Sari-Kiz-Denkmal in Akcay (Photo: Christian Meyer, 2007)
Sari-Kiz-Denkmal in Akcay (Photo: Christian Meyer, 2007)

Volksislamisches Sarı kız–Fest der Tahtakuşlar - Turkmenen in der Provinz Balıkesir / Türkei

 

Sarı kız  (trk. = gelbes, blondes [1] Mädchen) ist eine legendäre Heilige der Turkmenen der Region am nördlichen Golf von Edremit, in den Kaz dağları(trk. „Gänseberge“, i. e. der antike Berg Ida [2] , 1767 m)

Der (uneindeutig überlieferten) Legende nach soll Sarı kız eine schöne Königstochter gewesen sein, oder aber auch die Ehefrau des berühmten Gefährten des Propheten Muhammad, Salman des Persers, der in Kerbala begraben liegt [3] .

Salman (trk. Selman) kämpfte der Legende nach zusammen mit Ali, dem späteren 4. Kalifen, beim Kan Kalesi (trk. „Blutschloss“) [4] . 

Sarı kız [5] , die Salman begleitete, verliebte sich dort unsterblich in Ali. Die eifersüchtige Fatima soll deshalb den Vater von Sarı kız aufgefordert haben, diese auf einem Berge umzubringen. Der Vater jedoch glaubte nicht an ihre Schuld. Er brachte seine Tochter deshalb – zusammen mit einer Gänseherde - auf den Berg Ida (der deshalb bei den heute dort lebenden Turkmenen Kaz dağları( = „Gänseberge“) heißt. Er ließ Sarı kız dort zurück und lief fort. Auf den wilden Bergen aber konnte niemand länger als ein paar Tage überleben. Die Anwohner der Region aber bemerkten seither in jeder Nacht einen Lichtschein auf dem Berg, Sarı kız lebte dort weiter.

Eines Tages wollte ihr Vater Sarı kız wieder sehen und er bestieg den Berg: jedoch verlief er sich, aber ein geheimnisvolles Licht führte ihn zurück auf seinen Weg. Auf dem Berggipfel verwandelte sich das Licht in Sarı kız.

Sarı kız und ihr Vater lebten auf dem Berge Ida, er hütete Schafe, sie hütete Gänse. Die Bauern der Umgebung fühlten sich von den Gänsen gestört. Deshalb nahm Sarı kız Steine in ihre Schürze und schichtete sie zu einer kleinen aber ca. 3,5 km langen Mauer auf. So störten die Gänse nicht mehr. 

Bald wurden Sarı kız und ihr Vater als heilig betrachtet, insbesondere Sarı kız galt als „weises Mädchen“. Allerdings wurde sie auch als „unreines Mädchen“ betrachtet, wurde als „Opfer“ mir Eiern beworfen (deshalb „gelbes, blondes Mädchen“).

Sarı kız und ihr Vater starben der Legende nach am selben Tag und wurden auf den Gipfeln des Berges Ida beerdigt.

 

Die turkmenischen Tahtakuşlar scheinen die im ganzen Orient verbreitete SarıKız - Legende von der unschuldigen Liebe zu Ali aus Arabien bzw. Persien an die Ägäis verpflanzt und modifiziert zu haben. Teilweise wird die Sarı Kız - Legende auch als islamisierte griechische Legende [6] angesehen.

In der Umgebung von Ayvacık lebte - nach der regionalen Legende - einst ein Hirte, der wegen seiner großen Armut Cılbak Baba (trk. "nackter Vater") genannt wurde. Nach dem Tode seiner Frau zog er mit seiner kleinen Tochter in ein Dorf bei Güre (bei Edremit) und arbeitete dort, am Rande der Kaz dağlarıals Schafhirte, im Sommer  auf den Bergen, im Winter am Fuße der Berge. Seine Tochter nahm er immer mit sich, nie trennte er sich von ihr. Für seine Tochter kaufte er Gänse [7] , die sie auch auf die Berge mitnahmen.

Vater und Tochter kamen bald in den Ruf besonderer Heiligkeit. Zum Beispiel soll sich im Frühling bzw. im Herbst eine Schlange um das Gehörn eines ihrer Schafböcke geringelt haben, als Zeichen für den Wechsel von Sommer- zur Winterweide.

