Christliches Fest der Himmelfahrt Christi

 

Nach christlicher Vorstellung der endgültige Eintritt der menschlichen Natur Christi in die göttliche Herrlichkeit; Feiertag u.a. in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Schweden, der Schweiz ("Auffahrt") und Spanien.

Der Hl. Augustinus betonte (in Sermo 143 und dem Johanneskommentar), dass durch die Himmelfahrt den Gläubigen der körperliche Anblick Jesu entzogen wurde, sie müssten nun ohne zu sehen glauben.

Ein religiöses Urerlebnis dürfte in der Betrachtung des v.a. nächtlichen Himmels zu sehen sein: "Der Himmel offenbart sich als unendlich, als transzendental. Er ist das 'ganz andere' par excellence - d.h. etwas ganz anderes als der winzige Mensch und sein Lebensraum.  ...... Denn der Himmel enthüllt schon durch seine Seinsweise die Transzendenz, die Macht, die Ewigkeit. Er existiert auf absolute Art, denn er ist hoch, unendlich, ewig, mächtig" (vgl. Eliade, 1957, a.a.O., S. 69).

Von daher ist es kein Wunder, daß in vielen vorkopernikanischen Kulturen die Menschen annahmen, daß im Himmel der Lebensbereich der Götter läge. Von daher bezeichnen viele Kulturen manche Götter mit Namen, die mit dem Himmel, der Höhe oder himmlischen Wettererscheinungen verbunden sind.

So bezeichnen die Maori ihre höchste Gottheit mit "Iho", das bedeutet "hoch, oben". Das mongolische Wort "tengri" bedeutet "höchster Gott" und "Himmel", das chinesische "tien" = "Himmel" und "Himmelsgott".

In den Himmel aber gelangten nach weltweit verbreiteter Vorstellung auch bestimmte privilegierte Menschen, durch göttliche Gunst, Gnade oder durch bestimmte Aufstiegsriten.

So glaubten z.B. die Achilpa (ein australischer Arunta - Stamm), dass ihr Demiurg [1] Numbakula in der mythischen Vorzeit ihr Gebiet geformt, ihren Stammvater und ihre Institutionen geschaffen habe. Anschließend habe er „...aus dem Stamm eines Gummibaums ... den heiligen Pfahl [2] (kauwa - auwa) gefertigt; er hat ihn mit Blut gesalbt und ist an ihm hinaufgeklettert und im Himmel verschwunden" (vgl. Eliade, 1957, a.a.O., S. 20).

In den meisten antiken Kulturen gab es die religiöse Vorstellung einer Apotheose (gr. "Vergöttlichung", lat. "consecratio"), so bei den Ägyptern, den Assyrern oder Persern. In der Regel war die Vergöttlichung eines besonders verdienstvollen Menschen mit bestimmten Ritualen verbunden, die nach seinem Tode vollzogen wurden. In kulturellen Spätzeiten wurden Menschen jedoch schon zu Lebzeiten vergöttlicht.

Bei den antiken Griechen wurden z.B. die Gründer von Kolonien "unter die Götter  versetzt", aber auch Alexander der Große und viele hellenistische Könige. Verschiedene Diadochenkönige nahmen sogar förmlich die Bezeichnung "Soter" (gr. Retter, Erlöser) an.

Bei den Römern war Romulus lange Zeit der einzige, dem die Ehre der feierlichen Apotheose erwiesen wurde. Später wurden auch Julius Cäsar und alle römischen Kaiser - außer Vespasian - "unter die Götter versetzt", überwiegend ließ der Senat ihnen schon zu Lebzeiten diese Ehre zuteil werden. Die Apotheose oder Konsekration der Kaiser und ihrer Gemahlinnen findet sich recht häufig auf römischen Denkmälern. meist wurde die Apotheose durch Aufschweben zum Himmel dargestellt. Die Kaiser wurden oft von Adlern, die Kaiserinnen von Pfauen getragen. 

Himmelfahrten sind mit dem vorneuzeitlichen Weltbild verbundene Vorstellungen: durch die Himmelfahrt wurde der religiöse Begriff der Apotheose sinnlich anschaulich, vorstellbar gemacht.

