21. Dezember 2013

 

(Volksislamischer) großer Magal (i.e. Treffen, Wallfahrt) 1434 nach Touba im Senegal

 

Schon seit dem 8. Jhdt. begann die langsame Islamisierung Westafrikas [1]. Sie verlief meist friedlich, durch das Vorbild nordafrikanischer Spezialisten an den einheimischen Königshöfen und durch muslimische Kaufleute, die sich in Westafrika ansiedelten. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. So stammten z. B. die Almoraviden aus dem Gebiet nördlich des Senegal – Flusses. Sie gingen aus muslimisch gewordenen Teilen der Lamta hervor, eines nomadisierenden Tuareg – Stammes. Die Almoraviden waren in „zelotischem“ Eifer auf die „Reinheit“ des Islams bedacht. Sie eroberten im 11. Jhdt. nicht nur ganz Nordwestafrika und große Teile Spaniens, sondern besiegten auch das „heidnische“ Ghana und erreichten auf ihren Zügen den mittleren Niger. So leiteten ihre militärischen Kampagnen die Islamisierung des westlichen und mitteleren Sudan ein. Damals, im 11. Jhdt. traten afrikanische Muslime erstmals in Konkurrenz zu den arabischen in Nordafrika.

Bis heute gibt es in Westafrika regional eine Symbiose von islamischen und traditionellen afrikanischen Vorstellungen und Praktiken [2] . Der Islam (wie auch phasenweise das Christentum) passte sich der afrikanischen Umwelt an und verlangte nicht, mit den traditionellen religiösen Vorstellungen von Magie, Geisterglauben und Ahnenkult zu brechen, sondern „…. stellte diese Vorstellungen unter die allumfassende Macht Allahs“ (vgl. Museum für Völkerkunde, Führungsblatt 221, 7, a.a.O.).   

Bis in die jüngste Vergangenheit war der „… afrikanische Islam …. seit Jahrhunderten dadurch gekennzeichnet, dass er bei weitem toleranter und liberaler war als in den arabischen Ländern“ (vgl. Böhler, S. 127, a.a.O.).

Der französische Einfluss in Westafrika setzte 1659 ein mit der Gründung der Stadt St. Louis [3] an der Senegalmündung.  Durch den immer stärker aufkommenden (christlich -) europäischen Kolonialismus erlangte der Islam seit spätesten dem 19. Jhdt. in Westafrika eine antikoloniale Konnotation.

Immer wieder versuchten islamische Bruderschaften unter ihren als „Heiligen“ verehrten Scheichs politische Macht zu erlangen; so z.B. El Hadji Omar Tall (vom Stamme der Tukulör oder Tekror am unteren Senegal [4]), der sich in den 50er Jahren des 19. Jhdts. zum „Kalifen des Sudan“ machte. Er war ein führendes Mitglied der Tidjaniyya – Bruderschaft. [5] Omar erklärte den Ungläubigen den Djihad, sowohl den „Heiden“ als auch den Franzosen. Im Jahre 1860 wurde Omar von französischen Kolonialtruppen besiegt (vgl. Semjonow, S. 280 ff.). Seine Anhänger glauben bis heute, Omar sei nicht gestorben sondern entrückt worden.

Auch Omars Sohn Ahmadou kämpfte zu Beginn der 90er Jahre des 19. Jhdts. vergeblich gegen die französischen Kolonialherren und starb 1898 vereinsamt.

Im Jahre 1857 erfolgte die Gründung Dakars, 1864 wurde Senegal wird offiziell französische Kolonie. Im Jahre 1885 wurde die bald darauf verlängerte Eisenbahnstrecke Dakar - Saint Louis eingeweiht.

In den 80er und 90er Jahren des 19. Jhdts. brachen die Franzosen zudem den Widerstand der verbliebenen afrikanischen Staaten Westafrikas, so 1886 Cayor, 1890 Fouta – Toro und 1894 Baol.

Im Jahre 1895 wurde die Kolonie Französisch – Westafrika geschaffen, deren Kern der Senegal bildete.     