Einst brachte Cılbak Baba ein großes Tuch voller Schnee zu seinem Bruder, Mesci [8] Baba, der in Istanbul lebte. Wunderbarerweise blieb der Schnee auch im Sommer kühl und fest: Mesci Baba hängte das Tuch mit dem Schnee in seiner Werkstatt auf und nur sehr selten - v.a. wenn Frauen die Werkstatt betraten - fiel ein Tropfen herab. Als Mesci Baba das bemerkte, sagte er zu seinem Bruder: "In dem Gebirge ist es leicht, heilig zu werden, aber hier... Benimm Dich!" Nun hörte der Schnee auf zu schmelzen.

Cılbak Baba musste der Legende nach für seine Herde im Gebirge keinen Sonnenschutz (trk. çardak) errichten, wie die anderen Hirten, sondern wundersamerweise stand immer eine kleine Wolke direkt vor der Sonne und schützte Cılbak Babas Schafe.

Seine Tochter, SarıKız, bekam wegen ihrer Gänse Konflikte mit den benachbarten Bauern, denn die Gänse richteten in ihren Gärten und Feldern große Schäden an. Deshalb sammelte sie in ihrer Schürze Steine und errichtete um die Gänseweide (trk "kaz avlusu") eine Mauer.

 

 

Die obige Abb. "Die Gänseweide" (aus Alibey Kudar, o.J., S.1) stammt von Ülker Erke. SarıKız ist dabei, die Mauer der Gänseweide zu errichten; in ihrer Schürze hält sie Steine für die Mauer.

Unten links sieht man ein Dorf mit einer Moschee, rechts den Fichtenwald. Ähnlich bestimmten traditionellen Miniaturen sprengen Teile der Bildes (der Berg und die Mauer) den Rahmen der nicht zentralperspektivischen Darstellung.

 

 

Als Cılbak Baba alt wurde, wollte er die Hadsch machen und ließ seine Tochter beim Imam des Dorfes zurück. Während der Vater auf der Wallfahrt nach Mekka war, machten eine Reihe von jungen Männern aus dem Dorf und der Umgebung der sehr schönen SarıKız Heiratsanträge, die sie jedoch alle ablehnte. In ihrem Stolz verletzt verleumdeten die verhinderten Heiratskandidaten SarıKız, indem sie ehrverletzende Behauptungen über sie verbreiteten. Daraufhin bewarfen die unerzogenen Dorfkinder SarıKız mit faulen Eiern und beschimpften sie - so entstand der Legende nach der Name Sarı Kız.

Zurückgekehrt musste Cılbak Baba (angeblich) seine Ehre (namuz) wiederherstellen, er beschloss seine Tochter umzubringen. SarıKız beteuerte jedoch ihre Unschuld. Vater und Tochter stiegen gemeinsam wieder in die Kaz dağlarıempor. Auf den Bergen angekommen begehrte Cılbak Baba von seiner Tochter Abdes - Wasser für das Pflichtgebet. Sie gab ihm salziges Wasser, und als er fragte, warum es salzig sei, antwortete sie: "Du hattest es sehr eilig, deshalb nahm ich schnell Meerwasser". Wundersamerweise wurde das Wasser nun süß und der Vater erkannte die Heiligkeit und Unschuld seiner Tochter, die er um Verzeihung bat. Er konnte ihr nun nicht mehr ins Gesicht sehen. Er verließ sie, um sich zu sammeln. Nun senkte sich jedoch eine schwarze Wolke auf beide Gipfel der Kaz dağları, unter ihr fanden beide, Vater und Tochter, den Tod. Hirten der Umgebung fanden die beiden Leichname und bauten ihnen Türben (Grabbauten).