Im Alten Testament (AT) widerfuhr einigen wenigen Auserwählten, wie Henoch oder Elia, vor ihrem Tode die „Entrückung" (hebr. „lakach") in ein himmlisches Paradies, durch Blitz und Sturm, einen feurigen Wagen etc.

Henoch [3] war der siebente biblische Patriarch, der nach dem AT 365 Jahre alt wurde: "Und dieweil er ein göttliches Leben führte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen " (1. Mose 5, 24).

In Gegenwart seines Schülers und Nachfolgers Elisa wurde auch der Prophet Elia entrückt: "Und da sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen; die schieden die beiden voneinander; und Elia fuhr also im Wetter gen Himmel" (2. Kön 2,11). Hier wird das alte antike Motiv des Sonnenwagens [4] aufgenommen. In jüdischer Tradition gilt die Himmelfahrt Elias [5] als Symbol für die Unsterblichkeit der Seele, in christlichem Verständnis ist sie zugleich ein Vorausbild der Himmelfahrt Christi.

Gleiches soll vielleicht auch vom "Knecht Gottes" in Jes 53, 8 ausgesagt werden, ähnliches wird auch von einigen Tempelsängern erhofft (Ps 49,16; 73, 24).

Jüdische und christliche Apokalypsen kennen Himmelfahrten auch von Moses und Jesaja.

In Israel treten Entrückungsvorstellungen mit dem Aufkommen der Erwartung einer Auferstehung (ca. 2. Jhdt. v. Chr.) zurück.

Entrückungsvorstellungen finden sich auch in anderen Religionen, so z.B. bei dem babylonischen Sintflut - Helden [6].

In der griechischen Mythologie gab es eine ganze Reihe von Entrückungen. Herakles zum Beispiel starb nicht auf dem brennenden Scheiterhaufen, sondern wurde mit einem Donnerschlag in den Olymp entrückt.

Auf antiken Vasenbildern sieht man Herakles aus den Flammen des Scheiterhaufens auf einem Viergespann zum Himmel auffahren.

Die Himmelfahrt Jesu (Ascensio Domini) wird in der Apostelgeschichte des Lukas in Analogie zu hellenistisch - römischen Entrückungsberichten dargestellt: "Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Da wandten sie um gen Jerusalem von dem Berge, der da heißt der Ölberg, welcher ist nahe bei Jerusalem und liegt einen Sabbatweg davon" (Apg  1, 9-12).

In den Evangelien ist die Himmelfahrtsgeschichte nur relativ knapp geschildert: "Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes" (Markus, 16,19).

"Er führte sie aber hinaus bis gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott" (Lukas 24, 50-53).           

Der Ölberg in Jerusalem (830m) wird traditionell als Ort der Himmelfahrt Christi betrachtet. Ein erster Kirchenbau wurde dort bereits unter Kaiser Konstantin errichtet.  Später wurden dort zwei Himmelfahrtskirchen erbaut:

Þ      die russische Auferstehungskirche mit einem 60m hohen Glockenturm

Þ      die oktagonale Himmelfahrtskapelle: sie stammt aus der Kreuzfahrerzeit und ist seit dem 13. Jhdt. Teil einer Moschee.

In der Frühzeit des Christentums gab es kein gesondertes Fest der Himmelfahrt Christi. Das Gedenken an die "Erhöhung Christi" war in dieser Zeit noch eng mit dem Osterfest verbunden. Am 50. Tag nach Ostern feierte man zunächst sowohl die "Geistsendung", Pfingsten, als auch die Himmelfahrt Jesu.

Erst im 4. Jahrhundert begann man an verschiedenen Orten den 40. Tag nach Ostern (gemäß der Chronologie des Lukas) als Tag der Himmelfahrt Christi zu feiern.

Der frühesten Belege für die gesonderte Feier des Tages von Christi Himmelfahrt finden sich 383/384 in einem Pilgerbericht sowie in einer Predigt des Bischofs Chrysostomos [7]aus dem Jahre 386. Im 5. Jhdt. setzte sich dieser Brauch in West- und Ostkirche gleichermaßen allgemein durch. Dabei spielte die Hochschätzung der Zahl 40 eine Rolle: so gab es eine Entsprechung zur vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern.

