Alemannische Fastnacht
Alemannische Fastnacht

Abb. Alemannische Fastnacht (Photo: Werner H. Müller)

 

Römischer Karneval: Pferderennen
Römischer Karneval: Pferderennen

Pferderennen beim Römischen Karneval (Abb. aus www.goethezeitportal.de/index.php?id=3068)

 

Die Hinrichtung Savonarolas
Die Hinrichtung Savonarolas

Der Maler und Kupferstecher Francesco Rosselli (1445 – ca. 1508) schuf (vermutlich) das Bild „Die Hinrichtung Savonarolas auf der Piazza della Signoria 1498“, das sich heute im Museo di San Marco befindet. Die Zuordnung zu Rosselli ist allerdings umstritten. In dem Bild sind mehrere Szenen der Hinrichtung von Savonarola und seiner beiden Mitbrüder dargestellt. Zum Einen knien die Drei auf dem Podest vor dem Palazzo della Signoria, des Weiteren werden sie werden sie über den Holzsteg geführt. Schließlich sind sie bereits am Galgen gehängt worden und der Scheiterhaufen brennt (Abb. aus Klinkhamel, S. 142, a.a.O.).

 

Karneval – Rosenmontag / Fastnacht (frz. mardi gras) / Aschermittwoch

 

Karneval (vom lat. „carne vale“ = „Fleisch, lebe wohl“) oder Fastnacht wird in fast allen europäischen Ländern und v.a. in Südamerika gefeiert. Aktiv begangen wird der Karnevalvornehmlich allerdings in katholischen Regionen, angesichts der bevorstehenden vierzigtätigen christlichen Fastenzeit [1] (auch sie wird stärker in katholischen Regionen beachtet, vgl. das Stichwort Fastenzeit), die am letzten Tag der Karnevalszeit (Aschermittwoch, frz. cendre) beginnt und bis zum Ostersamstag dauert. Davor feiert man noch einmal ein genussvolles Fest. In Portugal ist der Karnevalstag ein gesetzlicher Feiertag.

 

Vielleichtl knüpft der Karneval an antike Festlichkeiten wie die Saturnalien oder Bacchanalien an. Der Name Karneval  könnte jedoch auch an die Schiffswagen (carrus navalis) anknüpfen, die einst als Symbol für die wieder aufgenommene Schifffahrt durch die Straßen geführt wurden (vgl. das Stichwort Plejaden).

Der Name „Rosenmontag“ kommt – nach Jakob und Wilhelm Grimm - nicht etwa von den Blumen, sondern von „rasender Montag“, weil die Feiernden wohl zuweilen in Raserei gerieten. 

Der Rosenmontag gilt im rheinischen Karneval als der eigentliche Höhepunkt und wird mit dem „Rosenmontagszug“ begangen. In den Zentren des deutschen Karnevals (u. a. Düsseldorf, Köln oder Mainz) geben am Rosenmontag traditionell viele Unternehmer und auch Schulen ihren Mitarbeitern frei, ein gesetzlicher Feiertag ist der Rosenmontag aber in keinem deutschen Bundesland.

 

Am Aschermittwoch zeichnet der Priester im Gottesdienst den Gläubigen mit dem Daumen ein Aschenkreuz auf die Stirn, als Symbol der Reinigung und Buße. Während der österlichen Fasten- und Bußzeit (als Erinnerung an die Passion Christi) finden traditionell keine Festlichkeiten, auch keine Hochzeiten statt; an Freitagen sollen keine Fleischspeisen genossen werden. Am Aschermittwoch und Karfreitag nehmen die Gläubigen nur eine sättigende Mahlzeit zu sich.

Noch im 18. Jhdt. schlossen im gesamten christlichen Europa in der Fastenzeit (und zu anderen hohen Festtagen) die Opernhäuser, statt dessen wurden Konzerte, „concerts spirituels“ v.a. mit geistlicher Musik gegeben.  

 

Die Faschingszeit war in vielen Gegenden v.a. West- und Süddeutschlands ein Anlass zum Verkleiden und zum gemeinsamen Feiern, so z.B. die Faschingshochzeit. Bei der Kinderfaschingshochzeit verkleideten sich die Kinder als Braut und Bräutigam, als Brautbitter, als Pastor und als Hochzeitsgesellschaft. Sie sammelten überall Eier, Butter und Zucker ein, um zum Schluss das Hochzeitsfest so üppig und ausgiebig wie möglich zu feiern. Wenn die Erwachsenen die Faschingshochzeit feierten, war die Braut meist ein verkleideter junger Mann. Die Hochzeit endete in einer Scheidung, bei der die Scheidungsgründe möglichst in gereimter Form genannt werden mussten. Meistens wurde dabei das ganze Dorf durch den Kakao gezogen.

