6. Februar

Internationaler Tag gegen die weibliche Genitalverstümmelung

 

Die sog. weibliche Beschneidung ist eine mindestens 5000 Jahre alte Tradition. Da bereits weibliche altägyptische Mumien gefunden wurden, die Anzeichen für eine genitale Verstümmelung aufwiesen, wurde diese Tradition auch – verharmlosend – „pharaonische Beschneidung“ genannt.

 

Die Befürworter der „Beschneidung“ rechtfertigen die Praxis mit der Tradition als Teil weiblicher Initiationsriten, sie diene der Vervollkommnung der weiblichen Schönheit und garantiere die sexuelle Treue der Frauen. Oft herrscht auch Vorstellung, eine unbeschnittene Frau finde keinen Ehemann. Nach einer sehr umstrittenen Hadith soll der Prophet Muhammad zur Praxis der weiblichen „Beschneidung“ geäußert haben: „Schneide, aber schneide nicht zu tief“ (vgl. „Spiegel“, H. 24/1977).

 

Bei dem Volk der Kabre (ca. 15 % der ca. 40 ethnischen Gruppen in Togo) durchwandern Mädchen nach inhrer Initiation die Felder des Dorfes: „Die Fruchtbarkeit, die sie nun verkörpern, soll sich auf die Nutzpflanzen übertragen“ (Haberland, S. 45, a.a.o.). 

 

Traditionell werden bei den Manja (im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik) während der Initiation die Mädchen „beschnitten“, d.h. eine ältere Frau entfernt mit einem Messer die Klitoris (vgl. Abb. unten): „Während der Operation steht jedem Mädchen eine ‚Patin‘ zur Seite, die es beruhigt, pflegt und aufmuntert … Später sitzen die Mädchen im Kreis im Schatten eines großen Baumes. Um Staub und Insekten von der Wunde fernzuhalten, sind ihre Körper mit Blättern bedeckt“ (Haberland, S. 45, a.a.o.).   

 

 

 

Die eine UN-Resolution von Dezember 2012 werden die Mitgliedsstaaten zum gesetzlichen Verbot der Genitalverstümmelung verpflichtet, sowie zu unterstützenden Maßnahmen für „beschnittene“ Frauen und Mädchen (einschließlich Migrantinnen und Flüchtlingen).

  Die Rechtslage ist ziemlich klar: In Deutschland galt die Genitalbeschneidung als gefährliche Körperverletzung. Eltern, die ihre Töchter z.B. im Herkunftsland „beschneiden“ lassen, können dadurch ihr Sorgerecht verlieren.

 Seit einer Gesetzesänderung 2013 ist die Genitalverstümmelung nun eine „schwere Körperverletzung“:

§ 226a StGB: Verstümmelung weiblicher Genitalien

(1) Wer die äußeren Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In minder schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.

 

Auch viele afrikanische Staaten haben Gesetze gegen die traditionelle Genitalverstümmelung erlassen. Die Gesetzgebung allein nützt aber wenig, aber die (theoretische) strafrechtliche Verfolgung ist eine basale Voraussetzung für das Ende dieser traditionellen Praxis.

In Guinea z.B. wurde die Genitalverstümmelung schon 1969 gesetzlich verboten, aber dennoch sind wohl mehr als 90% aller dortigen Frauen „beschnitten“. Im Jahre 2011 kam in der ost-guineischen Stadt Kankan – der drittgrößten Stadt des Landes - das Gerücht auf, ein kleines Mädchen sei gestorben, weil sie nicht beschnitten war – es sei „unrein“ gewesen. In der Folge kam es in der Region zu einer Welle neuer „Beschneidungen“, von immer jüngeren Mädchen (vgl. „Tagesspiegel“, 8. September 2013, S. 32). Durch Aufklärungskampagnen ist die Zahl der Beschneidungen in der Region nun aber wieder rückläufig, auch haben einige Beschneiderinnen ihren Beruf gewechselt (http://www.mama-afrika.org/de/projekte/erfolge).  

 

Täglich sterben etwa 500 Mädchen und  Frauen an den  Folgen der  Genitalverstümmelung (vgl. http://www.mama-afrika.org/de/projekte/erfolge)

 

 

 

(unveränderlich, nach dem Gregorianischen Kalender)

 

© Christian Meyer

 

„Beschneidung“ bei den Manja in Tschad (aus Haberland, S. 46, a.a.O.).