Pfingsten

 

Christliches zweitägiges Pfingstfest: (etym. vom gr. „pentekoste hemera" „Der Fünfzigste Tag"; frz. „pentecôte“, eng. „whitsun“). Der Name Pfingsten  verweist auf den zeitlichen Abstand von 50 Tagen zu Ostern (der Ostertag selbst wird mit gezählt). Pfingsten folgt immer 10 Tage nach Christi Himmelfahrt, mit diesem Fest endet die Osterzeit.

Pfingsten ging aus den jüdischen Schawuoth – Fest (Wochenfeste) hervor, ursprünglich einem Erntefest.

 Nach christlicher Tradition ist Pfingsten der Gedenktag an die „Ausschüttung" des Heiligen Geistes, der dritten Person der Dreieinigkeit, an die in Jerusalem zum Wochenfest versammelten Jünger Jesu. Völlig unerwartet erhob  sich – der biblischen Überlieferung nach - vom Himmel ein Brausen wie von einem Sturm. Es erschienen Feuerzungen, die sich aufteilten und auf jedem der Männer niederließen. Nach dem Pfingstbericht in Apg 2 begannen die vom Heiligen Geist Beseelten schließlich „in Zungen zu reden", d.h. sie beherrschten vom Heiligen Geist erfasst viele unterschiedliche Sprachen. So wandten sie sich nun zum ersten Mal mit ihrer Botschaft an die Öffentlichkeit, die so überrascht von dem neuen Fähigkeiten gewesen sein soll, dass man annahm die Apostel wären „… voll des süßen Weins“ (Apg 2, 13). Jesus nennt den Heiligen Geist auch „Paraklet“ ( Tröster, Beistand) oder Geist der Wahrheit.

 

Theologisch gedeutet wird Pfingsten heute als Geburtsstunde der christlichen Kirche, des Leibes Christi, wie sie der Apostel Paulus später bezeichnete.  

Symbolisiert wird der Heilige Geist oft dirch die Taube, aber auch durch Wind, Feuer und Wasser.

 

In seinem „Orgelbüchlein“ ordnete Johann Sebastian Bach (vgl. Gregoriansches „Neujahr“) der Pfingstzeit u.a. folgende Choral – Durchführung zu: „Komm, Gott Schöpfer, heiliger Geist“ (BWV 631).

 

Für den Leipziger Pfingstsonntagsgottesdients 1724 schrieb Johann Sebastian Bach die Kantate „Erschallet, ihr Lieder, erklinget ihr Saiten“ (BWV 172). Schon der Eingangschor ist mit Pauken und Trompeten üppig instrumentiert. Der theologische Bezug zum Pfingstfest wird besonders in der Bass – Arie „Heiligste Dreieinigkeit“ und dem Choral „Von Gott kommt mir ein Freudenschein“ deutlich.

 

In der Vergangenheit war allerlei Brauchtum auch mit dem Pfingstfest verbunden: in vielen Kirchen ließ man während des Pfingstgottesdienstes aus einem Loch in der Decke ein Abbild des Heiligen Geistes, eine hölzerne Taube herabschweben.

 

In manchen Regionen Mitteleuropas wurde der Pfingstsonntag früher auch als Fest der Hütejungen begangen: diese machten Umzüge, ließen sich Pfannkuchen backen und kochten Biersuppe. Sie sammelten von ihren Bauersfrauen die Zutaten dazu ein. Die Pferdejungen z.B. wählten teilweise aus ihrer Mitte ein fünfköpfiges Festkomitee. Der erste von ihnen trug die Butter, der zweite die Eierkiepe, der dritte den Speck, der vierte den Mehlbeutel und der fünfte musste mit der Peitsche die Hunde fernhalten. Gemeinsam wanderten zogen sie aufs Feld, wo ihnen die Mädchen aus den Zutaten Pfannkuchen buken.

 

Zu Pfingsten wird in Questenberg (Kreis Sangershausen, südlich des Harz) das Questenfest gefeiert: auf dem Questenberg (nahe einer noch heute im Gelände gut erkennbaren vorgeschichtlichen Wallburg) wird an einem Maibaum (einem ca. 10 m hohen Eichenstamm) ein Kranz aus Birkenreisern aufgehängt. Träger der Tradition ist der Questenverein e.V. Nach den Vermutungen der Prähistoriker vom Landesmuseum Halle könnte das Questenfest ein Überrest eines alten keltischen Fruchtbarkeitsbrauches sein.

 

Während der Zeit des deutschen Faschismus wurde versucht, das Questenfest germanisch umzuinterpretieren und auf die Sonnwendfeier umzulegen (vgl. Kiehl, a.a.O.): auch hier ein Beispiel für mißbrauchtes, politisch instrumentalisiertes Brauchtum.