 

Carl Zuckmayer beschreibt in seiner 1945 publizierten Erzählung „Der Seelenbräu“ den Faschingsdienstag in einem ländlichen Wirtshaus im Salzburgischen; ein anreisender Junglehrer gerät zufällig in die feiernde Gesellschaft: „Kurz vor dem Ende des Fests kam es „… zu einem kurzen kataklysmischen Aufflackern … Es war den Bauern eingefallen, dass längst Aschermittwoch angebrochen sei, und nach altem … Brauch musste zur Auskehr des Faschings der stock- und steifgetrunkenste Festteilnehmer als Fastenleiche eingeäschert werden. Die Wahl war auf den Postmeister gefallen … Man hatte ihnen auf einen als Bahre improvisierten, umgekehrten Tisch gelegt, die Musik spielte einen Trauermarsch im Walzertakt, eine schwankende, stolpern der Prozession bewegte sich zuerst in die Küche, wo man einen Eimer kalter Erdasche aufkratzte, dann durchs Vorhaus in die Gaststuben und auf den Tanzboden zurück. Der Roisterer Klaus … hatte sich mit langen weißen Küchenschürzen und roten Abwaschtüchern in einer Art Priestergewand vermummt und schritt, Aschenfass und Staubwedel schwingend, dem Zug voran, wobei er mit rauher, lallender Stimme monotone Exequien [2] in einem wüsten, phantastischen Narrenlatein leierte, von einem plärrenden Ministrantenchor durch Antworten und Wiederholungen assistiert. In der Mitte des Tanzbodens setzten sie die Leiche ab, und unter allerlei grotesken Zeremonien wurde der schläfrige Postmeister, der sich auch hierüber nicht aufregte, erst mit Bier angesegnet und dann über und über mit Asche beschmiert. Männer johlten vor Spaß, Weiber kreischten und quietschten, als er sich nun aufrichtete und gemeinsam mit dem Klaus in wallender Schürzenschleppe durch die Stuben wankte, um jeden, der ihm in die Nähe kam, anzuschmutzen. Keinen kam es dabei auch nur im entferntesten in den Sinn, dass sie etwa mit etwas heiligem ihren Spott trieben oder gar eine Blasphemie begingen. Keine Spur von Hohn, von Verlästerung wurde dabei empfunden. Es war der letzte und dreisteste Bocksprung jener aus allen Banden gelösten Maskenfreiheit, wie sie der ernsten Zeit und ihrer tiefen Stille seit Urgedenken vorausging. Dieselben Leute, die sich jetzt noch wie losgelassene Erdgeister und tobende Rüpel gebärdeten, würden in ein paar Stunden ruhig und gelassen ihr Knie vor dem Altar beugen und vom Daumen des Priesters das Aschenkreuz, das Memento der kommenden Passion und aller Vergänglichkeit, auf die Stirn empfangen“ (Zuckmayer, S. 78-81, a. a. O.).



 

In verschiedenen deutschen Regionen gab und gibt es den Brauch der Faschingsjagd. Zwei junge Männer verkleiden sich dabei so, dass die von niemandem erkannt werden. Manchmal gehen sie als Sommer und Winter, zuweilen tragen sie auch regional typische Masken. Die Kinder umringen, jagen und necken sie. Die Maskierten dürfen sich mit Rutenstreichen wehren und verhindern, dass sie erkannt werden. Sie versuchen so lange als möglich mit den Masken herumzulaufen und dann zu verschwinden. Gelingt es einem der Kinder, den oder die Vermummten zu erkennen, erhalten diese alle Streiche zurück, die sie ausgeteilt haben.

In vielen deutschen Regionen gingen früher die Kinder am Morgen des Aschermittwochs mit einem grünen Reis zu ihren Paten. Sie gaben diesen ein paar Streiche (Aschermittwochsstreich) und erhielten dafür die letzten Faschingsbrezeln.

In vielen v.a. katholischen Regionen ist es bis heute verbreitet, zum Aschermittwoch ein besonders gutes Heringsgericht, den „Heringsschmaus“ (eine Fastenspeise in der christlichen Tradition) in Restaurants, auch für Verwandte und Freunde vorzubereiten.

Traditionell werden regional grüne Girlanden von den Wirten dort ausgehängt, wo Bier gebraut wird. Dies gilt als Ankündigung, dass es nun das Fastenbier gebe, ein gut gebrautes Starkbier.

In manchen Regionen wird der Aschermittwoch auch „Pfeffertag“ genannt, weil die Langschläfer dort mit Ruten aus den Betten „gepfeffert“ werden.   

Am Donnerstag nach dem Aschermittwoch hat sich in einigen sorbischen Regionen Brandenburgs und Sachsens die Tradition des „Zamper - Donnerstags“ erhalten. An diesem Tag ziehen Kinder und/oder Jugendliche von Haus zu Haus, sie „zampern“: Vor den Häusern singen sie: „Zamper, zamper, Donnerstag, morgen ist der Freitag, droben in der Firste häng’n gebratne Würste, ich bin ein kleiner König, gebt mir nicht zu wenig, gebt mir ein Stückchen Speck, dann springe ich über Eure Haustür weg“ (vgl. Ufer, S. 23, a.a.O.). Die Sänger erhalten von den Hausbewohnern Speck, Eier, Brot, Kuchen und auch Geld.

In manchen Regionen wird bereits am Faschingsdienstag gezampert.

 

Nach Giorgio Vasari war es im spätmittelalterlichen Florenz schon lange Brauch, zur Karnevalszeit auf der Piazza della Signoria Hütten aus Ästen und anderen brennbaren Stoffen zu bauen. „In der Nacht des Fastnachtdienstags wurden die Hütten dann angezündet, und die Leute tanzten um sie herum“ (vgl. Cleugh, S. 270, a.a.O.).