In der katholischen Kirche wird am Himmelfahrtstag die Osterkerze ausgelöscht, weil der auferstandene Jesus an diesem Tag von der Erde geschieden sein soll.

Im Mittelalter gab es allerhand dramatisierende Darstellungen des Himmelfahrtsgeschehens: so wurde gelegentlich in der Kirche eine Christusfigur empor gezogen, zwei Rauchfässer schwingende Kleriker spielten die Engel der Himmelfahrtsüberlieferung u.ä. 

In der ehemaligen Franziskaner-Kirche in Jüterbog (heute beherbergt sie die Stadt- und Kreisbibliothek) ist im zweiten Mittelschiffsjoch von Osten her im Gewölbe eine runde Öffnung erhalten geblieben, „… wohl ein ‚Himmelsloch‘, durch das man dereinst am Himmelfahrtstag eine Figur des Auferstandenen hochzog“ (vgl. „Sankt Franz …“, S. 36, a.a.O.).  

Im Spätmittelalter wurden allerlei possenhaft karnevalistische Gebräuche in die Himmelfahrtsaufführungen aufgenommen. An einigen Orten fanden auch Umritte, Wagenumfahrten und Brotverteilungen statt. Unter Umständen liegen in diesem Brauchtum die Wurzeln der heutigen alkoholseligen "Herrenpartien" am "Vatertag".

 

An Christi Himmelfahrtstag wurde in Venedig (bis zur Abdankung des letzten Dogen im Jahre 1797) eine rituell - symbolische „Vermählung des Dogen“ (des venezianischen Staatsoberhaupts) mit dem Meer gefeiert.

Am Morgen des Himmelfahrtstages fuhr der Doge auf seiner besonders geschmückten und vergoldeten Galeere „Bucintauro“ aufs Meer hinaus. Mit den Worten „Ich vermähle mich dir, Meer, zum Zeichen unserer wahren und ewigen Herrschaft“ versenkte der Doge einen kostbarer Ring in der Adria (vgl. Langewiesche, S. 90, a.a.O.). Giacomo Casanova lästerte dazu, daß das Meer die „...Witwe so vieler Gatten und dennoch so jungfräulich wie am ersten Tag“ sei. Mit diesem Ritual war in Venedig eine Art Karneval verbunden. 

Johann Wolfgang von Goethe erwähnt in der Antwort auf eine Traumdeutungsfrage Suleikas (vermutlich von Marianne Willemer) die venezianische Sitte: 


                                "Dieß zu deuten bin erbötig!                                  

                                   Hab ich dir nicht oft erzählt

                                     Wie der Doge von Venedig

                                  Mit dem Meere sich vermählt."

                                                              (Goethe, West - Östlicher Diwan, S.  61, a.a.O.)                  

 

In Brügge / Flandern findet zu Himmelfahrt [8] die „Heiligblutfeier“ statt, heute v.a. ein biblisch - historischer Festzug und ein Volksfest mit Tausenden von Besuchern.

Anlass ist eine (angebliche) Blut – Reliquie. Der Überlieferung nach soll Dietrich vom Elsaß, Graf von Flandern (Diederik van den Elzaz, Thierry d'Alsace) im Jahre 1150 einige Tropfen vom Blute Christi aus dem Heiligen Lande vom 2. Kreuzzug mitgebracht [9] und der Stadt Brügge geschenkt haben.

Die Reliquie wird in einer Seitenkapelle der Oberkirche der doppelstöckigen Heiligblutkapelle (Heiligbloedkapel, am Burgplatz, rechts neben dem Rathaus) aufbewahrt.

Um 1310 schon erteilte Papst Klemens V. bezüglich des Heiligen Blutes einen Ablassbrief. Die Heiligblutprozession fand damals gleichzeitig zur Brügger Jahresmesse statt.

Schon frühzeitig bildete sich die bis heute erhaltene Tradition, dass zur Heiligblutprozession zahlreiche auswärtige Prälaten und Ehrengäste in der Stadt weilten (vgl. Rotsaert, S. 37, a.a.ö.).

