Chanukka - Hebräisch
Chanukka - Hebräisch
Die Makkabäer
Die Makkabäer

 

 

 

 

 

 

Chanukka - Leuchter

Karte des Makkabäer-Reiches
Karte des Makkabäer-Reiches

Abb. Makkabäer-Reich; Karte aus Keller, 1955, S. 323, a.a.O.

 

 

 

 

 

Chanukka - Tafel (Abb. aus Dolezalová, S. 108, a.a.O.)

1. Tag des jüdischen Chanukka – Festes, des achttägigen Lichterfests 

 

Das Fest („Chanukka“ bedeutet "Neueinweihung", "Wiedereröffnung" [1]) erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem an diesem Tage, nach dem Sieg der Makkabäer 165/64  v. Chr.. Chanukka gehört  - wie Purim - zu den nachexilischen „Jamim towim“ ( = Feiertagen). Chanukka gilt als einer der Halb-Feiertage, die nicht auf ein Gebot der Thora, sondern auf historische Ereignisse  zurückgehen.

 

Während der ersten Phase der Diadochen–Herrschaft gehörten ganz Palästina und Judäa zum Ptolemäischen Reich [2]. Die Juden erfreuten sich einer weitgehenden Selbstverwaltung einschließlich völliger religiöser und kultureller Freiheit.

An der Spitze der Selbstverwaltung stand der Hohepriester, dessen Macht durch den Sanhedrin [3], eine Art Senat und gleichzeitig auch das Oberste Gericht, begrenzt war. Der Hohe Rat und der Hohepriester waren dem Hof in Alexandria (später in Antiochia, dem heutigen Antakya) rechenschaftspflichtig (vgl. Kreißig, S. 148, a.a.O.).           Der Grad der Selbstverwaltung ist jedoch unklar. Im ägyptischen El–Fajum fand man das Papyrus–Archiv des ptolemäischen Offiziers Zeno, der zur Zeit des Ptolemäus II. Philadelphus In Palästina/Judäa diente. In den Papyri Zenos findet sich kein Hinweis auf eine Selbstverwaltung (vgl. Narkiss, S. 45, a.a.O.).  

Das judäische Gemeinwesen blühte auf, die Bevölkerung wuchs und viele Juden migrierten in die benachbarten hellenisierten Gebiete [4] .

Der griechische Philosoph und Geograph Strabon (aus Amaseia, ca. 63 – 20 v. Chr.) schrieb bereits, dass „dieser Stamm“ (die Juden) in jeden Staat eingedrungen seien und es schwierig sei, einen Ort zu finden, an dem sie sich nicht aufhielten und dominant würden.    

Um 200 v. Chr. eroberten die Seleukiden–Heere unter König Antiochus III. („dem Großen“, auch „dem Edlen“, reg. 223 – 187 v. Chr.) im 5. Syrischen Kriege das südliche Syrien, einschließlich Judäas: die ptolemäische Oberhoheit wurde durch die seleukidische ersetzt. Antiochus III. war anscheinend dem Judentum freundlich gesonnen.

Das änderte sich v.a. unter Antiochus IV. Epiphanes = („der offenbare Gott“ [5] ; 175 – 163 /64 v. Chr.), dessen Zoll- und Steuereinnehmer das Land zunehmend aussaugten. Bis zu einem Drittel der Ernte betrug die steuerliche Belastung. 

Unter ihm „.. wurde auch die Vergabe des Hohenpriester-Amtes ein einträgliches Geschäft“ (Kreißig, S. 185, a.a.O.). Jedoch waren die ersten Edikte des Königs nicht speziell anti – judäisch, sondern betrafen alle Bewohner des Seleukiden–Reiches, - aber nur einige Judäer wehrten sich.

Vor allem aber begann Antiochus IV. den rigiden Versuch einer homogenisierenden Hellenisierung Judäas, was den Widerstand der traditionellen Gläubigen, der Chassidim hervorrufen musste. „….alle sollten zu einem Volke werden und jedes seine Gebräuche aufgeben … und wer dem Gebote des Königs nicht nachleben würde, der sollte sterben..“ (1. Makk 1, 44 f).    

Hellenistischer Einfluss zeigte sich z.B. in der Sprache. Viele Diaspora–Juden begannen Griechisch als Muttersprache zu sprechen. Ins Hebräische bzw. in das schon seit dem 4. Jhdt. vorherrschende Aramäische wurden griechische Begriffe entlehnt, z.B. Sanhedrin oder den bis heute im Hebräischen benutzten Begriff „Apikoros“ (= Epikuräer), für unzüchtige und unmoralische Menschen (vgl. Dimont, S. 86, a.a.O.), aber auch für „Skeptiker, Freidenker, Häretiker“. 

Die Schärfe des Kulturkampfes zeigt sich auch in ethnozentristischen Haltungen, die bei jüdischen Autoren der hellenistischen Zeit nicht selten waren; viele glorifizierten die jüdische Kultur und behaupteten, sie sei die älteste der Welt. Einige sahen Juden auch als die Lehrer der anderen Völker und leugneten umgekehrt die Beeinflussung des Judentums durch die „Heiden“.

Um 150 v. Chr. meinte der jüdische Autor Eupolemus, Abraham sei einer derjenigen gewesen, die die Sintflut überlebt hätten; er  hätte die Stadt Babylon errichtet. Mose – meinte Eupolemus gleichermaßen – sei der früheste Philosoph überhaupt gewesen, er hätte die Schrift erfunden und sie den frühen Griechen beigebracht.

Um 100 v. Chr. schrieb ein Jude namens Artapanus ein Buch „Über die Juden“, in dem er behauptete, Mose habe die ägyptische Zivilisation begründet, und u.a. die Kulte des Apis und Ibis eingeführt.

Ein weiterer jüdischstämmiger Autor namens Cleodemus (oder Malchus) behauptete, dass zwei Söhne Abrahams den griechischen Heroen Herakles auf seinen Expeditionen nach Afrika begleitet hätten und der Heros eine Enkelin Abrahams geheiratet hätte ( vgl.. Frank E. Smitha, 1998, www.fsmitha.com/h1/ch17.htm).