Girolamo Savonarola (1452 – 23.5. 1498), der Dominikaner–Prior des Klosters San Marco zu Florenz, prangerte den Luxus, die Gier nach Reichtum und Macht der kirchlichen Würdenträger an, insbesondere den Ablasshandel und den Nepotismus. Den Sündern und Ungläubigen prophezeite er Höllenstrafen, die Sodomiten [2] bedrohte er mit den Scheiterhaufen, deren Flammen die Toskana bis zum Horizont beleuchteten (vgl. Lévy, S. 106, a.a.O.)
Zudem versuchte er die seiner Auffassung nach „Sittenlosigkeit“ seiner Mitbürger zu bekämpfen. Ein Dorn im Auge war ihm u.a. das Karnevalstreiben. Er versuchte den ausgelassenen Karneval und den Verbrennungsbaruch durch religiöse Bußveranstaltungen besonderer Art umzuinterpretieren und zu ersetzen, durch eine „Verbrennung der Eitelkeiten“, einen sakralen Antikarneval. 

Am Faschingsdienstag, 7. Februar 1497 ließ Savonarola durch seine Anhänger auf der zentralen Piazza della Signoria eine Pyramide „gleißnerisch – sündigen Tands“ (vgl. „Zeit“, Nr. 22/1998, S. 88) errichten: Perücken, Spiegel, Kosmetika, Puder, Parfüms, Lockenscheren, Haarnadeln, Nagelfeilen, Spielkarten, Brettspiele, Würfel, Schachfiguren, Bälle, durchsichtige Kleieder, Masken, Karnevalskostüme,  Luxusgewänder, Brokate, Juwelen, Schmuckgegenstände aller Art, Juwelen, Musikinstrumente, Sportgeräte, Tapeten,  als frivol angesehene Gemälde [4] und Statuen, Bücher u.a. von Anakreon, Lukian, Aristophanes, Ovid, Boccaccio und Petrarca wurden auf der Holzpyramide mit sieben Stufen (entsprechend den sieben Todsünden) sortiert. Die Holzpyramide war am Fuß ca. 60m breit und ca. 15m hoch.

Die Objekte, die als gefährlich für das Seelenheil der Florentiner angesehen wurden, waren zuvor von Savonarolas milizartiger jugendlicher bewaffneter Sittenpolizei aus Florentiner Bürgerhäusern z.T. unter Druck „abgeholt“ worden. Das Florenz der Nach – Lorenzo – Jahre zeigte zeitweise theokratische Züge, „... die Stadt der Schönheit, der Künste, der Feste geht in Sack und Asche“ (vgl. „Zeit“, Nr. 22/1998, S. 88). Auf dem Höhepunkt von Savonarolas Macht wurde in Florenz Gotteslästerung mit Durchbohrung der Zunge bestraft, Spielsucht im wiederholten Fall als Höchststrafe mit Verbrennung bei lebendigem Leibe, und das „unaussprechliche Laster“ (die Homosexualität) mit Pranger, Ämterentzug und als Höchststrafe mit dem Scheiterhaufen [5] . 

Viele der Objekte waren sehr kostbar, einige ganz sicher auch künstlerisch wertvoll. Als die Pyramide vollbelegt war, versuchte ein Kaufmann aus Venedig alle Objekte für 20 000 Dukaten käuflich zu erwerben, - vergeblich: rasch wurde ein Bild des Kaufmanns gezeichnet und auf die Spitze  der Pyramide gestellt. In der Nacht wurde sie angezündet und verbrannte unter Glockengeläut, Trompetenstößen und begleitet von Hymnen der Mönche.

Jedoch blieb die Aktion „Verbrennung der Eitelkeiten“ („bruciamenti delle vanita“) in Florenz sehr umstritten, denn die Bildungsbürger verabscheuten – mit Recht – die Vernichtung von Kunstgegenständen und Büchern, die Kaufleute kritisierten die Zerstörung marktfähiger Waren.

Am Fastnachtsdienstag 1498 folgte eine zweite „Verbrennung der Eitelkeiten“ auf der Piazza della Signoria, jedoch mit deutlich weniger Resonanz und Zustimmung in der Bevölkerung.

Nach der päpstlichen Androhung des Kirchenbanns gegen Florenz wurde Savonarola wenige Wochen später  verhaftet, im Prozess gefoltert und als „Ketzer“ verurteilt [6]: am 23. Mai 1498 (dem Tag vor Christi Himmelfahrt) wurde er zusammen mit zwei Getreuen auf der Piazza della Signoria gehängt und verbrannt (s. Abb. oben). Auf dem Platz erinnert heute eine Gedenktafel an Leben und Tod Savonarolas. Seit 1998 läuft ein Verfahren zur Seligsprechung Girolamo Savonarolas.

 

Der flämische Dichter Felix Timmermanns (1886 – 1947) beschreibt in seinem Roman „Pieter Bruegel“ (1938) das Fastnachtstreiben im Flandern des 16. Jhdts. : „… Das Städtchen jauchzte und summte von Gesang und lustigem Treiben. Um einen Löffel Freude zu genießen, einen guten Happen zu verzehren oder um sich etwas zu verdienen, waren die Leute von allen Seiten hergekommen, zu Fuß, im Schlitten oder mit Schlittschuhen auf dem schwarzen Eis. Überall wurde gegessen und getrunken, denn morgen sollte die große Fastenzeit beginnen mit einem Kreuz auf der Stirn, und dann war Schmalhans Küchenmeister …. Die Fastenpredigten hatten angefangen: ein Pater sollte erzählen, wann die Welt untergehen würde. Pieter …. Konnte sich nicht trennen von dem bunten Gewimmel und vor allem von den Maskierten, die mit tollen Kleidern und närrischen Larven in den Straßen tobten und Tanzten, von einer Kneipe zur anderen, und überall die Leute verulkten…“ (Timmermanns, S. 98 – 100, a.a.O.).

