Geburtstag der chinesisch-taoistischen „Königin oder Königinmutter des Westens“ (chin. Hsi wang mu; korean. „Seowang – mo“)

 

Die Königin verwandelte sich im Laufe der Mythenbildung und -entwicklung von einem tierähnlichen Ungeheuer in die Göttin der Unsterblichkeit, die das yin verkörpert und allerhand Zaubermittel verwaltet. Dargestellt wird sie meist als eine schöne junge Frau, angetan mit königlichen Gewändern, oft auf einem Pfau oder einem Phönix reitend.

Die Königin des Westens soll im Kun-Lun-Gebirge im Westen Chinas zusammen mit den Unsterblichen in einem Jadepalast leben. Im Garten des Jadepalastes sollen die Pfirsiche der Hsi wang mu wachsen: wer von ihnen ißt, soll unsterblich werden (vgl. auch das Mittherbstfest, am 15. Tag des 8. Mondmonats, Legende von Tschang’e und Ho’i). Die Pfirsichbäume setzen nur einmal in 3000 Jahren eine Frucht an, die dann noch einmal 3000 Jahre benötigt, um auszureifen. 

Zu ihrem Geburtstag lädt die Königin des Westens die taoistischen Unsterblichen ein, sie verspeisen gemeinsam einen Pfirsich, der ihnen wieder Unsterblichkeit verleiht [1]. Bildlich wird oft dargestellt, wie acht Unsterblichen über das Meer schreiten, dem Fest der Götter und des langen Lebens entgegen.

Das Kun - Lun - Gebirge wird im Taoismus als mehrstöckiges Paradies verherrlicht. Wer die überirdischen Stockwerke erklimme, gelangt - nach alter taoistischer Auffassung in den Himmel.

Die unteren Stockwerke hingegen reichen herab bis an die Unterirdischen Wasser, den Aufenthaltsort der Toten. 

Das reale Kun - Lun - Gebirgssystem  (auch Kwen Lun) bildet das nördliche Randgebirge vom tibetanischen Hochland, zwischen Tibet und Xinjiang gelegen. Das überwiegend wüstenhafte alpidische Gebirgssystem erstreckt sich vom Pamir und dem Karakorum im Westen ca. 3000 km in Richtung Osten. Die höchsten Gipfel erreichen mit dem Uluh Mustagh 7724 m, dem Mustagh - ata 7546 m und dem Bokalik - tagh (früher Marco - Polo - Gebirge) 7720 m Höhe.

Der Geburtstag der Königinmutter des Westens gilt  in der chinesischen Tradition als ein ganz besonderer Tag. Im Märchen „Die Bräute im Spiegel“ z.B. sollen die Söhne zu Mitternacht am. 3. 3. ihre Bräute im Spiegel sehen (vgl. Agischewa, a.a.O.).

Nach dem Jadepalast im Kun - Lun - Gebirge suchten eine Unzahl taoistischer Expeditionen vergeblich. Dennoch gibt es bereits seit der Han-Dynastie eine Fülle von „Beschreibungen“ des Kun-Lun-Gebirges und des Jadepalastes. 

In dem Gamsin – Grab (Süd – Pyeongan – Provinz, Nord – Korea) zeigt eine Wandmalerei an der Westseite der Vorkammer (vermutlich) die Königinmutter des Westens mit Dienerinnen. Das Grab stammt aus der Goguryeo – Zeit, dem 5. Jhdt.

 

(variabel, am 3. Tag des 3. Mondmonats des chinesischen Lunisolarkalenders)

 
© Christian Meyer


[1] Berühmt ist die Suche des ersten Kaisers von China, Qin Shi Huang-di (259 – 210 v. Chr.), nach dem Elixier der Unsterblichkeit. Diese vergebliche Suche ist der Hintergrund des 1989 in Hongkong gedrehten Filmes „Der Krieger des Kaisers“ von Siu-Tung Ching.