Finsternisse

 

Unter einer Sonnenfinsternis versteht man das Verdecken der Sonne durch den Mond, wenn dieser zwischen Sonne und Erde steht. Der selbst nicht leuchtende Mond wird von der Sonne angestrahlt: das scheinbare Licht des Mondes ist reflektiertes Licht der Sonne. Die Erde steht bei Vollmond zwischen Sonne und Mond, wobei der Mond meist über oder unter der Ebene der Erdbahn steht. Gleiches gilt auch für Neumond, wenn der Mond zwischen Erde und Sonne steht.

Die Mondbahn ist jedoch gegen die Ebene von Sonne und Erdbahn (die Ekliptik) um knapp 6° geneigt. Deshalb steht der Mond nicht jeden Monat einmal - bei Neumond - genau auf einer Ebene zwischen Sonne und Erde.

Zu einer Sonnenfinsternis kommt es immer und nur dann bei Neumond, wenn die Bahn des Mondes nahe der Ekliptik verläuft.

Jeden Monat zweimal schneidet der Mond auf seiner Bahn die Ekliptik, diese Stellen heißen bis heute Drachenpunkte, weil nach einer alten chinesichen Legende bei Sonnenfinsternissen ein Drache die Sonne verschlänge.

Man unterscheidet die totale, die partielle und die ringförmige Sonnenfinsternis. Bei einer totalen Sonnenfinsternis ist die Sonnenscheibe völlig, bei einer partiellen Sonnenfinsternis nur teilweise bedeckt.

Bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis ist ein schmaler, ringförmiger Rand der Sonnenscheibe sichtbar und nicht vom Mond bedeckt. Dies geschieht nur dann, wenn der Mond in seinem Apogäum (dem Ort seiner größten Entfernung von der Erde) steht.

Trifft der Kernschatten des Mondes einen Ort der Erdoberfläche, so herrscht an diesem Ort eine totale Sonnenfinsternis. Diesen Bereich der Erdoberfläche nennt man die Totalitätszone. Die Totalitätszone bei Sonnenfinsternissen zieht sich als ein schmales Band von bis zu knapp 300 km Breite und mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von ca. 35 km / min über die Erde. Die Totalität einer Sonnenfinsternis dauert für einen Ort höchstens 7,7 min. Der Halbschatten des Mondes trifft ein Gebiet von mehreren 1000 km Breite. In diesem Gebiet ist die Sonnenfinsternis je nach Entfernung von der Totalitätszone mehr oder weniger partiell. 

In der Vergangenheit haben v.a. totale Sonnenfinsternisse - als die eindruckvollsten aller Verfinsterungen - oft unter der Bevölkerung Angst und Schrecken hervorgerufen, denn vielfach kannte man die Ursachen der Erscheinung nicht. Viele Menschen befürchteten immer wieder, die Welt würde nun untergehen. Man glaubte an eine Strafe der Götter, ein Wunder etc. Nach der traditionellen Vorstellung verschiedener Völker würde bei einer Sonnenfinsternis ein Drache die Sonne verschlingen.

Die früheste bekannte Aufzeichnung einer Sonnenfinsternis stammt aus dem China des Jahres 2136 v. Chr. : die Hofastronomen des Kaisers Tschung Kang hatten die Finsternis weder vorausgesagt noch beobachtet, denn sie waren währenddessen betrunken....

Dem berühmten alt - griechischen Mathematiker und Naturwissenschaftler Thales von Milet (624 – 546 v. Chr.) gelang es – wie es Herodot berichtet (vgl. I, 74) - aufgrund seiner Beobachtungen und Berechnungen erstmals eine Sonnenfinsternis vorauszusagen: als tatsächlich am 28. Mai 585 v. Chr. die vorausgesagte Sonnenfinsternis eintrat, verschaffte dies dem Thales ein sehr hohes Ansehen bei vielen seiner Zeitgenossen.

Die Meder und Lyder, die im Mai 585 im Gebiet der heutigen Türkei schon 5 Jahre lang einen blutigen Krieg führten, wußten nichts von der Berechnung des Thales: die Sonnenfinsternis soll die feindlichen Armeen während einer Schlacht am Fluß Halys (dem heutigen Kızılırmak) derart erschreckt haben, daß die Soldaten die Waffen fortwarfen und auseinanderliefen. Der medische König Kyaxares und der lydische König Alyattes (der Vater des sagenhaften Krösos) meinten, daß die Götter keinen Krieg wollten und schlossen Frieden.