 

Die junge Lily Braun erlebte 1887 den Karneval im westfälischen Münster: „Pünktlich mit dem Dreikönigstag öffneten sich die Adelshöfe Münsters. Der Karneval zog ein. Keiner von denen, die weise Maß halten und Hygiene und Moral zu Hofmarschällen ernennen, damit die braven Menschenkinder sich auch den Magen nicht ver-derben – sondern ein ungestümer, ein wilder, zügelloser, der jung und alt in seine Dienste zwingt, der uns über-kommt wie ein Rausch und uns selig-müde zurück lässt“ (Braun, 1909, Bd. I, S. 359, a.a.O.).
„… Es gab Tage und Stunden, wo die prickelnde, fiebernde Lust des Karnevals mich ganz und gar gefangen nahm, wo eine Tanzmelodie mich wie ein elektrischer Schlag bis in die Fußspitzen durchzuckte und alle übrugen Lebenstöne erschlug. Wir tanzten täglich; in den Fastnachtstagen fielen sogar die Schranken zwischen den Gesellschaftsklassen und unter Papierschlangengeschossen und Konfettiregen wagten wir uns unter die maskierte Menge der Straße. Alle Höfe und Häuser standen offen; überall konnten die Masken sich selbst zu Gaste laden, und doch artete die sprudelnde Lustigkeit nie in derbe Späße aus.
Am Fastnachtsdienstag gab es ein Frühstück im Kürassierkasino, wo die Sektpfropfen knatterten wie Salven, und darauf einen ausgelassenen Tanz im Sande der Reitbahn, wo die Herren um die Wette über Hürden und Gräben sprangen. Abends war der letzte Ball des Damenklubs; noch einmal wurde getanzt wie rasend, alte Graubärte machten den Jüngsten den Rang dabei streitig, und die Fülle der Blumen, die uns gespendet wurden, ließ sich kaum fassen. Mir stoben Funken vor den Augen, und ich fühlte nichts mehr als die wiegende, schleifende Bewegung und den heißen, keuchenden Atem meiner Tänzer. Plötzlich, mitten im wilden Abschiedsgalopp, stand alles still, wie von einem Zauber gebannt, die Musik brach ab, mit kurzem Gruß huschten die Damen hinaus, rasch warfen die Herren den Mantel über die Schultern – zwölf schlug die tiefe Glocke vom Domturm, Aschermittwoch klingelte das schrille Glöcklein von der Liebfrauenkirche. Mit einem Schlag schien das Leben erloschen“ (Braun, 1909, Bd. I, S. 362/363, a.a.O.).
Lily Braun fragte sich zudem, warum es in keinem protestantischen Land – „… auch wenn es auf denselben Breitengraden liegt“ – einen solchen Karneval gäbe, wie z.B. in Münster und sah die Ursache im heidnischen Erbe des Katholizismus: „Vor lauter Verständigkeit und Nücherternheit haben wir (Protestanten, C.M.) die Freude verlernt, die ein Bestandteil heidnischer Religiosität ist“ (Braun, 1909, Bd. I, S. 366, a.a.O.).

Die Novelle „Fasching“ von Gerhart Hauptmann (1862 – 1946), seine erste Novelle überhaupt, entstand und wurde erstmals veröffentlicht im Jahre 1887. 

Die Novelle beruht auf einer wahren Begebenheit, von der am 14. Februar 1887 aus Erkner in dem „Fürstenwalder Tageblatt“ berichtet wurde (Faksimile in Rohlfs, S. 21, a.a.O.): es handelte sich um einen Unglücksfall auf dem Flakensee bei Erkner, bei dem eine junge Familie auf dem Eis nahe der Löcknitzmündung einbrach und ertrank [6].

Hauptmann selbst meinte später dazu: Dieser Unfall „… beschäftigte wochenlang ausschließlich meine Aufmerksamkeit. Ich erlangte die Kraft, mein inneres Auge auf den Vorgang, der mit dem Unglück geendet hatte, so lange zu konzentrieren, bis er deutlich vor meiner Seele stand, und es gelang mir dann auch, den sprachlichen Ausdruck dafür zu finden“ (zit. n. Rohlfs, S. 11, a.a.O.). 

Ganz ähnlich dem realen Unglück besucht in der Novelle eine junge Familie eine Faschingsfeier auf dem gegenüberliegenden Seeufer. Der junge, lebenslustige Vater trug die Maske eines „Halsabschneiders“. Mit seiner Totenkopfmaske wurde er der unbestrittene Held der Faschingsfeier. Auf dem nächtlich – nebeligen Rückweg vom Fest, per Schlitten über das Eis des Sees, geraten alle ins offene Wasser und ertrinken jämmerlich.  

Das Todesmotiv taucht in der Novelle – nahezu aufdringlich – immer wieder auf. Stefan Rohlfs führte dazu aus, dass das Todesmotiv in Hauptmanns ersten vollendeten Werken auch auf seinem eigenen biographischen Hintergrund gesehen werden müsse (vgl. Rohlfs, S. 4, a.a.O.).

