Die obige Abb. zeigt ein Element der „Teppiche“ zum Fronleichnamsfest von Orotava aus dem Jahr 2015: Links ist Don Bosco im Kreise der Salesianer dargestellt, sein Geburtstag jährte sich zum 200. Male.

Auf der rechten Seite ist die Auferweckung von Jairus Tochter dargestellt, Jesus mit einem Jünger im Hause Jairus (vgl. Mk 5,35-43 und Lk 8,49-56; die Episode endet mit de aramäischen Worten „Talita kum“).

Im Zentrum befindet sich ein Ausschnitt aus einem Gemälde von Juan Bautista Maino (1569 - 1648), das Original hängt heute im Prado. Dargestellt sind die Pfingstgeschehnisse: Maria, Maria Magdalena und die Apostel, die den Heiligen Geist empfangen.  

Fronleichnam

 

Christlich - katholisches Fronleichnamsfest (lat. „Corpus Christi“ oder „Corpus Domini“), offiziell „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, regional auch Prangertag oder Blutstag genannt,

 Feiertag u.a. in Baden - Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein - Westfalen, Rheinland - Pfalz, Sachsen (teilweise), Saarland, Thüringen (teilweise), Österreich, Portugal, der Schweiz (teilweise) und Spanien.

 

Der deutsche Name Fronleichnam kommt vom mhd. „vronlicham“  -  ‘heiliger Leib des Herrn’  („vron“ = göttlich, vgl. auch Frondienst), einem Ausdruck für die geweihte Hostie,  den in katholischer Sicht eucharistischen Leib Christi.

Das Fest nimmt das Gedächtnis  des Abendmahls am Gründonnerstag unter ‘österlich-freudigem’ Vorzeichen auf. Das nichtbiblische Fest wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich gefeiert, unter Papst Urban IV. (1264) eingeführt und 1311 auf die ganze (katholische) Kirche ausgedehnt.

Der  Anstoß zur Begründungung des Fronleichnam - Festes war eine Vision von Juliana von Lüttich im Jahre 1209. Die (später heiliggesprochene) Augustinerin erblickte den Mond, der an einer Stelle durch einen Fleck verdunkelt gewesen sei.  Christus habe ihr dann erklärt – so die Visionärin -, der Mond sei das strahlende christliche Kirchenjahr – verdunkelt aber sei sei es durch das Fehlen eines Festes des Altarsakraments.

Für den Papst gab es allerdings eine andere Motivation für die Einführung des Festes. Aus der Einführungsbulle „Transiturus hoc mundo“ geht hervor, dass  Urban IV. als vorrangigen Einführungsgrund des Festes den Sieg über die „Ketzerei“ ansah, die die Transsubstantiationslehre [1] abgelehnt  hatte.

 

Das „Lauda Sion“ (lat. „Lobe Zion“) ist die „Sequenz“ (d.h. der hymnische Gesang in der  Liturgie) des Fronleichnamfestes [2]. Der lateinische Text wurde ca. 1264 von Thomas von Aquin verfasst. Der Text bezieht sich auf die während des  4. Laterankonzils dogmatisch festgelegte katholische Eucharistielehre.

Das „Lauda Sion“ wird bis heute in der Fronleichnamsmesse vor dem Evangelium gesungen.  Vertont wurde der Text von Thomas von Aquin u. a. von Orlando di Lasso, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Bis ins 18. Jhdt.  war das „Lauda Sion“ auch in lutherischen Gemeinden verbreitet.  Vielfach wurde es „als musica sub communione“ während des Abendmahls oder am Gründonnerstagsgottesdienst gesungen. Vertonungen gibt es protestantischerseits u. a. von Dietrich Buxtehude (BuxWV 68).

 

Charakteristisch sind für viele katholische Regionen der Bundesrepublik Flurbittgänge über die Felder und durch die Dörfer, bei denen die Monstranz mit dem „Leib Christi“ mitgeführt wird. Vermutlich wurden die Prozessionen aus vorchristlichen Traditionen übernommen. In Bayern sind die ältesten Fronleichnamsprozessionen bereits für das 13. Jhdt. nachgewiesen.