 Der Einfluss der griechischen Philosophie, das freie Denken und die damalige „globalisierte“ hellenistische Lebensart wurde von vielen armen orthodoxen Gläubigen v.a. auf dem Lande an sich bereits als eine Bedrohung gesehen. Umgekehrt gab es jedoch eine mächtige Gruppe von Anhängern der Hellenisierung, v. a. unter dem wohlhabenden städtischen Adel Judäas. Tendenziell waren die sozialen Unterschiede identisch mit den kulturellen, die städtisch–wohlhabenden Schichten entsprachen wohl den hellenistisch – orientierten Kreisen (vgl. Narkiss, S. 45, a.a.O.).

Als „… Antiochus der Edle fing an zu regieren im 137. Jahr des griechischen Reiches [6] ... und Jason [7] das Priesteramt kriegte, gewöhnte er alsbald seine Leute an der Heiden Sitten ...“ (1. Makk, 1,11).  Sportwettkämpfe nach griechischer Art, u.a. insbesondere das Diskuswerfen, waren unter den judäischen Jugendlichen höchst beliebt.

Die Makkabäer–Bücher berichten z.B. um die Auseinandersetzungen um ein „Gymnasion“ oder Sport–Stadion (Luther übersetzt „Spielhaus“): „Gerade unter der Burg baute er (Jason) ein Spielhaus und verordnete, dass sich die stärksten jungen Gesellen darin üben sollten. Und das griechische Wesen nahm also überhand durch den gottlosen Hohenpriester Jason, dass die Priester des Opfers und des Tempels nicht mehr achteten, sondern liefen in das Spielhaus und sahen, wie man den Diskus warf und andere Spiele trieb“ (2. Makk 4, 10, 12 – 14).

Bei der Beurteilung dieser sportlichen Betätigungen muss berücksichtigt werden, dass die Spiele – getreu dem olympischen Vorbild – völlig nackt betrieben wurden. Die Athleten dürften ihren Körper nur mit einer dünnen Ölschicht bedecken (vgl. Keller, 1955, S. 317, a.a.O.). Die Nacktheit aber galt damaligen frommen Juden als charakteristisches Merkmal der „heidnischen“ Fruchtbarkeitsgöttinnen.

Zudem befand sich das Stadion, das der Hohepriester Jason errichten ließ, direkt am Saum des Tempelberges, im „Tal der Käsemacher“ (Tyropöon), wie Flavius Josephus berichtet. Beides musste auf  die Chassidim als Affront erlebt werden. 

Hinzu kam noch, dass der Nacktheit wegen jüdische Wettkämpfer entgegen den Bestimmungen des Gesetzes „… die Beschneidung nicht mehr“ einhielten (1. Makk 1,10). Bei der Teilnahme an Wettkämpfen außerhalb Judäas scheint den beschnittenen Sportlern soviel Hohn, Spott und sogar Abscheu entgegen geschlagen zu sein, dass einige in einem chirurgischen Eingriff Abhilfe suchten, der den unbeschnittenen Zustand optisch wiederherstellte (vgl. Keller, 1955, S. 318, a.a.O.).

Schließlich waren die hellenischen Spiele allesamt kultische Spiele, die „heidnischen“ Göttern, wie Apollo oder Zeus geweiht waren und allein schon deshalb von den Chassidim streng verurteilt werden mussten. 

Vorübergehend wurde die Stadt Jerusalem auf Bitten hellenistischer Kreise unter Jason sogar rechtlich in eine griechische Polis mit dem Namen Antiochia umgewandelt (vgl. Narkiss, S. 46, a.a.O.). 

Die damaligen Auseinandersetzungen der Judäer mit dem Hellenismus, einem „heftigen Kulturkampf“ (Vries, S. 103, a.a.O.), schlugen sich auch in den überlieferten Märchen nieder, in den das Motiv des Wettstreits zwischen Jerusalem und Athen mehrfach auftritt (z.B. in „Der einäugige Sklave“ oder „Der verspottete Spötter“, vgl. Kanner, S. 127, a.a.O.).

Antiochus IV. Epiphanes nahm fälschlich an, er könne den Zeus – Kult in Judäa leicht durchsetzen, denn in den östlichen Regionen des Seleukiden–Reiches wurde bereits von einigen jüdischen Gemeinden Jahwe und dem Namen „Zeus Sabazion“ verehrt.

 

Der erste schwere Zusammenstoß erfolgte, als während eines Feldzugs des Antiochus nach Ägypten in Jerusalem das Gerücht entstand, die Armee des Königs sei vernichtend geschlagen worden: die Partei der Chassidim (der „Frommen“) erhob sich, ihre Anhänger besetzten Jerusalem, den Tempel und warfen hellenisierte Priester und deren Götterstatuen von der Tempelmauer herab.

Der König war jedoch gar nicht besiegt, er kehrte 168 v. Chr. nach Jerusalem zurück und nahm Rache: mehr als 10 000 Einwohner der Stadt sollen dabei den Tod gefunden haben (vgl. Dimont, S. 89, a.a.O.).  Antiochus ließ sogar den Tempel plündern: „Da raubte er mit seinen unreinen Händen die heiligen Gefäße und alles, was die anderen Könige zum Tempel gegeben hatten zu Schmuck und Zierde, das raffte er mit seinen sündigen Händen hinweg“ (2. Makk 5,16). Auch Polybios merkte in seiner vierzigbändigen „Weltgeschichte“ an, Antiochus IV. habe „… die meisten Heiligtümer beraubt“ (zit. n. Keller, 1955, S. 319, a.a.O.).

 König Antiochus IV. Epiphanes strebte zur Stärkung des Staates eine „religiöse Gleichschaltung des Seleukidenreiches“ (Koch, S. 38, a.a.O.) an. Im Jahre 169 bereits ließ er mit Gewalt ein Standbild des olympischen Zeus im Tempel zu Jerusalem aufstellen und dessen Kult am 25. Tag des Monats Kislew einführen. Der Tempelleuchter wurde gelöscht und die geweihten Ölvorräte geplündert. Nach Flavius Josephus ließ Antiochus IV. Epiphanes Schweine auf dem Altar des Tempels in Jerusalem opfern.  

