Aus dem türkischen DIYANET-Kalender
Aus dem türkischen DIYANET-Kalender

 

Mevlid - Geburt des Propheten Muhammad

 

Arab. „Maulid an-nabi“; trk. „Mevlid kandili“ oder gecesi, Veladet kandili des muslimischen Mondjahres; Geburtstag des Propheten Muhammad (ca. 570 - 632). Im Türkischen wird das Fest des Geburtstages des Propheten Muhammad Mevlid Kandili genannt. Dieser Name stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie Feier des Geburtstages.


In der Nacht zum 12. Tag des Monats Rabi'ul-Awwal (des 3. Mondmonats des islamischen Mondkalenders) um das Jahr 570 wurde in Mekka der islamische Prophet Muhammad geboren. Nach dem Gregorianischen Kalender fallen alle islamischen Feiertage immer auf wechselnde Tage, die jährlich um 10 bis 11 Tage nach vorne wandern.

Auf vielen Kalendern in mehrheitlich muslimischen Ländern sind deshalb zwei Daten angegeben, das des Gregorianischen Kalenders und das des muslimischen Ritualkalenders. Der Geburtstag des Propheten Muhammad fiel im Jahre 1983 auf die Nacht vom 16. zum 17. Dezember

 

Zu dieser Geburt und schon der Empfängnis gibt es eine Unzahl muslimischer Legenden.

So soll Amina, die Mutter des Propheten, in der Nacht der Empfängnis gehört haben, wie die Tiere im Lager, Kamele und Schafe, sich untereinander erzählten, welches große Ereignis gerade eben stattgefunden habe (vgl. Beltz, 1979, S. 142). Auch sollen in derselben Nacht in der Kaaba die „Götzenbilder“ gebebt haben und dann umgestürzt sein.

Bei der Geburt habe - heißt es - der Engel Gabriel der Amina Hebammenhilfe geleistet.

In der Nacht der Geburt - nach dem Gregorianischem Kalender der Tradition gemäß in der Nacht vom 19. zum 20. April 570 - habe im Himmel ein großes Jubelfest geherrscht: Die Geburt Muhammads wurde gefeiert. Auch die „Geister der Finsternis“, die Dämonen und Dschinns bemerkten das himmlische Fest. Sie versuchten die Ursache der geheimnisvollen Fests zu ergründen und schlichen zur Pforte des Himmels. Jedoch erschienen die Erzengel an den Himmelstoren und warfen große, brennende Fackeln nach den „bösen Geistern“. Die Menschen aber hätten - heißt es in der Legende - die Fackeln gesehen und sie Sternschnuppen genannt. Früher glaubten deshalb manche Muslime, dass immer dann, wenn eine Sternschnuppe zu beobachten sei, böse Geister vor der Himmelspforte vertrieben würden (vgl. Essad Bey, a.a.O., S. 65f.).

Auch in der Nacht der Geburt Muhammads fielen die „Götzenbilder“ in der Kaaba von ihren Sockeln. In Persien soll - einer arabischen Sage nach - in der Nacht der Geburt des Propheten das ewige Feuer, das seit Jahrhunderten brannte, erloschen sein. In der sassanidischen Hauptstadt Ktesiphon soll in dieser Nacht der Königspalast von Schah Husrav I. Anoscharvan eingestürzt sein: nur 14 Säulen blieben stehen, entsprechend der Zahl der sassanidischen Herrscher bis zur Eroberung duirch die Muslime. Tatsächlich war Jazdkart III., der letzte Sassanide, der 14. Herrscher nach Husrav I. (vgl. Klíma, S. 200/201, a.a.O.).

Sofort nach der Geburt habe sich der Säugling Muhammad rituell zur Erde geneigt und klar und deutlich das Gebet gesprochen.

 

Obwohl das Fest Mevlid Kandili heute sehr weit verbreitet ist, kommt es in den wichtigsten Quellen des Islams, dem Koran und den Hadithen nicht vor. Es wurde sicher in den ersten Jahrhunderten nach Muhammads Tod nicht gefeiert – hier ganz sicher ähnlich dem christlichen Weihnachten.