Bis heute handelt es sich bei den bayerischen Prozessionen um prunkvolle Veranstaltungen, mit Fahnen, die Häuser und Kirchen werden oft gechmückt.

Zum Teil gibt es auch Fronleichnamsprozessionen mit  Kostümierungen  nach Gestalten aus dem AT/NT, Gestalten der Heiligenlegenden oder Kirchengeschichte bzw. allegorische Figuren.

Aus Bayern zur Zeit Orlando di Lassos ist eine Episode anlässlich einer Fronleichnamsprozession überliefert, die von der Musikzeitschrift „Gala“ als Bildergeschichte gestaltet wurde.

 

In den ebenfalls jährlichen städtischen Fronleichnamsprozessionen sehen viele katholische Priester eine Art Glaubensbekenntnis auf offener Straße: das Sakrament der Eucharistie wird gefeiert, die Gegenwart Jesu in der zum Leib Jesu gewandelten Oblate, der Hostie. Sie wird in einem oft kostbaren Gefäß, der Monstranz, für alle sichtbar, durch die Straßen getragen.

Vor allem während des Kulturkampfes, aber auch z.B. in der DDR war die Fronleichnamsprozession auch eine Art politisches Bekenntnis. Die katholische Tradition sieht in Fronleichnam eine Selbstvergewisserung des Gläubigen.

In der Stadt La Orotava auf Teneriffa werden seit dem 19. Jhdt. zur Fronleichnamsprozession auf der zentralen Plaza del Ayuntamiento aus vielfarbigem Vulkansand und Blütenblättern Bilderteppiche geschaffen, aufwändige Blütenmotive, Ornamente, Heiligenfiguren etc. Die Ergebnisse dieser kunstvollen Sandmalerei sind allerdings von nur vergänglicher Schönheit, denn die Prozessionsteilnehmer schreiten über sie hinweg.

Einen guten Eindruck von der Entstehung und Schönheit der Sandteppiche vermittelt das nahegelegene Museo de las Alfombras (span. „Teppiche“), in dem auch Photos ausgewählter Bilderteppiche ausgestellt sind.

 

Anlässlich des 600. Jahrestages des Fronleichnam-Festes erhielt Felix Mendelssohn Bartholdy im April 1845 von dem Belgier Henri Magis den Auftrag für die Vertonung der Fronleichnamssequenz „Lauda Sion“. 1846 wurde das Lauda Sion für Soli, Chor und Orchester op. 73 (MWV A 24) in St. Martin zu Lüttich uraufgeführt. Es ist die einzige katholische geistliche Komposition von Mendelssohn.

 

(variabel nach der Osterberechnung, immer an dem zweiter Donnerstag nach Pfingsten, dem Donnerstag nach Dreifaltigkeit/Trinitatis, 60. Tag nach dem Ostersonntag; damit fällt Fronleichnam frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni,  immer genau zwei Monate nach Karsamstag. Der erste Donnerstag nach der Osterzeit als Fronleichnamstermin knüpft an den Gründonnerstag an. Dieser eigentliche Gedenktag des  „Abendmahls“ war aber wegen der Passionszeit für  prunkvolle Festlichkeit ungeeignet. )

 

© Christian Meyer



[1] Ideologische Voraussetzung des Festes war von daher das 4. Laterankonzil, das die Wandlung von Brot und Wein in der Eucharistie durch die Transsubstantiationslehre zum Dogma erhoben hatte. Bis heute glauben fromme Katholiken, dass in der Messe Brot und Wein „wahrhaft“ zum Leib und Blut Christi werden, und Christus in ihnen gegenwärtig sei.

In der Folge kam es vielfach zu (angeblichen) Hostienwundern. Ein solches soll z.B. 1263 Peter von Prag (einem zweifelnden böhmischen Mönch) während einer Wallfahrt nach Rom widerfahren sein. In Bolsena soll, als er beim Abendmahl die Hostie brach, aus ihr Blut auf den Altar getropft sein - die Hostie war – wunderbarerweise -  zum blutenden Leib Christi geworden.

[2] Das „Lauda Sion“ ist eine der fünf Sequenzen, die auch nach dem Konzil von Trient (1545–1563) noch in der katholischen Liturgie erhalten blieben.