Jüdisches Gedaliah – Fasten (= Jom Gedaliah; auch Gedalja); auch „Fasten des Siebenten (Monats)“, Tischri, genannt

 

Der Jom Gedaliah [1] (Gedaliah - Fasten) ist ein alljährlicher Fastentag, der von den jüdischen Religionsgelehrten eingeführt wurde, um an die Ermordung von Gedaliah Ben Achikam zu erinnern.

Gedalja Ben Achikam entstammte einer hohen judäischen Beamtenfamilie. Er stand – wie seine ganze Familie – den Propheten Jeremia nahe. Nach der Eroberung Jerusalems und Zerstörung des Tempels durch die Armee des neubabylonischen Königs Nebukadnezar II. wurde Gedalja durch diesen 587/586 v. Chr. zum Statthalter in Juda eingesetzt, in dem nach der 2. Deportation v.a. noch arme Landbevölkerung lebte.

Gedalja wurde jedoch bereits nach ca. zwei Monaten von überlebenden Offizieren des gestürzten judäischen Königshauses ermordet. Die Aufständischen handelten vermutlich im Auftrag des Königs Baalis von Ammon [2] . Ismael (Yishmael Ben Netaniah), der Führer der unversöhnlichen Königspartei, kam zum siebenten Monat (Tischri) mit einer Gruppe seiner Anhänger nach Mizpa (dem Verwaltungsresidenz Gedaljas, ca. 13 km nördlich von Jerusalem, der „… vermutlich am wenigsten zerstörten Stadt des Landes; vgl. Wilsdorf in Dobraczynski, S. 502, a.a.O. ). Gedalja empfing sie freundlich, obwohl er vor dem Mordplan gewarnt worden war. Gedalja glaubte den Warnungen nicht. Die Attentäter aber „… schlugen Gedalja … mit dem Schwert zu Tode, darum dass ihn der König zu Babel über das Land gesetzt hatte“ (Jer 41, 2). Die Stadt Mizpa wurde geplündert und viele Anhänger Gedaljas als Gefangene fortgeführt. Der Überlieferung nach geschah der Mord zu Rosch ha Schana , das Fasten aber aber findet heute des Fests wegen am 3. Tag der Tischri statt.

Jeremia, der auch in Mizpa als eine Art „politischer Berater“ Gedaljas fungierte, wurde – zusammen mit seinem Sekretär Baruch - von den gefangengenommen[3].

Die Rache der Babylonier ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Als Ergebnis der Ermordung Gedaljas wurden die letzten Reste judäischer Autonomie zerstört, viele Judäer wurden getötet, andere ins Exil verschleppt. Viele der überlebenden Juden flüchteten vor der Rache Nebukadnezars nach Ägypten. Die überlebenden Reste der Judäer lebten zerstreut und das Land blieb verwüstet.

Hinsichtlich des Ziels des Gedaliah – Fasttages meinten Rabbiner, dass der Tod eines Rechtschaffenen wie die Zerstörung des Tempels Gottes sei. So wurde ein Fasttag für die Zerstörung des Tempels und einer zur Erinnerung an die Ermordung Gedaljas eingeführt.  

Das Gedaliah - Fasten wird vom Tagesanbruch bis zum nächtlichen Erscheinen der Sterne beachtet. Der Kantor fügt in der Synagoge dem Gebet Shachritamidah“ [4] das „Anenu“ (hebr. „Antworte uns”) hinzu, ein besonderes Gebet für Fasten–Tage.  

Die Thora – Rolle wird ihrem Schrein entnommen und der Text zu den dreizehn Eigenschaften Gottes (Shmot / 2. Mose 32, 6-7 [5] ) wird gelesen sowie das „vayechal“ (hebr. „er beendete“, Shmot / 2. Mose 32, 14 [6]).

 

(veränderlich nach dem jüdischen Lunisolarkalender, am 3. Tag des ersten Mondmonats, Tischri; wenn Rosch ha – Schana auf Donnerstag und Freitag fällt, wird das Gedaliah – Fasten auf den Sonntag verschoben, da kein jüdischer Fastentag am Sabbat begangen wird, außer Jom Kippur)



[1] Der Name “Gedaliah” bedeutet “groß gemacht durch Gott”.  

[2] Sehr wahrscheinlich fand der Köng 582 v. Chr. während des Ägypten-Feldzugs der Babylonier sein Ende. Ammon wie auch Moab wurden unterworfen.

[3] Nach dem Scheitern des Aufstandes wurden Jeremia und Baruch gezwungen, den überlebenden Aufständischen ins ägyptische Exil zu folgen. Nach einer Überlieferung wurden dort beide von judäischen politischen Gegnern gesteinigt (vgl. Wilsdorf, in Dobraczynski, S. 502, a.a.O.). 

[4] Das Shachrit ist das jüdische Morgengebet. Das Amidah (hebr. „stehen”) ist das Hauptgebet des Judentums, das dreimal täglich wiederholt wird.

[5] „Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig, und geduldig und von großer Gnade und Treue! Der da bewahret Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig ist; der die Missetat der Väter heimsucht auf Kinder und Kindeskinder bis ins dritte und vierte Glied“ (2. Mose 32, 6-7).  

[6] „Also gereute den Herrn das Übel, das er drohte seinem Volk zu tun“ (2. Mose 32, 14)

 

 

 

© Christian Meyer