7. Juli: Saba - Saba - Fest, (auch: Nane – Nane) Tag des Bauern und der Landwirtschaft, gesetzliche Feiertage in Tansania [1] sind beide Tage auch der 8.8.

 

 

 

Ursprünglich war das Fest ein Gedenktag an den Gründungstag der Unabhängigkeitspartei TANU [1] am 7.7. 1954.  Das Wart „Saba – Saba“ bedeutet auf  Kisuaheli „Sieben Sieben“, nach dem Gründungsdatum. 

 

Allmählich entwickelte sich das Saba - Saba - Fest zu einem gesamt-tansanischen Ereignis. Neben einer als Entwicklungsbilanz geltenden seit 1963 gezeigten Leistungsschau, der Saba-Saba - Messe bei Daressalam (“Dar es Salaam International Trade Fair“) auf dem „Mwalimu JK Nyerere Fair Ground“, gibt es viele kleine Ausstellungen im ganzen Land. Verbunden ist das Fest überall mit einem großen, farbenprächtigen Volksfest, mit viel Musik und insbesondere regionalen „ngomas“ (Tänzen; vgl. Broszinsky - Schwabe, S. 252, a.a.O.).  Die Messe hatte im Jahre 2007 mehr als 550 000 Besucher.

 

 

 

Im Jahre 1992 geriet Saba-Saba in den politischen Streit, weil die Opposition bei der ersten Mehr–Parteien–Wahl in diesem Jahr kritisierte, dass die Messe in unfairer Art die herrschende Partei begünstige. „Nane – Nane“ (kisuah. „acht – acht“) sollte Saba – Saba ersetzen, konsequent auf den 8. August gelegt.

 

Seither findet die Messe am 7. Juli statt, einige (viele?) Regionen und Gemeinden, z.B. Aruscha, aber feiern „Nane – Nane“ am 8. August.  

 


Tansania hat bei knapp 40 Mio. Einwohnern ca. 30 – 40 % christliche und ca. 30 – 40 % muslimische Einwohner. Allerdings sind viele Familien nicht ausschließlich christlich oder muslimisch, Konversionen in alle Richtungen sind möglich und kommen vor.

 

Jedoch sind die tansanischen Muslime unterrepräsentiert in Staat und Verwaltung, benachteiligt hinsichtlich der Bildung und Qualifikation. Seit der staatlichen Unabhängigkeit stellten sie nie mehr als 20 % der Studenten des Landes (vgl. Wiedemann, S. 16, a.a.O.). 

 

Dabei ist der gegenwärtige Präsident, Jakaya Kikwete, ein Muslim.

 

Viele tansanische Muslime sind Anhänger der Qadiriyya, einer bedeutenden Sufi–Bruderschaft [2]. Jedoch sind auch in Tansania Wahabiten vertreten, die einen „puristischen, textrigiden Islam“ propagieren (vgl. Wiedemann, S. 16, a.a.O.).

Die Bantusprache [3] Swahili [4] (auch Suaheli / Kisuaheli) ist heute die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas, mit ca. 10–15 Mio. Muttersprachlern in Tansania, Kenia, Uganda, und (geschätzt) mehr als 100 Mio. Sprechern, vom Kongo, Ruanda und Burundi im Westen, bis nach Sambia,  Nordmadagaskar und Mocambique im Süden, Somalia im Norden und den Komoren im Osten.  

 Swahili entstand an der ostafrikanischen Küste des Indischen Ozeans, insbesondere auf Sansibar und der kleinen kenianischen Küstenstadt Lamu, zwischen dem 7. und 8. Jhdt. n. Chr. unter dem Einfluss arabischer und persischer Kauflaute.

 Der aus Marokko stammende arabische Reisende und Forscher Ibn Battuta erreichte im 14. Jhdt. per Schiff von Norden her kommend die ostafrikanische Küste, u.a. die Städte Kilwa und Mombasa. Er nannte die Region bereits „Sawahil“, die Küstenländer [5] (vgl. Ibn Battuta, Bd. I, S. 251, a.a.O.), ohne allerdings auf die Sprache der Afrikaner einzugehen [6].

Aus der Notwendigkeit beim Handel zu kommunizieren entwickelte sich eine neue Sprache, eine afrikanische Sprache mit vielen arabischen Lehnworten. 

Tansania wird sprachlich durch Swahili (auch: Kisuaheli) zusammengehalten, neben dem Englischen die Staatssprache, die lingua franca zwischen den ca. 130 Sprachgruppen des Landes. Alle Grundschüler lernen und sprechen Kisuaheli, eine Sprache, die (ursprünglich) mit arabischen Buchstaben geschrieben wurde. Ca. 20 - 30% der modernen Swahili-Wörter sind arabischen Ursprungs, so z.B. …  

 

  • kitabu/vitabu „Buch“/„Bücher“ (vom arab. kitāb „Buch“).
  • ijumaa Freitag ; vom arab. Yaum al-ǧum’a Tag der Zusammenkunft
  • mahali  der Ort
  • safari  Reise
  • askari Soldat
  • salamu Friede, Heil
  • chai Tee
  • vizara  Ministerium
  • afya  Gesundheit
  • maarifa  Kenntnis, Wissen

Es gibt im Swahili auch portugiesische, englische und aus der Kolonialzeit („Deutsch-Ostafrika“, bis 1918) sogar deutsche Lehnworte. Sie  hat in Tansania einige geringe Sprachspuren hinterlassen (so shule, hela – von Heller - oder mashine). 