Die ersten Berichte über Feiern zum Geburtstag des Propheten stammen erst aus dem l1. Jhdt.: Berichtet wird u.a. über Wallfahrten zu dem Geburtshaus Muhammads in Mekka. Bald darauf jedoch scheint sich das Fest in vielen mehrheitlich muslimischen Ländern zu einem wahren Volksfest weiterentwickelt zu haben: In den Tagen vor dem Fest traten Gaukler, Schattenspieler etc.  auf, es wurden Lichterprozessionen veranstaltet, die Feiernden beschenkten einander etc..Sultan Murat III. (Regierungszeit: 1574 – l595) führte das Mevlid Kandili-Fest offiziell im Osmanischen Reich ein. Das Mevlid Kandili erfreute sich hier einer derartigen Beliebtheit, dass es im Jahre 1910 als offizielles Nationalfest des Osmanischen Reiches eingeführt wurde. A1s solches wurde es in der Zeit der Reformen Atatürks jedoch wieder abgeschafft.

In Persien soll die Tradition der Mevlid-Gedichte entstanden sein, von denen es heute hunderte verschiedene gibt. Diese Gedichte werden zum Mevlid Kandili vorgetragen, in Moscheen oder auch in Privathäusern. Vorgetragen werden die Mevlid-Gedichte von Solisten, die manchmal auch von einem Chor begleitet werden. In den Gedichten wird legendenhaft die Geburt, das Leben, die Tugenden und Taten des Propheten Muhammad verherrlicht.

Das in der Türkei heute wohl beliebteste Mevlid-Gedicht stammt von dem berühmten türkisch-osmanischen Theologen und Dichter Süleyman Çelebi, der in Bursa lebte und begraben ist (gest. ca. 1420). Er ist der früheste Dichter, von dem ein auf Türkisch verfasstes Gedicht erhalten und bis heute bekannt und beliebt ist.

Süleyman Çelebis einzig berühmtes Werk ist das „Mevlid Nabi“, das „Lobgedicht auf den Propheten“, das er ca. 1410 in Bursa vollendete.

Çelebis Lobgedicht umfasst 600 Doppelverse in 18 Abschnitten. Unter anderem wird die 'Wanderung des göttlichen Lichts' über die Propheten Adam, Nuh (Noah) etc. bis schließlich zu Muhammad beschrieben. Es berichtet desgleichen über die Wunderzeichen, die der Geburt des Propheten Muhammads vorausgegangen sein sollen, die Freude der Engel, die volkstümlichen Wunder: Die Mondspaltung durch den Propheten, die Annahme, sein Körper werfe keinen Schatten oder Rosen wüchsen, wohin sein Atem fällt. Beschrieben werden auch seine Himmelsreise (vgl. Miradsch), schließlich Krankheit und Tod des Propheten.

In vielen Moscheen und Privathäusern der Türkei werden auch heute noch zum Mevlid Kandili Lobgedichte auf den Propheten feierlich vorgetragen, daneben beschenkt man sich, v.a. mit Süßigkeiten. Der oder die Vortragende genießt („Mevluthan“) genießt besonderes Ansehen. Während der Rezitation der Mevlid - Gedichte wird zu Hause auch Weihrauch oder anderes Räucherwerk [1] (trk.tütsü" = Räucherwerk) verbrannt. Oft geschieht dies in speziellen Räuchergefäßen aus Metall (trk. „tütsülük").

Desgleichen wird an bestimmten, als besonders heilig angesehenen Stellen während der Rezitation des Mevlid-Gedichtes oft Rosenwasser (trk. "gülsuyu") aus einem besonderen runden Gefäß mit einem langen schlanken Hals auf die Hände der Teilnehmer gesprüht. Rosen gelten als gesegnete Blumen, so soll der Schweiß des Propheten Muhammad wie Rosenwasser geduftet haben

Anlässlich jedes Kandils (Festabende wie Mevlid, Miraç etc.) gibt es feierliche abendliche Veranstaltungen in vielen Moscheen, mit Rezitationen aus dem Koran, Ilahis und Mevlid-Dichtungen werden vorgetragen. In der Türkei werden auch religiöse Dichtungen von z.B. Yunus Emre rezitiert.

Die Rezitation der Mevlid-Dichtungen wird an bestimmten Stellen durch laute Allah-Rufe der Zuhörer unterbrochen. Während einer Passage reichen sich die Zuhörer die Hände zum Friedensgruß, anschließend streicht man (in der Türkei) dem Nachbarn mit der Hand sanft über  den Rücken, so wie die Berührung durch die heilende Hand der Fatima.

Gegen Abschluss der Veranstaltungen werden an die Besucher in kleinen Tüten "Mevlid Şekerli"  verteilt, verschiedene Süßigkeiten und Bonbons. Manche Kinder kommen erst zur Verteilung der Süßigkeiten in die Moschee...

Heute werden solche Veranstaltungen - bei denen Männer und Frauen in den Moscheen getrennt sitzen - natürlich vom Fernsehen in Kandil - Sondersendungen übertragen. So übertrug der türkische Sender TGRT  im Jahre 2002 am Miraç-Abend (3. Oktober 2002) einen Zusammenschnitt aus mehreren Moscheen in der Türkei.

