Wochen und Wochentagsbezeichnungen

 

Eine frühe Wocheneinteilung gab es – angelehnt an den Mondkalender – im antiken Babylon. Jedoch gab es keine festen akkadische Wochentagsbezeichnungen, die Tage im Monat wurden mit Ordinalzahlen bezeichnet. Allerdings gab es vier feste Bezeichnungen für Mondmonatstage, die sich auf die verschiedenen Mondphasen bezogen:

  • Archu (arḫu): 1. Tag, „Neulicht“
  • Sebutu (sebutu): 7. Tag, Halbmond (erstes Viertel des zunehmenden Mondes)
  • Schapattu (šapattu): 15. Tag, Vollmond (zweites Viertel des zunehmenden Mondes)
  • u4-na-a („Schlafengehen“): 29. Tag, Neumond

Vermutlich übernahmen die Juden in Babylon die Wocheneinteilung samt der Tageszählung, außer dem Sabbat als Ruhetag.  Keine andere antike Gesellschaft kannte einen solchen festen Tag zur Arbeitsruhe und zum Gottesdienst. Der Name Sabbat ist wahrscheinlich auch akkadischer Herkunft.

 

Der muslimische Kalender zählt die Wochentage, gesonderte Namen haben nur der Freitag, der Versammlungstag Cuma, und der Sonnabend, der Sabbat. 

 

Der traditionelle chinesische Kalender kannte keine 7-Tage - Woche, aber einen 60- Tage - Zyklus, der wie die Wochen unabhängig von Monat und Jahr unantastbar abläuft. Bis heute werden die Wochentage numeriert, Namen haben sie nicht: Montag ist der  1. Tag, Dienstag der 2. Tag etc. Nur der Sonntag erhält das Zeichen „ yáng“ Sonne.

 

Bei den antiken Griechen gab es keine Wocheneinteilung und von daher auch keine Wochentagsnamen. Verschiedene Poleis unterteilten die Monate in drei Dekaden, ohne allgemeinen Ruhetag.

 

Auch im republikanischen Rom gab es ursprünglich (wie auch zuvor bei den Etruskern) keine siebentägige Woche und keine Wochentagsbezeichnungen, jedoch war jeder 9. Tag jeweils ein Markttag (Nundinales dies, vom lat. „nundinae“  „neuntägig“). Die „Marktwoche“ war faktisch eine achttägige Woche, wobei die irreführende Bezeichnung „neuntägig an der inklusiven Zählung lag, bei der beide angrenzenden Markttage mit in die Zählung einbezogen wurden. Zwischen den einzelnen Marktagen  lagen also nur sieben Tage.

Die Tage jeder Marktwoche wurden im Kalender fortlaufend mit den Buchstaben „A“ bis „H“ gekennzeichnet (Nundinalbuchstaben). Der Buchstabe für den Markttag wechselte jedes Jahr, denn die Jahreslänge ist kein Vielfaches von 8 Tagen.

 

Vermutlich in Alexandria im 2. Jhdt. v. Chr. entstand die „Planetenwoche, mit den Bezeichnungen nach den sieben mit dem Auge sichtbaren Planeten (Sol, Luna, Mars, Mercurius, Jupiter, Venus, Saturnus), die ja auch „heidnische“ Götter waren. Die Planeten (zu denen damals auch die Sonne und der Mond gerechnet wurden)  galten der damaligen Astrologie als schicksalsbestimmende Regenten des jeweiligen Tages.

 Von Alexandria aus verbreitete sich die Planetenwoche in der ganzen römisch - hellenistischen Welt, seit dem Ende des 1. Jhdts n. Chr. - in der frühen Kaiserzeit - auch in Rom selbst. So war z.B. das Pantheon in Rom - errichtet ursprünglich zur Zeit des Augustus - eigentlich den sieben Planetengöttern geweiht.

 

Unsere Wochentagsnamen haben in der astrologischen Herrscherlehre ihren Ursprung,. Für jeden Tag, jedes Jahr, jede Stunde oder jedes Lebensalter setzte die Astrologie sogenannte Herrscher ein (vgl. Hamel 1987, S. 102, a.a.O.).: die Sonne, der Mond, der Mars, der Merkur, der Jupiter, die Venus und der Saturn. Mit der Planetenwoche kam auch die 7-Tage-Woche nach Rom (vgl. Wendorff, S. 75, a.a.O.). In verschiedenen romanischen Sprachen leiten sich die Namen der Wochentage von der Planetenwoche ab: so im Französischen ...

·         lundi von  lat. dies Lunae, von Luna, der Mondgöttin

·         mardi von  lat. dies Martis, Genitiv von Mars, dem Kriegsgott

·         mercredi von lat. dies Mercurii, von Merkur, dem Götterboten und u.a. Gott der Diebe

·         jeudi von lat. dies Jovis, Genitiv von Jupiter, dem Himmelsgott und Göttervater

·         vendredi von  dies veneris, Genitiv von Venus, der Göttin der Liebe und Schönheit

 

                            Ausnahmen sind im Französischen:

·         samedi von  vom vulg.- lat. „sambati dies" (vgl. unten, "Samstag"), das in der Spätantike

                            teilweise den „dies saturni" verdrängt hatte. Seit dem 12. Jhdt. ist „samedi" im Französi-

                            schen nachgewiesen.