Seit den letzten Jahrzehnten des 13. Jhdts. fand die Prozession alljährlich statt, mit Ausnahme einiger Jahre während der Zeit der Reformation und der Französischen Revolution. Eine Bruderschaft wacht bis heute über die Reliquie und die Prozession.

Bei dem stundenlangen Umzug durch Brügge werden in historischen Kostümen lebende Bilder gezeigt, Szenen aus dem Alten und Neuen Testament,  u.a. die Passionsgeschichte, dargestellt. Der gräfliche Spender der Reliquie ist bei der Prozession naturgemäß eine Hauptperson..

 

Unter Friedrich dem Großen wurde in Preußen der Himmelfahrtstag als Feiertag abgeschafft, unter seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm II. wurde er wieder eingeführt.     

 

Christi Himmelfahrt ist ein häufiges und beliebtes Thema in der christlichen Kunst: oft wird Jesus mit wie zum Gebet erhobenen Armen dargestellt, manchmal ohne körperliche Hilfe über der Erde schwebend, dann auch wieder von Engeln oder Vögeln getragen; sein Haupt trägt zuweilen einen bestirnten Nimbus.

Himmelfahrtssymbole sind u.a. der Baum, der Pfeil oder der Berg.  Sie sollen den Anstieg des Lebens repräsentieren, die graduelle Entwicklung zur Höhe, die Hinwendung zum Himmel u.ä.

Johann Sebastian Bach komponierte wahrscheinlich 1735 in Leipzig, vermutlich auf einen Text von Picander die Kantate „Lobet Gott in seinen Reichen“, das „Himmelsfahrtsoratorium  D-Dur  (BWV 11) für Soli (Sopran, Alt, Tenor und Bass), Chor und Orchester. Die niedrige BWV – Nr. rührt daher, dass das Werk – fälschlich – als Kantate eingeordnet wurde. Faktisch aber ist es ein Oratorium, da ein biblisches Geschehen zugrunde liegt und von u. a. dem Evangelisten vorgetragen wird. Bach selbst bezeichnete das elfsätzige Werk mit einer ca. 30minütigen Aufführungsdauer als „Oratorium In Festo Ascensionis“.    

 

Das Bachsche „Präludium und Fuge D-Dur” (BWV 532) hat eigentlich nichts mit Christi Himmelfahrt zu tun. Wegen des markanten aufwärtsstrebenden Anfangsmotivs wird es unter Organisten allerdings „Himmelfahrtspräludium“ genannt.

 

Der französische – sehr katholische - Komponist, Organist (an St. Trinité in Paris) und Ornithologe Olivier Messiaen (1908–1992) schrieb im Jahre 1933–34 den vierteiligen Zyklus „L’Ascension - Quatre Méditations Symphoniques pour Orgue“(Die Himmelfahrt - Vier sinfonische Meditationen für Orgel).

  1. Satz: « Majesté du Christ demandant sa gloire à son père »(Die Majestät Christi, seine Ehre von seinem Vater erbittend)
  2. Satz « Alléluias sereins d’une âme qui désire le ciel »( Heitere Hallelujas einer Seele, die den Himmel begehrt)
  3. Satz: « Transports de joie d’une âme devant la gloire du Christ, qui est la sienne » (Freudenausbrüche einer Seele vor der Ehre Christi, welche die ihre ist)
  4. Satz: « Prière du Christ montant vers son père »(Gebet Christi, der zu seinem Vater auffährt)

Die vier Sätze sind in aufsteigenden Tonarten notiert, E-Dur, F-Dur, Fis-Dur, G-Dur.

Schon in diesem frühen Werk hat der junge Messiaen allerlei Exotismen und auch an Vogelzwitschern gemahnende Partien eingebaut.

Der Vorläufer des Orgelzyklus war 1931/32 der vierteilige Zyklus „L’Ascension – Die Himmelfahrt - Vier Meditationen für Orchester“. Der ursprüngliche dritte Satz erwies sich in der Sicht Messiaens als unzugänglich für die Orgel. Deshalb komponierte er einen völlig neuen dritten Satz.