Scheich Ahmad Bamba Mbacke (oft auch Ahmadou; eigentlich: Ahmad Ibn Muhammad Ibn Habiballah, ca. 1854-1927), eine der bedeutenden Gestalten des afrikanischen Islams im 19. Jhdt., gründete im Jahr 1887 (oder 1883) die Bruderschaft der Muridiyya, eine relativ junge Sufi-Bruderschaft, die sich insbesondere auf dem Wege der Nachfolge des Lebens des Propheten Muhammad sieht.

Zuvor war der Scheich nach einer traditionellen theologisch – islamischen Ausbildung - wie schon sein Vater - Mitglied verschiedener anderer Sufi-Orden, wie z.B. der Qadiriyya, der Tidjaniyya und der Shadhiliyya gewesen. Die Muridiyya betont weniger eine rationale oder strenge Auslegung des Korans, sondern eher die Emotionalität des Gläubigen, sowie Heiligenverehrung und Wunderglaube.

Der Scheich war jedoch auch politisch interessiert und wandte sich engagiert gegen die französische Kolonialmacht wie auch gegen die christliche Missionierung. Die Widerstandsform des Scheichs war jedoch friedlich und ohne Gewalt und sollte sich auf dem Wege der Erziehung und Bewusstseinsbildung vollziehen.

Von dem frommen Scheich wurden allerlei Wunder erzählt und er hatte immer mehr Zulauf. Deshalb befürchteten die französischen Kolonialbehörden neuen Aufruhr, auch der Scheich könne zum Djihad aufrufen.

So wurde der Scheich am 10. August 1895 (i.e. der 18. Tag  des Mondmonats Safar des Jahres 1313 nach der Hedschra) auf Befehl des Administrators von St. Louis, Leclerc, von französischen Truppen gefangen genommen. Nach der Vorstellung der Gläubigen gab Gott damals dem Scheich denselben Befehl, den er den Gläubigen schon am Tage der Schlacht von Badr (624) gegeben hatte: „O ihr, die ihr glaubt, so ihr auf die schlachtbereiten Ungläubigen stoßet, so wendet ihnen nicht den Rücken“ (Sure 8, V. 15), d.h. flieht nicht.

Der Scheich [6] flüchtete nicht und wurde im September des gleichen Jahres nach Gabun deportiert. Vorbeugend wurde der "Meister von Touba" verbannt, in Gabun soll er der Legende nach, "sieben Jahre, sieben Monate und sieben Tage"verbracht haben. "Ich wurde wie die Sonne", schrieb er, das heißt: erleuchtet von Gott (vgl. Taheri, a.a.O.). In Gabun verbrachte er die ersten Jahre seines insgesamt 33jährigen Exils. In dieser Zeit verfasste er eine große Anzahl von Schriften, die bei seinen Anhängern bis heute hochgeschätzt werden (vgl. http://www.touba-internet.com/). Die Verbannung machte aus dem Heiligen einen Helden. Als er in die Heimat zurückkehrte, wurde er wie ein Erlöser empfangen. "Für die Mouriden", urteilte Kadim Mbacké [7], "ist Amadu Bamba heiliger als der Prophet selbst" (vgl. Taheri, a.a.O.).

 

Die jährliche große Pilgerfahrt nach Touba erinnert an Verfolgung und Exil des Scheichs. Die Wallfahrt in das senegalesische Touba [8] ist eines der größten religiösen Feste des Senegal. Hunderttausende (hauptsächlich) afrikanische Muslime nehmen an ihr teil. Im Jahre 1998 kamen ca. 1,5 Mio. Pilger zu dem Magal (vgl. Taheri, a.a.O.). Ziel der Pilger ist vor allem die große Moschee von Touba, die größte Moschee „Schwarzafrikas“, des subsaharischen Afrikas. Erbaut wurde sie 1963 von einer koreanischen Firma aus Marmor und viel Gold sowie unter der grünen Hauptkuppel dem Mausoleum des Scheichs Ahmad Bamba und seiner Nachfolger an der Spitze der Muridiya. Das Hauptminarett der Moschee ist 87m hoch. Touba (das „schwarze Mekka“) ist heute eines der wichtigsten religiösen Zentren des Senegal und der Sitz der Muridiyya [9]. Die "Kaaba der Mouriden" ist jedoch keine Zierde islamischer Baukunst (vgl. Taheri, a.a.O.)..

