Imam Reza Moschee in Mashad
Imam Reza Moschee in Mashad

 

Martyrium des Imam Ali ibn Musa Reza (arab. Imam ar-Ridā,عليبنموسىالرضا), dem achten Imam der Zwölfer–Shia, schiit.–islamisch, aber kein gesetzlicher Feiertag im Iran

 

Alī ibn Mūsā ibn Ja‘far – so sein eigentlicher Name – wurde vermutlich am 29.. Dezember 765 in Medina geboren und starb – an Gift – am 18. August 818 (oder nach anderer Überlieferung am 26. Mai 818) in Khorassan.

Sein Vater Musa al-Kadhim, der siebente Imam der Zwölfer – Schia, erlitt 799 im Gefängnis das Martyrium, ihm wurde das Imamat übertragen, als al – Reza 35 Jahre alt war.

Allerdings wurde sein Imamat [1] nicht generell von den Schiiten anerkannt, es bildete sich eine weitere abweichende Richtung, die Waqifite Schia [2] . 

 

Der abbasidische Kalif Harun ar-Raschid soll die Bewegungsfreiheit Rezas in Medina eingeschränkt haben, die schiitische Überlieferung berichtet zudem von scheiternden Mordversuchen. 

Harun ar – Raschid unternahm 809 in Begleitung des Imams al – Reza einen Kriegszug nach Zentralasien und verstarb in diesem Jahr in der kleinen Stadt Senabad (dem heutigen Maschhad, nahe der damaligen bedeutenden Stadt Tus).  Der Kalif wurde daselbst auch begraben.

Nach dem Tode von Harun ar-Raschid kam es zu einem Konflikt zwischen seinen beiden Söhnen um die Nachfolge im Kalifat.

Einer der beiden Söhne, Al-Amin, hatte der Überlieferung nach eine arabische Mutter und wurde eher von den arabischen Muslimen unterstützt, der andere, Al-Mamun, hatte eine persische Mutter und fand Unterstützung in Persien. In der Annahme, persische Muslime würden mit den Haschemiten sympathisieren, lud al-Mamun den Imam  Ali al-Reza ein, ihn in Merv zu treffen. Der Imam verließ in Medina seine Frau und seinen einzigen Sohn  Muħammad at-Taqī und machte sich auf den langen Weg nach Merv.

Al-Mamun konnte seinen Bruder besiegen und erklärte Ali al-Reza zu seinem Nachfolger. Auch ließ er die schwarze Fahne der Abbasiden durch die grüne Fahne ersetzen, die traditionelle Farbe des Hauses von Alī ibn Abī-Tālib.

Jedoch wurde aus der Nachfolge nichts, denn 818 verstarb Ali al-Reza 55jährig in Tus (oder in Senabad), wohin er al-Mamun begletet hatte. Das Martyrium erlitt er durch vergifteten Weintrauben- oder Granatapfelsaft, angeblich im Auftrage von dem Sohn des Harun ar – Raschid, dem Kalifen al – Mamun [3]. Letzterer soll – heuchlerisch – den Imam beweint haben.

Der schiitischen Überlieferung nach wußte Imam Reza wunderbarerweise Ort, Zeit und Art des Mordanschlags auf seine Person. In der Nacht vor seiner Ermordung und am Morgen des Tages ordnete der Imam seine Angelegenheiten und gab die notwendigen Befehle für seine Bestattung. Seelenruhig trank er schließlich den vergifteten Obstsaft. Im Angesicht seines Todes dann empfahl er noch dem Kalifen, auf seinen Sohn Muhammad al-Taqi [4]Obacht zu geben. Denn dessen Tod würde bald nach dem Tod des Kalifen selbst erfolgen.

 

Begraben ist der bis heute hoch verehrte Imam im Mausoleumdes Imām-Reza-Schreins (persisch: حرم امام رضا ) in Maschhad [5] , in Khorsassan, im östlichen Iran. Der Überlieferung nach soll die Erstfassung des Mausoleums kurz nach dem Tode des Imams über seinem Grabe errichtet worden sein.

In den Kriegen im Verlauf der Jahrhunderte wurden Stadt und Schrein mehrfach zerstört und wieder aufgebaut.

 

Bei dem Schrein handelt es sich um einen Gebäudekomplex mit 14 Minaretten, der neben dem Mausoleum u.a. die Goharshaad-Moschee [6], ein Museum, eine Bibliothek, Seminare, einen Friedhof, die Islamische Razavi-Universität und einen großen Speisesaal für Pilger umfasst.

Über dem Grabe Imam Rezas erhebt sich eine weithin sichtbare goldene Kuppel. Neben dem Imam ist der Kalif Harun al – Raschid begraben. Ein zweite grünblaue Kuppel erhebt sich über dem „Raum der Glückseligkeit“, einem prächtigen Saal im „Heiligen Bezirk“.