„Antiochus sandte auch Briefe gen Jerusalem und in alle Städte Judas, darin er gebot, dass sie der Heiden Gottesdienst annehmen sollten“ (1. Makk 1, 46). Auf die Ausübung jüdischer Riten wie die Sabbatheiligung, das Tempelopfer, die Beschneidung (Brit Mila) stand nun die Todesstrafe, die Befolgung der Gebote der Thora wurde 167 verboten. Es gab jedoch viele Gläubige, „... die ließen sich lieber töten, denn dass sie sich verunreinigten“ [8] (1. Makk 1, 6).

Auch jüdische heilige Schriften wurden in dieser ersten systematischen Religionsverfolgung der Geschichte zerrissen,  verbrannt, vernichtet [9] .

Unter der Führung der Familie der Hasmonäer aus Modein (auch Modin, heute: El-Midje, nahe Lod, ca. 28 km nordwestlich von Jerusalem, an der alten Straße nach Jaffa) erhob sich der Widerstand der Chassidim gegen die religiöse Unterdrückung. Als die seleukidischen Soldaten 167 nach Modein kamen, um die dortigen Gläubigen zu zwingen, „.. von Gottes Gesetz abzufallen und zu opfern und zu räuchern“, weigerte sich der alte Priester Mattathias nicht nur beharrlich. Als er vielmehr einen Juden sah, der das „heidnische“ Opfer vollzog, „… entbrannte sein Eifer um das Gesetz. Und er lief hinzu und tötete bei dem Altar den Juden und den Hauptmann des Antiochus und warf den Altar um“ (1. Makk 2, 1-25) – das wurde das Signal zum Aufstand der Makkabäer.

Die Familie von Mattathias (Mattitjahu) und seinen fünf Söhnen [10] stammte aus dem niederen Priestertum. Die soziale Basis des ca. dreißigjährigen blutigen Freiheitskampfes aber war die Schicht der freien Kleinbauern [11], die sich „…. Gegen die doppelte Ausbeutung durch die Seleukiden und die eigene herrschende Schicht erhoben“ (Kreißig, S. 185, a.a.O.).

 

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 167/166 vor Christus übernahm der dritte Sohn, Jehuda HaMakkabi (Judas Makkabäus [12]), als charismatischer Führer und Kriegsheld den Befehl über die gesetzestreuen jüdischen Freischärler, die sich im Kampf gegen die Religionsverfolgung der Seleukiden und gegen die innerjüdische hellenistische Reformpartei in die Berge zurückgezogen hatten.

Schon seit ca. 174 v. Chr. führten judäische Guerilleros in den Bergen einen blutigen Kleinkrieg gegen die  seleukidische Herrschaft und den hellenisierten judäischen Adel. Die Hasmonäer fassten die einzelnen Guerilla – Gruppen zusammen und schufen ein schlagkräftiges Heer, das die Seleukiden in mehreren Schlachten besiegen konnte. 

Anfangs hatten die Aufständischen der Sabbatheiligung wegen große Verluste, bis eine Sonderregelung auch den Kampf am Sabbat gestattete (vgl. Narkiss, S. 48, a.a.O.).

Judas Makkabäus gelang es schließlich 165/164 siegreich in Jerusalem einzuziehen. Dort ließ er das entweihte Heiligtum reinigen, neu weihen und den Opferdienst restituieren  (1. Makk. 4, 34 - 59). Zusätzlich betrieben die Makkabäer zeitweise eine diplomatisch kluge Politik zwischen den streitenden seleukidischen Thronprätendenten.

Der Sohn des Epiphanes, Antiochus V. Eupater (163/162 v. Chr.) sammelte ein großes Heer mit einem Kriegselefanten-Korps mit dem er den Makkabäern in der Elefantenschlacht bei Beth – Zacharia eine schwere Niederlage zufügen konnte. Aber wegen interner Konflikte waren die Seleukiden zu einem Friedensschluss bereit, der die Edikte des Epiphanes von 167 aufgehoben hätte und freie Religionsausübung zusicherte (1. Makk 6, 30 f, 58 f).

Über die Freiheit der Religionsausübung hinaus strebten Judas und die anderen Makkabäer nun auch die politische Unabhängigkeit an. Dies führte zu einer internen Spaltung der jüdischen Befreiungsbewegung, denn nicht alle Gruppen trugen das makkabäische Streben  nach der politischen Macht mit. In auch innerjüdischen Kämpfen schloss Judas Makkabäus  einen Bündnisvertrag mit Rom. Im April 160 v. Chr. kam es zur Schlacht bei Eleasa (oder Elasa, Lage unbekannt) gegen den seleukidischen Feldherrn Bacchides. Die römische Armee griff trotz des Bündnisses nicht ein. Die Schlacht, in der Judas sein Leben verlor, ging für die Makkabäer verloren. Begraben wurde Judas Makkabäus in Modein.

Der Kampf aber ging weiter. Der jüngste Bruder Jonathan übernahm nun die Führung der makkabäischen Aufständischen.

Ein Zentrum der militärischen Auseinandersetzungen war die Festung Beth – Sur (auch Beth – Zur), zwischen Jerusalem und Hebron gelegen. Bei Ausgrabungen durch die US–amerikanischen Archäologen W.F. Albright und O.P. Sellers 1931 fand man in Beth – Sur nicht nur viele Münzen aus der Zeit der Könige Antiochus Epiphanes und Antiochus Eupater. Neben Überresten aus mehreren Befestigungsperioden fand man auch Spuren des Kantinenbetriebs für die seleukidische Besatzung: ein Weinhändler aus Rhodos muss der Hauptheereslieferant für Beth – Sur gewesen sein  (vgl. Keller, 1955, S. 322, a.a.O.).  

Schließlich hatten die Seleukiden faktisch Judäa und Galiläa verloren, die um 140 v. Chr. unabhängig wurden (vgl. 1 Makk 15, 1 f.).

Der Sieg wurde auch als ein geistiger Sieg des jüdischen Glaubens über den Hellenismus empfunden. Für das Judentum wurden Judas und die Makkabäer zu einem bleibenden Vorbild für den (zeitweise) erfolgreichen Widerstand gegen fremde Unterdrückung.