Zu allen Kandils (wie zum Opferfest und im Fastenmonat Ramadan) werden die Minarette der Moscheen festlich beleuchtet.

In Indien ist der Tag als „Milad - ul - Nabi“ ein muslimischer Feiertag.

Überall in der muslimischen Welt genießt der Prophet v.a. im Volksislam eine hohe Verehrung. Maltzahn berichtet z.B. über im Niltal herrschende Vorstellungen. Nördlich von Amarna liegt in Ägypten der „Dschebel et–Ter“ (Vogelberg), wo sich jährlich die Vögel versammelten und eine Deputation wählten, die dem Propheten Muhammad „Salam“ sagen solle. Die Vogeldeputation überwintere dann deshalb dort, während die anderen Vögel weiter in den Süden zögen (vgl. Maltzahn, S. 38, a.a.O.).

 

In Ostafrika ist Maulud, der Geburtstag des Propheten Muhammad, ein fröhliches Fest, eine Art „Weihnachten der Muslime“ (vgl. Wiedemann, S. 17, a.a.O.). Die wahabitischen Gruppen in Tansania (u.a. auf Sansibar) verurteilen die Feiern: Der Prophet selbst pflegte seinen Geburtstag nicht zu feiern, deshalb sollte es auch heute niemand tun.

 

In Algerien z.B. wird dieser Tag als ein geselliges Familien- und Kinderfest gefeiert. Überall werden Kerzen aufgestellt, in den Moscheen finden während der ganzen Nacht besondere Betstunden statt. Jungen, die den Koran auswendig hersagen können (Hafis) bekommen Geschenke, im Fernsehen gibt es Sonderprogramme zu Leben und Wirken des Propheten Muhammad.

 

In Tunesien z.B. wird zum Mevlid Kandili die Assida, ein Kuchen aus Grieß und Öl, mit Honig oder Rahm gebacken.

In Marokko werden anlässlich des Geburtstagsfestes des Propheten Muhammad auch heute noch große Lichterprozessionen veranstaltet, von denen besonders die in Salé berühmt ist.

Allerdings lehnen ebenfalls bis heute sehr strenge Muslime, z.B. in Saudi-Arabien das Mevlid Kandili als verbotene religiöse Neuerung ab!

Das genaue Datum des Festtages ist zwischen den muslimischen Richtungen umstritten.

 

Geburt von Nafisa at-Tahira [2]  (ar. ‏السيدة نفيسة الطاهرة)    ‎

 

Nafisa war eine Tochter von Hasan al-Anwar bin Zaid bin Ali bin al Husain bin Ali, sie stammte nach der Überlieferung sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits vom Propheten Muhammad ab. Ihre Mutter, Sayyida Sukaina, war eine Tochter von Husain bin Ali, dem Enkel des Propheten (und 3. Imam der 12er Schia). Ihr Vater, al-Hasan al-Anwar, war eine Sohn von Zayd al-Ablaj und ein Enkel von Hasan bin Ali (dem 2. Imam), einem Sohn von Ali (dem 1. Imam) und Fatima, der Tochter des Propheten. Väterlicherseits war Nafisa also eine Ur-Ur-Ur-Enkelin des Propheten.

 

Nafisa wurde um 760 n. Chr. (145 n. d. H.) in Mekka geboren (angeblich am Geburtstag des Propheten Muhammad).  Mit fünf Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Medina, da ihr Vater (150 n.d.H.) zum dortigen Gouverneur des abbasidischen Kalifen ernannt worden war. 

Schon als Kind begann Nafisa den Koran und das islamische Recht zu studieren. Mit 16 Jahren heiratete sie ihren Cousin Ishaq al-Mu’tamin und hatte zwei Kinder.

Im Alter von 44 Jahren ging Nafisa nach Fustat (nahe dem heutigen Kairo).

 

Nafisas ganzes Leben ist von vielerlei wundersamen Legenden umrankt: So soll sie in Askese (ar. „zuhd“) gelebt und  alle Tage gefastet haben, bis auf die zwei jährlichen Hauptfeiertage. Nur in jeder dritten Nacht soll sie überhaupt etwas gegessen haben.  

Sie soll dreißigmal die Hadj vollzogen haben, oft demütig zu Fuß. Als sie das Grab Abrahams besuchte, soll  er ihr in einer Vision erschienen sein und sie ermahnt haben, besser auf ihre Gesundheit zu achten und sich beim Beten zu mäßigen.