 

Freiwillige bereiten den Magal vor, die Bereitstellung von Unterkünften, Gratisverpflegung, den Aufbau von Großzelten etc.

Die Feierlichkeiten des Magal [10] erstrecken sich über drei Tage, wobei der zweite Tag der Höhepunkt des Magal ist: Im Zentrum stehen Gebete, Rezitationen des Korans und von Schriften des Scheichs. Am zweiten Tag wird traditionell der gesamte Koran von allen Teilnehmenden gemeinsam rezitiert: Dabei sitzen die Pilger in Kreisen zusammen und lesen bzw. singen den Koran (arab. „die Lesung“) mit leiser oder lauter Stimme (vgl. Seesemann, a.a.O.).

Auch Angehörige der Muridiyya, die nicht nach Touba fahren [11] können, finden sich zu dieser Zeit in ihrer jeweiligen Heimat zusammen, um den Magal gemeinsam zu feiern.

Touba ist heute ein Staat im Staate, selbst die Ordnungskräfte stellt die Muridiyya. Geistliches und organisatorisches Oberhaupt der Bruderschaft ist der „Khalife général“, gegenwärtig der greise Sohn des 1927 verstorbenen Scheichs, Abdou Lahat Mbacké. Die Familie Mbacké ist alleinige Inhaberin der geistlichen Ordensmacht, der Titel des Khalife général vererbt sich in der Familie, möglichst von dem Vater auf den Sohn.

Gegenwärtig ist der „Muridismus“, neben den Tidjianiyya, die größte religiöse Strömung im Senegal. Der Orden ist im Senegal auch politisch sehr einflussreich, ca. 33 % der Senegalesen sollen der Muridiyya angehören.

Der Neffe des gegenwärtigen Khalife général – ein bedeutsamer Mann in der Bruderschaft – versuchte die politische Bedeutung des Ordens herunter zu spielen: „In Senegal beschränken wir uns auf die spirituellen Aspekte und sind gegenüber anderen Religionen tolerant; ein Marabut ist Verbindungsglied zu Gott, nicht aber zur Politik“ (vgl. Willmer, a.a.O.).

Die Marabouts (Einsiedler) sind traditionellen Medizinmännern ähnlich, sie versuchen den Gläubigen Orientierungshilfen zu geben, Ratgeber zu sein. Sie sind jedoch auch Heilkundige, produzieren und segnen Amulette, Knochenketten und andere „Fetische“.

 

Insbesondere viele jungen Senegalesen begeistern sich für die Vorstellungen Scheich Amadou Bambas und leben zeitweise als „Mbaye Fall“, als Nachfolger Ibrahima Falls.

 

Ein wichtiges ideologisches Element der Muridiyya ist das von Scheich Amadou Bamba geförderte Arbeitsethos (manche meinen: die  Arbeitsmystik). Der Scheich sah in der Arbeit ein wichtiges Moment des antikolonialen Kampfes und einen Faktor des eigentlichen Djihad, des Kampfes gegen sich selbst.

Die Bruderschaft entwickelte rasch die landwirtschaftliche Produktion und wurde reich. Vor allem die durch die europäische Nachfrage geförderte Produktion von Erdnüssen (Arachis hypogaea) wuchs rapide an, auch durch die Arbeit und die Investitionen der Bruderschaft. Während der Erntezeiten arbeiten viele „Mbaye Fall“ freiwillig, als religiöse Pflicht z.B. auf den Erdnussfeldern der Muridiyya und ihrer Marabuts.

