Der Jüdische Kalender

 

Bei dem Jüdischen Kalender handelt es sich um ein Lunisolarjahr, d.h. um eine Mondkalender, der durch geeignete Schaltungen dem „Sonnenlauf“ angeglichen wird. Der Monat des jüdischen Kalenders ist - im Gegensatz zu dem Gregorianischen Monat - an den tatsächlichen Mondumlauf gebunden: der Neumond bestimmt dabei jeweils den Monatsanfang.  Das Jüdische Jahr besteht aus 12 Mondmonaten zu 29 Tagen („hohle“ Monate) oder 30 Tagen („volle“ Monate) , wobei in einem 19jährigen Zyklus siebenmal ein 13. Schaltmonat (Adar II) als Ausgleich zum Sonnenjahr eingefügt wird. Die Einführung des 19jährigen Zyklus wird Hillel II. in der ersten Hälfte des 4. Jhdts. n. Chr. zugeschrieben.

In der Thorah (dem christlichen Alten Testament) werden die Monatsnamen meist vermieden, die Monate durch Ordnungszahlen gekennzeichnet. Der alte Monatsname „Abib“ ging vermutlich auf einen ägyptischen Monatsnamen zurück. Die heutigen jüdischen Monatsnamen wurden im Babylonischen Exil übernommen.


1908 wurde im biblisch antiken Gezer (ca. 50 km nordwestlich von Jerusalem, im heutigen Israel) ein Kalksteinfragment (12cm x 8cm x 1,5cm) ausgegraben, der sog. Kalenderstein von Gezer. Er stammt aus der Zeit des Königs Salomo, ca. 950 v. Chr.. Es handelt sich um eine Art landwirtschaftlichen Kalender, geschrieben in der frühesten bekannten (noch sehr groben) hebräischen Schrift. Z.T. wird die Schrift auch als frühes Phönizisch interpretiert. Auf 12 Monate/Jahreszeiten werden 8 saisonale landwirtschaftliche Arbeiten aufgeteilt. Der bruchstückhaft lesbare Text lautet:

                                    „Jahreszeit des Einheimsen,

                                    Jahreszeit der Aussaat,

                                    Jahreszeit der Spätsaat,

                                    der Flachsernte,

                                    der Gerstenernte,

                                    der sonstigen Ernte,

                                    der Weinlese,

                                    der Feigenobsternte“

                                           (zit. n. Helmut Wilsdorf, Nachwort in Dobraczynski, S. 466, a.a.O).

 

Die Zeit der Einheimsung (asiph) entspricht ca. dem September und Oktober, die Zeit der Saat (zera) dem November und Dezember, die Spätsaat (lakisch)dem Januar und Februar, das Flachshacken (asid pischta) dem März, die Gerstenernte (kesir se'ora) dem April, die übrige Ernte (kesirin kullam) dem Mai, das Rebenkürzen (zamir) dem Juni und Juli und schließlich die Fruchtlese (kajis) dem August (vgl. de.wikipedia.org/wiki/Gezer-Kalender).

Die Bedeutung des Textes ist umstritten, es könnte sich auch um einen Teil eines damals beliebten Volksliedes handeln. Der Text führte dazu, dass in der Umgebung von Gezer durch den Staat Israel der Flachsanbau eingeführt wurde.

Heute wird der Kalenderstein von Gezer im Archäologischen Museum Istanbul aufbewahrt.       

 

 © Christian Meyer

 

 

 

Stein von Gezer
Stein von Gezer

Der sog. Kalenderstein von Gezer (Abb. aus Werner Keller, a.a.O.).