 

Der historische berühmteste Karneval war der in Venedig, dessen Wurzeln sich bis ins Mittelalter, ins 10. Jhdt. zurückverfolgen lassen. Im 18. Jhdt. dauerte der venezianische Karneval circa ein halbes Jahr, vom 1. Sonntag im Oktober bis zum 15. Dezember und dann von Epiphanias bis zur Fastenzeit. Zudem wurde die „Sensa“, die Zeit um Christi Himmelfahrt auch mit karnevaleskem Treiben gefeiert.

In dieser Zeit war der Karneval in Venedig ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor für die Stadt, denn wohlhabende Reisende aud ganz Europa brachten viel Geld mit sich. Es gab seit dem 16. Jhdt. spezielle Führer zu den berühmten venezianischen Kurtisanen und Prostituierten, so den „Catalogo di tutte le principal e più onorate cortegiane di Venezia“ oder „La tariffe delle puttane di Venezia“ (vgl. Delalande, S. 12, a.a.O.).

Richard Wagner besuchte kurz vor seinem Tode mit seiner Familie und dem (jüdischen) Dirigenten Hermann Levy den venezanischen Karneval im Jahre 1883. Franz Werfel beschrieb den Karneval in seinem Verdi-Roman. Insbesondere schilderte er den Höhepunkt des Fests, den Umzug der Masken, Wagen mit szenischen Darstellungen und die Verbrennung des „Königs für einen Tag“ auf dem Scheiterhaufen vor San Marco.

„Aber jetzt nahte, in wilder Fahrt, das Wesentliche, der uralte Sinn, das Hauptstück des Festes. Auf dem Henkerskarren thronte der König. Die rohe geflickte Puppe mit Goldpapierkrone und Hermelinmantel wackelte und wankte auf ihrem Herrschersitz. Der König war schon so müde und schlapp, dass Tod und Leben ihm gleichgüktig schien. Hunderte Kerle tanzten um den Karren, Sbirren, Polichinells, Henker und Zivilisten. Wildauffahrende Gelächterschwärme erschütterten die Luft. …. Der arme König defilierte in rasender, gehetzter Fahrt an seinem Volk vorbei. … Der Lauf des Königs war vollendet. Das Karree der Masken umstand den Scheiterhaufen. Die Puppe wurde vom Wagen gehoben und an den Pfahl gebunden. Sogleich sank der plumpnasige Kopf mit der Todesgebärde des gekreuzigten Heilandes auf die bunte Brust. Das Stroh zischte auf. … Hoch über die Menschen hinaus griff die Flamme des Scheiterhaufens. Mit der unvergleichlichen Indolenz eines erledigten Genießers hatte sich der König dem Feuer anheimgegeben. Um den Pfahl hüpften nur noch ein paar flammende Lumpen. … Das Opfer war gefallen, der Blutdurst befriedigt, das Bedürfnis nach Ritus, nach Auflösung der Leidenschaften wuchs. Und in dieser Minute, heute wie alljährlich nach Verbrennung des königlichen Sündenbocks, der die Schuld der Ausschweifungen auf sich genommen hatte, ertönte vom Munde des Riesenchors der uralte Gesang des verlöschenden Karnevals. … Ein Kanonen schuss zerriss das Lied und beendete es. …

Auf der Lagune …. wurde das große Feuerwerk abgebrannt. Das Wasser ging in Flammen auf, die Luft in krachenden Stürmen. … (Schließlich trat) … der Sakristan an die Balustrade und heute in sein Schallrohr: ‚Il carnevale se n’è andato‘“  (vgl. Werfel, 1979, S. 292 ff., a.a.O.).

 

Der Römische Karneval lässt sich bis ins 10. Jhdt. zurückverfolgen. 1466 legte Papst Paul II. fest, dass die hauptsächlichen Karnevalsveranstaltungen auf dem späteren Corso (s.u.) stattfinden sollten.

Seit der Renaissance gab es im traditionellen römischen Karneval zum Abschluß eine antijüdische Darstellung: Die römischen Juden wurden – nur mit einem Lendenschurz bekleidet – „gejagt“, - zum Amüsement der Zuschauer. Sie galten als „bestie bipedi“ (zweibeinige Tiere) und mussten ebenso wie die Pferde (die „berbera“) über den Corso rennen. Erst Papst Clemens IX. (Pont. 1667 – 69) verbot diese demütigenden Akte.

Während seiner zwei Romaufenthalte 1786 -1788 (insgesamt ca. 15 Monate lang) erlebte Johann Wolfgang von Goethe auch den römischen Karneval  1787 und 1788. Er widmete ihm einen eignen Abschnitt in seiner „Italienischen Reise“ (Goethe, o.J., S. 421 ff.), der vermutlich 1788 verfasst wurde. Allerdings baute der autobiographische Bericht der „Italienischen Reise“ nur auf den damaligen Reisetagebucheintragungen auf, sie wurden 1813-17 überarbeitet, ergänzt, vermutlich auch stilisiert und erst 1829 veröffentlicht.

Goether wies darauf hin, dass der „… Römische Carneval einem fremden Zuschauer, (der ihn) … zum ersten Mal seiht und nur sehen will und kann, weder einen ganzen noch einen erfreulichen Eindruck“ erhalte, er „… weder das Auge sonderlich ergetze, noch das Gemüth befriedige.

