Modenamen

 

Die Vergabe von Vornamen unterliegt verschiedenen Traditionen, Vorlieben und Modeerscheinungen. Der Name „Horst“ war z.B. wegen des Bezugs zum heroisierten Horst Wessel während der NS-Zeit ein weit verbreiteter Vorname (vgl. auch "Adolf").  

Die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) untersucht jährlich durch Stichproben bei fünf großem Standesämtern [1] die Beliebtheit von Vornamen. In den letzten Jahren bis 2016 lagen die Namen …

·         Sophie und Marie bei den Mädchen,

·         Maximilian und Alexander bei den Jungen

auf den Spitzenplätzen bei der Beliebtheit. Die GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels führte dazu aus, dass „… 90% der Eltern … den Namen nach Schönheit und Klang“ vergäben (vgl. „Uetersener Nachrichten“, 29. Dezember 2016, S. 24).

Der Namensforscher Knud Bielefeld erstellte allerdings ein abweichendes Namens-Ranking: Seinen Daten nach waren Roger, Mia, Ben, Elias und Mila die beliebtesten Vornamen (vgl. „Uetersener Nachrichten“, 29. Dezember 2016, S. 24).

Die Diskrepanz könnte sich aus der Häufigkeit von Zweit- (oder Dritt-) Namen ergeben: Ca. 40 % der Eltern gaben ihren Kindern mehr als einen Vornamen. Zu den beliebtesten Zweitnamen zählten u.a. Marie und Alexander.  

 

Im Jahre 2009 wurde eine Studie der Universität Oldenburg zu Vorurteilen von Grundschullehrer*innen veröffentlicht. Hunderten von Lehrkräften aus Niedersachsen wurde online eine fiktive Klassenliste vorgelegt und die Befragten sollten ihre Assoziationen dazu nennen.

Dabei zeigte sich, dass z.B. gegenüber modischen Namen wie Kevin, Chantal, Cindy, Mandy oder Justin deutliche Vorbehalten bei vielen der befragten Lehrkräfte existierten. Insbesondere Namen mit exotischen Anklängen oder Vorbildern aus der Unterhaltungsindustrie („Kevin allein zu Haus“ etc.) riefen bei manchen Lehrer*innen negative Assoziationen (verhaltensauffällig, frech etc.) hervor (vgl. „Die Zeit“, 18. September 2009; https://www.zeit.de/wissen/2009-9/vorurteile-namen-grundschullehrer?utm_referrer=https%3A%2F%2F).

So sei “…Kevin … kein Name, sondern eine Diagnose.“ Die Lehrkräfte ordneten die kleinen Mandys und Kevins ganz bewusst einem bildungsfernen Unterschichtmilieu zu, führte die Erziehungswissenschaftlerin und Studienleiterin Astrid Kaiser (*1948) aus. Ähnliche Erfahrungen mit Modenamen liegen auch aus Ost-Deutschland vor.  

Die Gefahr besteht in dem Phänomen der Sich-Selbst-Erfüllenden-Prophezeiung: Erwarte eine Lehrkraft bei einem Schüler schlechte Leistungen, dann könne sich diese gerade wegen dieser Erwartung auch tatsächlich einstellen, wie die Vorurteilsforschung und Erwartungshaltungsforschung belegen.

In der Folge sanken die Vergabedaten dieser Modenamen deutlich ab (vgl. „Tagesspiegel“, 22. September 2020, S. 28).

 

Dabei lautete ein Refrain im Song des Berliner Kabarett- und Chanson-Duos „Eichhorn und Pigor“: „Die Kevins haun uns raus / Die kenn’ sich überall aus / Denn die sahn schon von klein auf / Die Sendung mit der Maus“.

 

 © Christian Meyer

 

[1] Deutsche Standesämter akzeptierten im Jahre 2016 folgende Vornamen neu: Christmas, Blade, Kedyra, Miracle und Lunis. Nicht zugestimmt wurde folgenden Namensideen: Holunda, Ulme, Pims, Univers oder Westend (vgl. „Uetersener Nachrichten“, 29. Dezember 2016, S. 24).