Die Hasmonäer - Familie wurden zu judäischen Königen [13] (bis 63 v. Chr.) und als solche selbst zu hellenisierten ausbeuterischen Parasiten, so dass es später mehrfach Volkserhebungen gegen sie gab. Aus den Chassidim gingen die späteren Pharisäer hervor, aus der (stärker hellenistischen) Gegenpartei die Sadduzäer.

 

In der Not der Makkabäer – Zeit entstand um 165 v. Chr. die älteste im Wortlaut erhaltene „Apokalypse[14], im alttestamentarischen Buche Daniel [15] , die „Visionen“ Daniels. „Inhalt einer Apokalypse ist die Offenbarung des bevorstehenden Weltendes. Weder in einer fernen Zeit noch in einem unerreichbaren Raum, sondern im Jetzt und Hier wird der Anbruch der Endzeit mit dem Gericht über die Menschen begriffen. …. In der judäischen Apokalyptik bedeutet Weltende für die erlösten Menschen zugleich den Anbruch eines neuen, besseren Zeitalters, in dem auch die Toten wiederauferstehen [16] “ (Kreißig, S. 132, a.a.O.).

Das Buch Daniel erzählt von den religiösen Verfolgungen unter Antiochus IV.,  „….wenn das tägliche Opfer abgetan und ein Greuel der Verwüstung aufgerichtet“ (Dan, 12, 11) wird.

Eine wichtige Quelle zur Makkabäer – Zeit sind die „Makkabäer – Bücher“, vier Geschichtsbücher [17] , die in der griechischen Bibel [18] enthalten sind.

 

Chanukka weist auf den Tag, als der Tempel durch die Seleukiden entweiht wurde, und auf den Tag genau drei Jahre [19] später auch an einem 25. Kislew durch die Makkabäer wieder gereinigt und neu eingeweiht wurde. „Am Fünfundzwanzigsten des neunten Monats... errichteten sie Brandopfer, so wie es das Gesetz vorschreibt. Zur gleichen Zeit und am selben Tag, an dem ihn die fremden Völker entweiht hatten, wurde er neu geweiht, unter Liedern, Zither- und Harfenspiel... Sie schmückten die Vorderseite des Tempels... Jahr für Jahr soll man zur selben Zeit mit festlichem Jubel die Tage der Altarweihe zu begehen, und zwar acht Tage lang...“ (1.Makk 4, 52 f.)

Als nun der Tempel (hebr. „Bet Hamikdasch“ [20] ) neu geweiht werden sollte, fand sich nach dem Talmud nur ein einzigen Krug rituell reinen (koscheren) Öls, das noch mit dem Siegel des Hohenpriesters versehen war. Wundersamerweise aber brannte das Öl acht Tage lang, obwohl der Krug nur soviel Öl enthielt, um damit das Ewige Licht des Siebenarmigen Leuchters im Tempel (Menora) für einen Tag anzuzünden. In den acht Tagen konnte neues, reines, frisches Olivenöl herbeigeschafft und geweiht werden.  

 

An dieses Lichtwunder wird nun jedes Jahr erinnert:  in einem besonderen Chanukka - Leuchter („Chanukkia“) wird täglich eine weitere Kerze entzündet. Der dazu benutzte Leuchter besitzt - im Gegensatz zur siebenarmigen Menora - acht Behältnisse für Öl oder Kerzen, sowie ein oft seitlich angebrachtes neuntes zum Anzünden, den „Schamasch“ (hebr. „Diener“).

Praktisch jede jüdische Familie besitzt einen solchen Leuchter, dessen Kerzen nur zu Chanukka entzündet werden dürfen. Die Chanukka - Lichter werden nach Sonnenuntergang angezündet, davor werden durch den Hausherrn zwei Segenssprüche rezitiert:„Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, das Chanukkalicht anzuzünden“ und „Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du Wunder erwiesen unseren Vätern in jenen Tagen und zu dieser Zeit.“.

(vgl. Abb. Chanukka - Lichtanzünden)

 

Am ersten Abend wird nur ein Licht, das rechteste, angezündet, am zweiten Abend das nächste, und so fort, bis am achten Chanukka - Abend alle acht Lichter entzündet werden. Als erstes wird aber immer das zuletzt hinzugefügte Licht angezündet, also von links nach rechts. „Nach dem Lichteranzünden werden Gebete und Lieder rezitiert und von der ganzen Familie gesungen, um damit die freudige und feierliche Stimmung zu erhöhen." (Donin, S. 266f., a.a.O.). Der angezündete Leuchter sollte möglichst an ein Fenster gestellt werden, damit sie von außen gesehen werden kann: so soll das Chanukka - Geschehen öffentlich werden.

Dazu wird oft das beliebte Chanukka - Lied „Maos Zur Jeschuati“ („Zuflucht, meiner Hilfe Hort“ aus Jesaja 17,10) gesungen (vgl. Abb. oben, Chanukka - Melodie). 

Während die Kerzen brennen (mindestens eine halbe Stunde) , ruht alle Arbeit. Die Chanukkakerzen dürfen nicht für säkulare, praktische Zwecke benutzt werden, weder zum Beispiel zum Beleuchten des Zimmers um zu lesen, noch etwa zum Anzünden einer Zigarette. 


 Auch Chanukka hat - wie jeder jüdische Feiertag -  seine typischen Gerichte. Vor allem sollen in Öl gebratene Speisen gegessen werden, die an das Öl erinnern, das im Tempel gefunden wurde und für acht Tage reichte. Eine Spezialität sind Krapfen (Sufganiot, ähnlich den Berliner Pfannkuchen). 

 

Zu Chanukka gehört auch das Spiel mit einem besonderen Kreisel (Dreidl, Trendel, Sewiwon). König Antiochus IV. Epiphanes hatte es den Juden verboten zusammenzukommen, um in der Thora zu lesen. Sie machten es aber trotzdem. Wenn die Soldaten kamen, lag immer ein Kreisel auf dem Tisch: Es sollte so aussehen, als ob sie spielten.

Die Kinder (und nicht nur sie) spielen zu Chanukka bis heute mit dem Kreisel. Auf dem Kreisel stehen in Israel die hebräischen Buchstaben Nun, Gimmel, He, Pe, für „Nes Gadol Haja Po“ („Ein großes Wunder geschah hier"). In der Diaspora ist die Buchstabenfolge abgewandelt: Nun, Gimmel, He, Schin, für: „Nes Gadol Haja Scham“ („Ein großes Wunder geschah dort").