Die enge und schmale Straße, in welcher sich unzählige Menschen hin und wieder wälzen, ist nicht zu übersehen… Die Bewegung ist einförmig, der Lärm betäubend, das Ende der Tage unbefriedigend …“ (Goethe, o.J., S. 421, a.a.O.). 

Bei der Straße handelte es sich um die Via del Corso (früher auch: Corso Umberto I.), die in gerader Linie die Piazza Venezia (mit dem „Venezianischen Palast“) und die Piazza del Popolo verbindet. An dem Corso befanden und befinden sich verschiedene Paläste aus dem 16.- 18. Jhdt. Die Straße folgt recht genau dem römischen in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Decumanus maximus, einem Trakt der Via Flaminia. Heute ist der Corso eine belebte Einkaufsstraße.

Goethe wohnte 1786-88 in der Via del Corso Nr. 18, bei seinem Freund, dem Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Heute befindet sich in dem Haus die „Casa di Goethe“, ein Museum und deutsches Kulturinstitut. Goethe weis auch auf den Ursprung der Namen „Corso“ in mehreren Städten Italiens hin, nämlich auf die Pferderennen („corso“ Lauf), die dort an jedem Karnevalsabend stattfänden. Zudem war der Corso der Ort der nchmittäglich- abendlichen Kutschfahrten wohlhabender Römer und Besucher, „Jedermann kommt, um zu sehen oder gesehen zu werden“ (Goethe, o.J., S. 423, a.a.O.).  

Die Pferderennen waren einer der Höhepunkte des römischen Karneval, es wurden Wetten auf den Sieger abgeschlossen, der Sieger wurde durch ein Gastmahl geehrt. Siegespreis war der Palio, eine Art Standarte mit Gold- und Silberstoff, in den das Bild rennender Pferde eingewirkt war. Eine Glocke vom Kapitol gab dann „bald nach Mittage das Zeichen, … es sei erlaubt, unter freiem Himmel thöricht zu sein“ (Goethe, o.J., S. 426, a.a.O.). Dann „… wird die Straße in der Mitte mit Puzzolane (vulkanische Schlacke, benannt nach Pozzuoli an den Phlegräischen Feldern, C.M.) bestreut, damit die wettrennenden Pferde auf dem glatten Pflaster nict so leicht ausgleiten mögen“ (Goethe, o.J., S. 425, a.a.O.).

Für den Karneval wurden auf dem Corso Gerüste mit Sitzreihen sowie Barrieren und Schranken errichtet, die die Seitenstraßen absperrten. Stühle wurden aufgestellt und vermietet, Teppiche und Behänge machten den Corso zu einem großen Festsaal. Die Römer legten „Ernst und Bedächtigkeit“ ab (Goethe, o.J., S. 426, a.a.O.). Polcinellen, und andere Figuren der Commedia dell‘Arte sowie unterschiedlichste Maskenträger, wie Zauberer, Seeleute, Bettler, Advokaten bevölkerten zu Tausenden die Straßen, als Männer verkleidete Frauen und als Frauen verkleidete Männer: „Hier kommt ein Pulcinell gelaufen, dem ein großes Horn an bunten Schnüren um die Hüften gaukelt. Durch eine geringe Bewegung, indem er sich mit den Weibern unterhält, weiß er die Gestalt des alten Gottes der Gärten in dem heiligen Rom kecklich nachzumachen, und seine Leichtfertigkeit erregt mehr Lust als Unwillen“ (Goethe, o.J., S, 427, a.a.O.). Auch die (wohlhabenden) Personen, die mit ihren Kutschen den Corso auf und ab fahren waren oft maskiert, z.T. stellten sie auf ihren Wagen auch mythologische Szenen etc. dar.

Die Pulcinellen wählten einen König, krönten ihn und gaben ihm ein Szepter in die Hand.

Frauen in Festtagskleidern traten auf, aber auch „… Weiber aus der untersten Klasse mit entblößtem Busen und frecher Selbstgenügsamkeit lassen sich meist zuerst sehen. Sie liebkosen die ihnen begegnenden Männer … und … treiben sonst, was ihnen Laune und Witz oder Unart eingeben“ (Goethe, o. J., S. 426/427, a.a.O.). 

In dem großen Gedränge bewarf man sich gegenseitig mit Confetti (v.a. aus Gips- und Kreidekügelchen), niemand war vor diesem Confetti [8] sicher: zuweilen entwickelten sich daraus wahre Confetti-Schlachten.

Zudem gab es zur Karnevalszeit viele Theater- und Opernaufführungen, Bälle, insbesondere „Festinen“ (Maskenbälle).

Höhepunkt aber war jeweils das Pferderennen (ohne Reiter) an den Karnevalsabenden, das von der Piazza del Popolo zur Piazza Venezia führte. Dort wurde ein kleiner Mörser als Signal der Ankunft abgefeuert und der Sieger erhielt den Preis (Goethe, o.J. S. 441, a.a.O.).  

