... Abb.: Der Schrein mit einer Silbervergitterung im Inneren der Imam-Husain-Moschee in Kairo, unter dem sich Husains Kopf befinden soll.

(Abb aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Al-Hussein_Mosque)

 

Geburt Imam Husseins – „Maulud Sayyidna Husain“ -  des Sohnes von Ali und Fatima und Enkels des Propheten Muhammad, des 2. Imams der Zwölfer-Schia.

 

Durch den als Martyrium angesehenen Tod Husseins in Kerbala 680 (vgl. Aschura) erwarb er in v.a. der schiitischen Welt ein enormes Ansehen. Aber auch z.B. im überwiegend sunnitischen Kairo wird er zumindest lokal hoch verehrt.  

 Die Saijidna al-Hussein Moschee (auch: Imam-Husain-Moschee) liegt im Basarviertel Kairos, nahe dem Hussein-Platz [1] und an der Scharia Husseiniy .Nahebei findet man die Azhar-Moschee, auch gibt es in der Nähe ein Hussein-Hotel.

Die jetzige Moschee zu Ehren des Prophetenenkels wurde 1792 über einem älteren Gotteshaus aus der Fatimidenzeit  in neugotischem Stil mit osmanischen Minaretten errichtet.

Die Moschee wird im Ramadan reich geschmückt und von vielen Gläubigen frequentiert. Direkt vor der Moschee wurden drei riesige Schirme montiert, die an Feiertagen elektronisch geöffnet werden, um Schatten den Besuchern zu bieten, die in der überfüllten Gebetshalle keinen Platz mehr finden.

 

Der Schädel des im Jahre 680 bei Kerbala gefallenen Hussein („Raous [Kopf] -us-Husain“) soll im Mausoleum neben der eigentlichen Moschee im Boden unter dem hochverehrten Schrein in einem silbernen Sarg begraben worden sein. Der als heilig angesehene Schrein zieht viele v.a. schiitische Pilger an. Die (schiitischen) Fatimiden sollen 1154 den Schädel vor den Kreuzfahrern gerettet und nach Kairo gebracht haben.    

Allerdings soll das Haupt Husains auch an sechs anderen Orten aufbewahrt werden, u.a. im Imam-Husain-Schrein in Kerbala und  in der Omajaden-Moschee in Damaskus. Möglich ist, dass die Fatimiden aus politischen Gründen eine wichtige schiitische Reliquie in ihre Hauptstadt bringen wollten.

In einem Nebenraum der Moschee werden verschiedene Reliquien aufbewahrt, u.a. zwei (angebliche) Barthaare des Propheten Muhammad.

 

Der 1947 erstmals veröffentlichten Roman „Die Midaq-Gasse“ von Nagip Machfus (1911-2006), dem bislang einzigen arabischsprachigen Literaturnobelpreisträger [2], spielt in der gleichnamigen Gasse [3] im Kairoer Basarviertel, dem „Husain-Viertel“ (Machfus, 1991, S. 136, a.a.O.), nahe der Husain-Moschee.

Die besondere Verehrung, die viele der (sunnitischen) Bewohner der Gasse dem Prophetenenkel entgegenbringen, zeigt sich nicht nur darin, dass einige Anwohner die Moschee zum Gebet aufsuchen (Machfus, 1991, S. 58, a.a.O.), ihn dort um Hilfe bitten (Machfus, 1991, S. 179, a.a.O.), sondern auch in den zahlreichen Anrufungen des Imam Husain im Alltagsleben, die Machfus in dem Roman benutzte. So z.B  …

  • „… bei unserem Herrn Husain“ (Machfus, 1991, S. 56, a.a.O.)
  • „Beim Leben Husains, der dieses Viertel hier gesegnet zu haben scheint“ (Machfus, 1991, S. 108, a.a.O.).
  •   „Möge Husain mein Zeuge sein, denn er kennt meine geheimsten Gedanken“ (Machfus, 1991, S. 109, a.a.O.)  
  • „Bei Husain, dem Großvater und Herrn von Husain, schwöre ich, dass ich es ehrlich meine“ (Machfus, 1991, S. 109, a.a.O.)
  • „… mit dem Segen von al-Husain“ (Machfus, 1991, S. 137, a.a.O.)
  • „… so wie Hasan und Husain großes Unrecht geschehen ist“ (Machfus, 1991, S. 146, a.a.O.)
  • „Bei unserem Herrn Husain beschwöre ich Sie, Platz zu behalten“ (Machfus, 1991, S. 255, a.a.O.).

