Der Mongolischer Kalender

Der traditionelle mongolische Kalender ist – wie der jüdische, der tibetische, der chinesische oder der hinduistische Kalender – ein gebundener Mondkalender, ein Lunisolarkalender. Im Gegensatz zu einem reinen Mondkalender – wie dem muslimischen Kalender – wird durch geeignete Schaltungen ein Ausgleich zum jahreszeitlichen Ablauf des Sonnenjahres erreicht. 

Die Monate des traditionellen mongolischen Kalenders sind echte Monate, sie sind an den die Phasen des Mondes gebunden: Jeder Monat beginnt mit immer mit dem Wiedersichtbarwerden einer schmalen Mondsichel nach dem Neumond. Am 15. Tag des mongolischen Monats ist von daher in der Regel Vollmond.

Jeder traditionelle mongolische Monat hat nach seiner Zählung 30 Tage, faktisch aber werden meist einige Tage nicht gezählt bzw. werden doppelt gezählt. So war z.B. das mongolische Mondjahr, das in den Zeitraum der Gregorianischen Jahre 1997/98 fiel, wie folgt aufgebaut:

 

1. Monat

8. Februar  1997 – 9. März 1997

11. Tag doppelt gezählt

30 Tage gezählt

faktisch 31Tage

 '  7. Februar

 z 22. Februar = 15. Tag

2. Monat

10. März  – 7. April 1997

1. Tag fiel aus, 15. Tag 2mal gez.

30 Tage gezählt

faktisch 30 Tage

' 9. März

z 24. März = 2. der 15. Tage

3. Monat

8. April –  6. Mai 1997

29. Tag fiel aus

30 Tage gezählt

faktisch 29 Tage

'  7. April

z 22. April = 15. Tag

4. Monat

7. Mai   5. Juni 1997

9. Tag doppelt gezählt

30 Tage gezählt

faktisch 31 Tage

' 6. Mai

z 22. Mai  =  15. Tag

5. Monat

6. Juni -  4. Juli 1997

26. Tag fiel aus

30 Tage gezählt

faktisch 29 Tage

' 5. Juni

z 20. Juni  = 1 5. Tag

6. Monat

5. Juli  -  3. August 1997

18. Tag fiel aus

30 Tage gezählt

faktisch 29 Tage

' 4. Juli

z 20. Juli  = 15. Tag

7. Monat

4. August -  1. September 1997

20. Tag fiel aus

30 Tage gezählt

faktisch 29 Tage

' 3. August

z 18. August  =  15. Tag

8. Monat

2. September –  1. Oktober 1997

2. Tag doppelt gezählt

30 Tage gezählt

faktisch 31 Tage

' 2. September

z 16. September  =  15. Tag

9. Monat

2. Oktober –  31. Oktober 1997

17. Tag fiel aus, 27. &30. Tag 2x

30 Tage gezählt

faktisch 31 Tage

' 1. Oktober

z 16. Oktober  =  15. Tag

10. Monat

1.November -  29. November 97

10. Tag fiel aus

30 Tage gezählt

faktisch 29 Tage

' 31. Oktober

z 14. November  =  15. Tag

11. Monat

30. November – 29. Dezember

15. Tag fiel aus! 19. Tag 2mal

30 Tage gezählt

faktisch 30 Tage

' 30. November

z14. Dezember;  15. Tag fehlt!

12. Monat

30. Dezember 97 – 27. Januar 98

?????

30 Tage gezählt

faktisch  29  Tage

' 29. Dezember 1997

z 12. Januar 1998

 

 

360 Tage gezählt

  faktisch  358  Tage

 

 

Das „Ausfallen“ bzw. die Doppelzählung von Tagen innerhalb des Mondmonats dient einerseits dem Ausgleich zur Lunation (einer Monddrehung um die Erde, ca. 29,5 Tage), so kann z.B. der 15. Tag auf den Vollmond fallen. Zum anderen sind es astrologische Gründe, die zum Ausfallen bzw. Doppeltzählen bestimmter Daten führen.

Jahre mit einem 13. Monat werden „Jahre mit einem übrigen Monat“ genannt. In der Mongolei entscheidet der Chamba Lama im Handan – Kloster zu Ulaanbaatar, wann ein Jahr mit 12 bzw. 13 Monaten eingefügt wird.

Bis heute ist die Astrologie und auf astrologischen Aussagen beruhende Wahrsagerei weit verbreitet. Viele Hochzeitstermine, Geschäfte etc. werden nach angeblichen Glückstagen im Mondkalender festgelegt.

