Designation Alis durch den Propheten Muhammad; Illustration zu al-Birunis „Chronologie“ („Kitab al-Athar al-baqiya an al-qurun al-chaliya“ - „Buch der Hinterlassenschaften früherer Jahrhunderte“), ein dem Ziyariden Qabus gewidmetes Geschichtswerk (entstanden um 1000); Abbildung in einem Manuskript aus der Zeit der Il-Khane (ca. 1307/09), Edinburgh Codex (MS Arab 161; (Abb. aus: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Investiture_of_Ali_Edinburgh_codex.jpg)

Id al-Gadir Humm (schiitisch-islamisch), auch Gadir Khumm 

 

Der Prophet soll vor einer Menge der Gläubigen am 16. März 632 (18. Du l‘hijja 10 n. H.) auf der Rückreise von der Abschiedswallfahrt bei Gadir Humm („Wassertümpel, -brunnen von Humm“, ein Lagerplatz auf halbem Wege zwischen Mekka und Medina) , die Hand Alis in seiner Rechten gefragt haben, ob er die höchste Autorität (aula) darstelle. Als die Menge der Gläubigen dies bejahte, erklärte der Prophet: „Jeder dessen Schutzherr (maula) ich bin, hat auch Ali zum Schutzherrn. Oh Gott, sei dem ein Freund (wali), der auch sein Freund ist, und dem ein Feind, der auch sein Feind ist“ (zit. n. Richard, S. 21/22, a.a.O.).

Die Schiiten interpretieren diese Worte als Designation (naşş)  zum Nachfolger des Propheten; nach ihrer Tradition sollen die anwesenden Prophetengefährten - darunter der spätere Kalif Umar - Ali damals gratuliert und ihn mit dem Kalifentitel ,,Befehlshaber der Gläubigen" (Amir al-muminin) angeredet haben.

In der Sicht der Schia (arab. „Partei“, die Partei Alis) wird das Ereignis von Gadir Humm in einen direkten Zusammenhang mit Sure V, 5 gebracht, wo es heißt: „Heute habe ich euch vollendet euern Glauben und habe erfüllt an euch meine Gnade, und es ist mein Wille, dass der Islam euer Glaube ist“ (vgl. Koran, in der Übersetzung von Max Henning, S. 112, a.a.O.). 

Die obige Hadith, der Ausspruch am Teich von Humm, wird auch von den Sunniten akzeptiert, jedoch nicht als Nachfolge-Regelung oder Designation interpretiert. Der Prophet habe mit diesen Worten lediglich die angeschlagene Autorität des wegen seiner Strenge unbeliebten Ali befestigen wollen (vgl. Halm, S. 10, a.a.O.).

 

Schiiten feiern dies Ereignis alljährlich mit dem Id al-Gadir Humm  („Fest des Teiches Humm"), jeweils am 18. Du l’hijja. Viele schiitische Muslime bestätigen an diesem Tage mit Masseneiden ihre Treue zum (schiitischen) Islam. Der Festtag ist einer der wenigen fröhlichen Feiertage der Schia.

 

(veränderlich; nach dem muslimischen Lunarkalender am 18. Tag des Du l’hijja)  

 

 © Christian Meyer