Auch die frühere Kolonialmacht Frankreich förderte die Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion auf den Erdnussanbau. So erwirtschaftete der Senegal in manchen Jahren 80% seiner Staatseinnahmen aus dem Erlös von Erdnüssen. Diese Monokultur ist jedoch den periodischen Dürren weitgehend ausgeliefert. Im muslimischen Westafrika, im Sahel, gibt es ein spezielles Regengebet: „Oh Gott, der du die Ozeane mit Wasser füllst, mach unser Land wieder fruchtbar. Melke Regen vom Himmel für die leidenden Moslems“ (vgl. „Spiegel“, Nr. 34/1973, S. 64).

Der aus Mali stammende Philosoph Amadou Hampate Ba charakterisierte schon 1981 den Umsturz der Agrarstrukturen in Afrika, „… der an die Stelle von Nahrungskulturen die intensive Entwicklung agroindustrieller Exportkulturen gesetzt hat. Die Menschen leiden Hunger neben Feldern, deren Ertrag ins Ausland verkauft wird. Und mit den dadurch gewonnenen Devisen kaufen wir dann Getreide. Dabei könnten wir es, wie früher, selbst produzieren“ (Hampate Ba, S. 13, a.a.O.).

An Dürre, Überweidung, Desertifikation und Degradation hat sich auch in der Zeit seit der Unabhängigkeit Senegals wenig geändert. Erster Staatspräsident wurde der in Jaol geborene Dichter Léopold Senghor, der Theoretiker der Négritude, des neuen afrikanischen Humanismus, der 1968 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

Überall in den Städten Senegals sieht man „Mbaye-Fall“; sie sind aufgrund ihrer charakteristischen bunten Umhänge leicht erkennbar. Sie ziehen trommelnd und singend durch die Straßen und bitten um eine Spende für die Muridiyya. Besonders auf der Insel Gorée  [12], einem heutigen Zentrum des Tourismus, sind die Mbaye-Fall stark vertreten (vgl. http://www.teranga.net/land/touba_haupt.htm).

 

Ein heutiges prominentes Mitglied der Muridiyya ist Scheich Saliou Mbacké, Koordinator der Interreligiösen Initiative für Frieden in Afrika (IFAPA). Er nahm u.a. an dem ersten Friedensgipfel und den Gesprächen in Mauretanien zwischen den VertreterInnen verschiedener Religionen teil.

Die Magal – Wallfahrten 2004 und 2005 waren überschattet von der Cholera [13], die vielleicht von Touba ausging. Im März 2005 kam es wöchentlich im gesamten Senegal zu ca. 3500 Neuerkrankungen an Cholera. Bis zum Mai ging die Zahl auf wöchentlich ca. 500 zurück. Aber es gab auch eine große Anzahl von Choleratoten. Gemeldete Cholera-Fälle im Senegal bis zum 6.6. 2005:

 

Jahr

Erkrankungen

Todesfälle

2004

1131

10

2005

11721

141

 

(vgl. http://www.bueger.de/wn2_einzel/Senegal.htm)

 

(variabel nach dem islamischen Mondkalender, am 18. Tag des 2. Mondmonats, Safar, 48 Tage nach dem Beginn des islamischen Jahres)

 


 © Christian Meyer



[1] Im Jahre 2000 waren knapp 95% der Senegalesen (sunnitische) Muslime, ca. 5% (v.a. katholisch) Christen (vgl. FWA 2001, S. 725).

[2] Im Gegensatz zu z.B. dem Islam oder dem Christentum kennt die Religion der Afrikaner keine Missionierung, „…. sie ist mit dem Volkstum so verwachsen, dass ein Einweihen Fremder in die magischen Zusammenhänge als Verrat an der eigenen Sache, als Gefahr für den eigenen Weiterbestand. Gesehen wird“ (vgl. Museum für Völkerkunde, Führungsblatt 221, 7, a.a.O.). 

[3] Seit 2002 steht St. Louis, die alte Kolonialhauptstadt – sie wurde 1958 durch Dakar ersetzt – auf der Liste des UNESCO – Weltkulturerbes.

[4] Von den ca. 10 Mio. Senegalesen im Jahre 2000 gehörten ca. 11% zu den Tukulör (vgl. FWA 2001, S. 725).  