Später - der Legende nach 1356 [9] - erschienen den Hirten auf den Gipfeln bei den Türben in einer weißen, baumwollartigen Wolke Ali und seine 40 vollbärtigen Gefährten [10]: sie tanzten (vgl. ð Miraç gecesi). Dieser Ort auf den Bergen wird bis heute „semah meydanı“ (= Tanzplatz) genannt. Die Heiligen („Erenler“ = die Gott erreicht haben“)  verkündeten den Hirten, dass sie zur Unterstützung der Muslime nach Europa müssten, verschwanden dann auch in der Wolke in Richtung Nordwesten. In Edirne stießen sie zu dem sich sammelnden osmanischen Heer. Der Padişah ließ zuvor Wettkämpfe veranstalten, u.a. Ringkämpfe. Bei diesen traditionellen Kämpfen tragen die Ringkämpfer (trk. „pehlivan“) nur einen Lederschurz, haben sich den ganzen Körper mit Olivenöl eingerieben und die Nägel kurz geschnitten.  Die „Kırklar“ traten als Ringkämpfer auf und kämpften sensationell den ganzen Tag gegeneinander, ohne dass einer obsiegte. Am Abend des Wattkampftages fielen die 40 Bärtigen in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf, aus dem es auch am nächsten Morgen unmöglich war, sie zu wecken. Man hielt sie also für tot. Als sie jedoch beerdigt werden sollten, verschwanden ihre Körper und an ihrer Stelle sprudelten 40 Quellen („Kırkpınar“), die man sich noch lange in Edirne zeigte.   

In der Tradition dieser Ringkämpfe werden bis heute in Edirne jeweils im Juni / Juli große Ringwettkämpfe veranstaltet, die enorme Publikumsmagneten wurden. Der Sieger erhält einen goldenen Gürtel.

 

Auf einen historischen Widerspruch innerhalb der Legenden soll hier nur am Rande hingewiesen werden: Mesci Baba lebte schon in Konstantinopel, das jedoch erst 1453 von Fatih Sultan Mehmet erobert wurde.

 

Die Verehrer von SarıKız, die Wallfahrer, werden auch „Cılbakçılık" genannt. Der erste Wallfahrer, der ggf. am 15. August den verehrten Bezirk der Kaz dağlarıbetritt, schließt ihn symbolisch mit einem Gebet und einer Weihegabe auf, der letzte am 25. August schließt ihn wiederum mit einem Gebet und einer Weihegabe zu.

Wunschzettel werden aufgehängt, in einem Metallbehälter liegt ein Wunschbuch aus, für Wünsche, die SarıKız erfüllen soll.

Nahe beim Baba tepesi befindet sich eine Quelle, deren Wasser als heilkräftig angesehen und getrunken wird. Die Quelle wird - wie die in Mekka nahe der Kaaba (vgl. das islamische Opferfest) - Zemzem genannt. Wenn sich ein Besucher / Wallfahrer mit bösen Gedanken der Quelle Zemzem nähert, soll sie versiegen.

Ebenfalls nahe dem Baba tepesi befindet sich das Grab des Vaters von SarıKız (Cıbak baba  = "Nackter Vater") sowie Gräber aus christlicher Zeit.

 

Eine weitere Legende beschäftigt sich mit diesen Gräbern, sie erzählt von drei Fremden, christlichen Reisenden, die eines Tages zur Wallfahrt auf dem Baba tepesi erschienen und die Pilger sahen. Die Fremden kritisierten die Wallfahrer als abergläubisch und meinten, es gebe auf den Bergen keine Gräber. Sie begannen zu graben und es gab wirklich keine Knochen. Nun wurden die Pilger ob der Entweihung sehr zornig und wollten die Fremden umbringen. Diese aber verschwanden nun plötzlich in einer Wolke und die Pilger erkannten, dass ihr Glaube geprüft worden war: die Gebeine der christlichen Heiligen waren auferstanden und ihnen erschienen. Die Wallfahrer errichteten deshalb eine Gedenkstätte an die christlichen Heiligen, die bis ins 20. Jhdt. von lokalen Muslimen und Christen gleichermaßen verehrt wurde.

 

Im Jahre 1945 gab es in den Kaz dağlarıeinen katastrophalen Waldbrand, der trotz des Einsatzes des Militärs nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Man musste das Feuer ausbrennen lassen, - es brannte sechs Wochen lang. Deshalb ist der heutige Wald der Kaz dağlarıüberwiegend höchstens 50 - 60 Jahre alt.

 

1993 wurden Teile der Kaz dağlarızwischen zwei Bächen zum Nationalpark erklärt (Kazdağı Milli Park alanı). Bis dahin bezogen v.a. die Tahtacılar ihr Holz aus den Kaz dağları. 