 

Am letzten Karnevalstag trugen viele Teilnehmer Moccoli (ital. „Kerzenstummel“), durchscheinende Papierlaternen mit kleinen Kerzen, die man versuchte, sich gegenseitig auszublasen, das eigene wieder anzuzünden, andwre zu verlöschen (übrigens noch ohne Zündhölzer; vgl. Avv ganz unten). Dabei riefen die Teilnehmer immer wieder laut: „Sia ammazzato chi non porta moccolo“ Ermordet werde, wer kein Lichtstümpfchen trägt (vgl. Goethe, o.J. S. 445, a.a.O.). Anschaulich beschrieb er weiter: „Alle Stände und Alter toben gegen einander, man steigt auf die Tritte der Kutschen, kein Hängeleuchter, kaum die Laternen sind sicher, der Knabe löscht dem Vater das Licht azs und hört nicht auf zu schreien: sia ammazzato il Signore Padre! Vergebens, daß ihm der Alte diese Unanständigkeit verweist; der Knabe behauptet die Freiheit dieses Abends, und verwünscht nur seinen Vater desto ärger. …. Dieses moderne Saturnal endigt mit einer allgemeinen Betäubung.

Das Volk eilt nun, sich bei einem wohlbereiteten Schmause an dem bald verbotenen Fleische bis Mitternacht zu ergetzen, die feinere Welt nach den Schauspeilhäusern, um dort von den sehr abgekürzten Theaterstücken Abschied zu nehmen, und auch diesen Freuden macht die herannahende Mitternachtsstunde ein Ende“ (Goethe, o.J., S. 445/446, a.a.O.).

Aschermittwochs aber „… dankte man Gott und der Kirche für die Fasten“ (Goethe, o.J., S. 449, a.a.O.).

Der Römische Karneval sei – erläuterte Goethe – „… ein Fest, das dem Volke eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst giebt. Der Staat macht wenig Anstalten, wenig Aufwand dazu. Der Kreis der Freuden bewegt sich von selbst, und die Polizei regiert nur mit gelinder Hand … Hier ist keine glänzende Procession, bei deren Annäherung das Volk beten und staunen soll; hier wird vielmehr nur ein Zeichen gegeben, dass Jeder so thöricht und toll sein dürfe, als er wolle, und dass außer Schlägen und Messerstichen fast Alles erlaubt ist. Der Unterschied zwischen Hohen und Niedern scheint einen Augenblick aufgehoben; Alles nähert sich einander, Jeder nimmt, was ihm begegnet leicht auf, und die wechselseitige Frechheit und Freiheit wird durch die allgemeine gute Laune im Gleichgewicht erhalten.

In diesen Tagen freuet sich der Römer noch zu unseren Zeiten, dass die Geburt Christi das Fest der Saturnalien und seiner Privilegien wohl um einige Wochen verschieben, aber nicht aufheben konnte “ (Goethe, o.J., S. 421/422, a.a.O.).  

 

Hector Berlioz (1803 – 1869) gewann im Jahre 1830  mit dem „Prix de Rome“ ein fünfjähriges Stipendium einschließlich eines –von ihm ungeliebten - zweijährigen Romaufenthaltes.  1844 veröffentlichte er seine

Ouvertüre „Römischer Karneval“ op. 9. 

op. 9. op

op. 9.

 1874 verbot die – nunmehr laizistische – Stadtverwaltung Roms die Pferderennen zur Kanevalszeit.

 

In der russisch – orthodoxen Kirche gelten neben der Großen Fastenzeit vor Ostern auch wöchentlich drei Tage (Sonntag, Mittwoch und Freitag) als Fastentage (vgl. Domostroi, S. 21, a.a.O.).

Das altrussische Hausbuch „Domostroi“ empfahl „beizeiten“ Vorrat für die Fastentage anzulegen (Domostroi, S. 82, a.a.O.). Eine Reihe von besonderen Fastenspeisen wurden angegeben, so z.B. Piroggen „… mit einer Füllung von Kascha [9] , Erbsen oder Mus, … Wovon Gott gibt, so werden sie der Familie munden“ (Domostroi, S. 54, a.a.O.). 

 

In Russland und Weißrussland wird vor dem Beginn der österlichen Fastenzeit die „Butterwoche“ (Masleniza, von russ. „maslo“ = Butter) begangen, „… die Schlemmerwoche und slawischer Karneval zugleich ist“ (vgl. „Berliner Zeitung“, 8. März 2011, S. 8).

In dieser Woche ist den orthodoxen Gläubigen bereits der Verzehr von Fleisch verboten, Milchprodukte aber sind (wie auch Eier und Fisch) noch gestattet.

Die Masleniza wird abgeschlossen von dem „Sonntag der Vergebung“ (im Jahre 2011 am 6. März). An diesem Sonntag wird auch heute noch zuweilen eine Strohpuppe rituell verbrannt; mit der Strohfigur sollen „… auch die bösen Geister in Flammen aufgehen, und bis heute halten viele Weißrussen an dieser Tradition fest. Auch wenn der Glaube an die Wunderwirkung deutlich nachgelassen hat“ (vgl. „Berliner Zeitung“, 8. März 2011, S. 8). Traditionell werden Fladenbrote, „Blini“ (Pfannkuchen) und Gebäck verzehrt.

Die Menschen umkreisen „… tanzend und singend das Feuer, bitten um Vergebung für vergangene Sünden und begrüßen fröhlich die neue Zeit“ (vgl. „Berliner Zeitung“, 8. März 2011, S. 8). 

Nach der Oktoberrevolution wurde das Fest verboten, in den letzten Jahren aber lebte es wieder auf, auvh mit großen Festveranstaltungen z.B. aug dem Moskauer Roten Platz.