Der Schrein wird jährlich – v.a. im schiitischen Trauermonat Muharram - von 15 bis 20 Millionen Pilgern besucht und ist damit eine der wichtigsten schiitischen Wallfahrtsstätten überhaupt.

Die Pilger führen nach absolvierter Wallfahrt den Ehrentitel „Mashadi“.

Für Nicht – Muslime ist das Betreten des gesamten „Heiligen Bezirks“ verboten, nur das Museum ist ihnen zugänglich.

Bei dem Moschee – Komplex in Maschhad handelt es sich um die flächenmäßig größte Moschee der Welt, größer als die als heilig angesehenen Moscheen in Mekka und Medina (vgl. Abb oben).

 

Einfügen Münz-Abb.

 

Die iranische 100 Rial – Münze zeigt auf der  Rückseite die Ruhestätte des Imams Reza in Maschhad.

 

(veränderlich, nach dem islamischen Lunarkalender am 29. bzw. 30. Tag des Mondmonats Safar)

 
© Christian Meyer
 

[1] Wie Yann Richard formulierte: „Geschichte bedeutet in der Schia in erster Linie Geschichte der Imame“ (vgl. Richard, S. 21, a.a.O.).

[2] Die Anhänger der Waqifite Schia erkannten das Imamat von Musa al-Kadhim an, akzeptierte aber nicht Ali ar-Ridha als dessen Nachfolger.  Sie glaubten nicht, dass Musa al-Kadhim gestorben sei, vielmehr glaubten sie an seine Okkultuation (arab. al-Ghayba), er sei – wie Jesus – in den Himmel entrückt worden und würde am Ende aller Zeiten als “Mahdi” wieder erscheinen und ein Reich der Gerechtigkeit auf Erden errichten.

Es könnte für die Spaltung allerdings auch sehr irdische (ungesichterte) Gründe gegeben haben: es gab einen Streit um die Verfügung  über die Gelder, die Schiiten gespendet hatten (angeblich zwischen 30 000 und 70 000 Dinar), während der Imam im Gefängnis saß. Da ihrer Ansicht nach Musa noch lebte, behielten die Verwalter das Geld bzw. verteilten es unter ihren Anhängern.

Später spaltete sich die Waqifite Schia in vier Untergruppen auf, die z.T. auch den Tod Musa al-Kadhim akzeptierten. Unsicher ist, wie lange diese schiitische Sekte überlebte,  sie ist schon lange ausgestorben.

[3] Abu l-Abbas Abdallah al-Mamun ibn Harun ar-Raschid ( 786 – 833, reg. seit 813) war der siebente abbasidische  Kalif.  Al-Mamun ernannte al-Riza, einen Aliden und schiitischen Imam, zu seinem Nachfolger. Dadurch soll er – in sunnitischer Sicht -  viersucht haben, die Spaltung in Sunniten und Schiiten zu überwinden, - was allerdings durch dessen Tod verhindert wurde.

Das Kalifat erlebte in der Zeit al-Mamuns seinen kulturellen Höhepunkt. Beispielsweise ließ er  830 das „Haus der Weisheit“ in Bagdad gründen, wo u.a. wichtige griechische wissenschaftliche Schriften ins Arabische übersetzt wurden. Gleichzeitig allerdings beschleunigte sich der Zerfall des einheitlichen Staates, immer mehr Gebiete des Reiches wurden unter eigenen Dynastien faktisch unabhängig.  Al-Mamun starb 833 in Tarsus nach einem Feldzug gegen Byzanz.

[4] Der neunte Imam der Zwölferschia, Muhammad al Taqi (811 - 835) wurde im Alter von nur neun Jahren Nachfolger seines Vaters.  Tatsächlich lebte er jahrelang in Bagdad, unter dem Schutz des Kalifen al – Mamun, der sein Schwiegersohn wurde. Nach dessn Tod im Jahre 833 geriet in in Konflikte mit dessen Nachfolger undBruder  al-Mutasim und wurde – der schiitischen Überlieferung nach - ermordet.

Sein Grab befindet sich (zusammen mit seines Großvaters Imam Musa al-Kazim) in al-Kazimiyya (heute ein Vorort von Bagdad), bis heute ein schiitischer Wallfahrtsort. In al . Kazimiyya wurde im Jahre 2006 Saddam Hussein hingerichtet. 

[5] Ursprünglich hieß der Ort Senabad und wurde erst nach der dortigen Bestattung von Imam al – Reza Maschhad Moghadas“ = „Ort des Martyriums“ genannt. Dem Mausoleum, dem „Heiligen Bezirk“ und den Wallfahrten verdankt die Stadt ihre Bedeutung und ihr Wachstum.  

[6] Die der Überlieferung nach fromme Gauhar Schad, die Frau von Schah Rukh (1405 – 1447), dem Sohn und Nachfolger von Timur, ließ in Maschhad diese Moschee mit verschwenderischer Pracht errichten. Sie war die Mutter des fürstlichen Astronomen Ulu Beg.