·         dimanche von  Herrentag (vgl. Apg 1, 10), eine christliche Bezeichnung. "Dimanche" ist

                seit dem 12. Jhdt. nachweisbar, zuvor "diemanche", das vom kirchenlat. "dies domenicus" =

                Tag des Herrn abgeleitet wurde.

 

Im Lateinischen folgten: Sonnabend: dies Saturni, von Saturn, und Sonntag: dies Solis, nach dem Sonnengott.

 

Sogar über die römischen Reichsgrenzen hinaus, nach Germanien, drang die Planetenwoche im 4. Jhdt. vor. Hier wurden die Tage mit den Namen germanischer Götter verbunden. Dies blieb auch bis in die modernen germanischen Sprachen hinein erhalten (vgl. Dörries, S. 88f.):

Ziu, Tyr ð Dienstag, Tuesday; Wotan: ð Wendsday; Thor, Donar  ð Donnerstag, Thursday; Frigga, Freya  ð Freitag, Friday. Ein Sonderfall  liegt beim engl. „Saturday“ (nl. „zaterdag“) vor: Dieser Name wurde vom römischen Gott des Ackerbaus Saturn abgeleitet. Die namensgebenden Götter sind bereits lange untergegangen, - in den Wochentagsbezeichnungen leben sie noch heute fort.

 

Ein weiterer Sonderfall liegt beim „Montag“ (eng. monday; niederl. maandag; schwed. måndag) vor; es handelt sich um eine Lehnsübertragung vom lat. dies lunae (bzw. vom gr. hemera selenes) und nicht um gine Germanische Gottheit.

 

Der Begriff „Sonnabend“ bedeutet einfach der Vorabend des Sonntages. Im Süden und Westen Deutschlands wird der Begriff „Samstag“ benutzt. Samstag wurde vom hebräischen „Schabbat“ abgeleitet. Im alten Syrischen wurde aus „bb“ „mb“ und es entstand das vulgärgriechische „sámbaton“. Dies Wort gelangte ins Gotische („sambato“) und über die gotisch - arianische Mission donauaufwärts in den deutschen Sprachraum (ahd., 9. Jhdt. „sambaztac“, mhd. „sameztag“) . Dieselbe hebräische Wurzel hat das Ungarische „szombat“, das Rumänische „sîmbata“, das Französische „samedi" und das Russische „Суббота“.  

 

Der Sonntag (ahd: „sunnuntag“) gilt als der 7. Tag der Woche. Für die  Kirche ist es jedoch der 1.Tag der Woche. Schon in frühchristlicher Zeit gingen die Christen von der Feier des Sabbat ab und feierten ihre Gemeindegottesdienste am Tag der Auferstehung Christi, am ersten Tag der Woche. Dieser „Herrentag“ wurde schon im 2.Jh. verwendet. Unter Kaiser Konstantin wurden 321 „Sonntagsgesetze“ erlassen, die diesen Tag, „den ehrwürdigen Tag der Sonne“, als arbeitsfreien Tag festlegten. Unter Konstantin war noch  vom Sonntag die Rede, Kaiser Theodosius hingegen sprach nur noch vom „Herrentag“ - der „heidnische“ Name sollte unterdrückt werden (vgl. Dörries, S. 91, a.a.O.). Denn dieser Tag war der Sonne geweiht und der Name blieb in den germanischen Sprachen erhalten. Die romanischen Sprachen entlehnten ihn dem urchristlichen ‘Herrentag’ - dies dominica (dimanche, domenica, domingo).

 

Die katholische Kirche kämpfte später vergeblich gegen diese „unchristlichen“ Namen der Planetenwoche an, sie blieben in den romanischen und den meisten germanischen Sprachen erhalten.

Die byzantinische Kirche hingegen übernahm die biblisch-jüdische Wochentagszählung, die von daher auch in die slawischen Sprachen eingegangen ist.

 

Die meisten indischen Kalender kennen die Woche und Wochentagsbezeichnungen; diese haben - wie im westlichen Kalender - jeweils eigene „himmlische Herrscher“:

·       der Sonntag (ravivara) wird von der Sonne (ravi) beherrscht

·       der Montag (somavara) wird von dem Mond (soma) beherrscht

·       der Dienstag (mangalavara) wird von dem Mars (mangala) beherrscht

·       der Mittwoch (budhavara) wird von dem Mond (budha) beherrscht

·       der Donnerstag (brihaspativara) wird von dem Jupiter (brihaspati) beherrscht

·       der Freitag (shukravara) wird von der Venus (shukra) beherrscht

·       der Samstag (shanivara) wird von dem Saturn (shani) beherrscht.

 

Auch der bengalische Kalender kennt eine Woche von sieben Tagen, die Namen der Wochentage wurden von himmlische Objekten abgeleitet.

 

© Christian Meyer