Außer in dem Zeitraum der jährlichen Wallfahrt (vom 15. - 25. August) ist das Gebiet wegen der Feuergefahr für die Öffentlichkeit gesperrt [11], eine Sondergenehmigung muss bei der Nationalparkverwaltung in Edremit beantragt werden.

Die Sarı - kız - Wallfahrer haben eine Sondergenehmigung. Am Sonnabend ziehen die Wallfahrer auf den höheren Gipfel Sarı kız tepesi, wo sich der Überlieferung nach das Grab von Sarı kızbefindet. Sie errichten dort ihre Zelte, schlachten ihre Opfertiere und beten an dem Grab, an dem Steine aufgerichtet werden.

Am Sonntag pilgert man zu dem niedrigeren zweiten Gipfel, dem Baba tepesi, wo sich der Überlieferung nach das Grab des Vaters von Sarı kız befindet. Die Mädchen und Jungen, die Männer und Frauen tanzen auf dem Berg, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, auch gemeinsam, was allerdings für viele traditionell – sunnitische Bewohner der Region als ungehörig gilt [12] . Wenn ein Mädchen einen Jungen zum Tanz auswählt und dieser sich dem verweigert, gilt dies als eine schwere Ehrverletzung: als kollektive Strafe wird er von der Kommunikation ausgeschlossen,  das ganze Dorf spricht nicht mehr mit ihm [13].  

Im Jahre 1987 wurde durch den Bildhauer Ertuğ Atlı in der kleinen Stadt Akçay am Golf von Edremit ein Sarı - kız - Denkmal errichtet: Es zeigt auf einem Brunnen eine attraktive junge Frau mit langen, offenen Haaren, langem Gewand und Hirtenstab, umgeben von einer Schar Gänse (vgl. Abb. oben).

Dies Denkmal ist im Jahre 2001 in eine lokale politische Auseinandersetzung geraten, denn der (islamistisch orientierten) Fazilet – Partei (FP) wie auch der (nationalistisch – neofaschistisch orientierten) Nationalistischen Bewegungspartei (MHP) ist das Denkmal zu freizügig. Der Kreissekretär der lokalen FP, Cengiz Acar, meinte das Denkmal stelle nicht die Legende von Sarı kız dar, sondern die Legende von Aphrodite, es sei zu erotisch. Der Vertreter der MHP im Gemeinderat, Tuncay Kılıç, hielt es für seine Pflicht die „türkisch – islamische Heiligen - Legende“ von Sarı kız vor der Denkmalsinterpretation in Schutz nehmen zu müssen. Aber der Denkmalskonflikt rief auch Gegenreaktionen hervor.  Der Vorsitzende des Verschönerungsvereins von Akçay, Osman Deliloğlu, meinte, nicht das Denkmal sei erotisch, erotisch seien vielmehr die Phantasien der Kritiker, die dem Denkmal einen Turban aufsetzen wollten. Der Bildhauer und Schöpfer des Denkmals, Ertuğ Atlı, bemerkte, dass das Denkmal unterdessen zu einem wichtigen regionalen Werbefaktor (auf Servietten, Postkarten, Nippes und Andenken aller Art) geworden sei. Auch wies er darauf hin, wie sich heute die Legende von Sarı kız wiederhole: damals wurde sie Opfer einer üblen Nachrede, heute würde mit ähnlichen Methoden ihr Denkmal angegriffen (vgl. „Cumhuriyet“, 22. 4. 2001, S. 6).

Im Jahre 2001 wurden die Überreste der Gedenkstätte auf dem Baba tepesi von der türkischen Armee abgeriegelt, da das Militär auf dem Berggipfel eine nachts weithin sichtbare Radarstation  errichtete, - sehr zum Unwillen der gläubigen Anwohner. Unter den Anwohnern geht das Gerücht um, dass bei dem Bau der Radarstation unerklärliche, hinderliche Dinge mit den Baumaterialien und – maschinen geschehen seien.

Ebenfalls im Jahre 2001 führte eine Gruppe von Prospektoren der Universität Istanbul in den Kazdağları geologische Untersuchungen durch. Festgestellt wurden Vorkommen von Zinn, Kupfer, Blei und Gold, letztere Vorkommen wurden auf einen Wert von insgesamt ca. 1 Mrd. US - $ geschätzt. Sehr rasch wurden die ersten potentiellen Abbaugebiete von einer türkischen Gesellschaft erworben und vorbereitet, allerdings gegen wachsenden, heftigen regionalen Widerstand. Gegründet wurde z.B. die Umweltorganisation „Troia – Ida – Platform“, die ökologische Zerstörungen durch den Goldabbau befürchtet.