[5] Die Tidjaniyya – Bruderschaft wurde 1781/82 von dem aus Süd-Algerien stammenden Marabut Sidi Ahmad Tidjani in Folge einer Vision gegründet. Im Senegal ist Tivaouane, in der Region von Thiès, die heilige Stadt der Tidjaniyya. Der Orden ist heute berühmt für seine Zahlenmystik. Ahmad Hampate Ba (ca 1900 - 1991), der in Abidjan/ Elfenbeinküste lebte war der bedeutende jüngere Ordensmeister der Tidjaniyya. Der Orden ist vor allem in Afrika verbreitet, kleine Gruppen finden sich auch in Europa und Amerika.

Der heutige senegalesische Außenminister Scheich Tidiane Gadio (seit 2001) soll dem Orden nahe stehen.

[6] Im Gegensatz zu anderen angesehenen Ordensgründern und Scheichs behauptete Scheich Ahmadou Bamba nie, genealogisch mit dem Propheten Muhammad verbunden gewesen zu sein. Außer durch eine „mystische Kette“ sei er nicht etwa durch scherifische Abkunft mit dem Propheten verbunden. Vielen seiner Anhänger aber gilt der Scheich als „schwarze Inkarnation“ des Propheten Muhammad (vgl. Willmer, a.a.O.).

[7] Kadim Mbacké hat in Paris Islamwissenschaft studiert und ist mit dem Ordensgründer verwandt.

[8] Die als heilig angesehene Stadt Touba wurde 1887 von Scheich Ahmadou Bamba und seinen engsten Mitarbeiter Ibrahima Fall gegründet. Sie liegt in der Savanne quasi im Zentrum des Senegal (15°52 westlicher Länge, 14°52 nördlicher Breite) und liegt 193 km östlich von Dakar, ist 47 km von Diourbel und 7 km von Mbacké entfernt. 1998 hatte Touba ca. 150 000 ständige Einwohner (vgl. Taheri, a.a.O.)

[9] Bis heute führt die Familie der Mbacke das Vermächtnis Scheich Ahmadou Bambas fort und beansprucht die „spirituelle Führung“ der Muridiyya.

[10] Die jährliche Wallfahrt nach Touba gilt – der Orthodoxie widersprechend - in Kreisen des afrikanischen Volksislams sogar als Ersatzwallfahrt für jene, die nicht an der Wallfahrt nach Mekka fahren können.Vermutlich entstand der Gedanke daraus, dass die Hadj traditionell als durchgeführt gilt, wenn eine eindeutige Absichtserklärung vorliegt.

[11] Über die Wallfahrt nach Touba gibt es einen älteren, sehenswerten  Dokumentarfilm mit dem Titel "Pilgerfahrt zum Grand Magal", Senegal, 1962, Regie: Blaise Senghor.

[12] Gorée, eine kleine Insel 3 km südwestlich von Dakar, war bis zur Abschaffung des Sklavenhandels 1818 das westafrikanische Zentrum des hochprofitablen Dreieckshandels (vgl. Pope – Hennessy, a.a.O.). Durch vor allem englische, französische und niederländische Händler wurden von Gorée aus ca. 20 - 25 Mio. schwarze Sklaven verschifft. Ein großer Teil, ca. 20% von ihnen überlebte bereits die Überfahrt nach Amerika nicht (vgl. „Die Zeit“, Nr. 25/1993, S. 47). Allerdings wurde im Mai 1787 auch in England, wo im 18. Jhdt. die reichsten und skrupellosesten Sklavenhändler lebten, das erste Komitee gegen die Sklaverei gegründet. 1807 verbot das britische Parlament den Sklavenhandel. Als letztes europäisches Land verbot 1830 Portugal den Sklavenhandel, die USA folgten im Jahre 1865.

In Gorée blieb das „Sklavenhaus“ erhalten, die Insel gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Comic – Serie „Die Reisenden im Wind“ von François Bourgeron (a.a.O.) thematisiert eindrucksvoll den Sklavenhandel.

[13] Die Cholera ist eine „Armutskrankheit“, ca. 33% der senegalesischen Bevölkerung lebte im Jahre 2000 unter der Armutgrenze (vgl. FWA 2001, S. 727).