Um Erfolg für Vorhaben zu gewährleisten besuchen manche Anwohner das al-Husain-Viertels - hier eine wohlhabende Frau - „… die Husain-Moschee und spendete dem Heiligen Geld. Den Armen, die zu ihm gekommen waren, spendete sie eine warme Fleischbrühe, und dem heiligen Scha’rani [4] weihte sie außerdem vierzig Kerzen“ (Machfus, 1991, S. 216, a.a.O.).

In dem Roman von Machfus war die Husain-Moschee ein wichtiger Treffpunkt der organisierten Bettler des Viertels (z.B. vgl. Machfus, 1991, S. 75, a.a.O.). .

Nagip Machfus erwähnt auch die Verehrung der „Heiligen Frau“, Fatimas, der Mutter Husains, die in dem Viertel um die Midaq-Gasse herrschte (vgl. Machfus, 1991, S. 339, a.a.O.). 

 

(variabel nach dem islamischen Mondkalender am 3. Tag des 8. Monats Shaban; in Kairo, v..a  im al-Husain Viertel und der Imam Husain Moschee wird die Maulud Sayyidna Hussein am 24. Tag des 3. Monats Rabi al-Nauwal gefeiert)

 

© Christian Meyer

[1]  Ein großes jüdisches Zigaretten-Unternehmen am al-Husain-Platz wurde während der antibritischen Revolution in Kairo 1919 angezündet und in Schutt und Asche gelegt (vgl. Machfus, 1991, S. 188/198, a.a.O.).

[2] Seiner politischen und weltanschaulichen Einstellungen wegen bekämpften ägyptische Islamisten Nagip Machfus. Nach Mordaufrufen wurde er 1994 vor seiner Haustür von einem Islamisten niedergeschossen. An den Folgen der Verletzungen litt Machfus bis zu seinem Tode im Jahre 2006.  

[3] Die namensgebende Midaq-Gasse in Kairo gibt es wirklich, auch heute noch. So begaben sich die ZEIT-Autorin Cornelia Gerlach im Jahre 1994 auf „die Suche nach dem Kairo des Literatur-Nobelpreisträgers Nagib Machfus“ oder der Schweizer Komponist und Ägyptologe Rudolf Jaggi (1940-2015) und wurden fündig: Die Midaq-Gasse befindet sich in der Nähe der Ahzar-Moschee, direkt am Suq al-Muski/Gohar-al-Qa'id. Unweit der Rückseite der Barsbay-Moschee, „ …gegenüber dem Stand eines Parfum-Händlers, findet man den Eingang zur Zuqaq al-Midaqq. Die Gasse selbst ist viel kleiner, als man sie sich bei der Lektüre des Romans vorstellt: ein kurzer Durchgang führt zu einer Art Hinterhof“ (Rudolf Jaggi,in: Kemet, H. 3/99, S. 73). Allerdings ist  sie ohne Erinnerungen an Machfus und den Roman-Welterfolg: „Der literarische Ruhm ist ihr schnuppe. Die Gasse tut, als hätte es Machfus nie gegeben“ (vgl. Cornelia Gerlach, a.a.O.).

[4] Abd al-Wahhāb ibn Ahmad asch-Schaʿrānī (1491 - 1565) war ein ägyptischer sozial engagierter Sufi und Historiker des Sufismus. Besondere Verehrung brachte er al-Chisr entgegen (vgl. Hidrellez). 

 

Hz. Hussein; iranisches Abziehbild, das ich im Sommer 1971 im Basar von 

Teheran erwarb.