 

Die Himmelfahrt Mariä (Assumptio) ist ein erst relativ spät in Marienlegenden auftauchendes Motiv, für das sich im Neuen Testament (NT) weder direkte noch indirekte Anhaltspunkte finden. Die Himmelfahrt soll ein Symbol der völligen Spiritualisierung ihres Körpers und ihrer Seele darstellen. Die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel wurde erst 1950 durch Papst Pius XII. zum Dogma erklärt. Mariä Himmelfahrt wird am 15. August gefeiert.

 

Die islamische Überlieferung kennt die nächtliche Himmelsreise (trk. miraç, vgl. dort) des Propheten Muhammad. Am 17. Tag des Monats Rabi al-awwal im Jahre vor der Auswanderung nach Medina (622) soll Muhammad nachts von dem Engel Gabriel und einem besonderen Reittier (Buraq) nach Jerusalem und dann in die sieben Himmel gebracht worden sein. Im Innern der Jerusalemer Omar - Moschee (Felsendom, ar. "Kubbet as-sakhrâ) zeigt man noch heute einen Fußabdruck [10] , den angeblich Muhammad bei seiner Himmelsreise dort hinterließ. Außerdem werden daselbst in einem Schrein einige Haare aufbewahrt, die angeblich vom Barte des Propheten stammen.  Als Anspielung auf die nächtliche Reise trägt die 17. Sure des Korans die Bezeichnung "Die Nachtreise". In den meisten muslimischen Ländern wird der überlieferte Tag der miraç als Feiertag begangen.

Die Schiiten kennen die Entrückung ihres 12. Imams, des "verborgenen Imams".

 

Weltweit verbreitet sind auch Vorstellungen von schamanistischen Himmelsreisen, - fahrten. Oft werden sie als therapeutische oder prophylaktische Maßnahmen angesehen. Sie sollen Kranke retten, z.B. die von einem Geist geraubte Seele eines Kranken wiederfinden.

Die moderne Psychoanalyse sieht in Auffahrts- oder Himmelfahrtsträumen ein orgastisches Symbol.

Sie nimmt an dieser Stelle eine mittelalterlich - christliche Tradition wieder auf. Damals assoziierte man Ausfahrtsvorstellungen, Auffahrtsphantasien mit der Verführung durch den Teufel, mit orgiastischen Kulten. die nächtlichen Reisen und Flüge von Hexen, Hexern oder Besessenen wurden als sozusagen der dunkle Pol der Himmelfahrtsvorstellung betrachtet. 

 

Vor allem in katholischen Regionen Deutschlands finden an den drei Tagen vor dem Fest von Christi Himmelfahrt Flurprozessionen statt. Gebeten wurde um Fruchtbarkeit von Feld und Flur, insbesondere um Schutz vor Hagel, Frost und Unwettern. Heute umfassen die Gebete oft alle Bereiche der menschlichen Existenz.

 In vielen Regionen Deutschlands wird der Feiertag  Christi Himmelfahrt weit häufiger als „Vatertag“ (in Analogie zum Muttertag) oder „Herrentag“ begangen. Dieser Name ist vielleicht auch eine Erinnerung an die Feier des „Herrentages“, die Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus.

Viele Männer und männliche Jugendliche) unternehmen in Gruppen mit fliedergeschmückten Spazierstöcken, Fahrrädern oder Kutschen Ausflüge, die oft mit größeren Mengen Alkohols begossen werden.

Die Wurzel dieses Brauchs ist ungewiß, vielleicht ist sie in früheren Flurumgängen zu Christi Himmelfahrt zu sehen.

Zum US – amerikanischen Vatertag und seiner differierenden Herkunft siehe dort. 

 

Eine deutsche Bauernregel besagt:

                                               „Himmelfahrt im Sonnenschein,

                                               dann wird der Herbst gesegnet sein“.