Viele Ägypter verehrten sie und kamen, um ihren Segen zu empfangen. Zudem unterrichtete Nafisa  islamisches Recht und Koranexegese. Unter ihren Studenten soll auch der berühmte asch-Schāfiʿī (767 – 820) gewesen sein, der Begründer der schafitischen Rechtsschule (dem auch Symapthien für die Aliden nachgesagt werden). Als asch- Schāfiʿī einst krank wurde, schickte er – der Überlieferung nach - einen Boten zu Nafisa: Ihre Fürbitte machte ihn, berichtet die Legende, wieder gesund.

Von Nafisa wurden unzählige Wunderlegenden auch aus der Zeit nach ihrem Tode berichtet. Berühmt ist die wundersame Heilung eines querschnittgelähmten jüdischen Mädchens durch das Wasser von Nafisas ritueller Waschung. Die Familie des Mädchens trat dankbar zum Islam über. 

Als im Jahr 816 die normale Nilflut ausblieb, übergab sie Gläubigen ihren Gesichtsschleier, auf dass er in den Nil geworfen werde: der Nil begann daraufhin sofort anzusteigen.  

Als Nafisa ihren Tod nahen fühlte, grub sie der Tradition nach eine Grabhöhle in ihrem Haus, wo sie zuletzt sitzend lebte. Schließlich soll sie 199 Mal den Koran rezitiert haben und bei dem Wort „rahma“ ( „Barmherzigkeit“; nach isla­mischem Gottesverständnis zu der herausragenden Eigenschaft Gottes) gestorben sein. In der Höhle wurde sie auch begraben und viele Ägypter trauerten um sie.

 

Nafisa starb 824 in Fustat, Kairo wurde erst 969 von den Fatimiden gegründet. Die Dynastie führte ihren Stammbaum auch auf den Prophetenenkel Hussein und damit auf Fatima zurück.

Die Fatimiden ließen für Nafisa auf dem Friedhof südlich des Berges al-Muqattam (damals vor der Stadt Kairo)  eine Grabmoschee (qubba) errichten, die - mehrfach umgebaut - noch heute von vielen Pilgern besucht wird.

Der bedeutende Reisende Ibn Battuta, der 1325/26 Kairo besuchte, schrieb über Nafisa: „Sie war eine Frau, deren Gebete erhört wurden und die großen Eifer in ihrer Andacht zeigte. Das Grabmal ist von feinem Bau und strahlendem Glanz“ (Battuta, Bd. I, S. 39, a.a.O.).

Nafisa wird bis heute  als eine Art (volksislamische) Schutzpatronin der Stadt Kairo verehrt.

Aus dem Jahre 1940 wurde ein Wunder Nafisas berichtet. Der Herrscher des  Kaschmir hatte der Grabmoschee Nafisas einen kostbaren Kaschmir-Schal gestiftet, der nächtens von einem Dieb entwendet wurde. Allerdings vermochte er in der Folge nicht die Tür der Grabesmoschee zu finden und wurde am nächsten Morgen der Polizei übergeben  (vgl. http://www.sunnah.org/history/Scholars/nafisa_at_tahira.htm).

 

(Das Datum der Geburt des Propheten Muhammad ist variabel nach dem islamischen Mondkalender, für sunnitische Muslime am 11./12. Tag des 3. Monats Rabi I - Rabi al-Awwal  - Rebiyülevvel; gefeiert wird am Abend zum nächsten Tag; nach schiitischer Tradition wurde der Prophet am 17. Tag des gleichen Monats geboren; nach christlich - orientalischer Tradition wurde der Prophet Muhammad am 15. Tag des Mondmonats Muharram des Jahres 571 geboren, dies Datum entspräche im Jahre 2000 dem 20. April.

Der Überlieferung nach wurde Nafisa at-Tahira  am Geburtstag des Propheten Muhammad, oder eine Tag zuvor am 11. Rabi al-Awwal  geboren. Im Jahre 2015 gibt es – wegen der Kürze des muslimischen Mondjahres das Mevlid-Fest zweimal, noch einmal nämlich am 22./23 Dezember 2015, bzw. 1437 n.d.H). )

 
© Christian Meyer



[1] Räucherwerk wird auch bei muslimischen Beerdigungen verbrannt, während die Angehörigen die Leiche des Verstorbenen waschen. Auch bei verschiedenen „volksislamischen" Ritualen, wie bei der Weihe von Amuletten, Besprechungen, Talismanen gegen den „bösen Blick" etc. wird oft in Räuchergefäßen Weihrauch verbrannt.

[2]At-Tahira“ bedeutet im Arabischen „die Reine“.