Der altrömische und Julianische Kalender

 

Die Kalenderreform, die Einführung des Julianischen Kalenders kann als eine der folgenreichsten Maßnahmen von Julius Caesar angesehen werden. In seiner Eigenschaft als „Pontifex maximus“ ( lat. „oberster  Brückenbauer“) oblag Caesar auch die Überwachung des Kalenderwesens. Caesar war damit Vorsteher des Kollegiums der Pontifices, der Priester des römischen Staatskults. Das Amt eines Pontifex maximus - die ererbten sakralen Funktionen der römischen Könige - war als Machtinstrument begehrt, von Augustus bis zu Gratian war das Amt mit dem Kaisertum verbunden. Vermutlich Leo I. (der Große, Pontifikat: 440 - 461) fügte seinen Titeln den eines Pontifex maximus hinzu. Die Päpste führen diesen „heidnischen“ Titel bis heute.

Vor der Kalenderreform Caesars praktizierte der altrömische Staat einen ziemlich ungenauen Mondkalender mit 10 Monaten, wobei das Jahr mit dem 1. März („Martius“) begann. Rein empirisch wurde er durch Einfügung von Schaltmonaten dem Sonnenjahr angepasst. Später erst wurden die regulären Monate „Januarius“ und „Februarius“ hinzugefügt.

Zu Caesars Zeit war der römische Kalender derart ungenau, dass die Differenz zum Sonnenjahr ca. 2 Monate betrug. Bei der Neuordnung stützte sich Caesar sehr wahrscheinlich auf die Kompetenz des griechischen Astronomen Sosigenes. Im Übergangsjahr 46 (v. Chr.) wurde die Differenz durch die Einfügung von zwei Sondermonaten beseitigt. Der ägyptische Sonnenkalender wurde übernommen, das ägyptische Sonnenjahr von 365 d jedoch durch die Einfügung eines Schalttages alle 4 Jahre (29. Februar) um einen viertel Tag verlängert.

Sueton beschreibt die Maßnahmen Caesars: Er „… verbesserte zuerst den Kalender, der schon lange durch Schuld der Priester, die willkürlich Schalttage einzulegen pflegten, so sehr in Unordnung geraten war, dass weder das Erntefest in den Sommer noch das Fest der Weinlese in den Herbst fiel. Das Jahr glich er dem lauf der Sonne an, so dass es dreihundertfünfundsechzig Tage hatte, der Schaltmonat aber nicht mehr nötig war und nur ein Tag in jedem vierten Jahr eingeschoben werden musste. Damit aber die Zeitrechnung für die Zukubft vom neuen ersten Januar an stimmte, schaltete er zwischen November und Dezember des alten Jahres zwei Monate ein; und so hatte das jahr, in welchem die Reform beshlossen wurde, einschließlich des Schaltmonats, der traditionsgemäß auf dieses Jahr gefallen war, fünfzehn Monate“ (Sueton, Kapitel Caesar, 40, 1-2, S. 50/51, a.a.O.). 

Das Julianische Jahr ist etwas zu lang, ein Fehler, den Papst Gregor XII. 1582 zu beseitigen trachtete.

Auch hinsichtlich der Jahreszählung gab es zuvor einigen Wirrwarr. Zum Beispiel führte Giorgio Vasari in seinen „Künstlerbiographien“ als Datum des Todes von Michelangelo Buonarotti an, er sei „ … am 17. Februar des Jahres 1563 um 23 Uhr nach florentinischer Zeitrechnung“ verschieden, nach „römischer“ 1564 (vgl. Vasari, S. 477, a.a.O.). Tatsächlich starb Michelangelo am am 18. November 1564 gegen 5 Uhr nachmittags.

Nach dem sog. Annunciationsstil fiel der Jahresbeginn - regional verschieden - zusammen mit dem Fest der Verkündigung Mariä am 25. März.