Der als Fragment erhaltene neunte Päan des thebanischen Dichters Pindar (ca. 522 – ca. 446 v. Chr.) wurde durch die Sonnenfinsternis vom 30. April 463 veranlasst. Dort heißt es:

                               „Für die Thebaner

                               O Licht der Sonne, weitscheinendes, was beginnst du?

                               Mutter des Lichts unsres Auges, allüberstrahlend Gestirn,

                               Am hellen Tage beraubst du uns dieses? Machest vergeblich des Menschen Kraft

                               Und den Weg seines Denkens, gar rasch auf

                               Finstern Pfaden entweichend? Hinstürmend

                               Gleich dem Rosse geschwind, treibst uns in Schrecken, die

                               Keiner noch kennt? Bei Zeus fleh’ ich dich an:

                               Wandle. O Herrin, dies Wunder, das jeden

                               Entsetztet, in leidlosen Segen für Theben!“

                                                               (Pindar, Fragment IX, S. 214, a.a.O.).

Ludwig Wolde vermutet in dem Text einen Protest des nach heutigen Maßstäben konservativen Pindar gegen die ionische Aufklärung.

 

Der fränkische Kaiser Ludwig I. („der Fromme“) soll während einer totalen Sonnenfinsternis im Jahre 840, die über 5 min dauerte, vor Schreck gestorben sein.

Mark Twain machte in seinem spannenden, 1889 vollendeten Roman „Ein Yankee an König Artus Hof“ eine Sonnenfinsternis im frühen Mittelalter, die der Held des Romans voraussagte, zum Anlaß dafür, daß dieser zum Hauptzauberer und Chefminister im Reich des Königs wurde. 

Auch in dem Roman „Christus kam nur bis Eboli“ von Marco Levi wurde eine Sonnenfinsternis beschrieben, wohl die vom19. Juni 1936.

 

Nach lamaistischer Auffassung multiplizieren sich während einer Sonnenfinsternis die Auswirkungen von positiven oder negativen Handlungen zehntausendfach.

 

Noch bei der Sonnenfinsternis 1959 liefen manche Menschen in der Türkei  z.B. verängstigt auf die Straßen und beteten, andere jedoch machten Lärm: Frauen klopften laut auf Teller und Töpfe, Männer auf Trommeln, Pauken und Darbukas etc. Dies Verhalten soll eine Spätwirkung der mythologischen Vorstellung sein, bei einer Sonnenfinsternis würde ein riesiger Drache die Sonne verschlucken. Durch den Lärm soll der Drache erschreckt werden und die Sonne wieder ausspucken (vgl. „Cumhuriyet“, 3. 4. 1999, S. 13). Auch soll schwangeren Frauen damals der Aufenthalt draußen verboten worden sein, weil sie sonst einen Schock erleiden könnten.

 

Der römische Dichter und Philosoph Lukrez (ca. 96 - 55 v. Chr.) versuchte bereits eine rationale Erklärung für Sonnen- und Mondfinsternisse zu geben:

                               „Auch für die Sonnenverfinsterung wie das Erlöschen des Mondes

                               lassen mit großer Wahrscheinlichkeit mehrerlei Gründe sich nennen.

                               Zeigt sich der Mond befähigt, der Erde das Sonnenlicht etwa

                               völlig zu sperren, stellt sich ihm die Erde entgegen,

                               hält die heiß glühenden Strahlen zurück mit verdunkelnder Scheibe....

                               ..... Weswegen sollte nicht andererseits die Erde dem Monde

                               sperren das Licht und durch ihre Masse die Sonne verdunkeln,

                               wenn er als Neumond den starren Schatten der Erde durchgleitet....“

 

Sonnenfinsternisse sind für Astronomen bis heute interessante Ereignisse geblieben, da bestimmte Untersuchungen (z.B. der Atmosphäre der Sonne) dann besonders günstig zu durchzuführen sind.

So entdeckten bei einer Sonnenfinsternis im Jahre 1868 der Brite Norman Lockyer und der Franzose Jules Janssen unabhängig von einander ein bis dahin unbekanntes Element in der Sonnenatmosphäre, dass sie Sonnenelement oder Helium nannten. Erst Jahrzehnte Später wurde Helium auch auf der Erde nachgewiesen.