Heute wird mit dem Kreisel um Nüsse oder Süßigkeiten gespielt. Je nachdem, wie der Kreisel fällt, bekommt man welche oder man muss welche abgeben (vgl. Abb. unten).

 

In den Synagogen liest man zu Chanukka aus 4. Mose 7,1-8,4. In der Synagoge steht der Chanukka – Leuchter rechts vom Thora – Schrein, in Ost – west – Richtung. In der Synagoge entzündet der Kantor täglich die Chanukka – Kerzen. 

In Israel sind die Schulen während der acht Chanukka - Tage geschlossen; Geschäfte aber sind geöffnet und alle Büros oder Dienstleistungsbereiche arbeiten regulär.

 

 „Obgleich Chanukka zur Erinnerung an einen der großen Siege der jüdischen Geschichte gefeiert wird, hat man bis in die Neuzeit nur wenig Aufhebens davon gemacht. Es wird nicht als religiöses Vollfest gefeiert; die Erwachsenen gehen weiterhin ihrer Arbeit nach und die Kinder besuchen die Schule. Abgesehen von einigen Ergänzungen der Liturgie und vom Anzünden des Chanukka - Leuchters an jedem der acht Festtage, hat das Fest nur geringen Einfluss auf den Alltag.

In jüngerer Zeit haben jüdische Eltern angefangen, Chanukka etwas ausgeprägter zu feiern, um den starken Einfluss von Weihnachten auf die jüdischen Kinder auszugleichen, die sich sonst vielleicht benachteiligt fühlen könnten. Geschenke an jedem Chanukka - Abend sind jetzt üblich, und die Gemeindefeiern werden stärker betont." (Kolatch, S. 305, a.a.O).

 

Im Jahre 1999 ließ die Jüdische Gemeinde New York zum Chanukka – Fest vor den Niagara – Fällen eine Chanukkia errichten, so dass die Kerzen vor einem der berühmtesten Naturschauspiele entzündet wurden (vgl. TAZ,  09.12.1999, S. 5).

 

Das jüdische Lichterfest Chanukka hat ohne Zweifel  auch die christlichen Advents- und Weihnachtsbräuche beeinflusst. 

Mehrfach sind Judas Makkabäus und der Makkabäer – Aufstand künstlerisch dargestellt worden, so z.B. durch Peter Paul Rubens (1577 – 1640) „Der Triumph des Judas Makkabäus“ (1635). Das bekannteste Werk ist sicher das Oratorium „Judas Makkabäus“ von Georg Friedrich Händel (1685 - 1759), nach einem Libretto von Reverend Thomas Morell (1703-1784). Das Libretto geht im Wesentlichen auf das erste Buch der Makkabäer zurück (1. Makk. 2-8). Das Oratorium endet damit, dass der israelitische Gesandte Eupolemus von einer Mission nach Rom mit einem Vertrag zurückkehrt, der die Unabhängigkeit Judäas garantiert. Die Judäer danken Gott und preisen den siegreichen Judas Makkabäus, der ihnen die Hoffnung auf Frieden und Wohlstand zurückgegeben hat.

Im dritten (und letzten) Akt des Oratoriums wird das Freudenfest zur Wiedereinführung der Opferriten im Tempel thematisiert. 

Händel komponierte die Musik in wenigen Wochen: „Ouverture Oratorio Judah Maccabeus. angefangen den 9 July 1746. od. den 8 dieses“ schrieb Händel auf die erste Seite des Autographs, und am Ende der letzten steht „S.D.G. Fine dell’Oratorio G. F. H. Agost. 11. 1746. völlig geendet.“

Hintergrund der Entstehung des Oratoriums bildet die Schlacht von Culloden (16. April 1746), in der die schottischen Anhänger des katholisch – jakobitische [21] Stuart – Thronprädentent Charles Edward („Bonnie Prince Charlie“) durch die britischen Truppen unter dem Herzog von Cumberland vernichtend geschlagen wurden.

Der Prinz of Wales in höchsteigener Person gab Händel den Auftrag, eine festliche Musik für die Rückkehr des Siegers von Culloden zu komponieren.  

Händel wählte dafür das Libretto „Judas Makkabäus“, wobei damals klare inhaltliche Parallelen gesehen wurden: auch England war durch die drohende Stuart – Restauration in Gefahr und der Herzog von Cumberland rettete das Land, so wie einst Judas Makkabäus das seine [22].

Die Uraufführung im Frühjahr 1747 in Covent Garden war ein großer Erfolg, die ganze königliche Familie und das gesamte Parlament waren zugegen und lauschten „… begeistert diesem ‚Oratorium der nationalen Befreiung’“ (E. Wagner, 1952, S. 358, a.a.O.).  Auch die Texte verschiedener Partien des Oratoriums trafen vielfach die Stimmung der Zuhörenden: 

„Wohin, wohin, sollen wir fliehen?“

„Den Helden send’ mit Mut und Geist“

„Freiheit oder Tod“ 

„Seht, er kommt mit Preis gekrönt“ [23] (3. Akt; in anderer Übersetzung: „Seht den Sieger  ruhmgekrönt“, vgl. Abb. unten)

Der Text des Oratoriums ist durch einen ungebrochenen Heroenkult und einen plakativen Patriotismus gekennzeichnet: „Wir folgen dir zum Siege, wenn zum Fall – Wie ziert für Freiheit, Vaterland der Fall“. Auch fallen einige Militarismen im Text („... durch Leichenhügel und ein Meer von Blut“) auf. Viele Musikhistoriker vermuten, dass der große Erfolg des „Judas Makkabäus“ im 19. Jhdt. z.B. in Deutschland – als Händels Opern weithin vergessen waren – auch mit den patriotisch – kriegerischen Tendenzen zusammenhängen.  

Zu Händels Lebzeiten war „Judas Makkabäus“ sein deutlich erfolgreichstes Oratorium.

Auch in Israel ist das Oratorium „Judas Makkabäus“ bis heute sehr populär.

Im Mai 2002 wurde im Prager Veitsdom auf dem Hradschin während des „Prager Frühlings“ das Oratorium „Judas Makkabäus“ der tschechischen Gegenwartskomponistin Sylvie Bodorova erfolgreich uraufgeführt. 

