Nyepi, balinesisch-hinduistisches Neujahrsfest; nach der balinesischen Saka-Ära Beginn des Jahres 1938 (78 Jahre hinter der Gregorianischen Jahreszählung)

 

Drei Tage vor Nyepi finden auf Bali (und bei anderen hinduistischen Gruppen in Indonesien) vielerorts Melasti-Zeremonien statt: Traditionell gekleidet ziehen viele Gläubige bei Sonnenaufgang rituell zum Meeresufer (oder zu einem See oder Wsserlauf), wo dem Gott Barong Opfergaben dargebracht werden, Früchte, Süßigkeiten, Blumengestecke etc. Barong-Schreine werden – von bunten Schirmen beschattet – ans Meeresufer getragen. Der löwengestaltige Gott gilt als Oberster der wohltätigen Geister und als solcher vertreibt er die bösen Dämonen unter ihrer Königin Rangda. Als heilig angesehene Figuren und Objekte werden mit Wasser gereinigt  und kehren dann in ihre Tempel zurück.

Am Vorabend des Nyepi-Festes finden überall auf Bali exorzistische Rituale statt: In möglichst lautstarken Prozessionen ziehen Tausende mit Gamelan-Musik und z. T. riesigen Ogoh-Ogoh-Figuren (aus Pappmaché) durch die Orte, um böse Dämonen zu vertreiben: Die Figuren haben „… spitze Krallen und Teufelshörner, Affengebisse und Schlangenzungen. Der mythische Vogel Garuda breitet seine Schwingen aus, hinter ihm kämpfen gute Geister gegen Verwünschungen böser Zauberer. Tödliche Waffen und gigantische Brüste sind im Spiel, und wenn es dunkel wird, dann blinken in den schrecklichen Gesichtern funkelnde Augen wie glühende Köhlen, Viele Stunden dürfen sie sich austoben, die ganze Nacht lang gefeiert von einer riesigen Menschenmenge, und gehen dann im Morgengrauen in Flammen auf“, - denn das neue Jahr soll „rein und unbelastet“ beginnen (zit. „Tagesspiegel“, 17. Januar 2016, S. R1).

Der Neujahrstag Nyepi selbst ist dann allerdings ein Tag der Stille, niemand darf arbeiten, ein Tag des Fastens und der Meditation. Man soll das Haus nicht verlassen. Es ist ein Tag – von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends -  ohne Musik, es gibt keinen Auto-, Flugzeug- und Fährverkehr, die Radios und das Fernsehen senden nicht, man darf kein offenes Feuer entzünden. 

Die Strände sind an diesem Tag leer, denn auch das Baden oder Surfen von Touristen ist an diesem Tag verboten. Auf die Einhaltung der der Nyepi-Verhaltensgebote achtet die traditionelle Religionspolizei, die Pecalang, gekleidet in schachbrettartig schwarz-weiß-gemusterte Sarongs, angetan mit dem Kris, dem malayischen Dolch. Die Pecalang sind die einzigen, die zu Nyepi die Häuser verlassen.

In ganz Indonesien ist Nyepi ein allgemeiner Feiertag. 

 

(veränderlich, nach dem balinesisch-hinduistischen Mondkalender, am 1. Tag des 1. Mondmonats Kasa; immer am Tag nach dem Neumond bei der Tag-und-Nacht-Gleiche, ca. im Gregorianischen März; oft zusammenfallend mit dem indischen Ugadi). 

 

 

 

© Christian Meyer