4./5. November 2013

 

Islamischer Neujahrstag ( trk. yıl başı),das Jahr 1435 nach der Hedschra (Hidjra, Hicre) beginnt.

In der vorislamischen Zeit galt in Arabien sehr wahrscheinlich zuerst ein reiner Mondkalender, dann im 2. Jhdt. v. d. H. wurde vermutlich ein ans Sonnenjahr gebundener Mondkalender verwendet, wahrscheinlich nach jüdischem Vorbild. Das altarabische Jahr begann im Herbst. Zum Ausgleich mit dem Sonnenjahr wurde vor dem Muharram ab und an ein zusätzlicher Schaltmonat eingeschoben. Aufgrund mangelnder astronomischer Kenntnisse scheint allerdings der Ausgleich mit dem Sonnenjahr nur mangelhaft gewesen zu sein. Zu Lebzeiten des Propheten Muhammad jedenfalls stimmten die Jahreszeiten nicht mit dem Kalender überein.

Im Koran (Sure 9, "Die Reue", 36 f.) wurde die Zahl von zwölf Monaten festgelegt. "Nasi" (Schaltmonate, oder Personen, auf deren Autorität hin, Schaltungen vorgenommen wurden; u. U. sind die jüdischen "Nassi" der Schule von Tiberias gemeint!) galten von daher als Äußerung des Unglaubens und wurden im Jahre 10 n. d. H. von Mohammed verboten.

In Sure 10,5 wird der Mond ausdrücklich zum Zeitmesser bestimmt: "Er ist's, der gemacht die Sonne zu einer Leuchte und den Mond zu einem Licht; und verordnet hat er ihm Wohnungen (i.e. die Mondstationen), auf daß ihr wisset die Anzahl der Jahre und die Berechnung der Zeit".

Seither gilt ein reiner ritueller Lunarkalender   (der 10/11 Tage kürzer als das Sonnenjahr ist), so daß alle muslimischen Monate im Laufe der längeren Sonnenjahre in alle Jahreszeiten fallen können. Der muslimische Mondkalender ist heute der weltweit einzige gebräuchliche Kalender, der auf jede Bindung an das Sonnenjahr verzichtet.

Das muslimische Mondjahr umfaßt 12 echte Mondmonate mit abwechselnd 30 und 29 Tagen, es ist also 354 Tage lang. Darüber hinaus gibt es jedoch zum Ausgleich von Abweichungen des Mondumlaufs auch Schaltjahre mit 355 Tagen, wobei der Schalttag der Einfachheit halber dem letzten Monat hinzugefügt wird. Dieser 30jährige Zyklus wird für Schaltungen verwendet: 19 Jahre davon sind gemeine Jahre zu 354 Tagen, 11 Jahre erweiterte Jahre zu 355 Tagen. Die Schaltungen erfolgen in einem 30 - Jahres - Zyklus: jedes 2., 5., 7., 10., 13., 16., 18., 21., 24., 26., und 29. Jahr ist ein Schaltjahr mit 355 Tagen. Anschließend folgt ein weiterer 30 - Jahres - Zyklus. Durch die Schaltungen wird der muslimische Lunarkalender [1] dem inkommensurablen Wert des synodischen Mondjahres angenähert.

 

Die muslimische Jahreszählung ("Ära") setzt mit der Hedschra, der Auswanderung des Propheten Muhammad und seiner Anhänger von Mekka nach Jathrib (dem späteren Medina; "Medina al-Nabi") im September 622 ein. Jedoch beginnt sie nicht mit dem tatsächlichen Datum der Hedschra, sondern mit dem ersten arabischen Monat des Mondjahres, in dem die Hedschra stattfand. Deshalb beginnt die muslimische Jahreszählung (Jahr 1 ) am Freitag, dem 16. Juli 622 nach dem Julianischen Kalender. Die offizielle Einführung der Hedschra - Ära erfolgte im Jahre 638 / 17 n.d.H,. während des Kalifats Omars (634 - 644), des zweiten Kalifen (vgl. Geerlings, S. 52, a.a.O.).

33 muslimische Mondjahre (11 682 d) entsprechen ungefähr 32 Sonnenjahren (11 680 d). Von daher ergeben sich  Umrechnungsformeln, die unter Islamischer Mondkalender aufgeführt wurden.

 Das christliche Jahr 1990 entspricht von daher 1410/1411 n. d. H.

 

Die muslimischen Monate beginnen - wie die jüdischen - mit dem Erscheinen des "Neulichts" (ar. "Hilâl") nach dem Neumond. Durch die beträchtliche geographische Ausdehnung des Gebietes, in dem Muslime leben - von Indonesien bis Mauretanien, ".... kann der Mond im Osten eine Nacht früher sichtbar sein, als im Westen" (vgl. Khoury et al., S. 428, a.a.O.). Um Komplikationen zu vermeiden, wird heute deshalb "... das verbindliche Datum über den Mondaufgang ... für die gesamte islamische Welt durch die religiösen Autoritäten der Heiligen Stadt Mekka festgelegt" ( vgl. Khoury et al., S. 429, a.a.O.).

Tatsächlich aber gibt es eine Reihe von kalendarischen Sonderregeln, z. B. durch DIYANET (die Religionsbehörde) in der Türkei, so dass bestimmte muslimische Festdaten keineswegs einheitlich festgelegt sind. 

Der muslimische Neujahrstag ist das traditionelle Datum des Almosen - Gebens (zakat), einer der fünf Säulen des sunnitischen Islams. 

Da der lunare muslimische Kalender für die zeitliche Festlegung landwirtschaftlicher Arbeiten ungeeignet ist, verwendet man z. B. in verschiedenen Regionen des Maghreb noch aus vorislamischer Zeit den julianischen Kalender, wobei die lateinischen Monatsnamen in leicht veränderter Form erhalten blieben: "yennair, ibrair, mars, ibril, maya, yunyuh, yulyuz, ghusht, shutanbir, ktubir, nuwambir, duzambir ".

 

(variabel nach dem islamischen Mondkalender,  am 1. Tag des 1. Monats Muharram)

 

© Christian Meyer

 


[1] Aus dem sog. Kalenderproblem ergibt sich die Inkommensurabilität:

                                                   1 Sonnenjahr = 365,2422 Tage

                                                   1 Mondjahr = 354,367 Tage

                                                   1 Mondmonat (Lunation)  = 29,53059 Tage

                                                   1 Mondphase = 7, 38265 Tage

Wahrscheinlich sind Mondkalender die ältesten überhaupt verwendeten Kalender. Der US-amerikanische Paläontologe Alexander Marshack interpretierte Ritzzeichnungen auf Knochenfunden aus der Zeit der Cro-Magnon - Menschen von vor ca. 30 000 Jahren als einen Mondkalender.

Wahrscheinlich waren alle Kalender aus der frühen Antike (außer dem ägyptischen) reine Mondkalender.


Zur Abb. unten:

 

Im (gregorianischen) Jahre 1980, dem Jahre 1400 nach der Hedschra gab das Königreich Jordanien eine Halb – Dinar - Gedenkmünze dazu heraus: Der arabische Text dazu heißt aaf deutsch: „Das 15. Jahrhundert seit der Auswanderung des Propheten von Mekka nach Medina“. Die Münze zeigt eine Mondsichel mit einem Ölzweig innerhalb dessen die Sonne auf die Prophetenmoschee in Medina und den Felsendom in Jerusalem scheint. Die (nicht dargestellte) Rückseite zeigt „Hussein, Sohn des Talal, König von Jordanien“.

 

Jordanische Münze
Jordanische Münze