Die Goldgewinnung läuft meistens über Cyanidlaugerei. Dabei wirddie Bildung eines Gold-Cyanid-Komplex ausgenutzt wird, um das Gold von anderen Metallen zu trennen.

Zuerst wird das goldhaltige Erz zu feinem Pulver zermahlen. Oft wird dann das Erzmehl einer Oxidation durch Rösten unterzogen, wobei es zu gefährlichen SO2 –Emissionen kommen kann [14] .  

Dann wird das Erzmehl in einen "Agitator" gegeben. Dort wird das Pulver in einer alkalischen 0,1 - 0,25% igen Kalium- oder Natriumcyanidlösung durchmischt und mit Pressluft (Sauerstoff) durchlüftet:

 

2 Au + H2O +  + 1/2 O2 + 4KCN     zu    2 K(Au(CN)2) + 2 KOH

 

Nun ist das Gold komplexiert und der (wasserlösliche) Gold - Komplex ist in Lösung. Jetzt wird die goldhaltige Lösung abgetrennt. Zur Fällung des Goldes aus der Lösung benutzt man Zinkstaub:

 

                                              2 K (Au(CN)2) + Zn    zu     K2(Zn(CN)4) + 2 Au

 

Bislang gibt es keine anderen erprobten Methoden, um Gold aus Erzen zu gewinnen.
In den letzten Jahren gab es zumindest zwei Umweltkatastrophen im Zusammenhang mit der Cyanidlaugerei von Gold, 1998 in Spanien  (Aznalcollar) und 2000 in Rumanien, denn die Dämme der Erzschlamm-Becken wurden nicht stabil und erosionssicher konstruiert.

Am 30. Januar 2000 brach in Nord-West Rumänien der Damm eines Bergwerk-Schlammbeckens. Die Flüsse Lapus, Somesul, Theiss und Donau wurden mit Cyanid und Schwermetallen verseucht und hundertausende von Wasser - Lebewesen vergiftet.

 

Nach Auffassung der Umweltschützer an den Ida–Bergen ist das wahre Gold hier – wie anderswo – nicht im Innern der Berge, sondern auf den Bergen zu finden. Nach Berechnungen der „Troia–Ida–Platform“ ist die Goldproduktion ein schlechtes Geschäft, denn die Landwirtschaft und der Tourismus würden durch sie stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Jahr 2006 wurden in der Region u.a. Oliven im Wert von ca. 220 Mio. YTL, Wein im Wert von 26 Mio. YTL, Sonnenblumen mit 20 Mio., Tomaten mit 15 Mio., Baumwolle mit 10 Mio., Reis mit 20 Mio., Obst und Gemüse im biologischen Anbau mit 125 Mio. gewonnen. Hinzu kommen weiterhin die Fischzucht mit 109 Mio. YTL und der Tourismus mit 143 Mio. YTL: Die „Cumhuriyet“ tiltelte deshalb: „Die falsche Rechnung von den Kazdağları“ („Cumhuriyet“, 18. Oktober 2007, S. 20).  Der Vorsitzende der „Troia – Ida – Platform“, Muzaffer Bayraktar meinte, man könne auf dem Berg weit mehr gewinnen als aus dem Berg. 

Überall in der Region sind 2007 / 2008 schwarze Protest – Spruchbänder und Transparente aufgehängt, mit Losungen wie z.B.: „Die Ida – Berge dürfen nicht zu Staubbergen verkommen“, oder „Nein zur Goldproduktion mit Cyanid“.  

Die Troia–Ida–Platform führte auch einige öffentlichkeitswirksame Protestaktion gegen den ökologischen Raubbau durch.

 

(veränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender jährlich am Sonnabend / Sonntag in dem Zeitraum zwischen dem 15. – 25. August)

 

 © Christian Meyer



[1] Die Stadt Troja lag nach antiker Überlieferung auf einem Hügel an dem Skamandros–Flusse mit Namen „Xanthos“ („ξανJος“ = blond). 