 

Der derzeit berühmteste Karneval ist sicher der in Rio de Janeiro, der mit Vorführungen der traditionellen Samba-Schulen verbunden ist. Der französisch-brasilianische vielfach ausgezeinhnete Film „Orfeu Negro“ (1959, Regie Marcel Camus) aktualisiert den Mythos von Orpheus  und Eurydike und zeigt ihn auf dem Hintergrund des Karnevals in Rio.

 

(variabel nach der christlichen Osterberechnung; der Rosenmontag immer genau 48 Tage vor dem Ostersonntag)

 

© Christian Meyer





[1] Die Fastenzeit (niederl. „vastentijd“) ist der eher katholische Begriff, im Protestantismus wird in der Regel der Begriff Passionszeit verwendet, mit einem theologisch anderen Schwerpunkt. Seit dem 4. Jhdt. ist historisch vielfach eine 40 tägige Vorbereitungszeit auf Ostern belegt. Vom gr. „tessarakosta“ und lat. „Quadragesima dies“ = „Zeit der Vierzig Tage“ leitet sich das französische Wort „carême“ (altfrz. „quaresme“), das ital. „quaresima“ für Fasten her. Das Englische „lent“ für Fastenzeit hat seinen Ursprung im aengl. Verb „lengthen“, das das Längerwerden (der Tage) im Frühjahr bezeichnete und mit dem dtsch. „Lenz“ verwandt ist.

Die Fastenzeit umfasst sechs Wochen vor Ostern sowie die 4 Tage vom Aschermittwoch bis zum Sonntag Invokavit, - real 46 Tage. Die Zahl 40 hat eine eher symbolische Bedeutung (ð Anm. bei der Sarı kız Wallfahrt).  
[2] „Aussegnung“, Teil der liturgischen Bestattungsfeier der katholischen Kirche.

[3] Bis in die Neuzeit hin verstand man unter dem Begriff Sodomie sowohl homosexuelle Praktiken als auch se-xuelle Handlungen an Tieren. Erst 1868 prägte der Schriftsteller Karl Maria Kertbeny (1824–1882) den Begriff Homosexualität und der Begriff Sodomie verengte sich auf die sexuellen Handlungen an Tieren.    

 


[4] Auch z.B. Sandro Botticelli (1445 – 1510) wurde Anhänger Savonarolas.Giorgio Vasari führte aus, dass Botticelli „der Sekte“ des Savonarola „... desmaßen anhing, dass er das Malen ganz vernachlässigte und, weil er dadurch alles Einkommen verlor, sich in größte Verlegenheit stürzte. Ja, indem er sich hartnäckig jener Partei anschloß ..., entfremdete er sich aller Arbeit und sah sich im Alter so völlig verarmt, dass er fast Hungers gestorben sein würde ...“ (vgl. Vasari, S. 236, a.a.O.). Bekannt ist ein Stich Botticellis, der „Triumph des Glaubens des Fra Girolamo Savonarola“.  

[5] Die in Florenz anwachsende Unzufriedenheit mit der Politik Savonarolas zeigte sich u.a. darin, dass es in den Jahren 1495/96 mehrere Anschläge auf das Leben des Dominikaner – Priors gegeben hatte (vgl. Cleugh, S. 206, a.a.O.).

[6] Papst Alexander VI. Borgia übte auf Prozess und Urteil gegen Savonarola deutlichen Einfluss aus.

[7] Das Grab der der real verunglückten Schiffsbauerfamilie Zieb existierte in Erkner bis nach dem 2. Weltkrieg (vgl. Rohlfs, S. 21, a.a.O.).


[8] Das Wort Konfetti wurde im 18. Jahrhundert vom italienischen „confetti“ entlehnt. Es ist der Plural von „confetto“ (vielleicht von mittellateinischen „confectum“ Zubereitetes), meinte aber im Italienischen „Konfekt“. Ursprünglich hatte der Begriff also Zuckerwerk (überzuckerte Mandeln, Nüsse etc.) bezeichnet, mit denen sich Karnevalsteilnehmer bewarfen. Heute wird im Italienischen für Konfetti der Begriff „coriandoli“ verwendet (der Plural von „coriandolo“ Koriander).

Noch im Jahre 1870 führte Otto Henn-Am Rhyn an: „Confetti heißt in Italien einerseits Zuckerwerk (Konfekt), dann aber auch aus Gips nachgemachtes solches, welches in der Lust des Karnevals aks Wurfgeschoß dient (Henn-Am Rhyn. S. 262, a.a.O.). Später erst wurden die von Goethe beschriebenen Gispkügelchen durch Papierschnitzel ersetzt. Konfetti erhielt nun die Bedeutung von „Papierschnitzel zum gegenseitigen Bewerfen“. Im Österreichischen hat sich zudem die Bedeutung von Konfetti als Süßigkeiten erhalten (vgl. Pfeifer, Bd. 2, S. 894, a.a.O.).

[9] Kascha ist ein Brei, insbesondere aus Buchweizengrütze.

 

Flandrische Fastnacht
Flandrische Fastnacht

Fastnacht (Abb. aus Timmermans, S. 99, a.a.O.)

Römischer Karneval - Moccoli
Römischer Karneval - Moccoli

Moccoli im Römischen Karneval (Abb. aus Liebig’s Sammelbilder 1897, www.goethezeitportal.de/index.php?id=3068)