Traditionelle mongolische Lunisolarjahre können unterschiedlich lang sein (354, 355, 384 oder 385 Tage), je nach dem, ob es einen 13. Monat gibt, welche Daten ausfallen etc.

Die Jahre (wie auch die Stunden des Tages) werden - ähnlich wie in China - mit 12 Tiernamen bezeichnet: Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Schwein, Maus, Rind und Tiger .

Auch der mongolische Kalender kennt statt Jahrhunderten einen 60 - Jahreszyklus (die fünf Elemente - Feuer, Erde, Eisen, Wasser und Holz - mal den 12 Tieren). Die mongolische Jahreszählung setzt im Gregorianischen Jahr 1027 ein.

Mit folgender Methode kann man die mongolischen Mondkalenderjahre aus den Gregorianischen Jahre errechnen: Man subtrahiert von der Gregorianischen Jahreszahl die Zahl 1026 und dividiert den Rest durch 60:

Zum Beispiel: 1966 - 1026 = 940 ; 940 : 60 = 15 Rest 40

Der Rest 40 gibt an, dass 1966 das 40. Jahr in einem 60 - Jahreszyklus war. Zu der Zahl vor dem Komma (15) muss man 1 hinzuaddieren: 15 + 1 = 16: diese 16 bedeutet, dass 1966 zum 16. Jahrsechzig (seit Einführung der Zählung) gehörte. Den Rest (40) sucht man in der Tabelle. Nach der unteren Tabelle war 1966 ein Jahr des Feuerpferdes.

 

Tiername/Element

     Feuer

       Erde

      Eisen

    Wasser

      Holz

    Hase

         1

         13

         25

       37

        49

    Drache

        50

         2

         14

       26

        38

   Schlange

        51

         3

         15

       27

        39

   Pferd

        40

         52

          4

       16

        28

   Schaf

        41

         53

          5 

       17

        29

   Affe

        30

         42

         54

         6

        18

   Hahn

        31

         43

         55

         7

         19

   Hund

        20

         32

         44

        56

          8

   Schwein

        21

         33

         45

        57

          9

   Maus

        10

         22

         34

        46

         58

   Rind

        11

         23

         35

        47

         59

   Tiger

        60

         12

        24

         36

        48

 
Das Jahr 1998 war folglich das 12. Jahr im 17. Jahrsechzig, ein Jahr des Erdtigers.

Insbesondere gilt die Zeit des Heraufkommens eines neuen 60 - Jahreszyklus als mit Unglück und Leiden verbunden. Einige Historiker sehen in dieser Prophezeiung auch einen Grund für die weitgehend passive Hinnahme der Verfolgung und Unterdrückung des lamaistischen Buddhismus in der Mongolei der 30er Jahre des 20. Jhdts. (vgl.  Schenk /Haase, S. 71, a.a.O.). Bis zum Beginn des 20. Jhdts. lebte zeitweise bis zu einem Siebentel der männlichen Bevölkerung der Mongolei als Mönche in Klöstern. Die politischen Verfolgungen der dreißiger Jahre während der Herrschaft von Choibalsan gipfelten in der Zerstörung von mehr als 700 buddhistischen Tempeln und der Ermordung von ca. 10 000 Lamas in der Mongolei.


Insbesondere gilt die Zeit des Heraufkommens eines neuen 60 - Jahreszyklus als mit Unglück und Leiden verbunden. Einige Historiker sehen in dieser Prophezeiung auch einen Grund für die weitgehend passive Hinnahme der Verfolgung und Unterdrückung des lamaistischen Buddhismus in der Mongolei der 30er Jahre des 20. Jhdts. (vgl. Schenk /Haase, S. 71, a.a.O.). Bis zum Beginn des 20. Jhdts. lebte zeitweise bis zu einem Siebentel der männlichen Bevölkerung der Mongolei als Mönche in Klöstern. Die politischen Verfolgungen der dreißiger Jahre während der Herrschaft von Choibalsan gipfelten in der Zerstörung von mehr als 700 buddhistischen Tempeln und der Ermordung von ca. 10 000 Lamas in der Mongolei.


© Christian Meyer

 
Die untere Abb. zeigt eine mongolische Streichholzschachtel, die das (gregorianische) Jahr 1997/98 illustriert. Es handelte sich um ein Jahr Feuer - Rind, im 17. Jahr des laufenden Jahrsechzig.

1997 - 1026
971 : 60 = 16 Rest 11 ; 11 ergibt nach der obigen Tabelle das Jahr Feuer - Rind, 16 + ! = 17, das Jahrsechzig.

     
     
     
Mongolische Streichholzschachtel
Mongolische Streichholzschachtel