 

Der Überlieferung nach sollen die Versammlungen der Ritter von König Artus Tafelrunde jeweils am Pfingstsonntag stattgefunden haben (vgl. Green, S. 248, a.a.O.). Auch die ( ð Joseph von Arimathia) Gralserscheinung erfolgte der Legende nach an einem Pfingsttag: „Artus und seine Ritter verstummen „…. voller Ehrfurcht als ein Donnerschlag die Ankunft des Grals ankündigt. Mit golddurchwirktem Damast bedeckt, in ein überridisches Licht getaucht, siebenmal heller als der Tag, schwebt das Gefäß majestätisch in den großen Saal von Camelot und verschwindet dann wieder. Beeindruckt von dieser Vision geloben die Ritter sofort, die Suche aufzunehmen, und reiten von dannen, getrieben von der Sehnsucht, den Gral ein zweites Mal zu erblicken“ (vgl. „Auf den Spuren ….“, S. 137, a.a.O.).  

 

In Russland wird das Pfingstfest „Troiza“ (Троица Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit) genannt, wegen der Erscheinung der dritten Person der Trinität, des Heiligen Geistes.

In der russischen Ikonenmalerei spielt der Bildtypus „Troiza“ eine bedeutende Rolle; er zeigt die drei Männer, die Abraham besuchten, gedacht als eine alttestamentarische Analogie zur christlichen Trinität. Andrej Rubljows Ikone „Troiza“ ist vielleicht die populärste Ikonen - Darstellung Russlands überhaupt [1] .

Zu Pfingsten wurden in vielen Gebieten Russlands Häuser und Kirchen mit frischem Grün und Blumen geschmückt.

 

Im traditionellen russischen Volksglauben ist der Pfingstmontag eng mit Nixen und Seejungfrauen verbunden.Sie seien die Seelen der Ertrunkenen und der ungetauft verstorbenen Kinder. Die ganze Woche nach Pfingsten wird deshalb die Nixenwoche genannt: sie würden in dieser Zeit das Wasser verlassen, sie spielen, schwingen sich auf Bäume, verlocken und verführen Wanderer und kitzeln sie zu Tode.

 

Zur Abwehr der gefährlichen Nixen müsse man ein Kreuz in den Boden einritzen, es mit einem Kreis umzeichnen und in den Kreis treten.

 

Russische Sprichwörter zu Pfingsten lauten:

                „Regen zu Pfingsten lässt viele Pilze wachsen“

                „Von Pfingsten bis Maria Himmelfahrt tanzt man nicht im Kreise“

 

                                                                        (vgl. Sokolovsky, S. 50, a.a.O.)

Deutsche Bauernregeln lauten:

                                               „Pfingstregen – reicher Weinsegen“

                                               „Helle Pfingsten – dürre Weihnachten“

 

In Deutschland wurde einst derjenige, der als letzter aufsteht, „Pfingstlümmel“ genannt.

 Als „Pfingstochse“ galt derjenige, der sich mit wenig Geschmack, aber auffallend herausputzte, um Aufsehen zu erregen.

 

Der Kötztinger Pfingstritt gehört zu dem alten bayerischen Brauchtum. Der Legende nach soll im Jahre 1412 ein Kötztinger Kleriker einem Sterbenden im ca. 7km entfernten Dorf Steinbühl die Sterbesakramente gebracht haben. Er mußte dabei von Kötztinger Burschen gegen räuberische Angriffe geschützt. Glücklich zurückgekehrt gelobten die Kötztinger den Zug alljährlich zu wiederholen.

Heute reiten Kötztinger auf bis zu 1000 geschmückten Pferden mit Monstranz und Flursegen zur Nikolauskirche in Steinbühl. Zurückgekehrt findet ein großes Volksfest statt.  

 

(variabel, nach der Osterberechnung: am 50. Tag nach Ostern)

 

Pfingstmontag, Deutscher Mühlentag

 

An dem Pfingstmontag werden deutschlandweit viele Mühlentore geöffnet, Führungen und Schaumüllereien veranstaltet, Trachten- , Theater- und Musikgruppen treten auf, z. T. haben die Mühlentage Volksfestcharakter. Auch in Berlin und der Umgebung gibt es eine ganze Reihe von sehenswerten Wasser und Windmühlen (z.B. an der Mühlenstarße im Fläming). Unter anderem findet sich in Saalow / Mellensee (südlich von Berlin) ein zumindest europäisches Unikum, eine Scheunenwindmühle, die allein durch Zugluft angetrieben wurde.

 

Ein alter Müllerspruch lautet:

 

„Der Müller ist ein adlig Kind,

 es arbeiten für ihn Wasser und Wind“.

 

Die älteste in Deutschland nachgewiesene Windmühle befand sich (vermutlich) im Jahre 1222 auf der Stadtmauer zu Köln.

 Ein alter Spruch aus Holland lautet:

 

                                               „Den Wind kann man nicht verbieten.

                                               Aber man kann Mühlen bauen“.

 

Wer mehr zu Mühlen wissen möchte vgl. den „Sokrates“ – Bericht unter http://www.linf.fu-berlin.de/schulen/hpo/starthec

 

(variabel, nach der Osterberechnung: am 51. Tag nach Ostern)

 

 
© Christian Meyer

 


[1] Pfingstdarstellungen spielen in den orthodoxen Ikonostasen, in der jeweiligen „Feiertagsreihe", eine bedeutende Rolle. Diese zeigen Stationen des Lebens Mariä und Jesu.

 

 

„Pfingsten“, unbekannter Meister, nach 1494; Relieftafel aus Waltershausen, heute im Thüringer Museum Eisenach; Foto: Christian Meyer