 

Der Begriff Makkabäer wird bis heute als Name für viele jüdische Sportvereine benutzt, so etwa der TuS Makkabi Berlin, der größte jüdische Sportverein in Deutschland.

Zudem bezeichnet der Name „Maccabiade“ die Wettkämpfe jüdischer Sportler aus aller Welt, den drittgrößten Sportanlass der Welt - nach den Olympischen Spielen und der Universiade für Studenten

Im Jahre 1932 fand in Tel Aviv die 1. Maccabiade - als Weltfest des jüdischen Sports - mit 300 Teilnehmern aus 21 Ländern statt. 1935 fand die Maccabiade zum zweiten Mal statt und seither alle vier Jahre. Sie ist fortwährend gewachsen und fand immer im „Heiligen Land“, seit 1948 in Israel, statt.  

Berühmte jüdische Sportlern nahmen an Maccabiaden teil: Mark Spitz etwa, der Schwimmer, der 1972 in München siebenmal olympisches Gold gewann, war 1969 als Sportler, 1985 an der Eröffnungsfeier als Ehrengast dabei

Bei der 15. Maccabiade 1997 kam es zu einer Tragödie: während der Eröffnungsfeier im Nationalstadion in Ramat Gan (nahe Tel Aviv) stürzte eine provisorische Brücke über den Vorortfluss Jarkon ein. Vier australische Teilnehme der Maccabiade fanden bei dem Unglück den Tod. Sie fielen 7 m tief in einen völlig verschmutzten und vergifteten Fluss (Deshalb forderte eine israelische Umweltschutzorganisation  sogar zum Boykott der Spiele auf - ohne Erfolg). „Von diesen … vier Toten starb nur eine Frau an den unmittelbaren Folgen des Brückeneinsturzes, die anderen drei erlagen den Vergiftungen, die sie sich in dem völlig verschmutzten Jarkon zugezogen hatten“  (vgl. Jungle World, 32/2000). Eine australische Sportlerin hatte bei ihrem Sturz Flusswasser geschluckt und erkrankte in der Folge an dem seltenen Erreger Pseudallerscheria Boydii. Sie überlebte nach einem mehr als einjährigen Krankenhausaufenthalt.

Nie - auch nicht während offener Kriege - waren die Spiele so gefährdet wie durch die 2. Intifada die 16. Maccabiade, die im Juli 2001 in Jerusalemer Teddy Kollek - Stadion eröffnet wurden (vgl. NZZ, Mittwoch, 10. Juli 2001). Die Wettkämpfe wurden schließlich auf eine Woche gekürzt, weil nur etwa 2.000 Athleten aus der Diaspora teilnahmen, weniger als die Hälfte der sonst üblichen Zahl.  Außerdem nahmen circa 1.000 israelische Sportler  teil (vgl. „The Jerusalem Post“, 13. Juli 2001).

 

Simon, der letzte überlebende Makkabäer, ließ auf einem Hügel nahe bei Modein für seinen Vater und seine Brüder ein eindrucksvolles Grabdenkmal errichten.  Es bestand der Überlieferung nach aus 7 pyramidenähnlichen Gebäuden, die durch Kolonnadengänge verbunden waren.

Mehr als 7. Jhdte lang waren die Makkabäer – Gräber Ziel jüdischer Wallfahrten.

Seit nun mehr als 60 Jahren pilgern v.a. Tausende Israelis in den Modein benachbarten Nationalpark  (ca. 30 km nordwestlich von Jerusalem) zu angeblichen Makkabäergräbern, obwohl israelische Archäologen schon lange festgestellt haben: die dortigen Gräber stammen keineswegs aus makkabäischer Zeit, sondern sind spätrömisch, aus dem 4. Jhdt.  An jedem Chanukka – Fest starten an den angeblichen Makkabäergräbern Hunderte von Läufern zu einem Rennen zum Gedächtnis an die Makkabäer – vielleicht starten sie an dem falschen Ort ?

 

Im Jahre 1995 stießen israelische Bauarbeiter an der Straße 443 (ca. 30 km nordwestlich von Jerusalem) auf eine Reihe von Grabeshöhlen und 23 Ossuarien. Ihre archäologische Untersuchung [24] ergab, dass es sich um Gräber aus der makkabäischen Zeit handelte. Neben den Knochen fand man auch einige Artefakte aus dem 2. Jhdt. v. Chr., wie Münzen und Öllampen. Es gab v.a. aber sowohl griechische als auch hebräische Inschriften: Namen wie „Sarah, Mariama, Eliezer oder Elazar“ in griechischen Buchstaben und „Simon“ in hebräischer Schrift.

Die Sensation aber war die nicht fertig gestellte Inschrift bei einem Ossuarium und sie lautete; „Hasmonäer“.

Natürlich kamen rasch Spekulationen auf, ob es sich etwa um das Grab u.a. von Judas Makkabäus handeln könnte, der in dieser Region begraben worden sein soll.

Nach Aussagen von israelischen Archäologen  geben diese Gräber zum ersten Mal eine „archäologische Evidenz“ für die Hasmonäer. Bislang waren sie nur aus verschiedenen späteren antiken Schriften bekannt (vgl. „TIME“, 27. November 1995)  .

 

Seit bereits 15 Jahren lässt die Jüdische Gemeinde Chabad-Lubawitsch (ca. Weisheit-Verstehen–Wissen, in der Stadt der Bruderliebe) in Wilmersdorf zum Chanukka-Fest am Brandenburger Tor einen großen Chanukkaleuchter aufstellen, als Zeichen der Versöhnung.

Zum Festbeginn, im Jahre 2019 am 22. Dezember wird dort feierlich das erste Licht entzündet. Da der Dortige Chanukkaleuchter sehr groß ist, musste Jehuda Teichtal, der Rabbiner mit seiner Fackel mittels einer schwenkbaren Kanzel emporgehoben werden. Sicherheitshalber befindet sich auch noch ein Gasanzünder „an Bord“. Am 22. Dezember 2019 kamen ca. 3000 jüdische und nicht-jüdische Berlin zu der Feier, samt allerlei politischer Prominenz aus Stadt und Bund (vgl. Abb.unten).