Auch die Bestätigung von Albert Einsteins Relativitätstheorie wurde mit Hilfe einer Sonnenfinsternis erstmals bestätigt. Eddington wies 1919 bei einer Sonnenfinsternis nach, dass Sterne „hinter“ der Sonne sichtbar wurden, da ihre Strahlen im Schwerefeld der Sonne gekrümmt wurden. Gebau das aber hatte Einstein prognostiziert.  

Bei einer totalen Sonnenfinsternis kommt es zu einem merklichen Abfall der Temperatur. Während der Totalität wird am Tage so dunkel, daß bei klarem Himmel plötzlich Sterne und Planeten sichtbar werden. Öfter wurde beobachtet, daß auch Tiere und Pflanzen auf eine Sonnenfinsternis reagieren: Hähne krähen beim Wiedererscheinen der Sonne, Sonnenblumen wenden ihre Blüten von der Sonne ab bzw. der Sonne zu etc.

Bei einer totalen Sonnenfinsternis ist die Sonnenkorona beobachtbar. Es handelt sich dabei um die äußere Schale der Sonne, die Korona besteht aus mehreren Millionen Grad Celsius heißen Gasen. Da sie jedoch circa zehntausend mal schwächer leuchten als die inneren Schichten der Sonne, ist die Korona mit bloßem Auge nur bei einer totalen Sonnenfinsternis zu sehen. Noch im 19. Jhdt. hielt man deshalb die Korona für eine optische Täuschung. 

Von einem Flugzeug oder einem hohen Berg aus kann man den rasch über die Erdoberfläche streichenden Schatten des Mondes beobachten.  Man darf Sonnenfinsternisse nicht mit bloßem Auge beobachten, da so Schädigungen der Augen möglich sind. Man kann aber die Sonne z.B. durch eine mit Ruß geschwärzte Glasscherbe beobachten.

 

Die Totalität der letzten in Mitteleuropa sichtbaren Sonnenfinsternis im Jahre 1999 dauerte maximal 2 min 23 sec.  Die Totalitätszone verlief vom Nordatlantik über Europa, den Vorderen Orient bis nach Indien und endete im Golf von Bengalen. In Süddeutschland war die Totalität (auf der Linie Zweibrücken, Karlsruhe, Stuttgart, Augsburg, München, Salzburg) sichtbar. In der Türkei überquerte die Totalitätszone von Nordwesten nach Südosten Zentralanatolien, umfasste u.a. Ankara und Adana.

In Berlin war die Finsternis als partielle Sonnenfinsternis sichtbar, jedoch wurde die Sonne immerhin zu 87,2 % vom Mond verdeckt sein. Die Finsternis begann in Berlin um 19 Uhr 21 und endete um 21 Uhr 59. 

Sonnenfinsternisse sind prinzipiell relativ häufige Ereignisse: In etwa drei Jahren gibt es ungefähr zweimal irgendwo auf der Erde eine totale Sonnenfinsternis, in 1000 Jahren ereignen sich 2375 Sonnenfinsternisse (und 1543 Mondfinsternisse).

Dennoch erleben wir Sonnenfinsternisse weit seltener als Mondfinsternisse, weil eine Mondfinsternis immer auf der ganzen Erde zu beobachten ist, wenn sich der Mond zu der entsprechenden Zeit über dem Horizont befindet. Sonnenfinsternisse hingegen können stets nur auf einem schmalen Streifen der Erde beobachtet werden, einem kleinen Bruchteil der gesamten Erdoberfläche (vgl. Herrmann, S.9). .

In Deutschland konnten zuvor z. B. am 30. Dezember 1982 und am 22. Juli 1990 Sonnenfinsternisse beobachtet werden. Die letzten totalen Sonnenfinsternisse waren in Deutschland in den Jahren 1886 und 1999 sichtbar. Die nächste totale Sonnenfinsternis wird in Deutschland erst am 7. Oktober 2135 sichtbar sein. 

Die partielle Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2010 war zwar prinzipiell von Mitteleuropa aus beobachtbar: die Sonnenscheine wurde gegen 9.26 zu ca. 80 % verdeckt – in Berlin aber war die Sonne – leider - hinter einer dichten Wolkendecke verborgen.

Die nächste partielle, von Mitteleuropa beobachtbare Sonnenfinsternis wird am 20. März 2015 stattfinden.

 

In der Literatur kommen mehrfach Sonnenfinsternisse vor.