 

Unter dem Einfluss der europäischen Kolonialmächte wurde sie dann seit dem Ende des 19. Jhdts. mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

Der deutsche Forscher und Missionar Johann Ludwig Krapf (1810 - 1881) „entdeckte“ bei seinen Reisen nicht nur den Kilimandscharo und Mount Kenya, er übersetzte 1844 Teile der Bibel ins Kiswahili, veröffentlichte 1850 eine erste Kiswahili-Grammatik und 1882 ein Kiswahili-Wörterbuch. Krapf legte damit einen Grundstein für Kiswahili als Literatursprache und lingua franca Ostafrikas.

Die deutschen Kolonialisten setzten das Swahili als Amtssprache für den direkten Kontakt mit den Einheimischen auf den unteren Ebenen der Verwaltung sowie in den staatlichen Schulen ein.

Heute wird Swahili nach festen orthographischen Regeln mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

 Das Suaheli/Swahili (eigentlich: Kisuaheli, mit dem Nominalklassenpräfix Ki- für die Sprache [7]) ist Amtssprache in Tansania und Kenia, sowie verfassungsgemäß 2. Amtssprache in Uganda. In der Realität ist Swahili die Kommandosprache der ugandischen Polizei und des Militärs, wird aber in der zivilen Verwaltung selten genutzt.

Im Jahre 2005 wurde Swahili neben Englisch zur zweiten Nationalsprache Ugandas erklärt und wird seither langsam zunehmend in den Schulen unterrichtet.

Immer wieder kam und kommt es in Tansania zu Konflikten zwischen den Religionsgruppen, so z.B. als ….

 

  • ein islamischer Geistlicher in einer öffentlichen Predigt äußerte, Jesus sei nicht Gottes Sohn. Der Prediger wurde nach Unruhen und gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zunächst  zu 18 Monaten Gefämgnis verurtelit. In der Berufung wurde das Urteil als der Religionsfreiheit widersprechend aufgehoben.
  • ein christlicher Prediger behauptete, in einer Moschee in Daressalam sei Jesus beleidigt worden. In den darauf folgenden Unruhen wurden vier Mulime von der Polizei erschossen (vgl. Wiedemann, S. 16, a.a.O.).

 Tatsächlich scheint es sich bei den Auseinandersetzungen eher um „soziale Verteilungskämpfe“ (vgl. Wiedemann, S. 17, a.a.O.) zu handeln, soziale Konflikte, die „konfessionalisiert“ werden.

 

In Kenia bezeichnet “Saba Saba” auch den Tag des 7.Juli 1990, an dem es nach erfolgreichen Protesten zu den ersten freien Wahlen und einem Mehrparteiensystem kam. Auch im Jahre 2017 gab es zu diesem Datum Gedenkveranstaltungen im Uhuru-Park in Nairobi.   

 

(unveränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender, beide Tage sind gesetzliche Feiertag in Tansania)

 

 © Christian Meyer

 


[1] Die TANU („Tanganyika African National Union“) wurde unter der Federführung von Julius Kambarage Nyerere gegründet, dem späteren ersten Präsidenten von Tansania zwischen 1962 und 1985. Die TANU Blieb bis 1977 die dominierende politische Partei. Dann wurde sie mit ASP (Afro-Shirazi Party) in Sansibar verschmolzen und es entstand die bis heute regierende „Revolutionary State Party“ („Chama Cha Mapinduzi, CCM).

[2] Der Qadiriyya-Orden (auch: Kadiriyya) gilt als einer der ältesten Sufis - Orden und sieht den persischen Mystiker Abd al-qadir al-Dschilani (1077 - 1166) als seinen Gründer und Namensgeber an. Die Qadiriyya sind einer der am weitesten verbreiteten Orden (Tariqa) in der islamischen Welt, bis heute u.a. in China, Indien, Pakistan, der Türkei, dem Balkan sowie in West- und Ostafrika. Besonders in West – Afrika war und ist der Orden auch politisch bedeutsam.

[3] Das Wort „Bantu“ bedeutet „Menschen.

[4] Der Begriff „Swahili“ leitet sich von dem arabischen Wort „saahilii“ (Küstenbewohner) ab und bezeichnete die arabisch beeinflussten, islamisierten Bewohner der ostafrikanischen Küstenstädte. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Begriff zu einer Art Ethnonym . Ursprünglich bezeichneten sich die Bewohner der ostafrikanischen Küstenregion selbst als „Araber“, als „Omani“, oder als "Zanj / Zenj" (von arabisch "schwarz").

Das Präfix ki- bei „Kisuaheli“ gibt die Zugehörigkeit zu einer Nominalklasse an (wie z.B. im Deutschen der Artikel).

[5] Die Sprach-Bezeichnung „Swahili“ stammt von dem Plural „sawāḥil“ von arabisch „sāḥil“   „Küste“ oder „Grenze“ (vgl. auch „Sahel“). Davon abgeleitet as-sawāḥilī  (السواحلي) „Küstenbewohner“. Umstritten ist, ob die Endung „-i“ auf das arabische Nisba-Adjektivierungssuffix zurückgeht oder aus klanglichen  Gründen angehängt wurde.

[6] Ibn Battuta merkte jedoch an, dass die regionalen Muslime sich „im Glaubenskrieg“ mit den benachbarten „ungläubigen Negern“ befanden (Ibn Battuta, Bd. I, S. 252, a.a.O.).

[7] Das Präfix ki- bezeichnet im Swahili die Nominalklasse für Sprachen, Werkzeuge und andere Objekte; „kidachi“ das Deutsche.