durch den BUND in Ostdeutschland auf die "Rote Liste" gesetzt, in Berlin und Brandenburg gilt er sogar als sehr gefährdet.

Das Kaninchen ist ein Grabtier und Höhlenbewohner, halb so groß wie der Hase. Es gibt 58 verschiedene Rassen und bis zu 20 Farbschläge. Die Jungen werden, bis zu einem Dutzend, nackt und blind in einem tiefen, weich ausgepolsterten Erdbau geboren. Die Ohren sind kürzer als der Kopf; es gibt nur 44 Chromosomen.

[9] Sie erinnern sehr an die pfingstlichen "Heilig - Geist - Vögel" oder "Heilig - Geist - Tauben".

Abb. unten: Georg Friedrich Händel, um 1710; Pastell von Luzie Schneider nach einer Miniatur von Christoph Platzer (Abb aus Stähr, S. 11, a.a.O.)

G. F. Händel - Portrait
G. F. Händel - Portrait
Palazzo Bonelli
Palazzo Bonelli

Die Piazza SS. Apostoli in Rom, im Hintergrund der Palazzo Bonelli, die damalige Residenz des Marchese Bonelli und Wohnort Händels in den Jahren 1707/08; Stich von Giovanni Battista Falda, Rom, ca. 1666 (Abb aus Stähr, S. 13, a.a.O.)

 

Titelseite des Libretto
Titelseite des Libretto

 

Titelseite des Librettos des Oratoriums, Rom 1708 (Abb aus Stähr, S. 15, a.a.O.)