Mark Twain machte in seinem spannenden, 1889 vollendeten Roman „Ein Yankee an König Artus Hof“ eine Sonnenfinsternis im frühen Mittelalter, die der Held des Romans voraussagte, zum Anlass dafür, dass dieser zum Hauptzauberer und Chefminister im Reich des Königs wurde. 

 

Auch in dem Roman „Christus kam nur bis Eboli“ von Carlo Levi wurde eine Sonnenfinsternis beschrieben, wohl die vom 19. Juni 1936.

 

Der polnische Schriftsteller Boleslaw Prus (eigentlich Aleksander Glowacki, 1845 – 1912) läßt in seinem historischen Roman „Pharao“ (1895) während des revolutionären Aufbegehrens der besitzlosen Ägypter gegen die Priesteraristokratie den Aufruhr durch eine den Priestern bekannte Sonnenfinsternis in sich zusammenbrechen. In dem entscheidenden Augenblick ertönte „... irgendwo über dem Tempel eine übermenschliche Stimme: ‚Ich wende mein Antlitz ab von dem verfluchten Volk und Finsternis komme über die Erde!’ Und es geschah etwas Furchtbares. Je länger die Stimme sprach, um so mehr verlor die Sonne ihren Schein, zusammen mit den letzten Worten aber wurde es dunkel, wie in der Nacht. Am Himmel aber funkelten Sterne. Anstelle der Sonne aber stand ein schwarzer Kreis, den ein flammender Ring umgab.

Ein unermeßlicher Schrei entrang sich der Brust der Hunderttausenden. Die das Tor Stürmenden warfen die Balken fort, die Bauern fielen auf die Erde nieder. ‚Der Tag des des Letzten Gerichts und des Todes ist gekommen!’ rief eine klagende Stimme am Ende der Straße’“ (vgl. Prus, S. 723, a.a.O.). Entsetzt warfen die Aufständischen ihre Waffen fort, der Aufstand brach zusammen.

Der österreichische Schriftsteller Adalbert Stifter (1805 - 1868) beschrieb eine Sonnenfinsternis, die er selbst am 8. Juni 1842 in Wien erlebt hatte: „Seltsam war es, dass dies unheimliche, klumpenhafte, tief schwarz vorrückende Ding, das langsam die Sonne wegfraß, unser Mond sein sollte, der schöne sanfte Mond, der sonst die Nächte so florig silbern beglänzte“ (zit. n. „Berliner Zeitung“, 25./26. März 2006, S. 16).

 

Christoph Columbus hatte auf seiner 4. und letzten Reise vor Jamaica (damals: „Santiago“) Schiffbruch erlitten, seine beiden letzten, nicht mehr seetüchtigen Schiffe auf Sand gesetzt. Auf der Insel hatte er bei der Versorgung seiner restlichen Mannschaft mit Proviant deutliche Probleme mit den Einheimischen, u.a. wegen des teilweise anmaßenden Auftretens einiger Spanier.

Als Zeichen seiner (angeblich) göttergleichen Macht prophezeite der Admiral den Einheimischen als Warnung ihrer Götter die für den 29. Februar 1504 errechnete totale Mondfinsternis: „Entsetzt folgten die Naturkinder dem Vorgang, der ihnen klar machte, dass dem bleichen Fremden ihre Götter zur Seite standen. Sie fielen ihm zu Füßen, baten um Verzeihung und versprachen jede Unterstützung“ (vgl. Buschick, S. 110, a.a.O.). In der Folge verlief die Verproviantierung der Schiffbrüchigen problemlos.


Die Totale Sonnenfinsternis am 20. März 2015  ist sichtbar in der Nordatlantik – Region, im Nördlichen Eismeer und der Arktis. In Mitteleuropa ist sie als partielle Sonnenfinsternis mit einer Bedeckung von 60 – 80 % sichtbar zwischen 9.20 und 12 Uhr.


Die Totale Mondfinsternis am 4. April 2015 ist in Mitteleuropa nicht zu beobachten, da der Mond zu dieser Zeit unter dem Horizont steht.

Dagegen ist die Totale Mondfinsternis vom 28. September 2015 beobachtbar. Die totale Bedeckung durch den Kernschatten der Erde erfolgt gegen 4.00 Uhr früh am Morgen.


 

© Christian Meyer

 

Abb. unten: Partielle Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011, von der Slowakei aus photographiert (Photo aus dem „Tagesspiegel“,  5. Januar 2011, S. 1)

 

Sonnenfinsternis
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