[2] Das sagenhafte Urteil des Paris, das schließlich zum Trojanischen Krieg führte, soll sich in den Kaz dağları, dem antiken Berg Ida, abgespielt haben. Paris, ein Sohn des trojanischen Königs Priamos, wurde von seinen Eltern ausgesetzt, da er einem Orakelspruch zufolge Unheil über die Stadt bringen sollte. Auf dem Berge Ida wurde er von einem Hirten erzogen, der ihm auch den Namen gab. Die der „Ilias“ vorausgegangenen Ereignisse, die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges (u.a. auch das Urteil des Paris und der Raub der Helena) wurden in der epischen Dichtung „Kypria“ dargestellt. Leider sind die „Kyprien“ nur bruchstückweise erhalten geblieben, u.a. durch die Schriften des neuplatonischen Philosophen Proklos (5. Jhdt.). 

[3] Salman stammte der Legende nach aus Persien (u.U. der Region Isfahan) und soll von verschiedenen Gelehrten als Christ erzogen worden sein. Einer seiner späteren Lehrer soll ihm in Syrien sterbend das Auftreten des Propheten Muhammad angekündigt haben. Daraufhin ging Salman nach Arabien, wurde dort jedoch als Sklave gefangen und an einen jüdischen Kaufmann in Medina verkauft. Nach der Hedschra lernte Salman in Medina den Propheten kennen, trat zum Islam über und wurde befreit.

Von Salman stammte beim Angriff der Mekkaner im März 627 die Idee,  vor Medina Verteidigungsgräben anzulegen („Grabenkrieg“). Salman hat der Überlieferung nach den Propheten rasiert, deshalb wird er in vielen muslimischen Gebieten bis heute als Schutzpatron der Friseure und Barbiere verehrt.

In der schiitischen Tradition gibt es eine Fülle von Hadithen über Ali, die auf Salman zurückgeführt werden.

[4] Der Legende nach soll das „Kan Kalesi“ ein altes Schloss des Königs Salomo (Süleyman) in der Region von Jerusalem gewesen sein, in dem ein großer Schatz versteckt gewesen sei. Ein armer aber tapferer muslimischer Krieger wollte zu einem Beschneidungsfest ein großes Geschenk machen, deshalb wurde der Kampf zu Eroberung des Schlosses unter der Führung von Ali begonnen. Die Muslime überquerten den „Kan ırmağı“ (trk. „Blutfluss“) und eroberten nach vielen Abenteuern Schloss und Schatz. Jedoch erhielt der Prophet Muhammad den Schatz, zum Beschneidungsfest erhielt der kleine Sohn dafür ein kostbares Amulett (trk. „hamayle“) des Königs Salomo.

Die Geschichte vom Kan Kalesi und der Verbreitung des Islams durch Ali wird in dem gleichnamigen türkischen Volksbuch erzählt, das 1976 in der Türkei neu aufgelegt wurde.   

[5] SarıKız ist auch der Name einer in der Region am Golf von Edremit weit verbreiteten Walzenspinne (Solifugae), Stamm der Arthropoden (Gliederfüßler), Ordnung der Spinnentiere.

Zu den Walzenspinnen gehören ca. 800 Arten, die v.a. in Wüsten und Steppen (nicht in Australien) leben. In Europa leben nur wenige Arten, die größten Arten werden bis zu 7cm lang.

Walzenspinnen leben räuberisch und nachtaktiv, sie sind sehr schnelle und gewandte Läufer. Zwar verfügen sie über keine Giftdrüsen, sind aber dennoch sehr wehrhafte Tiere, die heftig zubeißen können. Fühlen Walzenspinnen sich bedroht, nehmen sie eine charakteristische Abwehrstellung ein: die vorderen Extremitäten und der Vorderkörper werden erhoben und die Mundwerkzeuge werden gespreizt. Oft werden dabei auch Geräusche mit den Mundwerkzeugen produziert.

[6] Schon in der Antike war der Berg Ida mythenumwoben. So soll die Vermählung des Zeus mit Hera (eine „heilige Hochzeit“ (vgl. ð Akitu) auf dem Gipfel des Ida, dem Gargaron, stattgefunden haben. Auch war das Ida – Gebirge schon in der Antike ein Mittelpunkt des Kybelekultes (vgl. ð Kybele – Attis- Festtage) 

Schließlich soll Aineias, der mythische Stammvater Roms und Sohn der Aphrodite und des trojanischen Hirten Anchises, von Nymphen des Ida – Gebirges erzogen worden sein.