Zum Abschluss erhielten die Besucher Sufganiot (ein hebr. Neologismus, ca. „lockerer Kloß), das traditionelle frittierte, gefüllte pfannkuchenähnliche Gebäck.

 

Das einträchtige Beieinander des Chanukkaleuchters und des Weihnachtsbaumes am Brandenburger Tor gemahnten an „Weihnukka“, die Verschmelzung von Weihnachten und Chanukka. das assimiliert-säkulare deutsche Juden vor dem Faschismus und Holocaust zuweilen begingen und auch heute noch in den USA vorkommt. (vgl. Karikatur aus der jüdischen Zeitschrift Schlemiel; Abb. aus https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnukka

 

(variabel nach dem jüdischen gebundenen Mondkalender; gefeiert wird acht Tage lang, jeweils vom 25. Tag des 3. Mondmonats, Kislew, bis zum 2. Tag des 4. Mondmonats, Tewet; nach dem Gregorianischen Kalender liegt Chanukka im November / Dezember; der Name „Kislew“ bedeutet „dick“, eine Anspielung auf die dicken Regenwolken in diesem jüdischen Monat )

 
© Christian Meyer


[1] Luther übersetzte „Chanukka“ mit „Kirchweihe“: „Es ward aber Kirchweihe zu Jerusalem und war Winter“ (Joh. 10,22). „Chanukka“ wird auch abgeleitet von: „Chanu“ = sie ruhten, und „Kaf He“ = am 25. - denn am fünfundzwanzigsten wurde den Judäern Ruhe zuteil.

[2] Das 3. Buch der Makkabäer berichtet davon, wie der Versuch des Königs Ptolemäus IV. Philopator (gr. „der Vaterliebende“, 221 – 204 Chr.) in das Allerheiligste des Tempels einzudringen scheiterte. Später wurden zeitweise die Hasmonäer gegen die Seleukiden durch das Ptolemäische Reich unterstützt. 

[3] Die Bezeichnung für den Hohen Rat, Sanhedrin, ist die hebräisierte Form des griechischen „Synedrion“ = Versammlung, dem altgriechischen Namen für die Ratsbehörde z.B. der Amphiktyonen. 

[4] Alexandria, die Hauptstadt der Ptolemäer, wurde zu einem besonderen Anziehungspunkt für Emigranten aus Judäa. Dort wurde um 250 v. Chr. unter König Ptolemäus II. Philadelphus (reg. 285 – 246 v. Chr.) die Thora ins Griechische übersetzt. Die Legende bemächtigte sich dieses epochalen Ereignisses. Wunderbarerweise übersetzten 72 jüdische Gelehrte getrennt und völlig unabhängig voneinander gänzlich übereinstimmend (vgl. Kanner, S. 120 f.). Das Apokryphen-Buch des Aristeas von Alexandria berichtet davon. Wegen der angeblichen 72 Übersetzer erhielt die Übersetzung die Bezeichnung „Septuaginta“ (lat. = „die Siebzig“).

[5] Antiochus IV. wurde nach der Ermordung seines Vorgängers, seines Bruders, König. Statt „Epiphanes“ erhielt er von einigen seiner judäischen Gegner den Beinamen „Epimanes“ (= der Verrückte, vgl. Kanner, S. 127, a.a.O.).

[6] Die Jahreszählung folgt hier der Seleukiden – Ära, deren Zählung im Jahre 312 v. Chr. mit einem heute nicht mehr bestimmbaren militärischen Erfolg des Seleukos einsetzte. Die Dynastie der Seleukiden wurde von dem General Seleukos gegründet, der nach Alexanders Tod den größten Teil des Reiches beherrschte .

Durch den differierenden Neujahrstermin in Babylon bzw. Syrien fiel der Beginn der Ära (je nach dem genutzten Kalender) in den Herbst 312  (Syrien) oder das Frühjahr 311 v. Chr. (Babylon). Die Seleukiden - Ära breitete sich staatlich gefördert rasch aus und wurde auch noch lange nach dem Ende der Seleukiden im Jahre 63 v. Chr. verwendet. Im Jüdischen Kalender war sie lange Zeit zur Jahreszählung üblich, bis sie durch die jüdische Weltära (seit der Erschaffung der Welt) abgelöst wurde.

[7] Jason (gräzisiert aus hebr. Jehošua) war ein Bruder des Hohenpriesters Onias III., der das Hohepriesteramt kaufte und ein wichtiger Vertreter der Hellenisierungspartei war. Onias III. hingegen war ein Gegner der Hellenisierung und musste sein Amt an seinen Bruder abgeben. Um 170 v. Chr. wurde er ermordet (2. Makk 3,4). Onias und Jason entstammten der Überlieferung nach aus der Familie Zadoks, einer Dynastie, die schon in der Zeit König Davids das Amt der Hohenpriester innehatte. Mit der späteren Absetzung Jasons als Hoherpriester endete die Linie der Nachfahren Zadoks.  

[8] In die Zeit der frühen Makkabäer fällen auch die Episoden vom standhaften Leiden des greisen Eleasar sowie der sieben Brüder und ihrer Mutter Channa, die durch die Seleukiden zum Abfall vom rechten jüdischen Glauben gebracht werden sollten und lieber den Tod erlitten (2. Makk, 6 -7, oder Kanner, S. 127f.). Diese Berichte prägten / beeinflussten die spätere christliche Vorstellung von den „Blutzeugen“, den Märtyrern (vom gr. „martys“ = Zeuge).

[9] In 2. Makk 2, 14  wird berichtet, dass Judas Makkabäus heilige Schriften gesammelt habe. Es ist zu vermuten, dass diese Schriften während der Seleukidenkriege zum Teil zerstreut worden waren. Judas Makkabäus dürfte sich demnach um den Bestand des jüdischen Schriftenkanons verdient gemacht haben.