 

(variabel nach der Osterberechnung, 40 Tage nach Ostern, wobei der Ostersonntag und der Himmelsfahrtstag selbst nach antiker Tradition mitgezählt werden; Himmelfahrt liegt zwischen dem 6. und 7. Sonntag der Osterzeit,  immer ein Donnerstag; der frühestmögliche Termin ist nach der Osterberechnung der 30. April, der spätestmögliche der 3. Juni)

 

© Christian Meyer



[1]Bei Plato, Plotin u.a. war der Demiurg (gr. "der im Volke tätige") der (göttliche) Weltenbaumeister, der die ganze Welt aus der chaotischen Urmaterie geformt habe. In der modernen Religionswissenschaft und Ethnologie ist der Demiurg die weltweit verbreitete mythische, halb göttliche Gestalt eines Gründers und Kulturstifters. Für die griechische Mythologie war Prometheus der Demiurg.  

[2] Heilige Weltsäulen, die den Himmel tragen und die Verbindung zu den Göttern darstellen, sind ein weltweit verbreitetes kosmologisches Bild. Auch die berühmte "Irminsul", die Karl der Große in Sachsen 772 zerstören ließ, gehörte wohl zu diesem Typus.

[3] Henoch galt in jüdisch - christlicher Tradition als Erfinder der Schrift und der Einteilung der Zeit in Monate und Jahreszeiten; er stiftete Frieden, gab Rechte und Gesetze und belehrte seine Zeitgenossen über die Ordnung der Welt (vgl. Gorion, a.a.O., S. 122f). Henoch kann als eine Art jüdischer Demiurg angesehen werden. 

[4] Ganz ähnlich soll auch Franz von Assisi seinen Mönchen in einem Wagen gen Himmel fahrend erschienen sein (vgl. z.B. das Fresko von Giotto in der Oberkirche von Assisi.

[5]Nach jüdischen Legenden blieb Elia auch nach seiner Himmelfahrt aktiv: "Den Vögeln unter dem Himmel gleicht Elia, denn wie ein Vogel fliegt er in der Welt umher..... Elia durchfliegt die Welt in vier Zügen, um bei jeder Beschneidung zugegen zu sein" (vgl. Gorion, a.a.O., S. 657).

[6] Der Mythos wird in dem Gilgamesch - Epos berichtet. Der Sintflut - Held, bei den Sumerern wurde er Ziusudra, bei den Babylonier Ut - na - pischtim genannt, baute auf Empfehlung eines wohlgesonnenen Gottes ein Boot und überlebte mit seiner Familie und einigen Tieren die große Flut. Er wurde von den Göttern gesegnet und starb nicht. Vielmehr wurde er zusammen mit seiner Frau von den Göttern an einen fernen paradiesischen Ort entrückt, "an der Mündung der Ströme", in das Urland, das reine "Land Tilmen".

[7] Chrysostomos bedeutet „Goldmund" (von gr. "chrysos" = Gold + "stoma" = Mund). Der Hl Chrysostomos war ein griechischer Kirchenlehrer des 4./5. Jhdt, sein Namenstag ist der 27. Januar.

[8] Zusätzlich findet eine Heiligblutprozession alljährlich an jedem ersten Montag nach dem 2. Mai in Brügge statt. Alle fünf Jahre jeweils im August wird nachts auf dem Marktplatz zu Brügge das Heiligblutspiel („Sangius Christi") aufgeführt, eine Art Freilichtspiel mit ca. 2000 Mitspielern.

[9] Neuere Forschungen legen es nahe, dass die Reliquie aus Konstantinopel und nicht aus Jerusalem stammen könnte.

[10]Der Fels mit dem Fußabdruck im Innern des Felsendomes ist  nach Islamischer Tradition derselbe heilige Fels, auf dem Abraham / Ibrahim seinen Sohn opfern wollte. 


Die Abb. unten zeigt das „Himmelsloch“ im Gewölbe der Franziskanerkirche in Jüterbog. Die Deckenmalereien (um 1500) stellen u.a. die Stigmatisierung des Franz von Assisi dar (vgl. Fest der Wundmale am 17. September; die Abb. entstammt „Sankt Franz …“, S. 37, a.a.O.).

 

Das Himmelsloch der Mönchenkirche in Jüterbog
Das Himmelsloch der Mönchenkirche in Jüterbog