[7] Die Gans war für einige zentralasiatische schamanistische Stämme ein heiliges Tier, ein Totemtier. Dreizehige "Gänsefüße" kommen als Motiv auch in der Kleidung, den Teppichen etc. verschiedener Turkmenenstämme vor. Bei den Tahtakuşlar (nur bei ihnen) werden Gänsefüße bis heute auch als Symbole auf Grabsteinen verwendet, auch die Privatgalerie verwendet einen Gänsefuß in ihrem Logo.

 

      Logo der Tahtakuşlar – Galerie:                                        Gänsefuß - Ornament

 

Bei den sibirischen Ostjaken (oder Chanten, am mittleren und unteren Ob; ihre Sprache gehört zur finno – ugrischen Sprachfamilie) z.B. ist die Gans eine hohe Gottheit, bei nordamerikanischen Indianern gibt es Gänsetänze und bei schamanistischen Stämmen im Altai - Gebirge gibt es als heilig angesehene Wandbilder, die Gänse darstellen. Altaischen  Schamanen sollen Gänse als Reittiere für ihre Reise zum Totenkönig dienen.

Außerdem gilt die Gans ein weitverbreitetes Symbol für ehelich – sexuelle Treue und Glück sowie als ein Bote zwischen Himmel und Erde. 

[8] Der türkische Begriff "mesci" bedeutet "Hersteller von mes", und "mes" sind Lederstrümpfe, die warm und im Winter angenehm in der Wohnung zu tragen sind. Wer die rituelle Waschung (trk. abdes) vollzogen hat und danach mes trägt, gilt weiterhin als rituell rein. mes werden auch auf der Straße in halboffenen Gummischuhen getragen.

[9] Im Jahre 1355 eroberten die Osmanen Gallipoli (Gelibolu) auf der europäischen Seite der Dardanellen, 1361 schließlich auch Adrianopel (Edirne).

[10] Ali, der Cousin und Schwiegersohn des Propheten, der 4. Kalif und 1. Imam der Schia, hatte der Überlieferung nach vierzig besonders getreue Gefolgsleute, 40 Jünger; diese Vierzigergruppe (ar. „arba’in“, pers. „chähil“, trk. „kırklar“) spielen in der islamischen Mystik eine bedeutende Rolle. 40 ist eine weltweit verbreitete Rundzahl, im Judentum und im Islam sind 40 Zeiteinheiten auch eine Periode der Erwartung und Reinigung (vgl. Endres, S. 263, a.a.O.). Z.B. wurden Wöchnerinnen 40 Tage nach der Geburt als unrein betrachtet, Mose wie auch Muhammad wurden im Alter von 40 Jahren berufen, Saul, David und Salomo regierten jeweils 40 Jahre lang, die Sintflut dauerte 40 Tage und Nächte (1. Mose 7, 4ff.), 40 Tage hielt sich Mose auf dem Berge Sinai auf (2. Mose 24, 18), 40 Jahre wanderte das Volk Israel durch die Wüste, 40 Tage war Elia zum Berg Horeb unterwegs (1 Kön 19,8), 40 Tage auch wandelte Jesus nach der Auferstehung auf Erden. Ali Baba hatte mit 40 Räubern zu tun, auch die Quarantäne – Periode beträgt bis heute 40 Tage. Die besondere Bedeutung der Zahl vierzig wird mit dem vierzigtägigen Verschwinden der Plejaden  in Verbindung gebracht, das bereits die antiken Babylonier beobachtet hatten. Am Ende des „Exils“ der Plejaden, das in Babylon mit der Regenzeit, Überschwemmungen und Stürmen zusammenfiel, wurde das Neujahrsfest (vgl.  ð Akitu) gefeiert.