[10] Die fünf Brüder starben alle eines unnatürlichen Todes:

·         Eleazar fiel 163 in einer Schlacht bei Beth – sor

·         Joannes wurde 159 von Anhängern des Antiochus in einen Hinterhalt gelockt und von arabischen Nabatäern ermordet

·         Judas (der drittälteste Bruder) fiel 160 in der Schlacht

·         Jonathan (der jüngste Bruder) wurde 160 der Nachfolger von Judas; er wurde durch eine Hinterlist in Akko gefangen genommen und 143 umgebracht

·         Simon  wurde 143 der Nachfolger und erzielte um 140 die politische Unabhängigkeit Judäas. Als Hoherpriester und „Ethnarch“ wurde er während eines Gastmahls auf Betreiben seines Schwiegersohns 135 v. Chr. ermordet.

[11] Im damaligen Judäa gab es eine außergewöhnlich starke Schicht freier Kleinbauern, die ihre Parzellen besaßen, und nur relativ wenige von Großgrundbesitzern Abhängige.

[12] Die Herkunft des Beinamens „Makkabäus“ ist ungewiss. U.U. wurde er aus dem Hebräischen „maqabi“ abgeleitet und bedeutet  „der Hämmerer“ oder „der Hammerartige“; er könnte Judas wohl als Anspielung auf seine militärischen Erfolge beigegeben worden sein. Nach einer anderen Erklärung ist Makkabäus die Zusammenziehung der ersten Silben des Kampfrufes der Makkabäer: „Mi ko – mocho ba-eilim, Adonai?“ = Wer ist Dir gleich, o Herr ? , der dem „Lobgesang Moses“ entstammte (2. Mose, 15, 11). 

[13] Unter Aristobulos I. (104/103), der als erster Hasmonäer den Königstitel führte, setzte die nur unterbrochene Hellenisierung Judäas wieder ein.

[14] Die jüdische Apokalyptik wurde ihrerseits von den iranischen  Apokalypsen stark beeinflusst (vgl. Kreißig, S. 132, a.a.O.). 

[15] Das im 2./1. Jhdt. entstandene Buch Daniel ist aus mehreren heterogenen Teilen zusammengesetzt worden, die auch aus unterschiedlichen Epochen stammen (vgl. Koch, S. 103, a.a.O.). Die ältesten Teile (vermutlich aus dem 3. Jhdt. Chr.) bilden die (aramäischen) Kapitel 2 – 6, in denen Legenden um Daniel erzählt werden. Dem wurde später ein (hebräisches) 1. Kapitel vorgeschaltet, das von der Deportation und dem Leben Daniels in Babylon berichtet. Die „Visionen“ Daniels - im Ich – Stil berichtet - (7. – 12. Kapitel des Buches Daniel) entstanden wahrscheinlich zur Zeit des Makkabäer – Aufstands. Sie sind die älteste erhaltene Apokalypse, sie umfassen (erstmals in der Bibel) einen Entwurf der Weltgeschichte: sie wird betrachtet als zunehmender Entfremdungsprozess zwischen Gott und den Menschen, auch die Abfolge der Weltreiche wird in diesem Zusammenhang gesehen. 

[16] In den „Visionen“ enthalten ist zum ersten Mal im Alten Testament die Vorstellung von einer Auferstehung der (gerechten) Toten zum ewigen Leben (Dan 12, 1- 3).

[17] Ebenfalls in der Makkabäer – Zeit entstanden vermutlich

·         die Novelle „Judith“

·         die Gleichnisse des Pseudo – Sacharja

Auch Käsegerichte sind für die Chanukka – Tage charakteristisch. Denn die schöne und listenreiche Judith soll dem Holofernes gesalzenen Käse vorgesetzt haben; den daher rührenden Durst löschte Holofernes zu seinem Verderben dann mit vielen Bechern Wein (vgl. Dolezalová, S. 108, a.a.O.).

[18] Die hebräische Bibel enthält die Makkabäer – Bücher nicht, bei der christlichen Bibel ist die Zugehörigkeit umstritten: die römisch – katholische Kirche zählt die ersten beiden Makkabäer – Bücher zu dem Kanon, Luther hingegen ordnete die ersten drei Makkabäer – Bücher den alttestamentarischen Apokryphen zu.

[19] Nach Flavius Josephus waren es 3 Jahre und 6 Monate, während der die täglichen Opfer unmöglich waren (vgl. Josephus, S. 27, a.a.O.).  De Vries nimmt sogar einen Zeitraum von 4 Jahren an (Vries, S. 104, a.a.O.).

[20] Es handelte sich um den 2. Tempel, der 516 v. Chr. nach dem babylonischen Exil errichtet wurde. Im 2. Tempel gab es die Bundeslade und die Gesetzestafeln Moses nicht mehr (vgl. Vries, S. 104, a.a.O.), - sie waren seit der Zeit der Zerstörung des 1. Tempels durch Nebukadnezar II. verschollen.

[21] Der Prinz betrat bewusst symbolisch am 25. Juli 1745 zuerst schottischen Boden, am St. James’ Day ( ð 25. Juli, Jakobi – Tag)

[22] Generell übertragen Händels alttestamentarische Oratorien die Vorstellung vom „auserwählten Volk“ von den Juden auf die damaligen Engländer, was sicher den Erfolg der Oratorien erleichterte.

[23] Friedrich Heinrich Ranke hat seinem bis heute beliebten Adventslied „Tochter Zion freue Dich“ von 1820/26 die Händelsche Melodie von „Seht, er kommt mit Preis gekrönt“ unterlegt (vgl. Lied Nr. 13 des Evangelischen Gesangbuchs Bayern / Thüringen).

[24] Die archäologische Untersuchung war – wie quasi immer in Israel – begleitet von Protestdemonstrationen von ultraorthodoxen Juden, die behaupteten die Archäologen würden Knochen stehlen.

 

Abb.: Karikatur aus der jüdischen Zeitschrift „Schlemiel“ aus dem Jahre1904: ) „Wie sich der Chanukaleuchter des Ziegenfellhändlers Cohn in Pinne zum Christbaum des Kommerzienrats Conrad in der Tiergartenstraße (Berlin W.) entwickelte.“ (Abb. aus https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnukka)

 

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Chanukka-Leuchter am Brandenburger Tor

(Photo: Christian Meyer, Dezember 2019)

Chanukka-Kreisel
Chanukka-Kreisel

Chanukka - Kreisel  (Abb.

aus McCreery, S.47, a.a.O.)

Händel - Jubelchor
Händel - Jubelchor