Carshema Sor, Roter Mittwoch“, Neujahr der Yeziden [1], im Gegensatz zum säkularen Neujahrsfest „Sersal“ (am 13./ 14. Januar) und dem traditionellen gemein-kurdischen „Roten Mittwoch“ am letzten Mittwoch vor Newroz.
Das Carsemba Sor Fest stellt für die Eziden den höchsten religiösen Feiertag dar.

 

 

Die Yeziden feiern das religiöse Neujahrfest zu Ehren des Engels Melek Ta’us (auch Taus î Melek oder Tawus, Engel Pfau), der z.T. gleichgesetzt wird dem  Erzengel Gabriel.

Dieses Fest wird auch Roter Mittwoch genannt. An diesem ersten April - Mittwoch - so glauben die Yeziden - habe sich Gott dem Engel Melek Ta’us- geoffenbart und dieser habe ihn als Gott anerkannt. Gott beauftragte ihn nun, die Erde samt aller ihrer Lebewesen zu erschaffen,  die Erde für Mensch und Tier bewohnbar zu machen und verlieh ihm die Macht über Leben und Tod auf der Erde. Alljährlich kommt Tausi-Melek am Roten Mittwoch zur Erde, um den gläubigen Menschen, Frieden, Gesundheit und Wohlstand zu bringen. Der Monat April ist deshalb bei den Yeziden ein heiliger Monat, in dem kein Haus gebaut und keine Hochzeit gefeiert werden darf. Den Monat April wird so auch „Die Braut des Jahres“ (auf kurdisch: Bûka Salê) genannt.

An diesem als heilig angesehenen Mittwoch gehen viele yezidische Jungen und Mädchen zu nahegelegenen Gebirgswiesen und holen frische Aprilblumen. Damit schmücken sie die Tür ihres Hauses, und zwar in Form dreier kleiner Kugeln.
Auch werden an diesem Tag Eier bunt gefärbt und bunte Baumwollgarne geflochten, welche die Eziden um das Handgelenk tragen.

 

Der schweizer in Nord-Kurdistan spielenden Film „Die Schwalbe“ (Regie: der kurdischstämmige Mano Khalil, mit Ismail Zagros und Manon Pfrunder, 2016) Wurde am 3. März 2017 um 20.15 auf ARTE gesendet….

 

In einer kurzen Episode des Films besucht Mira, die schweizerisch-kurdische weibliche Hauptfigur des Films auf der Suche nach ihrem Vater die Stadt Lalesch (auch Lalisch), in der gerade das Neujahrfest der Yeziden stattfindet. Der Heiligkeit des Ortes wegen zieht sie die Schuhe aus, die vielen Pilger tragen Lichter.

 

 

(variabel, nach dem Assyrisch-yezidischem Kalender am ersten Mittwoch im Monat April, das ist nach dem Gregorianischen Kalender der Mittwoch ungefähr in der Mitte des Aprils)

 


© Christian Meyer

 


[1] Der Name „Yezidi“ (auch: Êziden) bedeutet „die an Gott glauben“, von Ezdai, Yezdan = der Schöpfer, Gott, abgeleitet. Die Yeziden nehmen von sich selbst an, die älteste Religion der Welt zu haben.

Obige Abbn. Yezidisches Heiligtum bei Eriwan/Armenien (Photos: Christian Meyer, November 2016)

 

Die Photos zeigen das Yezidische Sanktuarium („Ziarat“ [2]) beim Dorf Aknalich, westlich von Eriwan, bislang der einzige in Armenien.  Es wurde im Jahre 2012 erbaut und am 29. September 2012 mit einer feierlichen religiösen Zeremonie eingeweiht. Jedes Jahr am 29. September findet in dem Sanktuarium eine Gedächtniszeremonie statt („Ziarat-Tag“).

 

Das Gebäude hat die charakteristische Gestalt aller yezidischen Tempel, mit einer spitzen Kuppel und 13 sich nach oben verjüngenden Säulen.

 

Im Inneren befinden sich in Aknalich ein Altar hinter dem eine Abbildung des zentralen Heiligtums in Lalisch ins Auge fällt, sowie eine Skulptur des Engels Pfau (vgl. obere Abbn.) 

 

Auf dem Gelände der Sanktuariums befindet sich auch ein Armenisch-Yezidisches-Freundschaftsmemorial.

 

Außerdem befindet sich auf dem Gelände ein weiteres yezidisches Heiligtum im Bau, das 2017 fertiggestellt werden soll und das größte yezidische Heiligtum der Welt werden soll.  

 

In der Republik Armenien lebten 2011 knapp 40 000 Yeziden, zumeist Flüchtlingen aus dem Osmanischen Reich während der Völkermorde von 1915/16.

 



[2] Der Begriff „ziyarah“ bedeutet im Arabischen soviel wie „Besuch“, im Sinne einer Pilgerfahrt zu einer religiösen Wallfahrtsstätte; außerdem bezeichnet er auch den Ort oder die Gebäude des Wallfahrtszieles. Im Türkischen lautet der Begriff  gleichbedeutend „ziyaret“, im Persischen „ziyarat“.