Die Plejaden oder das "Siebengestirn" sind ein mit bloßem Auge mit 6 - 8 Sternen sichtbarer, auffälliger offener Sternhaufen (M45) im Sternbild Taurus (Stier). Entgegen dem Namen dürften die Plejaden aus ca. 250 Sternen bestehen. Offene Sternhaufen sind Ansammlungen von Sternen mit einer geringen Sternkonzentration im Haufenzentrum. Die Sterne stehen relativ dicht beieinander, es handelt sich vielfach um junge Sterne, heiße, blaue Riesensterne. Die Plejaden sind ungefähr 450 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Der griechischen Legende nach waren die Pleiades (dt. Plejaden) sieben Schwestern, Töchter des Atlas und der Pleione. Lange wurden sie von dem wilden Jäger Orion verfolgt und von Zeus schließlich als Sternbild an den Himmel versetzt.

Auch galt die 40 als „numerus abundans“, eine „überreiche“ Zahl, die durch 1,2,4,5,10 und 20 teilbar ist, deren Summe 50 ergiebt. Deshalb wurde die 40 auch als Zahl der Vollständigkeit eines Zyklus angesehen (vgl. Chevalier, S. 793, a.a.O.). 

[11] Die Flora und Fauna auf den Kaz dağlarıist sehr vielfältig, v.a. auf der Südseite des Gebirges ist ein bemerkenswert hoher Sauerstoffgehalt bemerkbar (man spricht dort von einem natürlichen "Sauerstoffzelt").

Es leben dort eine ganze Reihe von Tieren und Pflanzen, die nur hier überlebt haben, so allein ca. 40 Arten von Reptilien und Amphibien.

Eine dieser Pflanzen ist die Schafgarbenart Achillea frasii var. Trojana, deren botanischer Name Achillea sich sich von dem griechischen Helden Achilles ableitet. Von ihm wird erzählt, dass er diese Pflanze als Heilpflanze verwendet habe, um seine Wunden zu behandeln.

Insbesondere wachsen in dem Ida – Gebirge eine ganze Reihe von Heilpflanzen und auch Pflanzen, die traditionell zum Färben von Teppichen benutzt wurden, so z.B. die Krapp-Pflanze (Färberröte, Rubia tinctorum), die österreichische Hundskamille (Anthemis austriaca) oder die mit der Berg - Hundskamille verwandte Anthemis cretica ssp. pontica.  

Nur in der Region des Berges Ida wächst auch eine seltene Tannenart, die Truva köknarı, Abies nordmannia ssp. equi - trojani. Diese Tanne wächst in den Kaz dağlarıbis in eine Höhe von 1700 m, v.a. auf der Nordseite des Gebirges. Jenseits der Waldgrenze findet sich teilweise auch nackter Felsboden.  

Nach antiker Tradition sollen sowohl die Schiffe, mit denen Paris zur Entführung Helenas auszog, als auch das "trojanische Pferd" aus dem Holz dieser Tanne gebaut worden sein.

Fatih Sultan Mehmet (II.) soll die Schiffe, die er 1453 bei der Eroberung von Konstantinopel einsetzte, mit Holz von den Kaz dağlarıhaben bauen lassen. Viele Matrosen, Marinesoldaten und -offiziere des Osmanischen Reiches stammten aus der Region der Kaz dağları.

Früher schmückten die Einheimischen der Region die Hochzeitszüge mit drei frischen Zweigen der Fichte als Hochzeitsfahne ("cambaz").

Am Fuße des Berges ist der Bau eines großen Elektrizitätswerkes geplant, das die gesamte Umwelt belasten wird. 

[12] Die alevitischen Tahtakuşlar betrachten den Ort als ihren "Semahdüzlüğü" (Tanzplatz). 

[13] Bis heute sind bei den Tahtakuşlar - Turkmenen Reste der eigenen, von der jeweiligen Dorfgemeinschaft organisierten Gerichtsbarkeit erhalten. 

[14] Das Rösten der Sulfide kann mit dem Biox-Verfahren umgangen und  die schädlichen SO2-Emission verhindert werden. Bei diesem Verfahren werden dem nassen Erzmehl natürlich vorkommende schwefeloxidierenden Bakterien in großer Menge hinzugefügt. Die Mikroben bohren in geschlossenen Behältern kleinste Tunnels in die Sulfid - Minerale, und legen das Gold frei. Dann wird auch hier mit Cyanid gelaugt. Das Biox-Verfahren ist allerdings noch in der Laborphase und kann grosstechnisch noch nicht angewendet werden.

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